Intersexualität

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 22. Oktober 2016
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Es gibt Menschen, die sich keinem Geschlecht eindeutig zuordnen lassen. Sie tragen Merkmale beider Geschlechter in sich und fallen in den Begriff der Intersexualität. In der griechischen Mythologie wurden sie als Hermaphroditen bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Intersexualität?

Der Begriff Intersexualität steht für eine Konstellation, bei der sich bei Menschen körperliche Anlagen für beide Geschlechter finden und sie deshalb nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können. Der Volksmund spricht von Zwittern. Es gibt unterschiedliche Erscheinungsformen: Frauen oder Mädchen können äußerlich wie eine Frau aussehen, im Inneren können aber Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter fehlen.

Männer können äußerlich wie Männer erscheinen, aber ihnen kann eine männliche Hormonproduktion fehlen und sie erscheinen äußerlich weiblicher. Es kann auch möglich sein, dass Vagina oder Penis unzureichend ausgebildet sind. Oft wird der Begriff Intersexualität mit Transsexualität verwechselt, aber Transsexuelle gehören im Gegensatz zu Intersexuellen einem bestimmten Geschlecht an, fühlen sich in diesem nur nicht richtig wohl.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für eine unklare Geschlechtszuordnung. Intersexualität beruht hauptsächlich auf Chromosomenveränderungen. Zu den bekannten Auswirkungen einer Chromosomenveränderung gehören das Turner-Syndrom bei Frauen und das Klinefelter-Syndrom bei Männern.

Eine weitere mögliche Ursache kann eine Störung in der Entwicklung der Keimdrüsen (Gonaden) sein, in denen Keimzellen und Geschlechtshormone gebildet werden, bei der Frau in den Eierstöcken, beim Mann in den Hoden. Auch Funktionseinschränkungen können eine Intersexualität begünstigen, weil dann nicht ausreichend Sexualhormone gebildet werden.

Wenn eine Keimzelle männliche und weibliche Anlagen enthält, werden Spermien und Eizellen produziert (Ovotestis). Auch Hormonstörungen, die Keimzellen oder Chromosomen betreffen, kommen als Ursache in Frage. Darüber hinaus können Störungen der Nierenfunktion oder Enzymschädigungen können für eine Intersexualität verantwortlich sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

So, wie es unterschiedliche Ursachen für eine Intersexualität gibt, variieren auch die Anzeichen. Im Allgemeinen besitzen Männer 22 Chromosomenpaare und ein X- und ein Y-Chromosom, Frauen zwei X-Chromosomen. Wenn es zu einer fehlerhaften Spermienproduktion kommt und ein Spermium mit Ausprägungen beider Geschlechter eine Eizelle befruchtet, können sich daraus X0-Menschen entwickeln, denen ein Geschlechtschromosom fehlt.

Wenn ein X-Chromosom vorhanden ist, entsteht daraus eine Frau, die aber keine Kinder bekommen kann. Die Medizin spricht dann vom Turner-Syndrom. Wenn sich bei der Reifung der Spermien die Geschlechtschromosomen nicht trennen, vererbt der Vater dem Kind zwei Geschlechtschromosomen. Zusammen mit dem von der Mutter vererbten X-Chromosom hat das Kind dann zwei X- und ein Y-Chromosom.

Diese Ausprägung wird als Klinefelter-Syndrom bezeichnet. Bei einer Dominanz des Y-Chromosoms sind diese Menschen zwar männlich, haben aber eine eingeschränkte Testosteronproduktion, kleinere Hoden und sind nicht zeugungsfähig. Bei einem normalen Chromosomensatz und einer Androgenresistenz kann eine Zeugungsunfähigkeit auftreten und Bartwuchs und Körperbehaarung vermindert sein.

Bei vollständiger Androgenresistenz können sich männliche Geschlechtsorgane nicht richtig ausbilden. In diesen Fällen bleiben die Hoden im Körper, äußerlich ist eine Scheide vorhanden, im Körperinneren aber keine Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter. Rein äußerlich sehen Betroffene trotzdem aus wie Frauen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Meistens ist die Diagnose einer Intersexualität ein Zufallsbefund. Legen Anzeichen einen Verdacht auf eine Intersexualität nahe, wird zu Beginn das Blut untersucht mit einer Bestimmung des Hormonstatus und einer Untersuchung des Chromosomensatzes. Darüber hinaus wird mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung der Bauch- und Beckenraum untersucht, um herauszufinden, ob eine Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter im Becken vorhanden sind.

In einer speziellen Röntgenuntersuchung, einem Genitogramm, wird untersucht, ob eine Scheide ausgebildet ist. Manchmal muss zusätzlich eine Biopsie der Keimdrüsen erfolgen, um erkennen zu können, welches Gewebe in den Keimdrüsen enthalten ist. Diese Biopsie wird in einem Krankenhaus unter Narkose durchgeführt.

Eine umfangreiche Diagnostik bei einer Intersexualität ermöglicht eine Prognose im Hinblick auf eine mögliche Unfruchtbarkeit und erleichtert auch die Entscheidung, mit welchem Geschlecht Betroffene leben wollen, ob eine Behandlung erforderlich ist.

Behandlung & Therapie

In den 60er und 70er Jahren wurde bei Kindern, bei denen schon bei der Geburt eine Intersexualität festgestellt wurde, kurz nach der Geburt eine operative Geschlechtskorrektur durchgeführt und im Anschluss daran eine Hormonbehandlung. Diese Behandlungen hatten aber oft gravierende Folgen bis hin zu einer Unfruchtbarkeit.

Ärzte waren noch nicht hinreichend aufgeklärt und viele Operationen erwiesen sich im Nachhinein als nicht notwendig. Heute sieht die Medizin Operationen zur Geschlechtskorrektur eher kritisch. Wenn das Geschlecht nicht eindeutig ist, dürfen Eltern heute über die künftige Geschlechtsorientierung entscheiden. Seit 2009 kann auch eine Geburtsurkunde ohne eindeutige Geschlechtsbestimmung ausgestellt werden.

Diese ermöglicht betroffenen Kindern später, selbst über ihre Geschlechtsorientierung zu entscheiden. Heutzutage werden die Therapien individuell abgestimmt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Geschlechtsangleichung, sondern eine Stabilisierung der psychischen Befindlichkeit im Hinblick auf die vorhandenen körperlichen Voraussetzungen.

Viele intersexuelle Menschen machen sich dafür stark, Intersexualität nicht als Krankheit zu betrachten, sondern als zusätzliche Erscheinungsform einer normalen geschlechtlichen Entwicklung. Sie erleben eine Therapie auch nicht unbedingt als hilfreich, sondern eher als diskriminierend.

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Vorbeugung

Es gibt keine wirksame Vorbeugung für eine Intersexualität, weil Chromosomendefekte und damit verbundene Defekte in den Keimdrüsen für diese Entwicklung verantwortlich sind. In Familien, in denen Gendefekte aufgetreten sind, kann eine genetische Beratung vor der Familienplanung sinnvoll sein.

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