Ich-Störung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
Startseite » Krankheiten » Ich-Störung

Bei einer Ich-Störung ist immer ein theatralisches und egozentrisches Verhalten zu beobachten. Eine Therapie kann jedoch nur erfolgen, wenn die Betroffenen Einsicht zeigen und wirklich etwas an ihrem Verhalten ändern wollen. Der Patient muss die Hilfe wollen und muss sich den Therapeuten selbst suchen. Erst dann kann eine langjährige Psychotherapie beginnen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Ich-Störung?

Eine Ich-Störung ist eine Persönlichkeitsstörung, die sich auf das ganze Leben auswirken kann. Das Verhaltensmuster beeinflusst die Menschen in ihrem Denken, Fühlen und in Beziehungen. Die Ich-Störung wirkt sich auch sehr negativ auf das Berufsleben aus und im Alltagsleben sind die Handlungen eben anders, als bei „normalen“ Menschen.

Die Betroffenen zeigen eine übertriebene Emotionalität und dramatisieren die Erlebnisse gerne. Zumindest wird das von anderen Personen so empfunden. Dagegen wirken die gezeigten Gefühle oberflächlich und aufgesetzt, weil diese Menschen echte Gefühle gar nicht zulassen. Sie können und wollen gar kein Identitätsgefühl haben, sie sind leicht zu beeinflussen und ändern ständig ihre Meinung.

Auch die ständige Suche nach Aufmerksamkeit ist zu beobachten, Betroffene wollen stets im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Wenn sie merken, dass die Aufmerksamkeit anderen Personen oder Gegenständen geschenkt wird, reagieren sie sehr sensibel und versuchen alles, um wieder Mittelpunkt zu sein.

Außerdem wird ein sehr schnelllebiges Beziehungsverhalten an den Tag gelegt, diese Menschen wechseln also oft den Partner und sind zu tiefen Sozialkontakten gar nicht fähig. Gleichgeschlechtliche Freundschaften sind sehr schwierig, meist wird nur der jeweilige Partner überhaupt wahrgenommen und auch nur, weil die sexuelle Anziehungskraft gegeben ist.

Ursachen

Die Ursachen der Ich-Störung ist noch nicht ausreichend erforscht, doch wie bei allen psychischen Erkrankungen werden die Weichen schon in der Kindheit gestellt. Wenn die Kinder keine eigene Persönlichkeit entwickeln können, kann sich eine Ich-Störung zeigen. Diesen Kindern wurde ein falsches Gefühl von Liebe vermittelt, es fehlte also an Aufmerksamkeit, stabile Familienverhältnisse oder ausreichender Unterstützung.

Auch eine genetische Vorbelastung kann die Ursache sein. Häufig liegen die traumatischen Erlebnisse in der frühesten Kindheit oder gar in der Schwangerschaft. Wie und wann sich aber eine Persönlichkeitsstörung entwickelt, ist leider nicht erforscht. Die Krankheite zeigt sich immer anhand eines auffälligen Verhaltens. Es besteht ein Hang zu Dramatisierung und Theatralik.

Streben nach Aufmerksamkeit ist ebenfalls ein Hinweis auf eine Ich-Störung und Betroffene müssen immer im Mittelpunkt stehen. Ein provokantes Verhalten ist auch zu verzeichnen, insbesondere wenn Sex und Verführung angesagt ist. Betroffene zeigen ähnlich Symptome, wie sie auch bei Narzissmus auftreten. Eine sichere Diagnose kann nur in einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Klinik erfolgen.

Zunächst muss natürlich die Ich-Störung anhand verschiedener Tests nachgewiesen sein, damit eine Therapie beginnen kann. Differenzialdiagnosen müssen eindeutig ausgeschlossen werden, aber wenn fünf Punkte der folgenden Symptome zutreffen, kann man von einer Ich-Störung sprechen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Patient fühlt sich unwohl, wenn er nicht im Mittelpunkt steht Er versucht Aufmerksamkeit zu erregen. Zwischenmenschliche Kontakte sind nur möglich, wenn ein übertriebenes Sexualverhalten möglich ist. Der Gefühlszustand wirkt sehr oberflächlich. Der Betroffene schildert alle Vorgänge sehr theatralisch und tendiert zur Selbstdramatik.

Die Schilderung der Menschen enthalten nur wenige Details der jeweiligen Situation. Betroffene sind leicht zu beeinflussen. Sie können Beziehungen nicht mehr richtig einordnen, Beziehungen werden enger beschrieben, als sie tatsächlich sind. Die Störung wird bereits in der Kindheit angelegt und im bricht im Erwachsenenleben aus.

Vollständig heilbar ist eine Ich-Störung nicht, durch eine Therapie können Patienten aber ein normales Leben führen. Doch das kann nur geschehen, wenn die Krankheit rechtzeitig behandelt wird und der Schweregrad der Erkrankung noch nicht allzu weit fortgeschritten ist. Doch der Patient muss mit der Therapie auch einverstanden sein.

Komplikationen

Ich-Störungen können im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten und müssen immer im Zusammenhang mit diesen gesehen werden. Grundsätzliches Kennzeichen ist, dass die Grenzen zwischen dem Ich und der Außenwelt verschwimmen. Da Ich-Störungen ein ganzes Spektrum an Symptomen umfassen und in den verschiedensten Formen auftreten können, ist es mitunter sogar für medizinisch geschultes Personal schwierig, diese als solche zu erkennen.

Menschen, die an Gedankeneingebung, Gedankenausbreitung, Gedankenentzug, Fremdsteuerung und Willens- und Gefühlsbeeinflussung leiden (zumindest gehen die Betroffenen davon aus), können zu bizarren Verhaltsweisen neigen. Diese stellen de facto Abwehrreaktionen der Betroffenen dar, um sich einer vermeintlichen Beeinflussung durch einen fremden Willen zu entziehen. Dabei kann es auch zu aggressiven Ausbrüchen kommen.

Für Außenstehende kann dies bizarr und befremdend wirken. Sie haben häufig Schwierigkeiten, Ich-Störungen als solche einzuordnen. Zudem sind die Betroffenen meist so sehr in ihrer eigenen Gedankenwelt verhaftet, dass sie nur schwer für Argumente von außen zugänglich sind. Eine Folge ist, dass Betroffene möglicherweise falsch behandelt werden (beispielsweise disziplinarisch) oder von der Umwelt ganz ausgegrenzt werden.

Dies betrifft auch das Spektrum der gestörten emotionalen Wahrnehmungen wie die Depersonalisierung oder die Derealisation. Solche Phänomene bringen es mit sich, dass Menschen, die darunter leiden, nur schwer aus ihrem Zustand herausgeholt werden können. Aus diesem Grund gestaltet sich eine Behandlung schwierig.

Behandlung & Therapie

Es ist eine sehr anstrengende Behandlung, für den Betroffenen selbst und auch für die Angehörigen. Selbst der Psychotherapeut ist herausgefordert. Möglich ist eine Behandlung nur dann, wenn der Ich-Gestörte die Erkrankung wirklich wahrnimmt und eine Verbesserung seiner Situation wirklich will. Es ist eine Grundvoraussetzung dass der Patient mitarbeitet, eine Therapie ist sonst gar nicht möglich.

In vielen Fällen hat eine Verhaltenstherapie den größten Erfolg. Es kann zwar Ursachenforschung betrieben werden und mitunter ist diese auch sehr hilfreich. Aber der Betroffene sollte sein Verhalten ändern und neue Verhaltensmuster einüben. Die Behandlung wird oft begleitet von Psychopharmaka, doch wenn ein Patient unter Depressionen leidet, sind diese Mittel wenig hilfreich.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Einer Ich-Störung kann man nur im frühen Kindesalter entgegenwirken. Die Eltern können Ihren Nachwuchs nur zu starken Persönlichkeiten erziehen. Betroffene selbst haben hier keine Chance und können nicht vorbeugen. Fehlerhafte Persönlichkeitsentwicklungen lassen sich aber schon im Jugendalter erkennen, bereits jetzt kann ein Jugendpsychotherapeut wertvolle Hilfe leisten.

So lässt sich in vielen Fällen die Ich-Störung verhindern oder sie zumindest mildern. Eine Vorbeugung gibt es nicht, denn dazu sind die Ich-Störungen zu wenig erforscht. Aber bei einer möglichst unbeschwerten Entwicklung des Kindes, wird es zu einer Ich-Störung nicht kommen. Umgehen kann man die Ich-Störung nicht, aber das Umfeld dieser Personen sollte sensibilisiert sein.

Diese Personen können schon bei den ersten Symptomen eine Therapie anraten, damit sich die Ich-Störung nicht manifestieren kann und ein chronischer Verlauf dieser Erkrankung verhindert wird. Andere vorbeugende Maßnahmen gibt es nicht, es liegt immer ein traumatisches Erlebnis zugrunde, das nur der Betroffene selbst auflösen kann.

Das können Sie selbst tun

Viele Betroffene haben Probleme, ihren Alltag zu strukturieren und zu organisieren. Sie versuchen, schnellstmöglich wieder den früheren und gewohnten Lebensstil wieder aufzunehmen. Eklatant wichtig ist jedoch, zu akzeptieren, dass eine Genesung nur in kleinen Schritten erfolgen kann. Jegliche Form der Überforderung ist kontraindiziert und führt im ungünstigsten Fall zu Frustration und Rückschlägen.

Zur Vermeidung von Überforderung ist es sinnvoll, jeden Tag ausführlich zu planen. Eine gute Möglichkeit ist, diese Planung schriftlich durchzuführen. Die Planung realistisch anzugehen und sich nicht zu viel vorzunehmen, erleichtert die Einhaltung des Plans. Ebenfalls angezeigt ist die Einteilung nach Aufgabenpriorität mittels einer Liste. Alle Aufgaben mit höchster Priorität an einem Tag zu planen, erzeugt Druck. Eine Mischung aus wichtigen und weniger wichtigen Aufgaben minimiert dies. Ebenfalls unangebracht ist, den Tag nur mit Pflichten zu füllen. Genug Freiraum für Freizeit ist ebenso wichtig.

Die Motivation wird gesteigert, wenn die Tagesplanung einen besonderen Höhepunkt enthält, der dem Betroffenen sehr angenehm ist. Dieser Höhepunkt kann sowohl beruflicher als auch privater Natur sein. Erleichtert wird die Tagesplanung, wenn jeder Tag zu selben Uhrzeit begonnen wird. Die medikamentöse sowie psychosoziale Behandlung sollte, sofern vorhanden, in diesem Tagesplan nicht vergessen werden.

Bücher über Persönlichkeitsstörung

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: