Hypoproteinämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2017
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Die Hypoproteinämie zeichnet sich durch eine verringerte Eiweißkonzentration im Blutplasma aus. Sie stellt keine eigenständige Krankheit dar, sondern entwickelt sich oft als Folge verschiedener Störungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypoproteinämie?

Bei einer Hypoproteinämie liegen die Proteinkonzentrationen im Blutplasma unter 6 g/dl. Normalerweise beträgt der Proteingehalt bei einem Erwachsenen zwischen 6,1 - 8,1 g/dl.

Am häufigsten tritt eine Hypalbuminämie auf. Hier liegen deutlich verringerte Albumin-Konzentrationen vor. Seltener sind die Immunglobuline verringert. Albuminmangel führt zu Ödemen und erhöhten Fettsäure-, Bilirubin- und Hormonkonzentrationen im Blut. Bei einem Immunglobulinmangel ist die Immunabwehr geschwächt.

Als Symptom von speziellen Grunderkrankungen oder funktionellen Störungen kann die Hypoproteinämie nicht als eigenständige Erkrankung definiert werden.

Ursachen

Grundsätzlich gibt es vier Ursachenkomplexe für eine Hypoproteinämie. Sie kann sich auf der Grundlage von Malabsorption, Mangelernährung, hohen Eiweißverlusten oder Störungen der Eiweißsynthese entwickeln. Es gibt verschiedene Erkrankungen, die sich durch eine verringerte Proteinabsorption im Darm auszeichnen (Malabsorption).

Dazu gehören Nahrungsmittelallergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie Zöliakie oder Sprue, chronische Darmerkrankungen und Mukoviszidose. Eine Mangelernährung tritt bei Hunger, Anorexia nervosa (Magersucht) oder bei Tumoren im Magen-/Darmtrakt auf. Des Weiteren gibt es Erkrankungen, die zu starken Eiweißverlusten führen.

Besonders Nierenerkrankungen, wie z. B. das nephrotische Syndrom, zeichnen sich durch hohe Proteinverluste aus. Auch bei großflächigen Verbrennungen und Dermatosen verliert der Körper viel Eiweiß. Störungen der Eiweißsynthese treten bei Leberzirrhose und beim Antikörpermangelsyndrom auf und führen dann zur Hypoproteinämie.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Hypoproteinämie ist teilweise Folge von lebensgefährlichen Erkrankungen und führt manchmal selbst zu Situationen, die sehr dramatisch werden können.

Aufgrund von Immunglobulinmangel kann es zu gefährlichen Infektionen kommen, da das Immunsystem geschwächt ist. Meist besteht jedoch ein Mangel an Albuminen. Das führt immer zu Ödemen (Wasseransammlung im Gewebe). In schwereren Fällen kann es zu Aszites oder Pleuraerguss kommen. Aszites bezeichnet eine Wasseransammlung im Bauchraum zwischen den Organen. Typisch ist der Hungerbauch. Auch in der Lunge kann sich Wasser ansammeln (Pleuraerguss). Besonders bei Aszites treten zuweilen Bakterien aus dem Darm in den Bauchraum über.

In Verbindung mit dem geschwächten Immunsystem können diese Infektionen tödlich verlaufen. Die Wasseransammlungen entstehen infolge der Verringerung des kolloidosmotischen Druckes, auch onkotischer Druck genannt, in den Blutgefäßen. Dabei sickert Wasser durch die Blutgefäße nach außen. Bei normaler Konzentration von kolloidalen Eiweißteilchen wäre der onkotische Druck ausreichend, um diesen Flüssigkeitsverlust zu verhindern. Neben Ödemen leidet der Patient außerdem an zu niedrigem Blutdruck.

Gleichzeitig erhöht sich die Konzentration von Fettsäuren, Bilirubin und Hormonen im Blut, da die Aufnahmekapazität der Albumine für diese Stoffe aufgrund ihres Mangels zu gering ist. Diese Symptome führen zur Verdachtsdiagnose Hypoproteinämie. Mittels einer Serumproteinelektrophorese kann man feststellen, ob Albumine oder Immunglobuline in einer erniedrigten Konzentration vorliegen. Da jedoch Hypoproteinämie meist nicht isoliert auftritt, sollten seine Ursachen ermittelt werden, um die Grundstörung effektiv behandeln zu können.

Komplikationen

In den meisten Fällen tritt die Hypoproteinämie nicht alleine auf und stellt dabei immer die Folge einer Grunderkrankung dar. Aus diesem Grund müssen hierbei immer die Beschwerden und Komplikationen der ursächlichen Krankheit im Vordergrund betrachtet werden. Durch die Hypoproteinämie kommt es allerdings zu einem niedrigen Blutdruck und zu einer Aszites.

Durch den niedrigen Blutdruck leiden viele Patienten an Schwindel und Übelkeit und können dabei im schlimmsten Falle komplett das Bewusstsein verlieren. Im Allgemeinen fühlen sich die Betroffenen schwach und die Belastbarkeit des Patienten sinkt enorm. Auch das Immunsystem ist in der Regel geschwächt und der Betroffene wird häufiger krank und leidet verstärkt an Infekten und Entzündungen. Die Lebensqualität nimmt durch die Hypoproteinämie relativ stark ab.

Weiterhin kann es durch die Krankheit zu verschiedenen Schäden und Beschwerden an den inneren Organen des Körpers kommen. In der Regel findet keine symptomatische Behandlung der Hypoproteinämie statt. Die Behandlung erfolgt immer kausal und richtet sich nach der Grunderkrankung. In den meisten Fällen kommt es dabei zu einem positiven Krankheitsverlauf ohne Komplikationen. Gegebenenfalls muss der Patient seine Ernährung umstellen, um den Beschwerden entgegenzuwirken.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Hypoproteinämie ist nur im Zusammenhang mit der Behandlung der Grundkrankheit möglich. Ist die Ursache der Hypoproteinämie verschwunden, normalisieren sich die Proteinkonzentrationen im Blut rasch wieder.

Der Wasseraustritt aus den Blutgefäßen wird gestoppt und die Ödeme bilden sich zurück. In schweren Fällen muss der Aszites durch die Bauchdecke punktiert und abgelassen werden. Weiterhin bekommt der Patient Diuretika, um das überschüssige Wasser aus dem Körper zu entfernen. Wichtig ist jedoch die Therapie der jeweiligen Grundkrankheit. Mangelernährung bei Magersucht bedarf häufig einer psychologischen Therapie.

Bei Zöliakie ist auf eine glutenfreie Ernährung zu achten. Schwerwiegende Leber- und Nierenerkrankungen müssen individuell nach Art und Stärke der jeweiligen Störung behandelt werden. Oftmals ist eine dauerhafte Therapie notwendig, wenn eine chronische Erkrankung vorliegt. Parallel dazu sollten bei der Hypoproteinämie immer wieder auftretende Wasseransammlungen in Bauch und Lunge durch Punktion entfernt werden.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung vor einer Hypoproteinämie kann keine Empfehlung gegeben werden, da ihre Ursachen vielfältig sind. Empfehlungen gelten immer nur für die jeweilige Grundkrankheit. Ist die Erkrankung jedoch bekannt, so kann einer Hypoproteinämie durch dessen Behandlung vorgebeugt werden.

Das können Sie selbst tun

Patienten, bei denen eine Hypoproteinämie festgestellt wurde, können unter Umständen selbst einige Maßnahmen ergreifen, um die ärztliche Behandlung zu unterstützen.

Liegt den Beschwerden eine Zöliakie zugrunde, muss die Ernährung umgestellt werden. Der Speiseplan sollte glutenfrei sein und sich aus gesunden Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und magerem Fleisch zusammensetzen. Außerdem sollte viel Flüssigkeit aufgenommen werden, am besten Mineralwasser, Kräutertees oder verdünnte Fruchtsäfte. Begleitend dazu müssen etwaige Leber- und Nierenerkrankungen behandelt werden. Was der Erkrankte hier selbst tun kann, hängt von der Art der Erkrankung ab. Im Allgemeinen hilft auch hier eine ausgewogene Diät, die durch einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung und Stressvermeidung unterstützt wird. Liegt der Hypoproteinämie eine Mangelernährung zugrunde, muss die tägliche Nahrungsaufnahme verbessert werden.

Da einer chronischen Mangelernährung meist psychische Ursachen wie Magersucht oder andere Essstörungen zugrunde liegen, ist ein Besuch bei einem Psychologen zu empfehlen. Unterstützend dazu sollte mit einem Ernährungsmediziner eine geeignete Diät erstellt werden, die dem Körper schonend alle notwendigen Nährstoffe zuführt. Zur Selbstbehandlung etwaiger Ödeme bieten sich unter anderem Massagen und Akupunktur an, immer in Rücksprache mit dem zuständigen Arzt.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Murphy, K., Travers, P., Walport, M.: Janeway – Immunologie. Spektrum, Heidelberg, 2010
  • Schütt, C., Bröker, B.: Grundwissen Immunologie. Spektrum, Heidelberg 2011

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