Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. Juni 2017
Startseite » Krankheiten » Hypoparathyreoidismus (Nebenschilddrüsenunterfunktion)

Der medizinische Begriff Hypoparathyreoidismus bezeichnet eine durch Unterfunktion der Nebenschilddrüsen hervorgerufene Krankheit, die aufgrund einer zu geringen Ausschüttung des sogenannten Parathormons zu Kalziummangel führt. Die in den meisten Fällen durch einen chirurgischen Eingriff an der Schilddrüse verursachte Nebenschilddrüsenunterfunktion äußert sich unter anderem durch Symptome wie: Haarausfall, spröde Haut, Muskelkrämpfe, Demenz oder die Bildung von grauem Star.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypoparathyreoidismus?

Der Hypoparathyreoidismus definiert sich durch einen Parathormonmangel. Die Nebenschilddrüsen, die meist aus vier kleinen Körpern bestehen, befinden sich direkt an der Schilddrüse unter dem Kehlkopf und produzieren das Parathormon.

Dieser, im Falle eines Hypoparathyreoidismus nur in geringen Mengen oder gar nicht vorhandene Botenstoff, sorgt einerseits für die Erhöhung der Kalziummenge im Blut und senkt andererseits dessen Phosphatkonzentration.

Der durch die Nebenschilddrüsenunterfunktion bedingte Parathormonmangel führt verschiedene negative Auswirkungen mit sich, womit der Hypoparathyreoidismus sowohl den physischen als auch den psychischen Zustand der Betroffenen verschlechtern und gefährden kann.

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen von Hypoparathyreoidismus zählen chirurgische Eingriffe an der Schilddrüse, wobei die Nebenschilddrüsen entweder irrtümlich oder (aufgrund einer radikalen Schilddrüsenentfernung) absichtlich entfernt wurden.

Da die Nebenschilddrüsen unmittelbar neben der Schilddrüse liegen, kommt die unbeabsichtigte Entfernung der intakten Nebenschilddrüsen (oder Teilen davon) relativ häufig vor. Auch die Durchblutung der Nebenschilddrüsen kann im Zuge des operativen Eingriffs gestört werden, womit die Blutversorgung beeinträchtigt wird und diese im schlimmsten Fall absterben, was Hypoparathyreoidismus zur Folge hat.

Doch auch eine über einen längeren Zeitraum erfolgende, übermäßige Aufnahme von Vitamin D hemmt die Produktion des Parathormons in den Nebenschilddrüsen und führt somit langfristig zum Hypoparathyreoidismus.

Des Weiteren zählen im Halsbereich vorgenommene Bestrahlungen (etwa bei einem bösartigen Tumor) oder ein langanhaltender Mangel an Magnesium sowie das sogenannte DiGeorge-Syndrom (bedingt durch fehlerhafte Nebenschilddrüsen) zu den Auslösern von Hypoparathyreoidismus.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Untersuchung der Schilddrüsen.

Die Diagnose von Hypoparathyreoidismus erfolgt anhand vorliegender Beschwerden und der Feststellung des Kalziumspiegels sowie durch Untersuchungen der Muskeln und Nerven.

Der durch den Hypoparathyreoidismus hervorgerufene Kalziummangel bewirkt diverse körperliche Symptome. So treten Muskelkrämpfe und Gefühlsstörungen (tetanisches Syndrom) auf, die zu einem sogenannten tetanischen Anfall führen können. Typische Anzeichen für solche lebensgefährlichen, durch Hypoparathyreoidismus bedingten Anfälle sind Kribbelgefühle an Händen und Mund sowie Harndrang, Bauchschmerzen und Durchfall, gefolgt von schweren Krämpfen der Muskulatur, die sich durch einen unwillkürlich zusammengezogenen Mund (Fischmund), verkrampfte Hände und Füße (Pfötchenstellung und Spitzfuß) äußern, wobei die Betroffenen in der Regel bei vollem Bewusstsein sind.

