Imitation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. Januar 2017
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Die Imitation ist die Nachahmung anhand eines Modells oder Vorbilds, die mittlerweile als wichtiger Prozess für menschliches Lernen bewertet wird. Aus neurologischer Sicht sind im Zusammenhang mit Imitation vor allem die Spiegelneuronen relevant. Eine imitatorische Erkrankung ist zum Beispiel die Hypochondrie, bei der Patienten von einer nicht-existenten Erkrankung der eigenen Person überzeugt sind.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Imitation?

Die Imitation ist die Nachahmung. Medizinisch relevant ist Imitation zum Beispiel für die kognitivistische Lerntheorie, die Lernprozesse am Modell im Fokus hat. Solche Lernvorgänge finden unter der Beobachtung menschlicher Vorbilder statt, die nicht zwingend auch persönlich anwesend sein müssen. Das Imitationslernen ist die dritte Form menschlicher Lernprozesse. Das Modelllernen baut neue Verhaltensweisen auf, modifiziert bestehende Verhaltensweisen und schafft diskriminative Hinweisreize, die bereits erlerntes Verhalten erleichtern.

Auch für die Neurologie ist die Imitation ein relevanter Begriff, der in diesem Medizinbereich hauptsächlich mit den sogenannten Spiegelneuronen assoziiert ist. Spiegelneurone sind Nervenzellen im Gehirn der Primaten, die bei der Beobachtung eines außen stattfindenden Vorgangs ein Muster der Aktivität zeigen, als würde der Beobachtende die Aktivitäten selbst ausführen. Die beobachtete Handlung muss sich bereits vor der Beobachtung im erlernten Reportoire des beobachtenden Individuums befinden, damit seine Spiegelneuronen bei der Beobachtung dieselben Muster wie bei der tatsächlichen Ausführung des Vorgangs zeigen können.

Eine medizinische Rolle spielt Imitation darüber hinaus in Zusammenhang mit dem imitatorischen Reflex. Dabei handelt es sich um eine physiologische Form affektiver Resonanz, wie sie zum Beispiel mit dem Mitgähnen beim Anblick einer gähnenden Person vorliegt. Die affektive Resonanz ist ein Mitempfinden von Stimmungen und Gefühlslagen anderer Personen.

Funktion & Aufgabe

Im Zusammenhang mit den Spiegelneuronen von Makaken und den damit zusammenhängenden Lernprozessen spielt die Imitation eine wesentliche Rolle. Die Spiegelneuronen wurden erstmals von Rizzolatti beschrieben. Die Neuronen im Feld F5c eines Makaken-Großhirns reagierten bei zielmotorischen Hand-Objekt-Interaktionen genauso wie bei der Beobachtung dieser Vorgänge an anderen Lebewesen. Seit dem Jahr 2002 wird über das Vorliegen eines Spiegelneuronensystems im menschlichen Brodmann-Areal 44 spekuliert. In diesem Teil de Gehirns werden Handlungen wiedererkannt. Auch Imitation steht mit dem Areal in Verbindung. 2010 folgte der direkte Nachweis von menschlichen Spiegelneuronen.

Einzelne menschliche Neuronen lassen sich nur in Ausnahmefällen untersuchen, so zum Beispiel im Rahmen von Operationen am Gehirn bei unbehandelbarer Epilepsie. Die im Gehirn von Epileptikern eingepflanzten Tiefenelektroden haben im Jahr 2010 eine kleine Zahl an Spiegelneuronen im Gehirn der Patienten entdeckt. Darüber hinaus dokumentierten die Elektroden Anti-Spiegelneuronen, die sich bei der Beobachtung von Vorgängen und deren eigener Ausführung in gegensätzliche Richtungen verhielten. Bislang wurden ausschließlich motorische Spiegelneuronen gefunden. Damit scheint ein Zusammenhang zwischen Empathie und Spiegelneuronensystem nicht naheliegend zu sein. Trotzdem spielen Spiegelneuronen wohl für motorische Lernprozesse eine Rolle.

Die Imitation ist die Nachahmung anhand eines Modells oder Vorbilds, die mittlerweile als wichtiger Prozess für menschliches Lernen bewertet wird.

Die kognitivistische Lerntheorie des Modelllernens geht für das Lernen durch Beobachtung von mehreren Voraussetzungen aus. Als beteiligte Prozesse werden zum Beispiel Aufmerksamkeitsprozesse als Voraussetzung für Beobachtung genannt. Gedächtnisprozesse bringen das Beobachtete in eine Gedächtnisspur, die später wieder abgerufen werden kann. Außerdem werden motorische Reproduktionsprozesse und Motivations- sowie Verstärkungsprozesse als Voraussetzung für Modelllernen mittels Imitation genannt.

Ein Verhalten wird, laut Theorie, nur dann imitiert, wenn die Modellperson damit Erfolg hat. Außerdem gelten ein positiv emotionaler Bezug zum Beobachteten und eine gewisse Identifikation mit der Modellperson als Voraussetzungen für Lernen am Modell, das mittels Imitation stattfindet. Insgesamt sind am Modelllernen und der damit zusammenhängenden Imitation also weitaus mehr Neuronen beteiligt als nur die Spiegelneuronen. Gehirnzentren für Gedächtnisprozesse und emotionale Zentren wie das limbische System sind für Imitation vermutlich ebenso relevant wie das Spiegelsystem.

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Krankheiten & Beschwerden

Mit imitatorischen Prozessen werden eine Reihe von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Dazu zählen zum Beispiel die Veitstanz (Chorea Huntington) und die Hysterie, die auch als imitatorische Krankheiten bezeichnet werden. Die histrionische Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch dramatisch-theatralisches und extrovertiert manipulatives Verhalten aus. Die Patienten suchen permanent nach Aufmerksamkeit und leiden an einer übertriebenen Ich-Bezogenheit, die mit verführerischem oder sexuell provokativen Verhalten einhergehen kann. Wechselhafte überschwängliche Emotionen und eine Affektlabilität sind ebenso charakteristisch, wie eine gefühlsbetonte Sprache, eine Kommunikationsschwäche oder Bindungsängste. Die meisten Patienten der Hysterie leiden an der Unfähigkeit, länger anhaltende und tiefergehende Beziehungen zu führen.

Die hypochondrische Störung entspricht einer rein psychischen Störung, bei der die Patienten an der starken Angst leiden, von ernsthaften Erkrankungen betroffen zu sein. Diese Angst wird zu einer Überzeugung, die sich diagnostisch allerdings nicht objektivieren lässt. Die Hypochondrie ist eine sogenannte somatoforme Störung. Eine Sonderform der Erkrankung ist die Cyberchondrie, bei der Informationen aus dem Internet den Patienten von einer ernsthaften Erkrankung überzeugen. Vermuten Sie daher also nicht immer gleich die schlimmstmögliche Ausprägung.

Hypochondrie kann so weit gehen, dass die Patienten die beschriebenen Symptome unwillkürlich imitieren und damit tatsächlich an den einzelnen Beschwerden leiden, die sie dem Arzt beschreiben. Damit gibt die Erkrankung den Patienten immer mehr das Gefühl, tatsächlich krank zu sein, denn zwischen imitierten Symptomen und dem Gefühl der Krankheit kann eine Wechselwirkung bestehen.

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