Indianertabak

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Dezember 2016
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Der Indianertabak (Lobelia inflata) ist eine Pflanze aus der Familie der Glockenblumengewächse. Botanisch gesehen hat die Pflanze nichts mit den Tabakgewächsen gemein. Da die Aufgeblasene Lobelie, so ein anderer Name der Pflanze, aber von den Indianern geraucht wurde, hat sich der Name Indianertabak durchgesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau von Indianertabak

Die Lobelie ist eine einjährige Pflanze mit verzweigtem und behaartem Stängel. Sie kann bis zu einem Meter hoch werden und ist vor allem an der Ostküste Nordamerikas verbreitet. Auch im Gebiet der Großen Seen ist sie zu finden. Zu den Großen Seen gehören der Eriesee, der Huronsee, der Michigansee, der Lake Superior und der Ontariosee. Der Indianertabak bevorzugt offene Wälder als Standort.

An den Stängeln der Pflanze befinden sich Laubblätter. Diese sind wechselständig angeordnet und sitzen entweder direkt am Stängel oder sind kurz gestielt. Die Spreite des Blattes ist oval oder eiförmig und verfügt über einen gezähnten Rand. Am Ende der Stängel befinden sich zur Blütezeit traubige Blütenstände. Diese enthalten viele Blüten. Die Blüten sind zwittrig und zygomorph.

Das bedeutet, dass sie aus zwei spiegelgleichen Hälften besteht. Die Kronblätter der Blüten sind blau oder weiß und etwa sieben Millimeter lang. Die Blütenkrone ist zweilippig, wobei die Oberlippe aus zwei und die Unterlippe aus drei Zipfeln besteht. Während der Fruchtreife ist der Blütenbecher aufgebläht. Aufgrund seiner hübschen Blüten wird der Indianertabak auch in Gärten und Parkanlagen als Zierpflanze angepflanzt.

Wirkung & Anwendung

Das getrocknete Kraut enthält zu etwa fünf Prozent Alkaloide. Alkaloide sind Pflanzeninhaltsstoffe, die in den meisten Fällen giftig sind. Auch der Indianertabak gehört zu den giftigen Pflanzen. Hauptalkaloid ist das Lobelin, welches sowohl in den Stängeln als auch in den Wurzeln und Blättern enthalten ist. Wenn das getrocknete Kraut geraucht oder verräuchert wird, hat es eine stimulierende Wirkung auf die Atmung. Deswegen wurde die Droge früher zur Behandlung von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen eingesetzt.

Scheinbar lähmt das Extrakt der Lobelie die Nervenendigungen des Lungenvagus und der Muskulatur der Bronchien, sodass diese sich entspannen und die Luft besser ein- und ausströmen kann. Die antiasthmatische Wirkung zeigt sich aber nur bei parenteraler Einnahme, das heißt, bei einer Einnahme unter Umgehung des Darmes. Ein Tee aus Indianertabak zur Behandlung von asthmatischen Beschwerden wäre somit wirkungslos.

Der Indianertabak (Lobelia inflata) kann bis zu einem Meter hoch werden und ist vor allem an der Ostküste Nordamerikas verbreitet.

Der Indianertabak wirkt aber nicht nur auswurffördernd und schleimlösend, sondern auch nervenberuhigend, krampflösend und sogar harntreibend. Das Lobelin der Lobelie weist ähnliche Eigenschaften wie Nikotin auf, hat aber unangenehme Begleiteffekte. So führt das Alkaloid schnell zum Erbrechen, deshalb ist es auch Bestandteil von Raucherentwöhnungsmitteln.

Die Lobelie ist auch ein bekanntes Mittel in der Homöopathie und wird dort unter dem wissenschaftlichen Namen Lobelia inflata verwendet. In homöopathischen Aufbereitungen gilt die Lobelie als bewährtes Mittel bei asthmatischen Beschwerden mit Brustenge, krampfartigem Husten, Atemnot und Brechreiz. Das Mittel findet Verwendung bei Asthma bronchiale, wenn es mit Krämpfen und Magendruck verbunden ist.

Auch bei Keuchhusten, Krampfhusten, Bronchitis chronica, beim Lungenemphysem und bei Bronchiektasen verordnen Homöopathen gerne den Indianertabak. Entsprechend der Ähnlichkeitsregel wird Lobelia inflata auch gegen Übelkeit eingesetzt. Zudem soll die homöopathische Zubereitung der Pflanze dabei helfen, das Rauchen aufzugeben.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Die Indianer verwendeten den Indianertabak als Antiasthmatikum und als Brechmittel. Zudem nutzten die Ureinwohner Amerikas die Blätter des Indianertabaks, um sich gegen Hexerei zu schützen. Sie hielten die Pflanze für eine mystische Pflanze und verräucherten sie. Auch als Liebesmittel und als Aphrodisiakum wurde die Lobelie oft verwendet. Die Indianer glaubten sogar, dass die Lobelie gegen Sturm wirken kann.

Dafür trockneten sie das Kraut und pulverisierten es. Wenn ein Sturm nahte, warfen sie das Pulver in Richtung des Sturms. So sollte verhindert werden, dass die gefährlichen Winde näherkommen. Ihren botanischen Namen erhielt die Pflanze im 16. Jahrhundert. Sie wurde nach dem englischen Hofbotaniker Matthias von Lobel benannt. Der Begriff „inflata“ ist angelehnt an die aufgeblasenen Fruchtkapseln. Kurze Zeit später entdeckten auch die amerikanischen Pflanzenheilkundler die heilende Wirkung des Indianertabaks.

Sie nutzten die Pflanze zur Behandlung von Erkrankungen der Atemwege und äußerlich zur Wundheilung und zur Therapie von rheumatischen Erkrankungen. Erst im späten 18. Jahrhundert wurde die Heilpflanze in Europa bekannt. Die Ärzte Eckstein und Romer veröffentlichten erstmalig 1921 ihre klinischen Dokumentationen zur Wirksamkeit der Lobelie.

Wegen der recht starken Nebenwirkungen wird der Indianertabak heute nur noch selten in der Schulmedizin eingesetzt. Die getrockneten Blätter und Wurzeln der Pflanze sind kaum noch erhältlich. In einigen Komplexmitteln sind Auszüge der Lobelie enthalten. Auch in der Homöopathie wird die Lobelie in niedrigen Potenzen noch recht häufig verwendet. Sie ist Teil der homöopathischen Hausapotheke und soll bei Übelkeit und Erbrechen schnell Linderung verschaffen.

Sowohl von der Kommission E als auch von der European Scientific Cooperative on Phytotherapy liegen keine positiven Monografien vor. Die Kommission E ist eine Sachverständigenkommission des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Sie besteht aus Experten für Biologie, Medizin, Pharmakologie, Naturheilkunde und Toxikologie und sammelt und bewertet wissenschaftliches und erfahrungsheilkundliches Material zu unerwünschten und erwünschten Wirkungen pflanzlicher Arzneimittel. Die ESCOP hat eine ähnliche Aufgabe auf europäischer Ebene. Die Wirksamkeit des Indianertabaks konnte von beiden Institutionen bisher nicht ausreichend wissenschaftlich belegt werden.

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