Indirektes okuläres Trauma

Letzte Aktualisierung am 30. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Ein indirektes okuläres Trauma ist eine Schädigung oder Verletzung der Netzhaut, die nicht direkt entstanden ist. Mögliche Ursachen für ein solches Trauma sind Fettembolien oder Gesichtsschädelfrakturen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein indirektes okuläres Trauma?

Bei einem indirekten okulären Trauma liegt eine Schädigung der Retina vor. Allerdings ist diese Schädigung nicht aufgrund eines direkten Traumas entstanden. Vor dem Auftreten der Beschwerden hat also keine direkte Gewalteinwirkung auf die Augenhöhle stattgefunden.

Das indirekte okuläre Trauma wird meist durch Durchblutungsstörungen hervorgerufen, die auf Traumata in anderen Körperregionen zurückgehen. Symptome des Traumas können sofort oder mit einer Verzögerung von mehreren Tagen auftreten. Die Therapie erfolgt meist konservativ. In der Mehrzahl der Fälle bilden sich die entstandenen Schäden zurück. Dieser Rückbildungsvorgang kann allerdings mehrere Wochen dauern. Bei einigen Patienten bleiben dauerhaft Sehstörungen oder Gesichtsfeldausfälle bestehen.

Ursachen

Das indirekte okuläre Trauma wird als indirekt bezeichnet, da es ohne direkte Gewalteinwirkung auf die Augenhöhle (Orbita) entsteht. Das Trauma entwickelt sich auf dem Boden einer weiter entfernten Gewalteinwirkung. Ursache sind demnach Verletzungen, die unter Umständen nicht einmal in der Nähe des Auges liegen. Diese Verletzungen nehmen über verschiedene Wege Einfluss auf die Netzhaut und schädigen diese.

Die genaue Pathogenese des indirekten okulären Traumas kann sehr unterschiedlich sein. Bei der Fraktur eines Röhrenknochens kann es zu einer Verletzung des fetthaltigen Knochenmarks kommen. Dabei können Fetttröpfchen aus dem Mark freigesetzt und ins Blut geschwemmt werden. Dieser Vorgang wird auch als Fettembolie bezeichnet. Die Fettpartikel werden über den Blutweg weitertransportiert und lagern sich im Körper ab. Am häufigsten bleiben die Fettpartikel in der Lunge hängen und verursachen dort eine Fettembolie.

Je nach Größe können sie jedoch die Lungengefäße passieren und erst in den kleinsten Gefäßen der Netzhaut stecken bleiben. Dort lagern sie sich ab und verursachen eine Embolie. Die kleinen Kapillaren der Netzhaut sind verschlossen. Das Blut kann deshalb nicht mehr zirkulieren und das hinter dem Verschluss gelegene Gewebe wird nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. In der Folge stirbt es ab.

Eine weitere Ursache für ein indirektes okuläres Trauma ist eine Verletzung des Brustkorbs (Thorax). Bei einer Embolie kommt es zu einem Druckanstieg im Brustkorb. Dieser Druckanstieg wirkt sich auch auf die Gefäße aus. Der Druck wird in einer Welle durch die gesamten Gefäße des Körpers geleitet. Wenn er die kleinen Gefäße des Auges erreicht, kann es zu Rupturen oder Spasmen kommen.

Die Folge ist eine akute Unterversorgung der Netzhaut. Diese Unterversorgung aufgrund mangelnder Durchblutung wird als Ischämie bezeichnet. Auch Autounfälle können ein indirektes okuläres Trauma zur Folge haben. Insbesondere die Kompression des Brustkorbs durch den Sicherheitsgurt kann Schäden im Auge bedingen.

Eine besondere Form des indirekten okulären Traumas ist die Höhenretinopathie. Bei starkem Flüssigkeitsverlust oder in sehr hohen Lagen sind die Hämatokrit- und die Hämoglobinkonzentration im Blut erhöht. Durch die Erhöhung dieser beiden Blutbestandteile ist die Blutviskosität erhöht, sodass kleine Gefäße, wie die Gefäße der Retina, verstopfen können.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein indirektes okuläres Trauma kann eine ganze Reihe von Symptome und Beschwerden hervorrufen. Die ersten Anzeichen eines Traumas treten in aller Regel erst einige Tage nach dem auslösenden Ereignis auf. Typischerweise stellen sich nach drei bis fünf Tagen leichte bis mittelschwere Sehstörungen ein, die in den folgenden Tagen stärker werden. Die Betroffenen erleiden häufig einen Visusverlust.

