Hypovolämie

Letzte Aktualisierung am 5. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Der Begriff Hypovolämie bezeichnet einen Volumenmangel im Kreislaufsystem. Das bedeutet, dass die zirkulierende Blutmenge vermindert ist. Infolge einer Hypovolämie kann es zu einem lebensbedrohlichen hypovolämischen Schock kommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypovolämie?

Bei einer Hypovolämie ist die Menge Blut, die sich im Blutkreislauf befindet, vermindert. Die Hypovolämie ist das Gegenteil der Hypervolämie. Die Blutmenge im menschlichen Körper entspricht im Normalfall sieben bis acht Prozent des Körpergewichts. Ein 70 Kilogramm schwerer Mensch hat somit rund fünf Liter Blut. Der Verlust von etwa 750 Millilitern Blut ist nicht im kritischen Bereich. Ab einem Verlust von 1,5 Litern treten die ersten Symptome auf. Verluste von mehr als zwei Litern Blut können lebensbedrohend sein.

Ursachen

Häufigste Ursache für eine Hypovolämie sind Blutungen. Dabei kann zwischen inneren und äußeren Blutungen unterschieden werden. Äußere Blutungen treten nach außen aus dem Körper aus, innere Blutungen bluten in den Körper ein. Drastische Blutungen können durch Verletzungen von Gefäßen entstehen. So können Schnittverletzungen großer Arterien oder die Ruptur eines Aortenaneurysmas innerhalb kürzester Zeit zu einer Hypovolämie führen.

Auch Blutungen im Gastrointestinaltrakt, beispielsweise durch rupturierte Geschwüre oder Tumore, können so massiv sein, dass es zu einer Hypovolämie kommt. Frakturen von gut durchbluteten Knochen führen ebenfalls zu einem starken Blutverlust. Auch durch Verlust von Plasma oder Flüssigkeiten reduziert sich die zirkulierende Blutmenge. Flüssigkeitsverluste treten bei heftigem und anhaltendem Durchfall oder bei starkem Schwitzen auf. Plasmaverluste finden sich hingegen bei schweren Entzündungen oder großflächigen Verbrennungen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Da nicht mehr so viel Blut in den Blutgefäßen zirkuliert, fällt der Blutdruck ab. Die Blutdruckamplitude ist klein. Die Blutdruckamplitude ist die Differenz zwischen dem systolischen und dem diastolischen Blutdruckwert. Die normale Blutdruckamplitude liegt bei etwa 40 mmHg. Um den niedrigen Blutdruck auszugleichen, erhöht der Körper die Pulsfrequenz. Trotzdem kommt es meist zu einer unzureichenden Durchblutung der Peripherie. Der zentrale Venendruck ist verringert, die Harnausscheidung vermindert.

Wird keine Flüssigkeit beziehungsweise kein Blut substituiert, kommt es früher oder später zum hypovolämischen Schock. Die Hypovolämie und der Volumenmangelschock lassen sich grob in drei Stadien einteilen. Im Anfangsstadium ist der Blutdruck normal. Die Haut erscheint blass und ist kühl und feucht. Sonstige Zeichen der Dekompensation sind noch nicht zu erkennen. Im zweiten Stadium kommt es zur Tachykardie. Das bedeutet, dass die Pulsfrequenz beschleunigt ist. Der Puls ist schwach und deshalb schlecht tastbar.

Der systolische Blutdruck sinkt auf Werte unter 100 mmHg. Die Harnausscheidung geht zurück und die Patienten klagen über starken Durst. Die Halsvenen sind nicht mehr erkennbar, da sie aufgrund des Flüssigkeitsmangels kollabiert sind. Im dritten Stadium zeigen sich massive Zeichen der Dekompensation. Der systolische Blutdruck liegt unter 60 mmHG, der Puls ist nicht mehr tastbar. Die Atmung flacht ab und wird schneller. Es kommt zum Ausfall der Nierenfunktion mit Anurie und zu Bewusstseinsstörungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Erste Hinweise auf eine Hypovolämie liefern die Symptome der Ursache. Eventuell sind offene Wunden zu erkennen, die Patienten berichten von Durchfällen, Verbrennungen sind sichtbar oder die Schmerzen geben Hinweise auf innere Blutungen. Eine sorgfältige Anamnese ist deshalb obligat. Auch Symptome wie Kaltschweißigkeit, eingefallene Venen oder ein kaum tastbarer Puls weisen auf eine Hypovolämie hin.

Zur Abschätzung des Ausmaßes der Hypovolämie eignet sich der sogenannte Schockindex. Hierbei wird die Pulsfrequenz durch die Höhe des systolischen Blutdruckwerts geteilt. Werte kleiner eins sind physiologisch. Rund um den Wert eins droht ein Schock. Alle Werte größer eins können als Hinweis auf einen manifesten Schock gewertet werden.

Komplikationen

Durch die Hypovolämie kann es im schlimmsten Falle zum Tode kommen. Die Belastbarkeit des Patienten wird durch die Krankheit erheblich eingeschränkt und es kommt zu einer starken Verringerung der Lebensqualität und zu Einschränkungen im Alltag. Durch den niedrigen Blutdruck kann es ebenso zu einem Bewusstseinsverlust kommen, bei welchem sich der Patient durch einen Sturz oder einen Unfall verletzen kann.

Auch die Harnausscheidung ist beim Patienten verringert. Der Betroffene wirkt oft blass und abgeschlagen und leidet an einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Weiterhin kommt es zu einem verehrten Durst. Ohne Behandlung können die Nieren beschädigt werden, sodass es zu einer Niereninsuffizienz kommt. Dabei ist der Betroffene auf eine Dialyse oder auf ein Spenderorgan angewiesen. Es treten auch Bewusstseinsstörungen und Koordinationsstörungen auf.

Die Behandlung erfolgt mit Hilfe von Infusionen. Weiterhin wird auch das Volumen beim Patienten wieder erhöht, um Folgeschäden zu vermeiden. Bei einer frühzeitigen Behandlung kommt es zu keinen Komplikationen. Diese können allerdings dann auftreten, wenn die Hypovolämie nicht schnell genug behandelt wird. Dabei werden Organe irreversibel geschädigt, was im schlimmsten Falle zum Tode des Patienten führen kann.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein niedriger Blutdruck können auf eine Hypovolämie hinweisen. Wenn diese Symptome länger als zwei bis drei Tage bestehen bleiben und im Verlauf an Intensität zunehmen, ist ärztlicher Rat gefragt. Auch starker Durst und Bewusstseinsstörungen, die auf keine andere Ursache zurückzuführen sind, müssen von einem Arzt abgeklärt werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Beschwerden im Zusammenhang mit einer Verletzung auftreten, bei welcher der Betroffene viel Blut verloren hat.

Sollte begleitend dazu der Blutdruck abfallen, muss umgehend ein Arzt konsultiert werden. Andernfalls kann es zu ernsten Komplikationen kommen. Bei ersten Anzeichen eines hypovolämischen Schocks muss der Notarzt gerufen werden. Der Betroffene muss in jedem Fall in einem Krankenhaus untersucht und behandelt werden, wobei eine Hypovolämie in der Regel gut behandelt werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass der Mangel an Blut im Körper frühzeitig erkannt und abgeklärt wird. Neben dem Hausarzt kann ein Facharzt für innere Medizin aufgesucht werden.

Therapie & Behandlung

Ziel der Behandlung einer Hypovolämie ist die Normalisierung des zirkulierenden Blutvolumens. Dies wird meist mit einer Gabe von isotonen kristallinen oder kolloidalen Infusionslösungen erreicht. Zur besonders raschen Volumensubstitution stehen auch hyperosmolare Infusionslösungen zur Verfügung.

Selbstverständlich muss nicht nur die Hypovolämie selbst, sondern auch die Ursache des Volumenmangels behandelt werden. Bei Blutverlusten müssen die Blutungen schnellstmöglich gestillt werden. Blutende Wunden sollten wenn möglich mit einer Wundauflage abgedeckt werden. Bei stärkeren Blutungen wird in der Regel zunächst ein Druckverband angelegt. Lässt sich durch diesen keine Blutstillung erreichen, kann es nötig sein, Blutgefäße abzubinden. Nach dieser Erstversorgung werden starke Blutungen dann meist operativ behandelt. Zusätzlich zu diesen Therapien wird mittels Bikarbonatpufferlösungen einer Übersäuerung des Körpers vorgebeugt.

Bedingt durch die Herabsetzung der Nieren- und Lungendurchblutung kann es in der Folge einer Hypovolämie zu einer Schockniere oder zu einer Schocklunge kommen. Die Schockniere bezeichnet ein Nierenversagen im Rahmen des Schockgeschehens. Bei jeder Reduktion des Harnvolumens während eines Schocks ist an eine Schockniere zu denken.

Die Schocklunge wird auch als akutes Lungenschädigungs-Syndrom bezeichnet. Wenige Tage nach dem eigentlichen Schock kommt es zu einem Lungenödem mit Atemnot. Auch eine Blaufärbung der Haut, Unruhe und Verwirrtheit können auftreten.

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Vorbeugung

Um einem hypovolämischen Schock vorzubeugen, sollte immer auf einen ausgewogenen Flüssigkeitshaushalt geachtet werden. Bei starken Durchfällen oder bei längerfristigem Erbrechen sollte stets ausreichend Flüssigkeit substituiert werden. Dazu eignen sich besonders Elektrolytlösungen aus der Apotheke. Zudem sollte bei anhaltendem Durchfall und insbesondere bei Durchfall bei Kindern immer ein Arzt aufgesucht werden.

Dasselbe gilt bei Symptomen wie starken Magen- oder Darmschmerzen. Hinter diesen Schmerzen kann sich ein Geschwür verbergen. Wenn dieses rupturiert, kann es zu schweren inneren Blutungen kommen. Dies kann durch eine frühzeitige Diagnose und eine entsprechende Therapie verhindert werden.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Hypovolämie muss zunächst die Ursache des Volumenmangels behandelt werden. Bei Blutverlusten muss die Blutung umgehend gestillt und die Wunde nach Möglichkeit mit einer Wundauflage abgedeckt werden. Stärkere Blutungen sollten mit Hilfe eines Druckverbands gestoppt werden. In schweren Fällen ist es notwendig, die Blutgefäße abzubinden.

Sollte es bereits zu einem hypovolämischen Schock gekommen sein, muss der Verletzte in die Schocklage gebracht werden. Durch ein Hochlagern der Beine kann das Blut aus den Beinen in den Körper fließen und dadurch das Blutvolumen im Oberkörper regulieren. Die Ersthelfer sollten begleitend dazu einen Notarzt rufen.

Die ärztliche Behandlung einer Hypovolämie kann durch einige Hygienemaßnahmen und eine Umstellung der Lebensgewohnheiten unterstützt werden. In den ersten Tagen nach der Operation muss die Wunde sorgsam gepflegt und gut beobachtet werden. Wenn sich Anzeichen einer Infektion oder anderer Komplikationen bemerkbar machen, sollte der Betroffene den Arzt darüber informieren. Die Diät sollte so zusammengestellt werden, dass etwaige Mangelerscheinungen in Folge des Blutverlustes rasch ausgeglichen werden können. Zwar werden üblicherweise schon im Krankenhaus Infusionen gesetzt, eine ergänzende Diät ist dennoch sinnvoll.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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