Insulinom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. Oktober 2017
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Das Insulinom ist ein Tumor an der Bauchspeicheldrüse, der bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern auftritt. Sein Auftreten wird als selten eingestuft, allerdings ist das Insulinom der häufigste Tumor der Bauchspeicheldrüse, der Hormone direkt ins Blut abgibt („endokrin“). Die Malignität von Insulinomen liegt bei 10%, jeder neunte derartige Tumor ist also bösartig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Insulinom?

Seinen Namen hat das Insulinom von der Tatsache, dass es zusätzlich Insulin produziert und so den Körper mit einem Insulinüberschuss Schaden zufügt. In neun von zehn Fällen entsteht das Insulinom als einzelner Tumor, nur selten liegen so genannte multiple Mikro-Adenome vor.

In etwa 50% der Fälle produziert das Insulinom nicht nur Insulin, sondern auch andere Hormone des Verdauungstraktes, wie zum Beispiel das vasoaktive intestinale Peptid (VIP), welches unter anderem für die Muskelerschlaffung von Magen, Darm, Luftröhre und Bronchien zuständig ist. Die Symptome eines Insulinoms können auch bei der Behandlung von Diabetes mellitus in Folge von blutzuckersenkenden Medikamenten auftreten.

Ebenso ein ähnliches Krankheitsbild liegt bei der so genannten Hypoglycaemia factitia vor, bei der Patienten bewusst eine Unterzuckerung herbeiführen, um ärztliche Aufmerksamkeit zu erhalten, oder einen Aufenthalt im Krankenhaus zu provozieren. Beide Diagnosen müssen vor der Bestimmung eines Insulinoms ausgeschlossen werden.

Ursachen

Insulinome entstehen in den meisten Fällen aus B-Zellen der Langerhans’schen Inseln an der Bauchspeicheldrüse, die sich adenomatös verändert haben. Durch diese Entartung werden Unmengen an Insulin produziert, die von der Bauchspeicheldrüse direkt in den Blutkreislauf abgegeben werden.

Die letztendliche Ursache für die Entstehung dieser Tumore ist in der Schulmedizin noch nicht geklärt. Insulinome treten jedoch vermehrt im Rahmen einer MEN (multiplen endokrinen Neoplasie) auf.

Diese genetisch bedingte Krankheit hat zur Folge, dass Tumore an Bauchspeicheldrüse, Nebenschilddrüse und der Hypophyse in vergleichsweise jüngerem Lebensalter entstehen, die sich äußerst aggressiv verhalten und nach bereits vollständiger Abheilung oftmals wieder auftreten.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der Verdacht auf ein Insulinom liegt bei wiederkehrenden Symptomen von Unterzuckerung vor. Bei der so genannten Hypoglykämie liegt der Zuckerspiegel im Blut nur noch bei oder unter 50mg/dl. Dies äußert sich durch die typischen Symptome, die auch bei Diabetes-Patienten festgestellt werden, wie Schwitzen, Zittern, Heißhunger, Schwindel, Übelkeit, Blässe, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Sehstörungen, Herzrasen (Tachykardie) und heftiges, oft unregelmäßiges Herzklopfen (Palpitation).

Klassisch wird in der Medizin von der so genannten „Whipple-Trias“ gesprochen, die einen Blutzuckerwert von unter 45mg/dl mit den beschriebenen Symptomen der Hypoglykämie sowie eine Besserung durch Infusion von Glukose-Lösungen vereint. Je länger die Krankheit nicht behandelt wird, desto höher ist das Risiko von Übergewicht des Patienten, das durch den anabolen Effekt des Insulins hervorgerufen wird.

Dies bedeutet, dass der Patient durch den Insulinüberschuss ständig das Gefühl hat, Nahrung (insbesondere Kohlenhydrate) aufnehmen zu müssen, um seinen Kreislauf stabil zu halten. Die Diagnose erfolgt durch eine dreitägige Fastenkur des Patienten, bis eine symptomatische Hypoglykämie eintritt. Währenddessen wird das Blut des Patienten in regelmäßigen Abständen untersucht und die Werte von Blutzucker, Insulin und C-Peptid werden erfasst.

Liegt ein Insulinom vor, können ein sehr rascher Abfall des Blutzuckers und ein Anstieg des Insulin-Glukose-Quotienten beobachtet werden. Letzterer sollte bei einem gesunden Organismus abfallen, denn im gleichen Maße, in dem weniger Glukose im Blut enthalten ist, sollte der Körper auch die Produktion von Insulin einstellen.

Komplikationen

Durch das Insulinom kommt es zu verschiedenen Beschwerden. Diese hängen in der Regel stark von der Ausbreitung des Tumors ab, sodass eine allgemeine Vorhersage über die Komplikationen in der Regel nicht möglich ist. Allerdings leiden viele Betroffene an einem starken Heißhunger und auch an Herzrasen. Dabei kann es weiterhin zu einer Bewusstlosigkeit kommen.

Nicht selten leiden die Patienten auch an Angst oder an Schweißausbrüchen und Kopfschmerzen. Hinzu kommt oft ein Schwindelgefühl und eine Übelkeit. Die Betroffenen klagen auch über Sprachstörungen und Sehstörungen und im Allgemeinen über eine starke Versiertheit. Damit wirkt sich das Insulinom deutlich negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus. Die Betroffenen wirken auch müde und abgeschlagen und nehmen nicht mehr aktiv am Leben teil.

Auch die Belastbarkeit des Patienten wird durch das Insulinom deutlich verringert und eingeschränkt. Nicht selten treten Krämpfe in den Muskeln auf, die zu einer Bewegungseinschränkung führen können. Die Behandlung selbst führt nicht zu weiteren Komplikationen. Mit Hilfe von Medikamenten oder einer Bestrahlung kann das Insulinom relativ gut entfernt werden. Auch ein operativer Eingriff kann durchgeführt werden. Sollte keine Behandlung stattfinden, so kann das Insulinom auch zum Tode des Patienten führen.

Behandlung & Therapie

Der erste Schritt zur Behandlung eines Insulinoms ist die Gabe von Octreotid, einer künstlichen Nachbildung des Peptid-Hormons Somatostatin, welches die Ausschüttung von gastrointestinalen Hormonen, unter anderem von Insulin, bremst.

Etwa die Hälfte der Insulinome sprechen auf diese Behandlung an und der Insulinüberschuss kann so gestoppt werden. Ist das Insulinom bösartig, ist eine operative Entfernung, im medizinischen Bereich „Resektion“ genannt, unumgänglich. In etwa 10 bis 15% der Insulinom-Fälle treten Metastasen in der Leber auf. Haben sich bereits Metastasen gebildet, oder ist die Operation des Tumors nicht möglich, wird das Insulinom mit einer interdisziplinären Therapie gemeinsam mit Chemotherapie und Strahlentherapie behandelt.

Für eine operative Entfernung bzw. eine effiziente Strahlentherapie wird das Insulinom zuerst mit Hilfe von bildgebenden Verfahren möglichst genau lokalisiert. Ist der Tumor bereits einige Zentimeter groß, gelingt die Lokalisation mittels MRT, CT, oder einem Ultraschall der Bauchspeicheldrüse. Ansonsten kann das Insulinom über punktuelle Bestimmungen des Insulinspiegels über die Pfortader erfasst werden, die hinter der Bauchspeicheldrüse vorbei bis in die Leber führt.

Ist die Lage des Insulinoms bekannt, kann der operative Eingriff durchgeführt werden. Je nachdem, wie vollständig der Tumor entfernt werden kann, erfolgt die weitere Behandlung durch Chemotherapie und Strahlentherapie.

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Vorbeugung

Nachdem die Ursachen für die Entstehung eines Insulinoms nicht geklärt sind, gibt es auch keine Maßnahmen, mit denen diesem Tumor vorgebeugt werden könnte.

Das können Sie selbst tun

Ein Insolinom muss in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden. Einige Selbsthilfe-Maßnahmen und Hausmittel unterstützen die medizinische Therapie.

Wie auch bei anderen Tumorerkrankungen, gilt bei einem Insolinom Schonung. Vor allem die Chemotherapie kann den Körper sehr belasten, weshalb die Betroffenen einen entsprechenden Ausgleich benötigen. Je nach körperlicher Verfassung kann das Sport, ein Hobby oder etwas anderes sein. Der Arzt kann am besten beantworten, welche Maßnahmen erlaubt sind und welche Tätigkeiten dem bereits geschwächten Organismus schaden könnten. Betroffene, die sehr unter der Tumorerkrankung leiden, sollten zudem einen Therapeuten aufsuchen. Im Gespräch mit einem Fachmann können die Ängste, die mit einer schweren Erkrankung verbunden sind, am besten aufgearbeitet werden. Auch andere Betroffene oder der zuständige Arzt können um Rat gefragt werden.

Um eine komplikationsfreie Behandlung zu ermöglichen, sollten mögliche Neben- und Wechselwirkungen der Therapiemaßnahmen in einem Tagebuch festgehalten werden. Der Arzt kann die Behandlung dann dementsprechend anpassen. Nachdem die Behandlung abgeschlossen wurde, sind regelmäßige Kontrollbesuche beim Arzt angezeigt. Sollten sich Anzeichen eines Rezidives zeigen, muss der Mediziner umgehend darüber informiert werden.

Bücher über Hypoglykämie & Blutzucker

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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