Dabei handelt es sich um eine Störung, die in einer starren Sehschärfe resultiert. Das Auge kann sich in der Folge nicht mehr auf unterschiedliche Sichtsituationen einstellen, was zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führt. Wird das indirekte okuläre Trauma frühzeitig behandelt, kann ein Visusverlust oft abgewendet werden. Allerdings treten meist weitere Beschwerden an den Augen auf, zum Beispiel Schmerzen oder Missempfindungen.

Im Extremfall kommt es zu einer vollständigen Erblindung. Die Sehstörungen sind irreversibel und gehen oftmals seelischen Beschwerden voraus. Junge Menschen leiden infolge eines indirekten okulären Traumas häufig an psychischen Verstimmungen, die sich im Verlauf zu einer ausgeprägten Depression entwickeln können. Äußerlich ist das Trauma unter anderem an sichtbaren Verletzungen, Blutergüssen oder Hautveränderungen zu erkennen, abhängig von der Ursache und Ausprägung des indirekten okulären Traumas.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Sehstörungen sollte zunächst eine ausführliche Anamnese erfolgen. Insbesondere Unfälle oder Verletzungen, die erst eine kurze Zeit zurückliegen, sollten in der Anamnese beachtet werden. Wenn der Verdacht auf ein indirektes okuläres Trauma besteht, wird eine Fundusdiagnostik durchgeführt. Dabei wird der Augenhintergrund mit dem Ophthalmoskop untersucht.

Mithilfe eines Vergrößerungsglases schaut der behandelnde Arzt durch die Pupille in das Innere des Auges. Dabei wird das Auge gleichzeitig mit einer Lichtquelle ausgeleuchtet. Bei der Ophtalmoskopie werden Blutungen innerhalb der Retina sichtbar.

Ein typischer Untersuchungsbefund ist eine sogenannte Cotton-wool-Herde. Dabei handelt es sich um wattebauschartige Verschattungen im Bereich der Retina. Diese sind weiß oder gelblich gefärbt. Diese Cotton-wool-Herden entstehen durch Schwellung der Nervenfasern in der Faserschicht der Retina (Stratum neurofibrarum). Sie entstehen, weil durch die Ischämie auch der neuroaxonale Transport beeinträchtigt ist.

Komplikationen

Bei diesem Trauma kann es zu verschiedenen Beschwerden oder Komplikationen kommen. Diese hängen dabei in der Regel von der Ursache des Traumas ab, sodass ein eindeutiger Krankheitsverlauf nicht vorausgesagt werden kann. Meistens kommt es dadurch allerdings zu Beschwerden an den Augen. Patienten leiden meistens an Sehstörungen oder an Schmerzen im Auge.

Im schlimmsten Fall erleiden die Betroffenen eine vollständige Erblindung, die nicht mehr behandelt werden kann und damit irreversibel ist. In vielen Fällen ist ein scharfes Sehen für den Patienten nicht mehr möglich. Ebenso kommt es zu einem Schleiersehen oder zu sogenannten Doppelbildern. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch dieses Trauma deutlich eingeschränkt. Vor allem junge Menschen leiden durch Sehbeschwerden an Depressionen oder anderen psychischen Verstimmungen.

Die Lebenserwartung wird durch dieses Trauma in der Regel allerdings nicht verringert. Nicht selten kommt es durch das Trauma auch zu weiteren Ausfällen im Gesicht, die den Alltag des Betroffenen erschweren können. Die Behandlung selbst führt nicht zu weiteren Komplikationen. Allerdings können die meisten Schäden nicht mehr wiederhergestellt werden, sodass der Patient möglicherweise auf Sehhilfen angewiesen ist.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Hinweisen auf eine Durchblutungsstörung sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu Funktionsstörungen im Bereich des Kopfes, besteht Anlass zur Besorgnis. Ein Arzt ist zu konsultieren, sobald Störungen des Sehens, Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl im Auge entstehen. Veränderungen der Sehstärke, ein Flimmern vor dem Auge, Probleme des Scharfsehens oder Ermüdungserscheinungen des Auges, sind untersuchen und behandeln zu lassen. Stellen sich die Veränderungen unmittelbar nach einer Gewalteinwirkung auf das Auge ein, ist schnellstmöglich eine Kontrolluntersuchung anzuraten. Nach einem Unfall oder einer Gewalttat wird ein Arzt benötigt, sobald es zu kraftvollen Einwirkungen auf den Bereich des Auges oder des Gesichts gekommen ist. Verfärbungen im Auge, Blutungen des Auges oder Verformungen der Augenhöhle sind fachärztlich untersuchen zu lassen.

