Internetsucht

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. September 2017
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Die Internetsucht oder Internetabhängigkeit ist ein modernes und erst seit wenigen Jahren bekanntes Phänomen: Hierbei kann der Betroffene nicht davon lassen, sich Informationen aus dem Internet zu besorgen oder im virtuellen Raum mit anderen Personen in Kontakt zu stehen. Die Erkrankung ist stets heilbar und bis auf wenige Ausnahmen ist die Internetsucht auch nicht mit Komplikationen verbunden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Internetsucht

Die Internetsucht ist grundsätzlich eine psychische Erkrankung. Wie es der Name bereits verdeutlicht, handelt es sich bei der Internetsucht um ein gestörtes Verhalten – nämlich jenem bei der Benutzung des Internets.

Wie bei allen anderen Suchterkrankungen und Zwängen hat auch der von der Internetsucht Betroffene das Gefühl, ohne die Verbindung zur Online-Welt nicht existieren zu können. Wie fremdgesteuert öffnet er bereits morgens den virtuellen Raum und verlässt ihn erst abends – teilweise sogar erst nach einigen Tagen.

Die Internetsucht hindert den Erkrankten daher meist an einer geregelten beruflichen Tätigkeit und einem normalen Sozialleben. In einigen wenigen Fällen kann die Internetsucht jedoch gesundheitliche Schäden mit sich bringen.

Ursachen

Die Internetsucht beginnt meist dort, wo es zur täglichen Arbeit oder zum Freizeitvertreib gehört, sich online nach Informationen umzusehen odr zu spielen. Oft wächst daraus eine gewisse Angewohnheit, ohne die der von der Internetsucht Befallene sich nicht wohlfühlt.

Damit ist jedoch unmerklich der Eintritt in die Krankheit bewältigt. Bei der Internetsucht handelt es sich somit um ein psychisches Leiden, das solche Personen trifft, die in der Regel ohnehin mental labil sind oder das Übermaß an Informationen nicht anders kanalisieren können.

Die Internetsucht basiert daher auch nicht auf Vorerkrankungen oder ähnlich gelagerte Fälle im familiären Umfeld. Ebenso wenig ist sie jahreszeitenabhängig. Die Internetsucht kann nur durch den Verkehr im Internet positiv oder negativ beeinflusst werden.

Weiterhin bilden Online Rollenspiele, sogenannte MMORPG - Massively Multiplayer Online Role-Playing Game, wie World of Warcraft oder Guildwars, eine extrem hohe Suchtgefahr auf ihre Spieler aus. Bei diesen Spielen hat der Spieler immer das Gefühl weiter aufsteigen zu müssen, um besser als die anderen zu sein. Diese Spiele haben zumeist kein klassisches Spielende, sondern bieten fast unendlich viele Möglichkeiten, seinen Spielcharakter weiter zu entwickeln. Ebenfalls kann eine Abhängigkeit hierbei entstehen, da häufig Freunde der Betroffenen mitspielen und diese eine gewisse soziale Bindung nicht abbrechen möchten.

Typische Symptome

  • aggressives Verhalten bei Entzug des Mediums
  • Verlust des Zeitgefühls, 1 Stunde online wirken wie 5 Minuten
  • reale soziale Bindungen und Termine werden vergessen oder nicht mehr eingehalten
  • Leugnung der Internet- oder Spielsucht
  • bei schweren Fällen kann es zur Verwahrlosung kommen, sowohl bei der Körperhygiene, als auch im häuslichen Bereich

Diagnose & Verlauf

Oft verläuft die Internetsucht schleichend. Aus dem gewohnten Nutzen der Onlinetätigkeiten wird ein zwanghaftes Verhalten. Die einst wichtigen Informationen gehen bei der Internetsucht immer häufiger mit einem sinnlosen Zeitvertreib einher.

Soziale Kontakte brechen früher oder später weg. Der Lebensinhalt, des von der Internetsucht Betroffenen, spielt sich auf virtuellen Plattformen ab. Freunde – im realen Leben meist nicht vorhanden – werden hier kontaktiert. Auch dabei handelt es sich nicht selten um solche Nutzer, die der Internetsucht anheimgefallen sind.

Je stärker die Krankheit ausgeprägt ist, umso stärker wird sie auch von Begleitsüchten wie dem Alkohol- oder Drogenkonsum beeinflusst. Die Internetsucht, die sich vorwiegend im sprichwörtlich stillen Kämmerlein abspielt, wird von Familienmitgliedern oder Bekannten meist sehr spät wahrgenommen.

Komplikationen

Internetsüchtige ziehen sich häufig zurück. Freunde und Familie treten in den Hintergrund – die gewonnene Zeit wird der Sucht geopfert. Am Arbeitsplatz kann die Internetsucht ebenfalls zu Komplikationen führen. Wenn der Betroffene auch während der Arbeitszeit privat surft, drohen ihm Konsequenzen. Vielen Süchtigen gelingt es dennoch nicht, das Verhalten ohne Hilfe zu unterlassen.