Das mitunter ebenfalls eintretende Verkrampfen des Kehlkopfes kann besonders bei an Hypoparathyreoidismus leidenden Kindern zu lebensbedrohlicher Atemnot führen.

Der Phosphatüberschuss äußert sich ebenfalls durch leichte Erregbarkeit der Muskeln und Nerven sowie durch Juckreiz und gerötete Augen. Zudem führen Kalziummangel und Phosphatüberschuss bei einer unbehandelten Nebenschilddrüsenunterfunktion zu verschiedensten Symptomen wie Haarausfall, spröder Haut, Verkalkungen der Augenlinsen (grauer Star) und des Gehirns (Demenz), wobei der bei Hypoparathyreoidismus ebenfalls vorhandene Wasserüberschuss das Sehvermögen plötzlich verschlechtern kann.

Komplikationen

Durch den Hypoparathyreoidismus kommt es zu verschiedenen Symptomen und Beschwerden, die in der Regel von der Ausprägung der Krankheit abhängen. In den meisten Fällen leiden die Patienten allerdings an einer spröden Haut und an Haarausfall. Weiterhin kommt es zur Demenz und zu Störungen der Konzentration und der Koordination. Der Betroffene leidet an einem Grauen Star und an starken Schmerzen in den Muskeln.

Der Alltag des Betroffenen wird durch den Hypoparathyreoidismus eingeschränkt. Weiterhin kann es auch zu Gefühlsstörungen in verschiedenen Regionen des Körpers kommen. Im schlimmsten Fall treten dabei sogar Lähmungen und Bewegungseinschränkungen auf. Die Augen sind oft gerötet und jucken und der Patient leidet an einer Atemnot. Durch die Atemnot kann es im weiteren Verlauf zum Bewusstseinsverlust oder zu einer Schädigung der Organe kommen.

Die Behandlung des Hypoparathyreoidismus verläuft in der Regel ohne Komplikationen. Sie führt schnell zu einem positiven Krankheitsverlauf und die Beschwerden verschwinden wieder. Komplikationen treten in der Regel nur dann auf, wenn die Behandlung zu spät einsetzt und schon Schäden an Organen entstanden sind. In den meisten Fällen wird die Lebenserwartung durch diese Krankheit nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Wurden die Nebenschilddrüsen versehentlich entfernt und so der Hypoparathyreoidismus ausgelöst, können sie durch Verpflanzung in das Muskelgewebe des Patienten (meistens in den Hals oder Arm) erneut zum Wachsen gebracht und somit wieder “einsatzbereit“ gemacht werden.

Dieses, auch als Autotransplantation bezeichnete, Vorgehen wird auch vorbeugend im Falle einer Bestrahlung des Halsbereichs angewandt, insofern mit dadurch entstehenden Schäden (Hypoparathyreoidismus) zu rechnen ist. Bei Gelingen dieser Methode gilt der Patient, auch wenn es sich in manchen Fällen nur um eine vorübergehende Lösung handelt, vorerst als geheilt.

Ist diese Form der Behandlung von Hypoparathyreoidismus nicht möglich oder schlägt sie nicht an, wird auf den Einsatz von Medikamenten zurückgegriffen. Um die durch Parathormonmangel erzeugte Unterversorgung an Kalzium auszugleichen, bekommt der an Hypoparathyreoidismus Leidende spezielle Kalziumtabletten mit einem geringen Vitamin-D-Anteil verabreicht, womit die Kalziummenge im Blut normalisiert wird und die durch Hypoparathyreoidismus bedingten Beschwerden im Normalfall verschwinden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da der Hypoparathyreoidismus in den meisten Fällen nicht durch eine falsche Ernährung oder Lebensweise hervorgerufen wird, ist eine Vorbeugung nur schwer möglich. Jedenfalls sollte, auch wenn es keine Anzeichen für Hypoparathyreoidismus gibt, ein möglicher Magnesiummangel sowie ein Überschuss an Vitamin D ausgeschlossen und ärztlich untersucht werden.

Bücher über Hypoparathyreoidismus

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Lehnert, H., Werdan, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2006

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: