Hyposalivation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Unter der Hyposalivation versteht der Mediziner die mangelnde Sekretion von Speichel. Die Mundschleimhaut rötet sich bei diesem Phänomen, sie schmerzt und ist zuweilen entzündet. Gegen Mundtrockenheit lassen sich therapeutische Verfahren wie die Gabe von Speichelersatzmitteln anwenden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hyposalivation?

Als Hyposalivation ist die mangelnde Sekretion von Speichel bekannt. Das Gegenteil ist die überdurchschnittlich hohe Sekretion von Speichel, die auch als Hypersalivation bezeichnet wird. Wenn der Speichelfluss um die Hälfte des Normalwerts reduziert ist, spricht die Medizin auch von einer Xerostomie oder Mundtrockenheit. Damit ist die Xerostomie eine Sonderform der Hypersalivation, bei der die gesamte Mundschleimhaut nicht mehr mit ausreichenden Mengen Speichel benetzt wird.

Dem Speichel kommen neben der Befeuchtung der Mundschleimhäute auch Funktionen in der Nahrungsaufnahme zu, die bei mangelnder Speichelsekretion nicht mehr zufriedenstellend erfüllt werden. Von Krankheiten bis hin zu hormonellen Umstellungen oder Medikamenten kommen verschiedene Ursachen als Auslöser einer Hyposalivation oder Mundtrockenheit infrage. In einem gesunden Organismus gibt die Speicheldrüse pro Minute etwa einen Milliliter Speichel ab. Dieser Wert reduziert sich bei der Mundtrockenheit auf weniger als 0,5 Milliliter.

Ursachen

Die häufigste Ursache für eine Hyposalivation oder Mundtrockenheit sind physiologische Alterserscheinungen. Mit hohem Alter lässt die Speichelsekretion also natürlicherweise nach, da die Speicheldrüsen weniger aktiv sind. Außerdem nehmen viele Menschen ab einem bestimmten Lebensalter Medikamente ein, die den Speichelfluss vermindern können. Zu diesen Medikamenten zählen zum Beispiel Antihypertensiva, Anticholinergika, trizyklische Antidepressiva, Antihistaminika und Zytostatika.

Mehr als 400 Medikamente beschreiben Hyposalivation in ihren Nebenwirkungen. Einen ebenso drosselnden Effekt können Amphetamine auf die Speichelsekretion haben. Auch mangelnde Flüssigkeitszufuhr und Dehydrierung lassen aber den Mund austrocknen. Davon abgesehen können psychische Faktoren wie Stress die Speichelproduktion minimieren. Ebenso häufig sind Strahlentherapien als Ursache zu nennen.

Als ursächliche Erkrankungen kommen Morbus Zagari, das Sjögren- oder Heerfordt-Syndrom sowie AIDS und Sepsis infrage. Außerdem können Entzündungen und Tumore der Speicheldrüsen eine Hyposalivation zur Folge haben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wenn Hyposalivation vorliegt, verliert der Speichel seine Pufferfunktion. Das heißt, dass die Mundschleimhaut gerötet ist und für Entzündungen angreifbar wird. Manchmal stellt sich Zahnfleischbluten ein. Schmerzen im Mund sind daher eine häufige Begleiterscheinung der Hyposalivation. Vor allem ein Brennen auf der Zunge prägt das Krankheitsbild. Auch das Risiko für Kariesbefall steigt mit verminderter Speichelsekretion an.

Schädliche Säuren im Mund werden durch den Mangel an Speichel nämlich kaum mehr neutralisiert. Mundgeruch stellt sich ein. Nach längerer Zeit verkümmert die gesamte Mundschleimhaut. Das Kauen ist in vielen Fällen erschwert. Dasselbe gilt für die Schluckbewegung. Zusätzlich kann der Geschmackssinn in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Patienten haben häufig überdurchschnittlichen Durst. Statt einer klaren Flüssigkeit wird die Mundflüssigkeit schaumig. Manchmal können die Patienten bei extremer Mundtrockenheit kaum mehr sprechen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose auf eine Hyposalivation erfolgt in der Regel durch Palpation. Der Arzt benutzt dazu einen Handschuh, der bei mangelnder Speichelsekretion im Mundvorhof an der Mundschleimhaut kleben bleibt. Wenn er die Speicheldrüsen auszustreichen versucht, so geben die Drüsen daraufhin keinerlei Speichelsekret ab. Bei der Blickdiagnose sprechen gerötete Stellen und eventuell Entzündungen sowie Karies-Läsionen für eine Hyposalivation.

Auch die Anamnese kann wichtige Hinweise auf die mangelnde Sekretion geben. Um einen Weg der Therapie einzuleiten, muss der Arzt die Ursache für die Hyposalivation bestimmen. Mit der Ursache entscheidet sich auch die Prognose. Eine gute Prognose besteht zum Beispiel bei Medikamenten, die nur über einen gewissen Zeitraum eingenommen werden müssen. Auch Mundtrockenheit auf Grund von minimaler Flüssigkeitszufuhr ist prognostisch günstig. Ungünstiger sind Erkrankungen der Speicheldrüsen.

