Hypospadie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Eine Hypospadie ist eine Fehlentwicklung im Urogenitaltrakt. Bei betroffenen Jungen sitzt die Harnröhre nicht an der Penisspitze. Dies führt zu verschiedenen funktionellen Einschränkungen, die operativ behandelt werden können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hypospadie?

Bei einer Hypospadie liegt die Harnröhrenöffnung auf der Unterseite des Penis und mündet nicht an der Penisspitze. Die Harnröhre ist dabei verkürzt.

Je nach Schweregrad kann die Harnröhre dann unterhalb der Eichel oder sogar am Perineum enden. Dadurch ist es für den betroffenen Jungen bzw. den betroffenen Mann schwer im Stehen zu urinieren, da der Strahl nach hinten verläuft. Die Hypospadie zählt zu den häufigsten genetisch bedingten Fehlbildungen des männlichen Urogenitaltrakts. Sie geht nicht selten mit einer enormen psychischen Belastung der Eltern sowie des betroffenen Jungen einher.

Es wird zwischen glandulärer, peniler und skrotaler Hypospadie unterschieden. Am häufigsten tritt die leichteste Form, nämlich die glanduläre Hypospadie, auf. Dabei liegt die Harnröhrenöffnung an der Unterseite der Eichel. Bei der penilen Hypospadie mündet die Harnröhre in den Penisschaft, was therapiebedürftig ist und zu Funktionseinschränkungen führen kann.

Die schwerste Form ist die skrotale Hypospadie, hier liegt die Harnröhrenöffnung an der Penisbasis bzw. am Perineum.

Ursachen

Die Hypospadie ist eine erbliche Fehlbildung. Um die 14. Schwangerschaftswoche ist die Harnröhrenbildung meist beendet. Bis zu diesem Zeitraum kann es jedoch zu Entwicklungsstörungen bzw. Unterbrechungen der Entwicklung kommen. Der Schweregrad der Hypospadie hängt davon ab, in welchem Entwicklungsstadium die Störung eintritt.

Neben dem erblichen Faktor spielen auch endokrinologische und umweltbedingte Einflüsse eine Rolle. So konnte ein Defekt der Rezeptoren für Testosteron nachgewiesen werden. Nimmt die Mutter während der Schwangerschaft das Hormon Progesteron ein, kann dies das Risiko des Babys eine Hypospadie zu entwickeln, erhöhen.

Darüber hinaus scheinen untergewichtig geborene Babys überdurchschnittlich häufig an einer Hypospadie zu leiden. Die genauen Faktoren, die zu diesem Krankheitsbild führen, sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Basisdiagnose stellt der behandelnde Urologe nach einer ausführlichen körperlichen Untersuchung. Danach wird in den meisten Fällen eine Sonographie der Harnröhre angeordnet. Dies dient unter anderem auch der Abklärung des Schweregrads.

Ist die Ultraschalluntersuchung auffällig, wird in weiterer Folge ein Urogramm angefertigt. Dabei handelt es sich um ein Kontrastmittelröntgen der Nieren sowie der Harnwege. Neben diesen diagnostischen Maßnahmen kann auch eine Miktionszystourethrographie (MCU) durchgeführt werden, dabei wird die Blase vor und nach dem Urinieren einer Röntgenuntersuchung unterzogen. Im Rahmen der Diagnosestellung ist es auch wichtig den Schweregrad der Hypospadie zu bestimmen.

Grundsätzlich ist der Verlauf einer Hypospadie mit der richtigen Therapie absolut positiv. In vielen Fällen kann die Fehlentwicklung durch geeignete Maßnahmen sowohl kosmetisch als auch funktionell behoben werden.

Komplikationen

Durch die Hypospadie kommt es beim Patienten zu Beschwerden an den Geschlechtsorganen. In den meisten Fällen leidet der Patient an Beschwerden beim Ejakulieren und beim Wasserlassen. Dabei kann es zu starken und brennenden Schmerzen kommen, die den Alltag negativ beeinflussen. Außerdem leiden die meisten Männer an Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Durch diese Schmerzen können sich oft psychische Beschwerden entwickeln, sodass es zu Minderwertigkeitskomplexen oder zu einem verringerten Selbstwertgefühl kommt. Weiterhin kann es auch zu Depressionen und zu anderen psychischen Beschwerden kommen. Die Hypospadie muss nicht in jedem Fall behandelt werden.

Sollte der Patient nicht an starken Beschwerden leiden oder sich in seinem Alltag eingeschränkt fühlen, so muss auch nicht zwingend eine Behandlung erfolgen. In diesem Falle treten damit auch keine Komplikationen ein. Eine Behandlung ist dann notwendig, wenn die Hypospadie zu Schmerzen oder zu starken psychischen Komplikationen führt.

Dabei ist in der Regel ein operativer Eingriff notwendig. Bei diesem Eingriff treten ebenfalls keine besonderen Komplikationen auf. In seltenen Fällen können sich die Schnittstellen nach der Operation entzünden und müssen daher mit Hilfe von Antibiotika behandelt werden. Die Lebenserwartung wird durch die Hypospadie nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Bei leichten Fällen einer glandulären Hypospadie ist meist keinerlei therapeutisches Eingreifen notwendig. Nicht selten sind sich Betroffene mit sehr leichten Formen ihrer Hypospadie gar nicht bewusst.

Liegen jedoch funktionelle Einschränkungen vor, ist ein operativer Eingriff meist empfehlenswert. Dieser findet optimalerweise ab dem ersten Lebensjahr des betroffenen Jungen statt. Ist die Harnröhre verengt, kann eine Operation bereits bei Säuglingen nötig sein. Es handelt sich um eine komplizierte Operation, die mehrere Stunden dauern kann. Der Eingriff findet immer unter Vollnarkose statt.

Um eine Hypospadie zu korrigieren, gibt es verschiedene chirurgische Herangehensweisen, die sich nach dem vorliegenden Schweregrad der Fehlentwicklung richten. Die Chirurgen müssen auch andere häufig zusammen mit der Hypospadie auftretende Fehlbildungen im Urogenitaltrakt beachten. Dazu zählen unter anderem Fehlentwicklungen der Schwellkörper im Penis oder eine Penisschaftverkrümmung.

Nicht selten liegt auch ein gespaltenes Präputium vor, das bedeutet, dass die Vorhaut auf der einen Seite länger ist und auf der anderen Seite des Penis fehlt. Bei einer Operation wird die Harnröhre an die Penisspitze gesetzt. Dadurch soll normales Urinieren bzw. eine normale Erektion ermöglicht werden. Die Chirurgen versuchen darüber hinaus den Penis zu Begradigen.

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Vorbeugung

Da es sich bei einer Hypospadie um eine genetisch bzw. endokrinologisch bedingte Fehlentwicklung im Urogenitaltrakt handelt, die während der frühen Schwangerschaft entsteht, ist eine Vorbeugung nicht möglich.

Das können Sie selbst tun

Besteht nur eine leichte Fehlbildung im Bereich der Eichel, muss eine Hypospadie in den meisten Fällen nicht behandelt werden. Dennoch können Schmerzen beim Urinieren und im späteren Leben auch beim Geschlechtsverkehr auftreten, die, insofern es sich um leichte Beschwerden handelt, mittels leichter Schmerzmittel aus der Apotheke behandelt werden können.

Bei größeren Beschwerden ist unter Umständen eine Operation vonnöten. Nach einem solchen Eingriff können die Betroffenen die Genesung fördern, indem sie auf entsprechende Hygienemaßnahmen achten und den Bereich, an dem die Operation stattgefunden hat, für einige Tage schonen. Auf Tätigkeiten, die den Penis und generell den Intimbereich belasten könnten, sollte in der ersten Zeit nach dem Eingriff verzichtet werden.

Da eine Operation meist in den ersten beiden Lebensjahren stattfindet, müssen die Eltern auf etwaige Auffälligkeiten achten und bei Anzeichen von Schmerzen und ähnlichen Symptomen den zuständigen Arzt kontaktieren. Weitere Maßnahmen beschränken sich darauf, die Operationsnarbe gut zu pflegen, um die Entstehung einer größeren Narbe zu verhindern. Das Kind sollte so gut wie möglich über die Gründe für den Eingriff informiert werden.

Bücher über den Penis

Quellen

  • Gasser, T.: Basiswissen Urologie. Springer, Berlin 2011
  • Finke, F., Piechota, H., Schaefer, R.M., Sökeland, J., Stephan-Odenthal, M., Linden, P.: Die urologische Praxis. Uni-Med, Bremen 2007
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014

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