Interpersonelle Psychotherapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. September 2017
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Die interpersonelle Psychotherapie ist eine Kurzzeittherapie von bis zu 20 Sitzungen vorwiegend zur Behandlung akuter Depressionen.

Die Behandlung wird in drei Abschnitte gegliedert und konzentriert sich auf den Ausbau zwischenmenschlicher Beziehungen, die möglicherweise Auslöser der Depression sind. Während der Sitzungen geht es darum, dass der Patient lernt, mit den besonderen aktuellen Schwierigkeiten praktisch, emotional und kommunikativ umzugehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die interpersonelle Psychotherapie?

Die interpersonelle Psychotherapie (IPT) ist eine Kurzzeittherapie, die vorwiegend zur Behandlung akuter Depressionen angewandt wird.

Die therapeutischen Ansätze, die auf kurzfristigen, praktischen Nutzen für den Patienten ausgerichtet sind, basieren auf den interpersonalen Theorien des US-amerikanischen Psychotherapeuten Harry Stack Sullivan, die er in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts postulierte. Ebenso flossen in die IPT Erkenntnisse des britischen Psychotherapeuten John Bowlby ein, der sich in der Zeit nach 1940 in seiner Bindungstheorie von der Erkenntnis leiten ließ, dass aktuelle Bindungen und Beziehungen einen wichtigeren Einfluss auf das Verhalten haben als frühkindliche Erlebnisse.

Die IPT wurde in den 1960er Jahren von dem US-amerikanischen Psychiater Gerald Klerman und seiner Frau Myrna Weissman wesentlich entwickelt. Die Autoren hatten nicht die Absicht, eine neue Behandlungsmethode in der Psychotherapie zu schaffen, sondern es handelte sich mehr um eine Zusammenfasssung der bis dahin üblichen Arbeitsmethoden, um bei der Behandlung von Depressionen eine Vergleichsmöglichkeit zu einer medikamentösen Behandlung zu schaffen. Es stellte sich allerdings dann heraus, dass die IPT besonders effektiv in der Behandlung von akuten Depressionen war. Weiterentwicklungen zu den heutigen Therapieformen fanden dann sukzessive in den 1970er und 1980er Jahren statt.

Ausgehend von der Annahme, dass sich akute Depressionen immer in einem interpersonellen Kontext entwickeln, konzentriert sich die therapeutische Arbeit auf praktische Hilfestellung für den Patienten. Es kommen interpersonelle Techniken wie Kommunikationsanalyse, Gefühlsaktualisierungen und auch Rollenspiele zum Einsatz. Inspiriert von den praktischen therapeutischen Erfolgen wurde die IPT auch zur Behandlung Jugendlicher und zur Paarberatung weiter ausgebaut und entsprechend modifiziert. An einigen Kliniken wurde die interpersonelle Psychotherapie zu einer stationären Behandlungsmethode weiter entwickelt und wird auch als Gruppentherapie angewandt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Das Hauptanwendungsgebiet der IPT liegt in der Kurzzeitbehandlung akuter Depressionen bei Erwachsenen. Typische Anwendungsgebiete sind auch Wochenbettdepressionen, Bulimie und bipolare Störungen, bei denen der Patient in zügiger, aber nicht vorhersehbarer Folge zwischen Euphorie und Depression wechselt.

Die IPT begreift Depressionen immer als eine multifaktoriell bedingte Krankheit, deren einzelne Auslöser in der Therapie berücksichtigt werden müssen. Die Behandlung gliedert sich in drei Abschnitte, die initiale, die mittlere und die Beendigungsphase und erstreckt sich auf 12 bis maximal 20 Sitzungen á 50 Minuten. In der initialen Phase, die ein bis drei Sitzungen umfasst, geht es um eine ausführliche Anamnese und um Aufklärung des Patienten über die Behandlungsmethode. Ebenso fällt in die initiale Phase die Festlegung der Therapieziele gemeinsam mit dem Patienten.

Die konkreten Ziele werden im Behandlungsvertrag niedergelegt und festgeschrieben, wobei die depressive Periode des Patienten bereits jetzt in interpersonellen Kontext gesetzt wird. Die mittlere Phase ist die eigentliche Arbeitsphase, in der mit dem Patienten zusammen eine Anpassung an die sozialen Verhältnisse „trainiert“ wird, die als Auslöser für die Depression oder andere psychischen Probleme gelten. Der Patient lernt den Umgang mit den aktuellen zwischenmenschlichen Konflikten, und es werden neue Bindungen und Beziehungen aufgebaut. Dabei stehen die Emotionen und soziale Einordnung des Patienten immer als Berücksichtigungskriterium im Mittelpunkt.

In der Beendigungsphase, die ein bis maximal drei Sitzungen umfasst, wird nach einer Zusammenfassung des bisher erlernten neuen und modifizierten Umgangs mit den auslösenden sozialen Konflikten und der eigenen Rolle ein Ausblick auf die Zukunft erarbeitet. Die IPT kann bei Vorliegen bestimmter Indikationen auf Empfehlung des Therapeuten von einer medikamentösen Behandlung begleitet werden. Der therapeutische Ansatz liegt mehr in der Bewältigung des hier und jetzt als in der Aufarbeitung möglicher früherer seelischer Traumata. Das bedeutet, dass die Therapie einen sehr direkten Bezug zu den aktuellen Konflikten im derzeitigen sozialen Umfeld herstellt. In der praktischen Durchführung wird mit lösungsorientierten Gesprächs- und Rollentechniken gearbeitet, die es dem Patienten ermöglichen, persönliche Konflikte innerhalb seines aktuellen sozialen Netzwerks zu identifizieren und zu lösen.

Kernpunkt der evidenzbasierten IPT bleibt immer der Aus- und Aufbau bestehender und neuer sozialer Beziehungen im Kontext der individuellen Persönlichkeit des Patienten. Eine Besonderheit besteht darin, dass die Patienten zur aktiven Mitarbeit angehalten werden. Sie bekommen „Hausaufgaben“, um beispielsweise Erlerntes zu festigen, und sie können im Rahmen der Therapie um ein eigenständiges Erarbeiten bestimmter Themen gebeten werden. Die Methoden und Arbeitstechniken der interpersonellen Psychotherapie sind unter anderem in Deutschland und in vielen anderen Ländern in Europa, Asien, Afrika und Australien wissenschaftlich anerkannt. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die anfallenden Kosten. Das Studium der IPT-Arbeitsmethoden wurde an einigen Universitätskliniken in die Weiterbildung und Spezialisierung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie übernommen.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Psychotherapien sind grundsätzlich mit dem Risiko behaftet, dass die Therapieziele nicht erreicht werden und sich kein Behandlungserfolg einstellt.

Darüber hinaus besteht das Risiko, dass sich die behandelte Symptomatik aus verschiedensten Gründen sogar verschlechtert. Beispielsweise können unerwartete Komplikationen auftreten, dem Therapeuten können gravierende Therapiefehler unterlaufen oder es kann sich ein körperlicher Verlauf der Krankheit aus anderen Gründen verschlechtern. Derartige Risiken sind in der interpersonellen Psychotherapie minimiert, weil es vielfach um Rollenspiele und praktische Übungen geht, die dem Therapeuten ständig Rückmeldung über den Behandlungsfortschritt geben.

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Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Berlin 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2016
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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