Komplikationen

Durch die Hyposalivation kommt es vor allem zu Beschwerden im Mundraum. Dabei wird die Schleimhaut gerötet und es kommt zu Schmerzen und Entzündungen. In den meisten Fällen ist durch die Hyposalivation auch keine gewöhnliche Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitszufuhr für den Patienten mehr möglich, sodass dieser in der Regel an Untergewicht oder an verschiedenen Mangelerscheinungen leidet. Nicht selten kommt es auch zu einem Brennen auf der Zunge und zum Zahnfleischbluten.

Die Blutungen am Zahnfleisch sind dabei sehr unangenehm und führen zu Schmerzen. Ebenso kommt es häufig zu Karies und anderen Erkrankungen der Zähne. Die Patienten klagen auch über einen starken und unangenehmen Mundgeruch, welcher sich auch negativ auf die Umwelt auswirken kann. Dabei kann es zu sozialen Beschwerden oder zu einer Ausgrenzung kommen.

Weiterhin leiden die Betroffenen an Schluckbeschwerden, was vor allem bei erhöhten Durst zu Schmerzen führen kann. Der Mundraum ist stark ausgetrocknet und der Betroffene kann kaum mehr sprechen. In den meisten Fällen ist eine relativ einfache und schnelle Behandlung der Hyposalivation möglich. Dabei kommt es nicht zu weiteren Komplikationen. Die Behandlung findet dabei kausal statt und richtet sich nach der Grunderkrankung. Die Lebenserwartung wird durch die Hyposalivation nicht eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Hyposalivation orientiert sich an der Ursache. Wenn einfach zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wurde, dann lässt sich der Mangel leicht regulieren. Falls der Mangel an Speichel daher rührt, dass der Patient nachts mit offenem Mund schläft, muss die Nase geöffnet werden, damit die Nasenatmung die Mundatmung ersetzen kann.

Falls die verminderte Speichelsekretion das Symptom einer anderen Erkrankung ist, die eventuell nicht geheilt werden kann, werden dem Patienten Speichelersatzmittel gegeben. Die Gabe dieser Mittel kann symptomatisch die Beschwerden lindern. Die Einnahme von zuckerfreien Kaugummis wird oft empfohlen, da sich so der Speichelfluss anregen lässt. Statt Kaugummis können auch bestimmte Medikamente die Drüsen zur Speichelsekretion stimulieren.

Gegebenenfalls kann eine medikamentöse Speichelstimulation über den Stoff Pilocarpin angewandt werden. Patienten mit Hyposalivation werden außerdem oft dazu angehalten, auf eine gute Mundhygiene zu achten. Der verminderte Speichelfluss erhöht ansonsten das Risiko für entzündliche Reaktionen und Karies. Falls Medikamente für die Hyposalivation verantwortlich sind, werden die Nutzen und Risiken dieser Medikamente diskutiert.

Da die Hyposalivation verglichen mit dem Verzicht auf ein bestimmtes Medikament in der Regel das geringere Risiko birgt, ist das Absetzen der Medikamente im Normalfall nicht empfehlenswert.

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Vorbeugung

Den meisten Ursachen der Hypersalivation oder Mundtrockenheit lässt sich nicht entgegenwirken. Die Hyposalivation als Folge von Dehydrierung lässt sich vermeiden, indem man täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich nimmt. Mundtrockenheit durch Mundatmung im Schlaf kann gegebenenfalls durch Entfernung der Polypen vorgebeugt werden.

Das können Sie selbst tun

Bei der Hyposalivation stehen dem Betroffenen einige Möglichkeiten zur Selbsthilfe zur Verfügung, sodass nicht in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden muss.

In den meisten Fällen tritt die Hyposalivation durch eine zu geringe Zufuhr an Flüssigkeit auf. Sollte der Betroffene wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, so muss diese Gewohnheit geändert werden. In der Regel sollte der Patient dann am Tag circa zwei Liter an Flüssigkeit zu sich nehmen. Auch das Schlafen mit offenem Mund kann die Hyposalivation fördern und sollte vermieden werde. Bei einem akuten Mangel an Speichel im Mund kann dieser auch durch das Kauen von Kaugummis relativ gut angeregt werden. Dabei eigenen sich vor allem zuckerfreie Kaugummis, um die Zähne nicht zu beschädigen.

Auch einige Medikamente können die Erkrankung fördern. Sie können auch Rücksprache mit einem Arzt abgesetzt oder durch andere ersetzt werden. Allerdings sollte dabei immer ein Arzt zuerst konsultiert werden. Sollten die Beschwerden nicht durch Mittel der Selbsthilfe zu behandeln sein, so ist der Betroffene in der Regel auf einen Besuch beim Arzt angewiesen.

Bücher über Drüsen & Speichel

Quellen

  • Bork, K., Burkdorf, W., Hoede, N.: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten. Schattauer, Stuttgart 2008
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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