Hypophysentumor

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. November 2017
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Ein Hypophysentumor ist eine überwiegend gutartige Geschwulst der Hirnanhangdrüse, die etwa 30 bis 40 Prozent der Hirntumoren ausmacht. Hypophysentumoren sind aufgrund moderner mikrochirurgischer Verfahrenstechniken in der Regel gut therapierbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Hypophysentumor?

Als Hypophysentumor wird eine krankhafte, in der Regel benigne (gutartige) Neubildung der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) bezeichnet. Hierbei wird zwischen den häufiger diagnostizierten Hypophysenadenomen, die insgesamt 15 Prozent der Hirntumoren ausmachen und aus Zellgewebe des Vorderlappens der Hirnanhangdrüse (Adenohypophyse) entstehen, sowie den äußerst seltenen Tumoren des Hypophysenhinterlappens (bspw. Granularzelltumoren der Neurohypophyse) unterschieden.

Die Hypophyse ist eine etwa bohnengroße Hormondrüse, die als Schnittstelle zwischen Gehirn und endokrinem System fungiert und maßgeblich am hormonellen Regulierungssystem beteiligt ist. Da ein Hypophysentumor aus Gewebezellen der Hirnanhangdrüse entsteht, kann dieser deren hormonproduzierenden Eigenschaften übernehmen.

Daher wird zusätzlich zwischen hormoninaktiven und hormonaktiven Hypophysentumoren differenziert. Die vorwiegend auftretenden hormonaktiven Hypophysentumoren produzieren Hormone und beeinträchtigen infolge eines Hormonüberschusse das hormonelle Regulierungssystem der Hypophyse. Der häufigste Hypophysentumor ist das Prolaktinom (etwa 40 Prozent der Hypophysentumoren), das als hormonaktiver Tumor Prolaktin produziert.

Ursachen

Die Ursachen eines Hypophysentumors sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird, dass ein Hypophysentumor aus einer einzelnen abnormen Gewebezelle der Hypophyse entsteht, die sich teilt, vermehrt und einen Tumor bildet, wobei keine spezifischen Zellen im besonderen Maße entartungsgefährdet sind.

Die Auslöser für diesen Entartungsprozess sind ebenfalls unbekannt und eine Korrelation zwischen auf das Erbgut einwirkenden Umweltfaktoren und der Entstehung eines Tumors konnte bisher nicht nachgewiesen werden. In einzelnen spezifischen Fällen liegen einem Hypophysentumor genetische Faktoren zugrunde. So besteht bei einer multiplen endokrinen Neoplasie (MEN-1-Syndrom) ein erhöhtes Risiko für Hypophysentumoren.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Lage eines Gehirntumores im Gehirn. Klicken, um zu vergrößern.

Für die Diagnose eines Hypophysentumors kommen vor allem bildgebende Diagnoseverfahren wie MRT, CT und Röntgen zum Einsatz. Anhand eines MRTs (Magnetresonanztomografie) des Kopfes kann beispielsweise ein Hypophysentumor lokalisiert und seine Größe bestimmt werden.

Eine Hormonbestimmung des Blutes gibt im Rahmen einer Differentialdiagnostik Aufschluss über die Hormonaktivität und die Art des Hypophysentumors. So ist bei einem Prolaktinom der Prolaktinwert erhöht. Ein erhöhter Wert von Wachstumshormonen (über 5 ng/mm) deutet auf einen wachstumshormonproduzierenden Hypophysentumor.

Daneben kann durch einen Dexamethason-Test ein ACTH-produzierender (adrenocorticotropes Hormon) Hypophysentumor nachgewiesen werden. Da bei einem Hypophysentumor in etwa 30 Prozent der Fälle eine Sehbeeinträchtigung vorliegt, ist eine genaue Augenuntersuchung angezeigt.

Generell weist ein Hypophysentumor keinen letalen oder lebensbedrohlichen Verlauf auf und die Prognose ist günstig, wenngleich ein hohes Rezidivrisiko (Wiederauftreten)besteht. Unbehandelt kann ein Hypophysentumor mit zunehmender Größe angrenzende Organe (Sehnerven, Blutgefäße) beeinträchtigen und führt in der Mehrheit der Fälle zum Tod.

Komplikationen

In den meisten Fällen kann ein Hypophysentumor relativ gut behandelt und entfernt werden, sodass es für den Patienten zu keinen besonderen Komplikationen und Beschwerden kommt. Ohne Behandlung kann sich der Tumor im Gehirn allerdings in andere Regionen des Kopfes und des Körpers ausbreiten und in diesen Regionen zu Beschwerden führen. Durch den Hypophysentumor kommt es in den meisten Fällen zu Sehstörungen.

