Hypokalzämie

Letzte Aktualisierung am 5. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Hypokalzämie bezeichnet den Mangel an Kalzium im Blut. Da Kalzium wichtig für eine Vielzahl von Körperfunktionen ist, kann ein Mangel zu Knochen-, Muskel- und Nervenschäden führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypokalzämie?

Kalzium ist essentiell für Gesundheit und Vitalität des Körpers. Es spielt eine wichtige Rolle im Knochenwachstum, innerhalb der Nerven- und Gehirnfunktion, im Zellenwachstum und bei der Muskelkontraktion.

Wenn der Kalziumgehalt im Blut unter ein kritisches Maß fällt, spricht man von Hypokalzämie. Menschen mit Hypokalzämie bemerken möglicherweise keinerlei Symptome, besonders zu Beginn der Erkrankung. Doch die Belastung steigt an, desto ernsthafter die Erkrankung wird. Diese können sich unter anderem als Muskelzuckungen, nervösen Reflexen, Stechen in Händen und Füßen, oder unregelmäßigen Herzschlag äußern.

Als besonders kritisch ist Hypokalzämie bei Neugeborenen anzusehen. Die Mangelerscheinung kann das Wachstum und die gesunde Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen. Wenn Neugeborene Anzeichen von Muskel- oder Nervenzucken zeigen, zittern oder nur schwer zu füttern sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden, um eine mögliche Hypokalzämie zu diagnostizieren und eine Behandlung einzuleiten.

Ursachen

Die Gründe für geringe Kalzium-Level werden in einer Unterfunktion der Nebenniere vermutet. Diese reguliert den Kalziumgehalt im gesamten Körper. Abgesehen davon kann ein zu großer Anteil an Phosphor eine Ursache von Hypokalzämie sein, da es den Kalziumgehalt absinken lässt.

Auch ein geringes Level des Protein Albumin, das in der Leber produziert wird, kann den Kalziumgehalt drücken. Die Aufnahme von Kalzium durch Nahrungsmittel, zusätzlich zu Vitamin D und Magnesium ist ebenso wichtig für den Kalziumhaushalt des Körpers. Lebensmittel mit hohem Kalziumgehalt sind Milchprodukte, Spinat, Brokkoli oder Orangen.

Die häufigsten Ursachen für Hypokalzämie sind andere Erkrankungen. Hypokalzämie tritt hier als ernsthafte Nebenerscheinung auf. Dazu zählen: Alkoholismus, Nieren- oder Leberleiden, Mangelernährung, Fehlernährung (Mangel an Kalzium im Essen).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Hypokalzämie äußert sich durch Mangelerscheinungen wie Müdigkeit und eine eingeschränkte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Im Bereich des Herzens kann es zu Herzrhythmusstörungen und Brustschmerzen kommen. Bei einigen Patienten nimmt die kardiale Pumpfunktion ab, woraus sich eine Herzschwäche entwickeln kann. Weiterhin kann eine Hypokalzämie Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen.

Typisch sind Durchfall und Verstopfung, aber auch Übelkeit und Erbrechen. In Einzelfällen kommt es zu Sodbrennen und Entzündungen im Rachenraum. Die Symptome stellen sich meist schleichend ein und bleiben solange bestehen, bis die Elektrolytstörung ausgeglichen ist. Anschließend klingen die Beschwerden langsam ab, wobei je nach Schwere der einzelnen Symptome auch Langzeitfolgen zurückbleiben können.

So kann sich beispielsweise eine chronische Herzschwäche einstellen oder es kommt zu bleibenden Schädigungen im Magen-Darm-Trakt. Wird die Hypokalzämie nicht behandelt, kann sie sich zu einer chronischen Erkrankung entwickeln. Bei einer chronischen Hypokalzämie kann es zu Störungen von Haar- und Nagelwuchs kommen.

