Implacement - Therapie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. September 2017
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Unter einer Implacement-Therapie versteht man ein minimalinvasiven operatives Verfahren, dass bei einer Stressinkontinenz indiziert ist. Hierbei wird eine Substanz in Bereich der Harnröhre injiziert um das Harnverhalten durch eine gewollte Verengung der Röhre zu korrigieren.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Implacement-Therapie?

Bei der sogenannten Implacement-Therapie handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren zur operativen Behandlung von Inkontinenz. Diese Behandlungsmethode wird seit 1998 in Europa bei leichter bis mittelschwerer Stressinkontinenz angewendet.

Die Implacement-Therapie dient dazu, den urethroversikalen Übergang oder den mittleren Bereich der Urethra zu verengen und somit den Schließmuskel zu entlasten. Dieses Verfahren wird bei weiblichen Patienten, die unter einer Stressinkontinenz leiden, durchgeführt. Unter einer Stressinkontinenz versteht man den unwillkürliche Abgang von Urin durch vermehrten Druckaufbau, beispielsweise beim Heben, Husten oder Niesen. Eine Stressinkontinenz wird durch eine Schädigung des Utherus oder einer Muskelschwäche des Beckenbodens ausgelöst.

Eine abgesenkte Gebärmutter kann diese Form der Inkontinenz begünstigen. Indiziert ist eine solche Therapie, wenn vorangegangen konservative Behandlungsmethode nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt haben. Konservative Therapien können Beckenbodentraining, Elektrostimulation des Beckenbodens, Hormonbehandlung oder andere medikamentöse Therapien sein.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Implacement-Therapie wird bei weiblichen Patienten mit einer Stressinkontinenz angewendet. Ziel dieser Therapie ist, den Schließmuskel durch Verengung des urethroversikalen Übergang oder den mittleren Bereich der Urethra zu entlasten. Um dies zu erwirken, muss eine reaktive periurethrale Gewebsverfestigung durch eine Injektion erzielt werden.

Die Bestandteile der Injektion unterscheiden sich durch die Art der Methode. Es können Substanzen wie körpereigenes Fett, Kollagen (Strukturproteine des Bindegewebes) oder Dextranomer/Hyaluronsäure–Gel verwendet werden. Das Gel ist aus natürlichen Zuckerstoffen biosynthetisch hergestellt und ist durch seine nicht - allergenen Komponenten sehr verträglich. Die Hyaluronsäure hat eine hohe Stabilität und kann durch ihre dreidimensionale Struktur in verschiedenen Formen appliziert werden. Welche Substanz verwendet wird, entscheidet der Facharzt, je nach Anwendungsbereich. Die Implacement-Therapie wird mit einem sogenannten Implacer während einer Lokalanästhesie durchgeführt.

Der Implacer besteht aus vier einzelnen Spritzen. So kann die Substanz an vier verschiedenen Stellen gleichzeitig unter die Schleimhäute injiziert werden. Um den Eingriff zu beginnen, muss zuerst die Blase durch einen Katheter entleert werden. Der Implacer kann anschließend eingeführt werden. Wie weit dieser eingeführt werden muss, um die Injektion an der richtigen Stelle zu platzieren, berechnet der Operateur im voraus anhand der Urethralängenmessung. Diese wird wie Folgt berechnet: Urethralänge / 2 = mittleres Urethradrittel.

Bei der sogenannten Implacement-Therapie handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren zur operativen Behandlung von Inkontinenz.

Der Eingriff wird meist ambulant durchgeführt. Die Applikation der Substanz wird entweder neben der Harnröhre oder durch ein Zytoskop in die Bindegewebsschicht unterhalb der Schleimhaut der Urethra injiziert. Anstatt eines Zytoskops kann hier auch eine sogenannte Führungskanüle verwendet werden. Der Eingriff dauert meistens nicht länger als 20 Minuten.

Die Kontinenz kann zu etwa 70 - 80% komplett oder teilweise wiederhergestellt werden. Führt die erste Injektion nicht zum gewünschten Ergebnis, so kann diese nach 6-8 Wochen wiederholt werden. Nach etwa 4 Jahren kann eine erneute Implacement–Therapie notwendig werden, da der Körper die injizierte Substanz resorbiert hat. Dies wird jedoch anhand der Symptomatik und Anamnese durch den behandelnden Arzt entschieden.

Postoperativ der Implacement-Therapie sollte das Harnverhalten zusätzlich durch physiotherapeutische Beckenbodenübungen oder durch stimulierende Elektrotherapie unterstützt werden. Durch einen kräftigen Beckenboden kann die Harnröhre besser verschlossen und das erzielte Ergebnis der operativen Therapie langfristig positiv beeinflusst werden. Vor allem bei postnataler Stressinkontinenz oder bedingt durch ein schwaches Bindegewebe ist eine Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur von hoher Bedeutung.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Komplikationen oder Nebenwirkungen treten nur in seltenen Fällen auf. Die Substanz der Injektion birgt keine Risiken, da es sich entweder um körpereigenes Fett oder körpereigene Proteine des Bindegewebes handelt und das Dextranomer/Hyaluronsäure–Copolymer–Gel mithilfe eines biotechnologischem Verfahren aus nicht-allergenen Komponenten hergestellt wird.

Krankheitserreger können dadurch nicht in den Körper gelangen und ein Abstoßen des Materials wurde bisher noch nicht beobachtet. In seltenen Fällen kann es dazu kommen, dass sich die injizierte Substanz löst und nicht mehr adäquat den Schließmuskel unterstützen kann.

Postoperativ sollte trotz des minimalinvasiven Eingriffs eine lückenlose Verlaufskontrolle durch den behandelnden Facharzt durchgeführt werden, um mögliche Komplikationen auszuschließen. Dabei sollten die Restharnwerte und das allgemeine Harnverhalten regelmäßig kontrolliert werden. Sind die Restharnwerte pathologisch, so kann die Harnblase sich nicht vollständig entleeren, die Harnröhre könnte durch die Implacement-Therapien möglicherweise zu eng sein und es verbleibt ein sogenannter Restharn. Dies kann dazu führen, dass sich die Harnblase übermäßig dehnt und verursacht starke Schmerzen. Außerdem kann es bei verbleib von Harn in der Blase zu Infektionen kommen. Die Blase sollte in dem Fall, mittels einem Blasenkatheter, unverzüglich entlastet werden.

Des Weiteren kann es postoperativ zu einer Harndrang-Symptomatik oder einer suburethrale Abszessbildung kommen. Kommt es zu einer Abszessbildung, kann diese nur mit einem bildgebenden Verfahren, wie beispielsweise einer Sonographie, diagnostiziert und anschließend adäquat behandelt werden. Tritt eine Harndrang–Symptomatik auf, kann diese medikamentös mit Parasympatholytika behandelt werden.

Grundsätzlich sollte nach einer Implacement–Therapie eine prophylaktische Gabe von Antibiotika in Betracht gezogen werden, um eventuellen Komplikationen wie einer Infektion vorzubeugen.

Bücher über Inkontinenz

Quellen

  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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