Dabei kann sich die Sehkraft verringern und der Patient leidet an Doppelbildern oder am sogenannten Schleiersehen. Weiterhin kann es auch zu Lähmungen und Ausfällen in den verschiedenen Bereichen des Gesichtsfeldes kommen, sodass der Betroffene bestimmte Regionen nicht mehr bewegen oder steuern kann. Durch diese Lähmungen wird der Alltag des Patienten stark eingeschränkt und es kommt zu einem erheblichen Verlust der Lebensqualität.

Die Behandlung des Hypophysentumors erfolgt in der Regel durch eine Strahlentherapie, da eine chirurgische Entfernung nicht möglich ist. Dabei kommt es zu keinen besonderen Komplikationen und der Tumor kann in der Regel relativ gut entfernt werden. Weiterhin werden Medikamente eingesetzt und der Betroffene muss sich in den folgenden Jahren immer wieder nochmals untersuchen lassen. Bei einer erfolgreichen Entfernung wird die Lebenserwartung nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Die Standardtherapie besteht bei einem Hypophysentumor in einem mikrochirurgischen Eingriff, wobei ein Prolaktinom hier eine Ausnahme darstellt und medikamentös behandelt wird. Aufgrund der Lage der Hypophyse erfolgt der Zugang zum Tumor in den meisten Fällen über die Nasenöffnung und eine Öffnung des Schädels ist nur bei besonders großen Hypophysentumoren erforderlich.

Erweist sich der Hypophysentumor als nicht operierbar oder lediglich partiell entfernbar, kommt zusätzlich eine Strahlentherapie zum Einsatz. In manchen Fällen ist jedoch aufgrund der problematischen Lage der Hypophyse eine radikale Entfernung des Resttumors nicht möglich, so dass dessen Entwicklung anhand bildgebender Verfahren (MRT) beobachtet und gegebenenfalls ein erneut operativer Eingriff erforderlich wird.

Prolaktinom wird als hormonaktiver Hypophysentumor medikamentös mit Dopaminagonisten behandelt, die die vermehrte Prolaktinausschüttung hemmen und sukzessiv zu einer Minimierung des Hypophysentumors führen. Eine mikrochirurgische Tumorentfernung kommt lediglich bei Betroffenen, die die medikamentöse Langzeittherapie nicht vertragen, und bei einem Nichtansprechen des Tumors auf das Medikament in Frage.

Folge einer mikrochirurgischen und radikalen Entfernung des Hypophysentumors ist in nicht seltenen Fällen eine Hypophysenunterfunktion, die einen Hormonmangel nach sich zieht. Dieser wird im Rahmen einer Substitutionstherapie medikamentös kompensiert.

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Vorbeugung

Da weder die genauen Ursachen noch die Auslöser für die angenommene Zellentartung bekannt sind, kann man einem Hypophysentumor nicht vorbeugen. Allgemein wird empfohlen, karzinogene Substanzen wie Chemikalien, nicht erforderliche Bestrahlungen sowie Alkohol und Nikotin zu meiden. Eine gesunde Ernährung und sportliche Aktivität unterstützen das Immunsystem und minimieren das Erkrankungsrisiko allgemein und speziell auch im Hinblick auf Hypophysentumoren.

Das können Sie selbst tun

Der Hypophysentumor ist eine schwerwiegende Erkrankung, die der Patient keinesfalls selbstständig therapieren oder ignorieren sollte. Es ist sehr wichtig, dass die Therapie in Absprache mit dem behandelnden Arzt festgelegt und konsequent durchgeführt wird. Hierbei ist eine aktive Beteiligung durch den Patienten möglich. Der Betroffene kann dem Therapieplan konsequent folgen, Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, und dem Arzt aktiv von Veränderungen, Auffälligkeiten oder womöglich neu auftretenden Beschwerden berichten.

Parallel zur Tumortherapie kann der Patient versuchen, ein möglichst stabiles Immunsystem und einen guten körperlichen Allgemeinzustand zu erreichen. Ein erster Schritt dahin ist der Verzicht auf schädliche Substanzen wie Nikotin und Alkohol. Auch der Koffeeinkonsum kann auf ein bis zwei Tassen am Tag reduziert werden.

Bei Übergewicht sollte der Patient versuchen, ein Normalgewicht zu erreichen. Damit entlastet er sein Herz-Kreislaufsystem und bringt sich in einen fitteren, gesünderen Zustand. Über eine Ernährungsumstellung lässt sich meist schnell ein Gewichtsverlust erzielen, zudem bessern sich die Blutwerte und der gesamte körperliche Zustand. Ein angemessenes Sport- oder Bewegungsprogramm unterstützt diese Maßnehmen. So kann der Patient selbst dafür sorgen, mit einem gesünderen Körper die anstrengenden Belastungen der Therapien besser zu verarbeiten.

Stress und Druck im Alltag kann in vielen Fällen vermieden oder verringert werden. Autogenes Training oder Yoga können zur Entspannung beitragen.

Bücher über Gehirntumor

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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