Insulin-Hypoglykämie-Test

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. September 2017
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Der Insulin-Hypoglykämie-Test ist auch unter dem Synonym Insulin-Toleranztest bekannt. Der Test wird zur Diagnose bei Verdacht auf Störungen im Hormonsystem eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Insulin-Hypoglykämie-Test?

Der Insulin-Hypoglykämie-Test ist ein Verfahren, mit dem die Regulation des Nebennierenrindensystems über die hypothalamisch-hypophysäre Steuerung getestet wird. Der Test gehört zu den endokrinologischen Funktionstests. Häufig lassen sich Störungen im Hormonstoffwechsel nicht nur über die Messung von Hormonspiegeln im Blut oder im Speichel erfassen.

Der Insulin-Hypoglykämie-Test ist der Goldstandard zur Überprüfung der corticotropen Achse. Diese ist für die CRH-ACTH-Kortisolfreisetzung zuständig. Auch die somatotrope Achse (Wachstumshormonfreisetzung) wird mit dem Insulin-Hypoglykämie-Test überprüft. Der Test wird zur Beurteilung der Hypophysenfunktion verwendet. Die Hypophyse, auch Hirnanhangdrüse genannt, spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation des gesamten Hormonsystems. Sie sitzt im sogenannten Türkensattel (Sella turcica), einer knöchernen Vertiefung in der Schädelgrube, etwa auf der Höhe der Nase. Die Hypophyse unterteilt sich in den Hypophysenvorderlappen, den Hypophysenzwischenlappen und den Hypophysenhinterlappen.

Eine entscheidende Rolle beim Insulin-Hypoglykämie-Test spielt der Hypophysenvorderlappen (HVL). Er produziert die Hormone Somatotropin, Prolaktin, das follikelstimulierende Hormon (FSH), das luteinisierende Hormon (LH), das Nebennierenrinden stimulierende adrenocorticotrope Hormon (ACTH) und das Thyreoideastimulierende Hormon (TSH), welches die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Der Insulin-Hypoglykämie-Test wird am liegenden Patienten durchgeführt. Wichtig ist, dass der Patient komplett nüchtern ist. Deshalb sollte der Insulin-Hypoglykämie-Test am besten vormittags durchgeführt werden. Über einen venösen Zugang wird dem Patienten humanes Altinsulin verabreicht. Die Dosierung liegt bei 0,1 IE pro Kilogramm Körpergewicht.

Bei Akromegalie oder beim Cushing Syndrom ist gegebenenfalls eine höhere Dosis von 0,15 IE pro Kilogramm Körpergewicht erforderlich. Vor der Injektion erfolgt eine Blutabnahme. Zusätzlich wird 15, 30, 45, 60, 90 und 120 Minuten nach der Injektion des Insulins Blut abgenommen. Die Blutentnahmen für das adrenocorticotrope Hormon (ACTH) erfolgen mit EDTA-Monovetten oder EDTA-Vacutainern. Die Proben müssen innerhalb von einer halben Stunde nach der Entnahme zentrifugiert werden. Sie werden gefroren eingesendet. Kortisol und Wachstumshormon werden aus dem Serum bestimmt. Dafür wird das Serum nach der Gerinnung mit einer Pipette abgenommen.

Nach Beendigung des Tests muss der Patient für mindestens zwei Stunden in der Praxis bleiben. Er ist nach dieser Behandlung nicht fahrtüchtig. Während der gesamten Zeit wird der Patient von einem Arzt überwacht. Dieser hält Puls, Blutdruck, Schwindel, Schwitzen und weitere Symptome in einem Verlaufsprotokoll fest. Auch die Blutzuckerwerte werden dokumentiert. Parallel zu den Blutentnahmen werden dazu in fünf- bis zehnminütigen Abständen Glukosemessungen mit einem portablen Blutzuckermessgerät durchgeführt.

Der Insulin-Hypoglykämie-Test wird zur Diagnose bei Verdacht auf Störungen im Hormonsystem eingesetzt.

