Idiopathische juvenile Osteoporose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
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Unter einer idiopathischen juvenilen Osteoporose wird das Auftreten von Knochenschwund bei Kindern und Jugendlichen verstanden. Die Ursache für die Erkrankung ist unbekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine idiopathische juvenile Osteoporose?

Bei der idiopathischen juvenilen Osteoporose (IJO) handelt es sich um eine Form von Knochenschwund, der sich im Kindes- und Jugendalter zeigt. Sie trägt auch die Bezeichnung Dent-Friedman-Syndrom, weil sie nach den Medizinern Dent und Friedman benannt wurde, die sie im Jahr 1965 erstmals beschrieben. Eine weitere Bezeichnung der Knochenkrankheit ist Osteoporose im Kindes- und Jugendalter.

Bei Osteoporose handelt es sich um eine progressive Krankheit, die durch die Einbuße an Knochendichte gekennzeichnet ist. Außerdem ist es möglich, dass es an Knochenbildung mangelt, wodurch die Knochen geschwächt sind, was sie deutlich anfälliger für Brüche macht. Selbst leichte Stürze, die normalerweise keine schweren Schäden zur Folge hätten, können eine Fraktur des betroffenen Knochens nach sich ziehen.

In der Regel sind besonders Senioren von einer Osteoporose betroffen. In seltenen Fällen zeigt sich der Knochenschwund aber auch schon bei Kindern oder Jugendlichen. Mediziner sprechen dann von einer juvenilen oder idiopathischen juvenilen Osteoporose. Im Durchschnitt erkranken Kinder zwischen 8 und 14 Jahren an dieser Osteoporoseform. Bei jüngeren Kindern tritt der Knochenschwund mitunter auch während der Wachstumsschübe auf.

Ursachen

In vielen Fällen lässt sich bei der juvenilen Osteoporose keine konkrete Ursache für das Entstehen des Knochenschwunds finden. Aus dem Grund wird der Begriff idiopathische juvenile Osteoporose gebraucht. In manchen Fällen ist der Knochenschwund aber auch die Folge einer genetischen Störung, zu der zum Beispiel Osteogenesis imperfecta gehört, oder einer auslösenden Grunderkrankung.

Dann handelt es sich um eine sekundäre juvenile Osteoporose. Zu den Krankheiten, die eine sekundäre Osteoporose im Kindes- und Jugendalter auslösen können, zählen unter anderem die juvenile Arthritis, eine Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus, die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), das Cushing-Syndrom, Erkrankungen der Nieren, Anorexia nervosa, Homocystinurie sowie Malabsorptionssyndrome.

Mitunter fördert auch die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln das Entstehen einer juvenilen Osteoporose. Dazu gehören in erster Linie Kortikosteroide, Antikonvulsiva gegen Krampfanfälle sowie Immunsuppressiva. Nicht selten spielt aber auch der Lebensstil der betroffenen Kinder beim Ausbruch des Knochenschwunds eine Rolle. So sind sie oft ungewöhnlich inaktiv oder leiden an einem Mangel an Vitamin D und Kalzium.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich eine idiopathische juvenile Osteoporose zumeist in der Präpubertät, also im Alter zwischen 8 und 12 Jahren, durch Schmerzen in der unteren Rückenregion, an den Hüften sowie an den Füßen. Oftmals haben die betroffenen Kinder Probleme beim Gehen. Auch die Gelenke und die untere Wirbelsäule sind betroffen. Außerdem kommt häufig das Wachstum zum Stillstand, sodass die Körpergröße des Kindes zurückgeht.

Im weiteren Verlauf nimmt der allgemeine Knochenschwund zu und es bilden sich sogenannte Fischwirbel aus. Nicht selten kommt es zu Frakturen an den Wirbeln sowie zu Kompressionsbrüchen an den langen Röhrenknochen. Weitere Merkmale sind ein verkürzter Brustkorb sowie eine unnormale Krümmung der oberen Wirbelsäule, was auch als Kyphose bezeichnet wird.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um rechtzeitig Therapiemaßnahmen gegen die idiopathische juvenile Osteoporose ergreifen zu können, ist eine frühzeitige Diagnosestellung überaus wichtig. So lassen sich die Knochen dann besser vor Frakturen schützen. Als wichtiger Hinweis für das Vorliegen einer idiopathischen juvenilen Osteoporose gelten die typischen Symptome. Darüber hinaus fertigt der Arzt Röntgenaufnahmen vom Skelett an und nimmt eine Messung der Knochendichte vor.

Auf den Röntgenbildern lassen sich die typischen Wirbelsäulenveränderungen in der Regel rasch erkennen. Mit der Knochendichtemessung wird die Demineralisation der Knochen festgestellt. Aus histologischer Sicht lassen sich Auflockerungen der Kortikalis, eine Rarefizierung der Trabekel sowie eine reduzierte Osteoidmenge ermitteln.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Differentialdiagnose. So gilt es, eine juvenile Polyarthritis, eine juvenile idiopathische Arthritis, Rachitis, Osteogenesis imperfecta oder Essstörungen von der IJO abzugrenzen. Der Verlauf der idiopathischen juvenilen Osteoporose ist in der Regel positiv. So kommt es nach dem Einsetzen der Pubertät zumeist zu einer spontanen Besserung. In schweren Fällen drohen mitunter allerdings dauerhafte Behinderungen durch Deformitäten der Rippen oder eine Verkrümmung der Wirbelsäule.