Mitunter entwickelt sich Zahnstein, Karies oder eine andere Erkrankung der Zähne. Begleitend dazu treten psychische Veränderungen auf, zum Beispiel Depressionen und Ängste. Des Weiteren kann es bei der chronischen Form zu einem anhaltenden Krankheitsgefühl kommen. Die Betroffenen fühlen sich häufig müde und abgeschlagen oder sind antriebslos.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose von Hypokalzämie erfolgt durch einen Bluttest. In den meisten Fällen erkennt der Arzt die Mangelerscheinung, bevor der Patient die Symptome an sich selbst entdeckt.

Ist die Hypokalzämie erst einmal festgestellt, werden in der Regel noch weitere Bluttests folgen, um die Qualität der Nierenfunktionen zu prüfen und den Gehalt von Magnesium, Nebennierenhormonen, Magnesium und Phosphor im Blut zu testen.

Weitere Tests werden in Erwägung gezogen, wenn die Ursache der Hypokalzämie nicht eindeutig festzustellen ist. Abgesehen von den Kontrollen des Blutserums, kann auch durch einen erhöhten Phosphorgehalt im Urin eine Hypokalzämie festgestellt werden.

Komplikationen

Durch die Hypokalzämie kommt es zu verschiedenen Beschwerden. In der Regel hängt das Ausmaß der Beschwerden stark von der Ausprägung des Kalziummangels ab, weswegen keine allgemeine Vorhersage möglich ist. Der Betroffene leidet in der Regel an einem Muskelschwund und kann körperliche Tätigkeiten oder sportliche Aktivitäten nicht mehr ohne Weiteres durchführen.

Falls der Mangel an Kalzium über einen längeren Zeitraum anhält, kann es zu Schäden an den Nerven kommen, sodass Lähmungen oder Gefühlsstörungen beim Patienten auftreten. Diese können den Alltag erheblich erschweren. Auch die Funktion des Gehirns wird durch die Hypokalzämie eingeschränkt und es kann zu Konzentrationsstörungen oder zu Denkstörungen kommen.

Der Patient fühlt sich oft krank und schwach und leidet an einem verringerten Puls. Weiterhin kann es zu Beschwerden an den Nieren kommen, wobei der Patient im schlimmsten Falle auf eine Dialyse angewiesen ist. Die Behandlung der Hypokalzämie führt in den meisten Fällen zu keinen Komplikationen.

Sie kann akut mittels Infusionen oder mit Hilfe einer gesunden und ausgewogenen Ernährung erfolgen. Gegebenenfalls muss auch die Grunderkrankung behandelt werden, die für die Hypokalzämie verantwortlich ist. Die Lebenserwartung wird dann eingeschränkt, wenn keine Behandlung stattfindet.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn Symptome wie Muskelschwund und ein zunehmendes Krankheitsgefühl bemerkt werden, liegt womöglich eine Hypokalzämie zugrunde. Ein Besuch beim Hausarzt ist nötig, wenn die genannten Anzeichen innerhalb weniger Tage nicht von selbst abklingen. Sollten weitere Beschwerden wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen hinzukommen, muss zeitnah ein Arzt konsultiert werden. Bei einem starken Krankheitsgefühl, möglicherweise verbunden mit Beschwerden an den Nieren, ist der Rettungsdienst zu alarmieren. Womöglich sind bereits Schäden an den inneren Organen entstanden, die unbehandelt schwerwiegenden Komplikationen nach sich ziehen können.

Grundsätzlich schränkt eine unbehandelte Hypokalzämie die Lebenserwartung stark ein, weshalb die Erkrankung in jedem Fall abgeklärt und therapiert werden muss. Personen, bei denen eine Unterfunktion der Nebenniere festgestellt wurde, sind besonders anfällig für die Entstehung einer Hypokalzämie. Auch eine Mangelernährung, Alkoholismus oder ein Nieren- oder Leberleiden sind mögliche Auslöser. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte mit genannten Symptomen einen Arzt aufsuchen. Neben dem Allgemeinmediziner ist ein Facharzt für innere Medizin der richtige Ansprechpartner.