Neben der Internetsucht können andere substanzungebundene oder substanzgebundene Abhängigkeiten vorliegen. Häufig tritt die Internetsucht beispielsweise in Kombination mit Spielsucht (Computerspiele, Playstation) auf. Als Komplikation können sich weitere psychische Störungen entwickeln. Internetsüchtige können beispielsweise gleichzeitig depressiv sein.

Derartige Komplikationen begünstigen den sozialen Rückzug. Eine Vernachlässigung der Hygiene und Ernährung ist ebenfalls wahrscheinlicher, wenn bereits andere Komplikationen vorliegen. Internetsüchtige können zudem suizidgefährdet sein. Während einer Therapie oder bei eigenen Versuchen besteht die Gefahr, dass der Betroffene die Internetsucht nicht überwindet, sondern nur durch eine andere eine Sucht ersetzt.

Die Alternativ-Abhängigkeit kann sich sowohl auf ein anderes Medium beziehen (z. B. Fernsehen) oder auf ein ganz anderes Objekt (zum Beispiel Alkohol). Dem Süchtigen sollte dieses Risiko bewusst sein, damit er es umgehen kann. Ein Psychotherapeut achtet in der Regel ebenfalls darauf, dass der Klient sein Suchtproblem nicht nur verlagert.

Behandlung & Therapie

Da es sich bei der Internetsucht um eine psychische Erkrankung handelt, können die Leiden auch nur von einem Therapeuten nachhaltig behoben werden. Meist geschieht das in ambulanten Gesprächsrunden, wobei der Internetsucht genauer auf den Grund gegangen wird. Denn nicht selten sind auch andere Ängste, Wünsche oder seelische Leiden daran beteiligt.

In schwererwiegenden Fällen wird die Internetsucht bei der Behandlung medikamentös angegangen. Das ist oft in solchen Situationen der Fall, in denen der Betroffene sein zwanghaftes Verhalten in keiner Weise mehr beeinflussen kann. Ist die Internetsucht derart stark ausgeprägt, dass der Patient keinen Ausweg mehr sieht und sich in Alkohol, Drogen oder Selbstmordfantasien flüchtet, kann auch ein stationärer Aufenthalt in Betracht kommen.

Wichtig ist es bei alledem, den Leidenden sprichwörtlich in die reale Welt zurückzuholen und ihm die Illusion des virtuellen Raumes zu verdeutlichen. Er muss die erfreulichen wie traurigen Emotionen seines Lebens akzeptieren. Somit handelt es sich hierbei um eine therapierbare Krankheit, die oft nach wenigen Monaten starke Besserungen verzeichnet. Die Internetsucht ist damit heilbar.

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Vorbeugung

Der Internetsucht lässt sich nur durch einen kontrollierten Gebrauch vorbeugen. Insbesondere die Eltern sollten hierbei auf ihre Kinder achten, damit aus dem anfangs geringen Umfang keine Internetsucht entsteht. Für alle anderen Personen kann nur Selbstdisziplin ein Schlüssel sein, der Krankheit zu entgehen. Wer den Computer häufiger ausgeschaltet lässt, kann eben von der Internetsucht nicht betroffen sein.

Das können Sie selbst tun

Sucht kommt von Suchen. Etwas fehlt im realen Leben und wird in der virtuellen Welt gesucht. Speziell das Internet scheint für alles eine Lösung parat zu haben. Wenn der Aufenthalt im Netz länger andauert, als die Teilnahme am täglichen Leben, ist es Zeit, sich einigen Fragen zu stellen. In der Regel ist es ein Bedürfnis, welches in der realen Welt vermeintlich nicht zu stillen ist.

Daher heißt der erste Schritt: Gewohnheiten durchgehen. Auf welchen Seiten halte ich mich auf? Wo bleibt mein Blick hängen? Möglicherweise auch, was kompensiere ich? Dies setzt das Eingeständnis voraus, dass es sich um eine Sucht handelt und den Wunsch, diese unter Kontrolle zu bringen.

Der zweite Schritt ist das Nachdenken über die unerfüllten Bedürfnisse. Wonach sehne ich mich? Warum surfe ich lieber im Netz und beschäftige mich nicht anderweitig? Mit wem oder was möchte ich meine Zeit verbringen? Warum tue ich es nicht?

Der dritte Schritt lautet: Disziplin aufbringen, die Zeit im Internet reduzieren, auch wenn es schwer fällt. Um sich all dessen bewusst zu werden, hilft ein Therapeut, der mit den richtigen Fragestellungen der Sucht auf den Grund geht. Die genannten Selbsthilfemaßnahmen schaffen einen Überblick über das eigene Befinden, wenn sie ehrlich beantwortet werden.

Bücher über Internetsucht

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Remschmidt, H.: Kinder- und Jugendpsychiatrie. Thieme, Stuttgart 2011

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