Durch die Insulingabe wird der Blutzucker des Patienten stark gesenkt, sodass eine Unterzuckerung entsteht. Da Kortisol und das Wachstumshormon Gegenspieler des Insulins sind, kommt es im Normalfall durch die Absenkung des Blutzuckers und durch den Insulinanstieg im Blut zu einer vermehrten Ausschüttung von Kortisol und Somatotropin.

Bei einem gesunden Erwachsenen sollte das Wachstumshormon im Blut um mindestens 3 µg/l ansteigen. Ein Wachstumshormonanstieg von weniger als 3 µg/l gilt als Nachweis für einen Hormonmangel. Kortisol und ACTH sollten mindestens das anderthalb- bis zweifache des Ursprungswertes erreichen. Wenn der Anstieg beim Test ausbleibt, kann ein Schaden des Hypothalamus oder der Hypophyse vorliegen. Um zu schauen, ob die Ursache für die Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz im Hypothalamus oder in der Hypophyse liegt, kann ein Releasinghormon-Test erfolgen.

Dafür eignen sich der CRH-Test, der GHRH-Test und der TRH-Test. Der Insulin-Hypoglykämie-Test wird bei Verdacht auf eine hypothalamisch-bedingte Hypophysenvorderlappeninsuffizienz oder bei Verdacht auf eine primäre Hypophysenvorderlappeninsuffizienz (Hypopituitarismus) durchgeführt. Eine solche Insuffizienz kann durch Tumore, chirurgische Eingriffe am Gehirn, Strahlentherapie, Verletzungen am Gehirn oder durch Autoimmunprozesse ausgelöst werden. Auch zur Differenzialdiagnose bei Minderwuchs und bei dem Verdacht auf einen Wachstumshormonmangel wird der Insulin-Hypoglykämie-Test durchgeführt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Im Rahmen des Tests kommt es zu leichten Symptomen der Unterzuckerung (Hypoglykämie). Diese sind durchaus erwünscht, da die Unterzuckerung ja bewusst hervorgerufen wird, um die Hormonproduktion in der Hypophyse zu stimulieren.

Schwere Hypoglykämien sollten eigentlich vermieden werden, können aber vorkommen. Sie äußern sich durch Bewusstseinsverlust, Krampfanfälle und im schlimmsten Fall auch durch Koma. Um die Gefahr einer schweren Hypoglykämie möglichst gering zu halten, muss während des gesamten Tests ein Arzt anwesend sein. Dieser dokumentiert und überwacht die Glukosewerte im Blut engmaschig und schreitet gegebenenfalls frühzeitig ein, um der Hypoglykämie entgegenzuwirken. Dafür muss während des Tests ständig eine 20%ige Glukoselösung für eine sofortige Injektion verfügbar sein.

Der Insulin-Hypoglykämie-Test darf nicht bei jedem Patienten durchgeführt werden. Er birgt einige Risiken. Aufgrund der Krampfgefahr ist ein zerebrales Krampfleiden eine Kontraindikation für den Test. Auch bei zerebralen Durchblutungsstörungen oder bei Patienten mit einer Koronaren Herzkrankheit darf der Insulin-Hypoglykämie-Test nicht angewendet werden. Eine weitere Kontraindikation sind Glykogenspeicherkrankheiten. Bei einem Mangel an Glykogen kann der Körper trotz erhöhter Hormonwerte keinen Zucker mobilisieren, sodass hier eine schwere Hypoglykämie droht.

Neugeborene, Säuglinge und Kinder unter vier Jahren dürfen ebenfalls nicht getestet werden. Auch Kinder mit Dystrophie und Kinder mit Hypoglykämieneigung können im Rahmen des Tests sehr schnell eine starke Hypoglykämie und eine metabolische Azidose entwickeln. Bei einer metabolischen Azidose sinkt der pH-Wert des Blutes unter 7,36, da aufgrund einer stoffwechselbedingten Störung vermehrt organische Säuren im Körper anfallen.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Schmeisl, G.-W.: Schulungsbuch für Diabetiker. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2009
  • Usadel, K.-H., Wahl, P.: Diabetologie und Stoffwechsel. In: Bob, A. u. K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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