Idiopathische Lungenfibrose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. Oktober 2017
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Bei der idiopathischen Lungenfibrose (auch idiopathische pulmonale Fibrose, kurz IPF ) bildet sich in der Lunge unkontrolliert Bindegewebe. Die Folge ist eine stark eingeschränkte Lungenfunktion. Eine Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine idiopathischen Lungenfibrose?

Die idiopathische Lungenfibrose ist eine chronische Lungenerkrankung und eine Form der Lungenfibrose. Die Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt. Daher wird sie als "idiopathisch" bezeichnet (von griechisch idios – "selbst" und pathos – "Leiden"). Sie verläuft langsam fortschreitend. Infolge überschießender Reparaturmechanismen bildet sich in der Lunge im Verlauf der Erkrankung immer mehr Bindegewebe (fibrosierende Erkrankung).

In der Folge wird das Lungengewebe zunehmend steifer und verliert an Elastizität. Dadurch sind die Lungenfunktion und besonders die Sauerstoffaufnahme ins Blut eingeschränkt. Die idiopathische Lungenfibrose ist selten und betrifft Männer etwas häufiger als Frauen. Die Diagnose wird meist ab dem 60. Lebensjahr gestellt. Kinder sind nicht betroffen. Verglichen mit anderen Formen der Lungenfibrose weist die idiopathische Lungenfibrose einen schnelleren Verlauf auf. Auch die Therapien unterscheiden sich.

Ursachen

Die Ursachen für die idiopathische Lungenfibrose sind nicht bekannt. Als Risikofaktoren gelten ein höheres Lebensalter und Rauchen. Auch genetische Faktoren, also Fälle von idiopathischer Lungenfibrose in der Verwandtschaft, scheinen eine Rolle zu spielen. Die vollständigen genetischen Hintergründe sind jedoch noch nicht geklärt. Bei der Erkrankung läuft ein natürlicher Reparaturmechanismus der Lunge unkontrolliert ab:

Als Reaktion auf kleine Verletzungen im Bereich der Lungenbläschen (Alveolen) bildet sich narbenähnliches Bindegewebe. Bei der idiopathischen Lungenfibrose geschieht dies krankhaft und es bildet sich übermäßig viel Bindegewebe. Dadurch wird die Lunge immer weniger dehnbar und die Lungenfunktion wird immer stärker eingeschränkt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die idiopathische Lungenfibrose hat einen schleichenden Beginn und verläuft anfangs häufig ohne Symptome. Erst im weiteren Verlauf treten Beschwerden auf, die unter anderem den Symptomen anderer Formen der Lungenfibrose und denen einer Herzinsuffizienz gleichen. Die Patienten leiden unter Atemnot.

Diese macht sich zunächst besonders bei Belastung bemerkbar, tritt später jedoch auch in Ruhe auf. Zudem kann die Atemfrequenz erhöht sein. Die Betroffenen leiden häufig unter einem anhaltenden Husten, der schlecht auf Hustenlöser anspricht. Ein Viertel der Patienten weist Trommelschlegelfinger auf. Durch die eingeschränkte Lungenfunktion entsteht ein Sauerstoffmangel, der zu Symptomen wie Müdigkeit, einer Blaufärbung von Lippen und Fingern, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust führen kann.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer idiopathischen Lungenfibrose kann nur gestellt werden, wenn keine Ursache für die Erkrankung festgestellt wird. Daher werden in einem Anamnesegespräch zunächst mögliche Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen. Von Bedeutung ist unter anderem, ob der Patient im privaten oder beruflichen Umfeld Kontakt mit potenziellen Auslösern hatte und ob er Medikamente einnimmt, die eine Lungenfibrose auslösen können.

Beim Abhören der Lunge kann der Arzt Rasselgeräusche beim Einatmen hören. Diese Geräusche treten anfangs nur in den unteren Lungenabschnitten auf, im weiteren Verlauf der Erkrankung aber auch in anderen Bereichen der Lunge. Bei der weiteren Diagnose kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Röntgenaufnahmen und CT (Computertomogramm) des Brustkorbs zeigen charakteristische krankhafte Strukturen des Lungengewebes und ein vermindertes Lungenvolumen.

In frühen Stadien der Erkrankung sind diese Veränderungen im CT eher erkennbar als auf den Röntgenaufnahmen. Ist der CT-Befund nicht eindeutig, kann zur Sicherung der Diagnose eine Lungenbiopsie notwendig sein. Dabei werden Gewebeproben aus der Lunge entnommen, die anschließend unter dem Mikroskop auf krankes Gewebe hin (pathohistologisch) beurteilt werden.

Eine Bronchiallavage kann dem Ausschluss von Differenzialdiagnosen dienen. Hierbei wird die Lunge mit einer Lösung gespült, die anschließend abgesaugt und auf bestimmte Zellvorkommen hin (zytologisch) untersucht wird. Bei einem Lungenfunktionstest zeigt sich eine eingeschränkte Lungenleistung. Differenzialdiagnostisch sind andere Formen der Lungenfibrose, medikamenteninduzierte Lungenschäden, eine COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), eine organisierende Pneumonie, ein diffuser Alveolarschaden und eine Kollagenose (Bindegewebserkrankung) auszuschließen.

Die idiopathische Lungenfibrose beginnt schleichend. Sie verläuft dann jedoch schneller als andere Formen der Lungenfibrose und hat eine schlechtere Prognose. Durchschnittlich leben die Betroffenen nach Diagnosestellung noch drei Jahre. Nur 20 bis 40 Prozent der Erkrankten leben nach der Diagnose noch fünf Jahre oder länger. Die Letalität beträgt 70 Prozent. Der Krankheitsverlauf kann jedoch von Patient zu Patient sehr verschieden sein.

Die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Die idiopathische Lungenfibrose kann außerdem andere Lungenerkrankungen und -infektionen begünstigen, die wiederum zu einer akuten Verschlechterung der Lungenfibrose führen können. Sie verläuft dann noch schneller mit plötzlicher massiver Verschlechterung der Lungenfunktion und kann tödlich enden.

Komplikationen

Bei der Lungenfibrose kommt es in der Regel zu einer Einschränkung der Lungenfunktion. Diese kann zu verschiedenen Beschwerden beim Patienten führen und verringert in den meisten Fällen die Lebensqualität des Betroffenen. Die Belastbarkeit des Patienten wird durch die Lungenfibrose stark verringert, die sich anhand von Abgeschlagenheit bemerkbar macht.

Die Betroffenen leiden an Atemnot, die nicht selten zu Panikattacken oder zu Schweißausbrüchen führt. Ebenso können sich daraus Herzbeschwerden ergeben, wobei der Patient im schlimmsten Falle an einem Herztod versterben kann. Es kommt zu einer Müdigkeit und zu einem Gewichtsverlust. Durch die Unterversorgung mit Sauerstoff können innere Organe und Extremitäten geschädigt werden oder komplett absterben.

Weiterhin kommt es zu einer Erhöhung der Atemfrequenz und zu einem starken Husten. In der Regel treten dann Komplikationen auf, wenn die Behandlung der Lungenfibrose erst spät beginnt. Diese erfolgt mit Hilfe von Medikamenten und kann die Beschwerden einschränken. In schwerwiegenden Fällen ist die Transplantation einer Lunge notwendig, um den Patienten am Leben zu erhalten. Unter Umständen ist die Lebenserwartung durch die Lungenfibrose eingeschränkt und verringert.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der idiopathischen Lungenfibrose hat keinen entscheidenden Einfluss auf das Überleben und die Lebensqualität des Betroffenen. Während andere Formen der Lungenfibrose mit Kortikosteroiden und Immunsuppressiva behandelt werden können, spricht die idiopathische Lungenfibrose auf diese Medikamente nicht an. Die Therapie der Erkrankung hat zum Ziel, die krankhafte Bildung von Bindegewebe zu verlangsamen oder, wenn möglich, aufzuhalten.

Des Weiteren werden im Rahmen einer symptomatischen Therapie die Beschwerden des Patienten behandelt. In fortgeschrittenen Stadien ist eine Langzeittherapie mit Sauerstoff notwendig. In geeigneten Fällen kann als letzte Möglichkeit eine Lungentransplantation durchgeführt werden. Dabei wird die Lunge des Erkrankten komplett durch eine Spenderlunge ersetzt.

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Vorbeugung

Anderen Formen der Lungenfibrose kann durch Vermeiden der jeweiligen Auslöser vorgebeugt werden. Da bei der idiopathischen Lungenfibrose keine Ursachen bekannt sind, ist dies in diesem Fall nicht möglich. Rauchen gilt jedoch als Risikofaktor, der vermieden werden kann.

Das können Sie selbst tun

In der Regel stehen dem Betroffenen bei dieser Erkrankung keine Möglichkeiten der Selbsthilfe zur Verfügung. Die Patienten sind aus diesem Grund immer auf eine medizinische Behandlung angewiesen.

Allerdings kann es sich beim Rauchen um einen Risikofaktor für die Erkrankung handeln, sodass der Betroffene auf das Rauchen verzichten sollte. Sollte ein anderer Auslöser bekannt sein, welcher zu den Symptomen der Erkrankung führt, so muss dieser ebenfalls vermieden werden. Die Patienten sind auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen. In ihrem Alltag sind dabei körperlich anstrengende Tätigkeiten zu vermeiden. Auch das Risiko von Infektionen und Entzündungen der Lunge kann erhöht sein, sodass bei Atembeschwerden immer sofort ein Arzt aufgesucht werden sollte.

In schwerwiegenden Fällen sind die Patienten auf die Unterstützung von Freunden und der Familie angewiesen. Dabei wirkt sich eine warmherzige Pflege positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Bei einer Lungentransplantation kann eventuell eine psychologische Unterstützung notwendig sein. Diese kann ebenso durch die Angehörigen und durch Freunde erfolgen, wobei der Kontakt mit anderen Patienten ebenfalls positive Auswirkungen auf den psychischen Zustand des Patienten haben kann.

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Quellen

  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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