Behandlung & Therapie

Hypokalzämie wird durch Infusionen behandelt, um ein gesundes Kalziumlevel im Körper sicherzustellen. Diese Infusionen werden gegebenenfalls mit Ergänzungsmitteln kombiniert, die oral eingenommen werden.

Falls die Hypokalzämie durch eine darunterliegende Krankheit verursacht wurde, wird diese Ursache ebenso behandelt. In manchen Fällen löst sich eine Hypokalzämie von alleine wieder. Dies ist umso wahrscheinlicher, wenn keine merkbaren Symptome eintreten. Welche Art der Behandlung die richtige ist, muss der behandelnde Arzt individuell entscheiden. Bei Neugeborenen konzentriert sich die Behandlung meist auf eine genaue Kontrolle von Gesundheit und Körpergewicht, der Toleranz gegenüber Nahrungsmitteln, Medikamenten und Therapien; und einer Vorliebe der Eltern für eine bestimmte Behandlung.

Eine nicht behandelte Hypokalzämie kann die Gesundheit eines Neugeborenes ernsthaft gefährden. Doch auch die Auswirkungen auf einen Erwachsenen sind nicht zu unterschätzen. Um weiteren Gefahren aus dem Weg zu gehen, sollten die Anweisungen des Arztes penibel eingehalten werden. Folgeschäden können sein: Beschädigung der Nerven- und Gehirnfunktion; Osteomalazie: weiche und schwache Knochen durch einen Mangel von Vitamin D während des Wachstums; Osteoporose: Verdünnung und Schwächung der Knochen; verschlechtertes Wachstum; Krampfkrankheit: Hyperaktivität der Nerven, die starke Schmerzen verursacht.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Hypokalzämie sollte auf einen gesunden Lebensstil geachtet werden. Hierzu gehört vor allem eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Der regelmäßige Verzehr von Nahrungsmitteln mit einem hohen Vitamin-D-Gehalt fördert die Aufnahme und Verarbeitung von Kalzium im Körper. Dazu zählt Tofu, Milch, Mandeln, Hafer und Kohl.

Außerdem sollte Alkohol vermieden werden, da dieser die Magnesiumreserven ausschüttet und folglich zu Hypokalzämie führt. Die zusätzliche Einnahme von Kalziumtabletten kann die Versorgung ebenso regulieren.

Das können Sie selbst tun

In manchen Fällen löst sich eine Hypokalzämie von selbst wieder auf. Bleibt der Kalziummangel aber bestehen, treten Beschwerden auf, die einer Behandlung bedürfen. Der Betroffene sollte auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen und die Mangelerscheinungen abklären lassen. Begleitend zur medizinischen Behandlung können einige Selbsthilfe-Maßnahmen ergriffen werden, um die Beschwerden zu lindern.

Als erste Maßnahme sollte die Ernährung umgestellt werden. Eine Diät mit viel Sesam, Emmentaler, Mandeln, Grünkohl und Spinat versorgt den Körper mit ausreichend Kalzium. Zudem sollte viel Flüssigkeit getrunken werden, um den Stoffwechsel anzuregen und somit die Kalzium-Zuführung zu fördern. Begleitend dazu wird am besten ein Ernährungstagebuch erstellt, denn nur so können die Ursachen für die Hypokalzämie langfristig ermittelt und dann nach und nach ausgeschaltet werden.

In den ersten Tagen nach einer medizinischen Infusion empfiehlt sich Bettruhe und Schonung. Der Betroffene sollte außerdem auf Sport verzichten. Sollten die Beschwerden nach einigen Tagen bis Wochen nicht abgeklungen sein, muss der Arzt informiert werden. Womöglich ist eine erneute Infusion vonnöten oder der Hypokalzämie liegt eine ernste Erkrankung, die festgestellt und behandelt werden muss.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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