Insertionstendopathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2017
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Insertionstendopathien sind durch Reizung der Sehnenansätze bedingte Schmerzzustände im Übergang von der Sehne zum Knochen. Insbesondere Sportler sind von Insertionstendopathien betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Insertionstendopathie?

Als Insertionstendopathien werden zusammenfassend Entzündungen bzw. Reizungen im Sehnenansatzbereich, d.h. in der Übergangzone von der Sehne zum Knochen, bezeichnet.

In Abhängigkeit von der klinischen Symptomatik wird zwischen chronischen und akuten Insertionstendopathien differenziert. Während bei akuten Insertionstendopathien die Schmerzsymptome infolge eines Traumas im Vordergrund stehen, ziehen chronische Reizungen der Sehnenansätze in vielen Fällen strukturell-degenerative Veränderungen wie Kalkeinlagerungen, Knochenspornbildung oder Verknöcherungen in den betroffenen Bereichen nach sich.

Ausgeprägte Schmerzen im Bereich des Sehnenansatzes, die sich bei passivem Dehnen sowie aktiver Anspannung unter Widerstand verstärken, sind charakteristische Symptome für eine Insertionstendopathie. Generell kann sich eine Insertionstendopathie an sämtlichen Sehnenansätzen manifestieren, prädestiniert sind unter anderem die Achillessehne (Achillodynie), die Patellasehne (Patellaspitzensyndrom), die Supraspinatussehne (Supraspinatussehnensyndrom) sowie die Sehnenansätze des Ellenbogens (Tennisellenbogen).

Ursachen

Allgemein wird zwischen einer primären Insertionstendopathie, die direkt durch sportartenspezifische Überlastungen bedingt wird, und der sekundären Insertionstendopathie, die im Zusammenhang mit muskulären Verspannungen infolge von Arthrosen oder vertebragen bedingten (von der Wirbelsäule ausgehenden) Erkrankungen auftreten kann, differenziert.

Insbesondere bei Sportlern und untrainierten Personen werden die Sehneninsertionen bei Spitzenbelastungen stark strapaziert. Einseitige Belastungen, falsche Bewegungsabläufe sowie externe Faktoren (u.a. sehr harter Bodenbelag, Kälteexposition) können eine Fehlbelastung der Insertionsbereiche, die einerseits die Kraftübertragung von der Sehne auf den Knochen gewährleisten und andererseits übermäßige Belastungen abfedern, bedingen.

Darüber hinaus können die Gelenke oder Knochenachsen betreffende Fehlstellungen zu einer dauerhaften mechanischen Reizung der Sehnen (Mikrotraumata) führen. Infolge einer schmerzbedingten dauerhaften Entlastung des betroffenen Bereiches können zusätzlich die angrenzenden Muskeln atrophieren. Entzündliche (u.a. Rheuma, Morbus Bechterew) oder stoffwechselbedingte Erkrankungen können ebenfalls die Entwicklung einer Insertionstendopathie begünstigen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

In vielen Fällen resultiert der Verdacht auf eine Insertionstendopathie aus den klinischen Symptomen sowie den im Rahmen der Anamnese vom Betroffenen geschilderten sportartenspezifischen Belastungen.

Durch eine röntgenologische Untersuchung können die für die chronische Insertionstendopathie charakteristischen aufgelockerten Areale im knöchernen Bereich der Insertionsstellen sowie die Strukturveränderungen sichtbar gemacht werden, wobei in einigen Fällen eine mit der Gegenseite vergleichende Beurteilung zweckmäßig sein kann. Mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) können ossäre Veränderungen sowie die typischen Verdickungen und Schwellungen der Sehnen im Insertionsbereich (ödematöse und fettige Degeneration) beurteilt werden.

Zudem weisen die Endstellen der Sehnen in aller Regel faserige Aufrauungen auf. Prognose und Verlauf hängen bei Insertionstendopathien zwar im starken Maße vom spezifisch betroffenen Sehnenansatz sowie der Compliance (Kooperation hinsichtlich der Therapie) des Betroffenen ab, können aber allgemein als gut bewertet werden.

Komplikationen

In den meisten Fällen tritt die Insertionstendopathie vor allem bei Sportlern auf. Dabei kommt es zu Schmerzen und zu Entzündungen an den Sehnen, wobei es in der Regel auch zu starken Bewegungseinschränkungen kommt. Die Lebensqualität des Patienten wird durch diese Krankheit verringert. Nicht selten treten dabei Schmerzen an den Muskeln auf, was zu einer verringerten Belastbarkeit des Betroffenen führt.

Ebenso können die Bewegungseinschränkungen so stark ausgeprägt sein, dass der Betroffene auf die Hilfe anderer Menschen im Alltag angewiesen ist. Ohne Behandlung kommt es durch die Insertionstendopathie zu einer Muskelschwäche. Der Alltag des Betroffenen wird durch diese Krankheit deutlich eingeschränkt. Nicht selten schwellen die betroffenen Regionen auch an. Sollte es zu Ruheschmerzen kommen, so können diese Ruheschmerzen auch zu Schlafbeschwerden oder zu Depressionen führen.

Die Behandlung wird mit Hilfe von Medikamenten oder Therapien durchgeführt. Dabei treten keine besonderen Komplikationen auf. Möglicherweise können die Schmerzen und Beschwerden allerdings nicht vollständig gelindert werden. Die Lebenserwartung wird durch die Insertionstendopathie in der Regel nicht verringert oder beeinflusst. In der Regel können gewisse Sportarten nicht mehr ohne Weiteres durchgeführt werden.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bedeutend von der Ausprägung der Schmerzsymptomatik sowie davon ab, ob eine akute oder chronische Entzündung des Sehnenansatzes vorliegt. Bei einer akuten Insertionstendopathie zielen die Behandlungsmaßnahmen beispielsweise zunächst auf die Ruhigstellung des betroffenen Bereiches.

Unterstützend können kryotherapeutische Maßnahmen (u.a. mit CO2 oder Eis) sowie oral bzw. lokal applizierte Antiphlogistika (Entzündungshemmer) zum Einsatz kommen. Nach dem Abklingen der akuten Schmerzsymptomatik sind in aller Regel elektrotherapeutische und physikalische Maßnahmen (u.a. TENS, Ultraschalltherapie, Iontophorese) angezeigt. Bei chronischen Insertionstendopathien werden anfänglich zumeist isometrische Kontraktionsübungen zur Stärkung der Muskulatur empfohlen, die im späteren Therapieverlauf durch dynamische Übungen unterhalb der Schmerzschwelle substituiert werden.

Additiv können gegebenenfalls Kortikosteroid-Infiltrate, lokale Wärmeanwendungen sowie eine extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) zur Schmerzlinderung und Gewährleistung der Elastizität eingesetzt werden. Darüber hinaus sollte die zugrundeliegende Ursache der Insertionstendopathie therapiert bzw. behoben werden. Ist beispielsweise der Achillessehnenansatz (Achillodynie) betroffen, kann in einigen Fällen bereits Schuhwerk mit leicht erhöhten Absätzen Abhilfe schaffen.

Ferner kann bei chronischen Insertionstendopathien, insbesondere an Achillessehnen, Ellenbogen oder im Schulterbereich, zur Stimulierung eines regenerativen Wachstums und einer beschleunigten Heilung eine Therapie mit ACP (autologes conditioniertes Plasma) infrage kommen. Eine operative Entfernung des betroffenen Sehnenanteils wird bei Insertionstendopathien als ultima ratio angesehen und aufgrund des Risikos für funktionelle Beeinträchtigungen lediglich bei ausbleibenden Therapieerfolg durch die konservativen Maßnahmen in Betracht gezogen.

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Vorbeugung

Sportartenspezifische Überlastungen und somit auch Insertionstendopathien lassen sich durch adäquate, an die individuellen Bedürfnisse angepasste Trainingsprogramme umgehen. Untrainierte Personen sollten zudem Überlastungen im Rahmen sportlicher Aktivitäten vermeiden. Darüber hinaus schützt eine gut aufgebaute Muskulatur vor einer Überanspruchung der Sehnen und reduziert das Risiko für Insertionstendopathien.

Das können Sie selbst tun

Die Behandlung der Insertionstendopathie richtet sich in der Regel immer nach der genauen Ursache. Allerdings muss der Betroffene in jedem Fall die betroffene Region ruhig stellen und diese schonen und nicht mehr bewegen. Vor allem Sportler sollten bei einer Insertionstendopathie ihrer Sportart nicht mehr nachgehen.

Zur Stärkung der Muskulatur stehen dem Patienten verschiedene Übungen zur Verfügung, die in der Physiotherapie oder auch im eigenen Zuhause durchgeführt werden können. Vor allem Kontraktionsübungen wirken sich positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus. Dadurch kann auch wieder eine Beweglichkeit der Region wiederhergestellt werden, damit es zu keinen Einschränkungen im Alltag kommt. Ebenso sind Wärmeanwendungen bei einer Insertionstendopathie sehr hilfreich. Dazu gehören heiße Bäder oder der Besuch in einer Sauna.

Sollten die Beschwerden dabei an der Achillessehne auftreten, so können hier spezielle Schuhe hilfreich sein. Diese sollten einen leichten Absatz besitzen und etwas breiter als gewöhnliches Schuhwerk sein, um das Bein beim Laufen zu unterstützen. Der Betroffene sollte zur Schmerzlindernd auch regelmäßig die verordneten Medikamente auf die jeweilige Stelle auftragen, da dadurch auch weitere Entzündungen verhindert und die aktuellen behandelt werden.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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