Stellen sich Ausfälle der Gesichtsmuskeln oder Nerven ein, sollte ein Arztbesuch erfolgen. Zur Minimierung von dauerhaften Schäden der Sehkraft oder der Gefäße ist es ratsam, unverzüglich nach der Beschädigung einen Arzt zu konsultieren oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Kommt es zu einer ungewöhnlichen Sekretabsonderung aus dem Auge, ist dies ein Warnhinweis des Organismus auf vorliegende Verletzungen und Schäden. Treten Druckgefühle im Brustkorb, Probleme der Atemtätigkeit oder ein allgemeines Unwohlsein auf, wird ebenfalls ein Arzt benötigt. Bei Ängsten, Schmerzen oder Lungenproblemen sollte ein Arzt konsultiert werden.

Therapie & Behandlung

Normalerweise bilden sich die Befunde im Fundusbereich innerhalb von vier bis sechs Wochen von alleine wieder zurück. In einigen Fällen bleiben Sehminderungen oder Gesichtsfeldausfälle zurück. Wenn Sehstörungen bestehen bleiben, kann ein Therapieversuch mit hoch dosierten Steroiden oder mit Prostaglandinhemmern unternommen werden.

Bei der Höhenretinopathie steht eine Normalisierung der Hämoglobin- und Hämatokritwerte im Vordergrund. Dafür werden den Patienten isovolämische Hämodilutionen verabreicht. Auch auf die Arzneimittel Pentoxifyllin und Aspion wird zurückgegriffen.

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Vorbeugung

Der Höhenretinopathie kann durch eine gute Vorbereitung auf den Aufenthalt in der großen Höhe vorgebeugt werden. Es sollten angemessene Aufstiegs- und Abstiegsetappen eingehalten werden. So ist gewährleistet, dass sich der Körper an die unterschiedlichen Luftverhältnisse gewöhnen kann.

Der normalen Form des indirekten okulären Traumas lässt sich nur schwer vorbeugen. Wenn nach einem Unfall Sehstörungen auftreten, sollte jedoch möglichst schnell ein Augenarzt aufgesucht werden.

Das können Sie selbst tun

Das Indirekte okuläre Trauma geht üblicherweise mit Beeinträchtigungen der gewohnten Sehfunktion einher und ist daher für die Betroffenen sehr beunruhigend. Dennoch gilt es, Ruhe zu bewahren und Stress nach Möglichkeit zu vermeiden, da sich dies womöglich negativ auf den Gesundheitszustand sowie die Heilungsaussichten auswirkt. Bestenfalls gönnen sich die Patienten ausreichend Ruhe und verbringen viel Zeit zu Hause oder in gewohnten Umgebungen, um Schwierigkeiten zu vermeiden.

Besonders wichtig ist es, die Augen vor starken äußeren Einflüssen zu schützen, beispielsweise vor Wind, Sonneneinstrahlung, Kälte und Hitze. Außerdem ist davon abzuraten, täglich stundenlang vor diversen Bildschirmen zu verbringen, da dies die Augen erhebliche Anstrengungen kostet. Auch der Kontakt mit Wasser und Kosmetika ist zu vermeiden, damit sich keine Irritationen am Auge entwickeln und sich die Erkrankung zurückbildet. In diesem Zusammenhang ist auch auf eine penible Hygiene im Bereich des erkrankten Auges zu achten, denn Verunreinigungen haben mitunter gravierende Folgen für den weiteren Krankheitsverlauf.

So ist bei einem Indirekten okulären Trauma Geduld von den Patienten gefragt. In bestimmten Situationen ist es ratsam, sich Unterstützung anderer Menschen zu holen, um Fehler oder Unfälle durch den beeinträchtigten Sehsinn zu vermeiden.

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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