Komplikationen

Bei dieser Krankheit kommt es zu einem Knochenschwund. Dieser wirkt sich in der Regel sehr negativ auf den Alltag und die Lebensqualität des Patienten aus. Durch die juvenile Osteoporose kommt es dabei zu starken Schmerzen in den Füßen und in der Hüfte. Diese Schmerzen treten allerdings nicht vor dem achten Lebensjahr auf, weswegen keine frühzeitige Diagnose dieser Krankheit möglich ist.

Weiterhin kommt es zu Gehbeschwerden und gegebenenfalls zu Bewegungseinschränkungen des Patienten. Auch die Wirbelsäule und verschiedene Gelenke können von der Krankheit betroffen sein. Nicht selten kommt es ebenso zu einem Stillstand des Wachstums, sodass es zu Minderwuchs kommt. Das Risiko von Knochenbrüchen wird durch die juvenile Osteoporose ebenso erhöht.

In den meisten Fällen führen die Schmerzen zu Einschränkungen im Alltag und nicht selten zu depressiven Verstimmungen. Die Belastbarkeit des Patienten sinkt enorm ab und der Betroffene wirkt müde und abgeschlagen. In einigen Fällen kann sich die Krankheit spontan zurück entwickeln, sodass keine besondere Behandlung notwendig ist. Im Allgemeinen kann die Behandlung nur mit Hilfe von Medikamenten oder einer Physiotherapie erfolgen, wobei eine Heilung nicht garaniert werden kann. Die Lebenserwartung wird durch die Krankheit nicht eingeschränkt.

Therapie & Behandlung

Bislang ließ sich noch keine einheitliche Behandlungsform der idiopathischen juvenilen Osteoporose entwickeln. So wird die Therapie vom Arzt aufgrund von bestimmten Faktoren festgelegt. Dazu gehört der Umfang des Knochenschwunds, das Alter des Kindes, der allgemeine Gesundheitszustand, die Krankengeschichte und wie das Kind auf bestimmte Behandlungen und Arzneimittel reagiert. In einigen Fällen ist auch gar keine Therapie notwendig, weil sich die Osteoporose wieder zurückentwickelt.

Muss eine Behandlung durchgeführt werden, steht der Schutz von Knochen und Wirbeln vor Brüchen im Vordergrund. Zu den wichtigsten Therapiemaßnahmen zählen körperliches Training, eine Physiotherapie und weitere Maßnahmen, die unterstützend wirken. Als erfolgversprechend gilt zudem die zusätzliche Gabe von Vitamin D, Kalzium, Calcitonin und Fluorid.

In hartnäckigen Fällen werden auch Bisphosphonate verabreicht. Diese Mittel entfalten in der Regel eine positive Wirkung. Auch eine ausgewogene, gesunde Ernährung des Kindes ist von Wichtigkeit. Liegt eine Grunderkrankung vor, die eine sekundäre juvenile Osteoporose auslöst, muss diese entsprechend behandelt werden.

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Vorbeugung

Da die Ursachen der idiopathischen juvenilen Osteoporose unbekannt sind, ist es schwierig, dem Knochenschwund vorzubeugen. Allgemein wird empfohlen, dass das Kind sein Körpergewicht hält und sich viel bewegt. Darüber hinaus sollte es stets mit genügend Kalzium versorgt werden.

Das können Sie selbst tun

An idiopathischer juveniler Osteoporose leidende Kinder und Jugendliche sollten sich viel bewegen, um Knochen und Muskel zu stärken. Geeignet sind alle Sportarten, die Kraft und Ausdauer fördern und mit einem geringen Verletzungsrisiko verbunden sind, wie etwa Joggen, Schwimmen oder Tanzen. Kontakt- und Mannschaftssportarten bergen die Gefahr eines Knochenbruches und sind daher weniger empfehlenswert. Gezielte Gymnastikübungen unter der Anleitung eines Physiotherapeuten stabilisieren den Stützapparat des Körpers zusätzlich. Erkrankte Kinder und Jugendliche sollten nichts Schweres heben oder tragen, um bleibende Schäden an der Wirbelsäule zu vermeiden.

Wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an calciumreichen Lebensmitteln: Sehr gute Calciumquellen stellen Milchprodukte dar, aber auch in grünen Gemüsesorten wie etwa Grünkohl, Fenchel und Brokkoli sowie in Samen und Nüssen ist viel Calcium enthalten. Damit Calcium in ausreichender Menge vom Körper aufgenommen werden kann, ist Vitamin D nötig. Dieses kann der Organismus unter dem Einfluss von Sonnenlicht selbst bilden: Betroffene Kinder und Jugendliche sollten sich daher jeden Tag zumindest eine halbe Stunde dem Sonnenlicht aussetzen, um die Produktion von Vitamin D zu fördern. Oxalsäure und Phosphate hemmen die Aufnahme vom Calcium: Der Verzehr von Spinat, Rhabarber, roten Rüben, Fleisch, Wurstwaren, Kakao und Coca Cola ist daher nur in geringen Mengen anzuraten.

Bücher über Kinderkrankheiten

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethardt, F.U.: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart 2009
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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