Immunszintigrafie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. September 2017
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Die Immunszintigrafie ist ein radiologisch-diagnostisches Verfahren aus dem Bereich der Nuklearmedizin. Es werden dabei invasiv sogenannte radioaktiv markierte Antikörper über die Vene eines Patienten appliziert, die sich dann in Entzündungsherden oder in Tumorgewebe anreichern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Immunszintigrafie?

Bei der Immunszintigrafie kommen artifizielle Antikörper zu Einsatz, es handelt sich also nicht um natürliche Antikörper, wie sie auch im Blut vorkommen, sondern um eigens für diesen Zweck künstlich hergestellte Antikörper. Je nach Einsatzzweck werden aber auch nur einzelne Antikörperfragmente verwendet, also nicht der gesamte Antikörper.

Sowohl das Fragment, also Teilstück, als auch der ganze Antikörper können zusätzlich radioaktiv markiert werden. Dazu werden sogenannte Tracer verwendet, die beispielsweise radioaktives Technetium enthalten. Es kommen aber auch andere radioaktive Nuklide bei der Immunszintigrafie zum Einsatz. Diese im nuklearmedizinischen Labor markierten Antikörper werden dem Patienten in einer Spritze intravenös verabreicht. Durch den Blutstrom verteilen sich die Antikörper dann rasch in allen Körpergeweben und Organen.

Mit der Immunszintigrafie wird nun eine selektive Anreicherung dieser radioaktiv markierten Antikörpern an vermuteten Entzündungsherden, Primärtumoren oder Metastasen versucht. Haben sich die Antikörper an Krebszellen oder Entzündungszellen angereichert, dann können diese durch die radioaktive Komponente mit einer sogenannten Gammakamera nachgewiesen werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Immunszintigrafie war lange Zeit ein experimentelles Verfahren, das dann aber den Eingang in die klinische Medizin gefunden hat. Aufgrund der Komplexität der Anwendung, den möglichen Nebenwirkungen und nicht zuletzt auch wegen der hohen Kosten wird das Verfahren nur zielgerichtet bei spezifischen Fragestellungen vor allem in der Onkologie eingesetzt. Die Indikationen, also die Einsatzgebiete der Immunszintigrafie sind onkologische und entzündliche Fragestellungen, beispielsweise in der Diagnostik der primär chronischen Polyarthritis, PCP.

Hauptsächlich wird die Immunszintigrafie jedoch in der Diagnose und Verlaufskontrolle von bösartigen Tumoren eingesetzt. In der Tumordiagnostik basiert die Immunszintigrafie auf dem Prinzip monoklonaler Antikörper, die gegen ganz spezifische Antigenstrukturen auf der Oberfläche von bestimmten Tumoren gerichtet sind. Die Bindung der jeweiligen markierten Antikörper ist also streng spezifisch und kann bisher nur auf wenige Tumortypen beschränkt werden. Einer Immunszintigrafie gehen in der Regel andere onkologische Untersuchungen voraus.

Ob die Indikation zum Einsatz der Immunszintigrafie tatsächlich gegeben ist, hängt von histologischen, also feingeweblichen Befunden sowie Hormonuntersuchungen des Blutes ab. Haupteinsatzgebiete der Immunszintigrafie in der Onkologie sind bestimmte Formen des Enddarmkrebses, Sigmakarzinom, sowie das Non-Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems. Beim Non-Hodgkin-Lymphom wird die Immunszintigrafie als sehr wichtig für den Therapieverlauf und zur Planung der Strahlendosis für die Therapie angesehen. Bei dieser Tumorart wird grundsätzlich keine Radioimmuntherapie durchgeführt ohne die Ergebnisse der Immunszintigrafie abzuwarten.

Bei entzündlichen Prozessen kommt die Immunszintigrafie als sogenannte Entzündungsszintigrafie zum Einsatz. Dabei können die markierten Antikörper spezifisch oder unspezifisch angereichert werden. Bei der spezifischen Anreicherung werden monoklonale Antigranulozytenantikörper verwendet, die mit Technetium radioaktiv markiert wurden. Die Antikörper binden sich schnell an im Blutstrom vorhandene Granulozyten, eine bestimmte Fraktion der weißen Blutkörperchen. Diese markierten Granulozyten wandern dann zum vermuteten Entzündungsherd und reichern sich dort schließlich an. Bei starken medikamentös nicht beeinflussbaren Prozessen kommt die Immunszintigrafie auch als Therapie zum Einsatz.

Bei der Immunszintigrafie werden invasiv sogenannte radioaktiv markierte Antikörper über die Vene eines Patienten appliziert, die sich dann in Entzündungsherden oder in Tumorgewebe anreichern.

In diesem Fall wirkt die Immunszintigrafie im Entzündungsherd als Radiopharmakon, durch die radioaktive Zerstörung der Entzündungsherde wird der krankhafte Prozess gestoppt, wenn auch nur vorübergehend. Bei der sogenannten unspezifischen Anreicherung kommen keine künstlichen Antikörper zum Einsatz, sondern es wird humanes Immunglobulin mit Technetium radioaktiv markiert. Bei diesem Prozess erfolgt keinerlei spezifische Bindung an Granulozyten. Die Immunszintigrafie ist in der Nuklearmedizin bei chronisch-rezidivierenden Entzündungen und zur Abklärung von länger anhaltenden Fieberzuständen zugelassen.

Sobald die radioaktiv markierten Antikörper bei allen Anwendungsbereichen der Immunszintigrafie zubereitet wurden, ist eine umgehende venöse Applikation erforderlich, aufgrund der geringen Halbwertszeit von Technetium. Nach der Verabreichung beträgt die Wartezeit je nach Indikation zwischen 1 bis 72 Stunden bis zur Auswertung unter der Gamma-Kamera. Es entsteht, ähnlich wie bei der Schilddrüsenszintigraphie, ein klares diagnostisches Schaubild, welches die Anreicherung der radioaktiv markierten Antikörper im Zielgebiet zeigt. Die Gamma-Kamera zeichnet fortlaufend den radioaktiven Zerfall des Technetiums auf, mit dem die Antikörper zuvor markiert wurden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Immunszintigrafie birgt einige nicht unerhebliche Risiken, Nebenwirkungen, Gefahren und Besonderheiten. Absolute Kontraindikation ist Gravidität, das Verfahren darf also nicht während der Schwangerschaft zum Einsatz kommen. Die Laktationszeit, Stillzeit, stellt eine relative Kontraindikation dar.

Um eine Gefährdung des Säuglings sicher zu verhindern, muss das Stillen für mindestens 2 Tage unterbrochen werden. Auch Wiederholungsuntersuchungen stellen eine relative Kontraindikation dar. Eine Immunszintigrafie sollte wegen der vergleichsweise hohen Strahlenbelastung erst nach Ablauf von 3 Monaten wiederholt werden. Vor jeder Immunszintigrafie sollte eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung durch Radiologen und Onkologen erfolgen. Denn besonders das Risiko eines Spätmalignoms in Form eines Karzinoms oder einer Leukämie ist durch die Applikation von radioaktiv markierten Antikörpern erhöht.

Treten Jahre nach der Anwendung bösartige Tumoren auf, so werden diese nicht immer direkt in Zusammenhang mit einer zuvor erfolgten Immunszintigrafie gebracht. Treten bösartige Neubildungen auf, so ist der behandelnde Onkologe über zuvor stattgefundene diagnostische oder therapeutische Immunszintigrafien zu informieren, auch wenn diese bereits sehr lange Zeit zurückliegen. Als Nebenwirkung kann es auch zu allergischen Reaktionen gegen das verabreichte Radionuklid, bis hin zum allergischen Schock, kommen.

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Quellen

  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Murphy, K., Travers, P., Walport, M.: Janeway – Immunologie. Spektrum, Heidelberg, 2010
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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