Individualprophylaxe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. September 2017
Startseite » Behandlungen » Individualprophylaxe

Im Rahmen der Individualprophylaxe erbringt der Zahnarzt prophylaktische Maßnahmen am Patienten. Es kann zwischen Individualprophylaxe bei Kindern bzw. Jugendlichen und Individualprophylaxe bei Erwachsenen unterschieden werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Individualprophylaxe?

Insbesondere bei vermehrtem Konsum von zuckerhaltigen Speisen und Getränken reicht die normale Reinigung der Zähne mit Zahnbürste und Zahnpasta oft nicht aus. Schmerzen, Überempfindlichkeiten, Zahnfleischbluten und Mundgeruch sind Hinweise auf Karies oder Paradontitis.

Ziel der Individualprophylaxe ist die Prävention von Karies und Paradontitis. Die einzelnen Vorsorgemaßnahmen der Individualprophylaxe werden dabei exakt auf den einzelnen Patienten abgestimmt. Um den Bedarf zu ermitteln, kommen verschiedene Tests zum Einsatz. Mit diesen Tests können Mundhygieneindizes ermittelt werden, welche Anfälligkeiten für Zahnerkrankungen im Gebiss anzeigen.

Eventuell werden zusätzlich eine Keimbestimmung und eine Speichelanalyse durchgeführt. Anhand der Testergebnisse können der Zahnarzt oder die Prophylaxemitarbeiter Krankheitsrisiken erkennen und dem Patienten mitteilen. Diese Untersuchungen werden auch als Vorsorgeuntersuchungen bezeichnet.

Funktion, Wirkung & Ziele

Der Gesetzgeber fördert die Individualprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen besonders. Teil der Individualprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen ist die zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung (FU). Die erste Früherkennungsuntersuchung sollte im dritten Lebensjahr erfolgen. Der Mindestabstand zwischen zwei Früherkennungsuntersuchungen sollte ein Jahr betragen.

Zusätzlich kann einmal pro Jahr ein Mundhygienestatus durchgeführt werden. Bei der Erhebung dieses Status wird die Mundhygiene beurteilt. Auch der Zustand des Zahnfleischs wird anhand des Approximal-Plaqueindex, des Papillenblutungsindex oder des Quigley-Hein-Indexes beurteilt. Eventuell wird eine Bissflügel-Röntgenaufnahme zur Diagnose von Karies durchgeführt. Teil der Individualprophylaxe bei Kindern ist auch die Mundgesundheitsaufklärung. Dabei werden die Kinder und Jugendlichen bzw. ihre Eltern über die Krankheitsursachen aufgeklärt. Zudem erhalten sie Tipps, wie sich Karies und Zahnfleischentzündungen vermeiden lassen.

Es wird besprochen, welchen Einfluss die Ernährung auf die Zahngesundheit hat und welche Rolle eine richtige Mundhygiene spielt. Zudem sprechen die Zahnärzte Empfehlungen zur Anwendung von Fluoridierungsmitteln zur Härtung des Zahnschmelzes aus. Beispielsweise können fluoridiertes Speisalz oder fluoridierte Zahnpasta zum Einsatz kommen. Gegebenenfalls können auch Fluoridtabletten verordnet werden. Im Rahmen der Mundgesundheitsaufklärung können die Kinder und Jugendlichen auch Mundhygienetechniken praktisch üben. Wichtig ist, dass die Kinder und Jugendlichen auch die Reinigung der Interdentalräume erlernen. Inhalt und Umfang der jeweiligen Maßnahmen werden vom Zahnarzt im Hinblick auf die individuellen Gegebenheiten des einzelnen Patientenfalls festgelegt.

Zur Individualprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen gehören auch die lokale Fluoridierung von einzelnen Zähnen mit Lack oder Gel und die Versiegelung von bleibenden Backenzähnen. Dabei werden kariesfreie Fissuren und Grübchen mit Kunststoffen versiegelt. Wenn nötig werden im Rahmen der Individualprophylaxe auch harte Zahnbeläge entfernt.

Das Entfernen harter Zahnbeläge gehört auch zur Individualprophylaxe bei Erwachsenen. Eine weitere individualprophylaktische Leistung ist die Erhebung des Parodontalen Screening-Index. Bei diesem PSI-Code werden mit einer Parodontalsonde die Tiefe der Zahnfleischtaschen, die Blutungsneigung des Zahnfleisches und die Rauigkeit der Zahnoberflächen innerhalb der Zahnfleischtaschen gemessen.

Im Rahmen der Individualprophylaxe erbringt der Zahnarzt prophylaktische Maßnahmen am Patienten. Ziel der Individualprophylaxe ist die Prävention von Karies und Paradontitis.

Zur Untersuchung wird das Gebiss in sechs verschiedene Bereiche aufgeteilt. An jedem Zahn werden die genannten Parameter an sechs Stellen gemessen. Die Ergebnisse werden in einer Skala festgehalten, die von 0 bis 4 reicht. Bei einem Wert von 0 sind Zahnfleisch und Zahnbett gesund. Bei Code 1 oder 2 liegt vermutlich eine Entzündung des Zahnfleisches vor. Code 3 und Code 4 können als Hinweis auf eine schwere oder mittelschwere Parodontitis gewertet werden.

Auch die Zahnfleischtaschentiefenmessung ist eine individualprophylaktische Leistung für Erwachsene. Die Kosten für diese Maßnahmen für Erwachsene werden in bestimmten Abständen von der Krankenkasse übernommen. Es gibt weitere Leistungen, die der Patient in der Regel selber zahlen muss. Dazu gehört zum Beispiel die Erstellung eines Mundhygienestatus. Ebenso zählt zu den Maßnahmen der Individualprophylaxe die dazugehörige spätere Kontrolle. Eine weitere individualprophylaktische Maßnahme ist die lokale Fluoridierung, bei der Lacke oder Gele zur Verbesserung der Zahnsubstanz, zur Kariesvorbeugung und zur Kariesbehandlung aufgetragen werden.

Bei der professionellen Zahnreinigung werden die Beläge auf den Zahn- und Wurzeloberflächen entfernt. Zudem werden die Zahnzwischenräume gereinigt und der Biofilm auf den Zähnen wird entfernt. Anschließend erfolgen eine Oberflächenpolitur und eine Fluoridierung. Ähnlich wie in der Kinder- und Jugendprophylaxe können auch bei Erwachsenen kariesfreie Zahnfissuren mit aushärtenden Kunststoffen versiegelt werden. Falls vorhanden werden harte und weiche Zahnbeläge im Rahmen der Individualprophylaxe entfernt. Gegebenenfalls erfolgt zudem eine Politur an einwurzeligen Zähnen, Implantaten oder Brückengliedern.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Bei der Durchführung der Individualprophylaxe bestehen eigentlich keine Risiken. Einige Menschen reagieren jedoch empfindlich auf die Fluoride, die im Rahmen der Individualprophylaxe zum Einsatz kommen können.

Bei einer Unverträglichkeit oder einer Überdosierung kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Dermatitis, Akne, Nagelverfärbungen oder zu Knochen- und Gelenksymptomen kommen. Es ist zu beachten, dass sich Fluoride im Körper ansammeln können. Fluoride sollten bei Kindern, Jugendlichen, Frauen im gebärfähigen Alter und bei Schwangeren nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Auch Nieren- und Leberschäden, Schilddrüsenunterfunktionen und eine bestehende Tumorerkrankung sind Kontraindikationen für den Einsatz von Fluoriden. Abgesehen von diesen Risiken überwiegt aber der Nutzen der Individualprophylaxe.

Besonders wichtig ist die Prophylaxe für Patienten, die kariesanfällig sind oder bereits an einer Parodontitis leiden. Studien zeigen, dass das Risiko für Zahnerkrankungen durch eine regelmäßige Individualprophylaxe gesenkt werden kann. Risikogruppen wie Schwangere, Raucher, HIV- oder Diabetespatienten, Endokarditispatienten oder Patienten mit familiärer Häufung von Zahnfleischerkrankungen und Zahnlosigkeit sollten auf keinen Fall auf Individualprophylaxen verzichten.

Bücher über Gesunde Zähne & Zahnmedizin

Quellen

  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2016

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: