Hyposensibilisierung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Die Hyposensibilisierung ist eine Therapie, mit der versucht wird, die Auswirkungen von allergischen Erkrankungen einzudämmen. Bei der Hyposensibilisierung werden geringe Mengen von allergenen Stoffen in den Organismus eingebracht. Das Ziel der Behandlung ist, dass eine Gewöhnung an die allergieauslösenden Substanzen eintritt und es nicht mehr zu den überschießenden Reaktionen des Immunsystems kommt.


Inhaltsverzeichnis

Was ist die Hyposensibilisierung?

Die Hyposensibilisierung wird auch als Allergieimpfung bezeichnet. Die Schulmedizin bietet heute mit der Hyposensibilisierung die einzige Therapie an, die das Ziel hat, Allergien ursächlich zu behandeln. Die Namensgebung setzt sich zusammen aus der griechischen Vorsilbe „hypo“, die in diesem Zusammenhang die Bedeutung von „abschwächen“ hat und dem lateinischen Begriff „sensus“ für Empfindung. Damit ist beschrieben, was die Therapie bewirken soll.

Das körpereigene Immunsystem wird durch wiederholte und stetig ansteigende Gaben an allergene Stoffe wie Blütenpollen oder Hausstaubmilben gewöhnt. Das Immunsystem soll die Stoffe nicht mehr als Bedrohung empfinden. Es lernt, den Kontakt mit diesen allergenen Substanzen als ganz normal einzustufen. Für den Patienten soll dieses Training des eigenen Immunsystems erreichen, dass sich die quälenden Symptome der Allergie wie juckende Haut, anhaltender Fließschnupfen, gerötete Augen und gereizte Schleimhäute der Atemwege sich nach einer abgeschlossenen Hypodesensibilisierung bessern oder sogar ganz verschwunden sind.

Ein weiteres Ziel ist, mit der Hyposensibilisierung das Entstehen von weiteren Allergien zu verhindern. Bei Heuschnupfen soll mit der Therapie der gefürchtete „Etagenwechsel“ vermieden werden. Dabei handelt es sich um eine Ausweitung der allergischen Atemwegsreaktionen hin zu asthmatischen Beschwerden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Immer mehr Menschen in den Industrieländern leiden an allergischen Reaktionen. Die Ursachen für die Ausweitung der Patientenzahlen sind nicht bekannt. Es gibt Vermutungen, dass eine Kindheit in einer zu sterilen Umgebung das Allergiepotenzial fördern kann. Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, erheblich seltener mit Heuschnupfen zu kämpfen haben als Stadtkinder. Der Kontakt mit verschiedenen Tieren und mit der Natur auf einem Bauernhof ist wahrscheinlich ein besonders gutes Training für das Immunsystem.

Gräser- und Blütenpollen wirbeln in der Vegetationsperiode überall herum. Niemand kann ihnen komplett ausweichen. Hausstaubmilben und Schimmelpilze sind weitere Stoffe, die sich überall in unserer Umgebung befinden. Wenn sie nicht in einer besonders hohen Konzentration auftreten, stellen sie für unser Immunsystem keine Gefahr dar. Dennoch leiden immer mehr Menschen an überschießenden Reaktionen auf diese Stoffe.

Meist handelt es sich um eine allergische Reaktion vom Soforttyp, die die genannten Substanzen verursachen. Aber auch Nahrungsmittel, Tierhaare und andere uns umgebenden und eigentlich harmlose Substanzen können gesundheitliche Probleme bereiten. Heute gibt es Medikamente, die die Immunantwort dämpfen sollen. Ursächlich an der Problematik etwas ändern können die Arzneien jedoch nichts.

Vor einer Hyposensibilisierung wird vom behandelnden Arzt ein Allergietest durchgeführt, bei dem die Reaktionen auf verschiedene allergene Substanzen ausgetestet werden. Danach wird festgelegt, auf welche Stoffe sich die Hypodesensibilisierung erstrecken soll. Meist werden die Allergene in winzigsten Mitteln gespritzt. Deshalb wird auch von einer subkutanen Immuntherapie gesprochen.

In den letzten Jahren wurden neue Verfahren entwickelt, bei denen die Allergen als Tropfen oder Tabletten eingenommen werden können. Hierbei liegen jedoch über die Wirkung dieser Form der Hyposensibilisierung noch keine so umfangreichen Erfahrungen vor wie bei der Spritzentherapie. Die Behandlung erstreckt sich über mehrere Jahre, in denen immer wieder das Immunsystem mit Allergenen in Kontakt gebracht wird. Die Hyposensibilisierung als Immuntraining wird empfohlen, wenn die allergischen Symptome die Lebensqualität des Patienten stark belasten oder eine Verschlimmerung in Richtung Asthma droht.

Die Hyposensibilisierung ist eine Therapie, mit der versucht wird, die Auswirkungen von allergischen Erkrankungen einzudämmen.

Nicht für alle Patienten ist die Hyposensibilisierung gleichermaßen geeignet. Es gibt Ausschlusskriterien, die gegen die Allergie-Impfung sprechen. Wer sich auf eine Hyposensibilisierung einlässt, muss viel Zeit für die zahlreichen Behandlungstermine einplanen. Nach der Spritze soll noch einige Zeit in der Praxis verbracht werden, damit kontrolliert werden kann, ob heftige Reaktionen auf den Kontakt mit dem Allergen eintreten, die notfallmäßig versorgt werden müssen. Bei Menschen, die unter anderen Erkrankungen leiden und regelmäßig Medikamente einnehmen, muss die Entscheidung für eine Hyposensibilisierung besonders sorgfältig abgewogen werden.

Bei Herz-Kreislauferkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, rheumatischen Erkrankungen, Immundefekten und anderen schweren chronischen Leiden darf die Therapie nicht durchgeführt werden. Am erfolgreichsten hat sich die Hyposensibilisierung bei der Linderung von Heuschnupfensymptomen bewährt. Bei überschießenden Reaktionen auf Schimmelpilze oder Katzenhaare ist die Effizienz der Therapie noch nicht ausreichend belegt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Hyposensibilisierung birgt die Gefahr, dass sich während der Therapie unvorhergesehene allergische Reaktionen bis hin zum allergischen Schock entwickeln können. Meist beschränkt sich die Antwort des Immunsystems jedoch darauf, dass sich die Einstichstelle von der Spritzennadel rötet, dass die Haut juckt oder leicht anschwillt.

Weitere Nebenwirkung der Therapie können Probleme im Magen-Darm-Bereich oder Missempfindungen an der Mundschleimhaut sein. Die Länge der Behandlung und die Nebenwirkungen sind für viele Patienten ein Grund, die Therapie vorzeitig abzubrechen. Als Erfolg der jahrelangen Therapie wird gewertet, wenn die Symptome beim Kontakt mit Allergenen schwächer ausfallen oder ganz verschwunden sind. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass sich bei manchen Patienten nach einiger Zeit die Symptome wieder verstärken können.

Mittlerweile gibt es auch Immuntherapien, die in wenigen Wochen oder Tagen abgeschlossen sind. Hierbei ist jedoch die Gefahr eines allergischen Schocks erheblich größer als bei einer Gewöhnung an die Allergene über Jahre hinweg. Die Erfolgsquote der Schnellverfahren ist derzeit in Fachkreisen noch stark umstritten.

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Quellen

  • Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2005
  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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