Hypoglykämischer Schock

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Oktober 2017
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Diabetiker können nicht nur an zu hohem Blutzucker leiden, sondern auch an zu niedrigem. Ist der Spiegel extrem niedrig und tritt aus diesem Grund Bewusstlosigkeit ein, sprechen Fachleute von einem hypoglykämischen Schock (umgangssprachlich: Unterzuckerung). Dieser kann lebensbedrohlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Hypoglykämischer Schock?

Bei Diabetikern kann der Blutzuckerspiegel aus verschiedenen Gründen stark schwanken. Sinkt der Wert unter 40 bis 50 mg/dl, besteht akute Gefahr. Ein solcher Fall tritt ein, wenn zu viel Insulin im Blut vorhanden ist.

Da das Gehirn Glukose benötigt, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten, kann ein solcher Zustand äußerst gefährlich werden. Wird der Patient bewusstlos, handelt es sich um ein Koma. Aber schon im Vorfeld kündigt sich Unterzuckerung an:

Die Betroffenen sind blass, schwitzen, haben Heißhunger, bekommen unter Umständen Krampfanfälle, zittern, sind unruhig und eventuell psychisch auffällig, was sich in Erregtheit, Verwirrtheit oder Halluzinationen äußern kann. Der Pulsschlag beschleunigt sich und der Blutdruck ist erhöht. Tritt ein hypoglykämischer Schock ein, muss noch schneller gehandelt werden als beim diabetischen Koma.

Ursachen

Die Frage ist: Wie kommt es zu einer so gefährlichen Unterzuckerung? Eine Möglichkeit ist, dass ein Diabetiker seine blutzuckersenkenden Medikamente oder Insulin zu stark dosiert hat.

Auch wenn Betroffene zu wenig essen (vor allem Kohlenhydrate) bzw. zu viel Sport treiben ohne die Insulin- oder Medikamentengaben anzugleichen, kann ein hypoglykämischer Schock eintreten. Aus diesem Grunde ist eine optimale Dosisanpassung elementar. Übermäßiger Alkoholgenuss wiederum kann auch für Menschen ohne Diabetes kritisch werden. Da die Leber damit beschäftigt ist, Alkohol abzubauen, kann sie unter Umständen nicht genug Glukose (Traubenzucker) produzieren und das Gehirn erleidet Mangel.

Auch dann tritt eine Hypoglykämie ein. Doch auch beim übermäßigen Verzehr von Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index, die eine starke Insulinausschüttung auslösen, kann der Blutzuckerspiegel in der Folge rapide absinken.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Lebensbedrohlicher Unterzucker kann über Stunden und Tage anhalten. Darin besteht die klinische Problematik. Er kündigt sich zunächst durch Symptome des autonomen Nervensystems und des zentralnervösen Nervensystems an.

Heißhunger, Schwitzen, Übelkeit, Zittern, Erbrechen sowie Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, eine gesteigerte Reizbarkeit und Verwirrtheit sind erste Anzeichen. Sinkt der Blutzuckerspiegel noch weiter ab, kann es zu primitiven Ausdrucksformen wie Schmatzen, Grimassieren und Greifen kommen.

Anschließend treten Sprachstörungen, Doppelbilder, Krampfanfälle, Lähmungen sowie Atem- und Kreislaufprobleme auf. Schließlich tritt der hypoglykämische Schock in Form von Bewusstlosigkeit ein. Der Betroffene fällt ins Koma. Der Ablauf der Symptome ist dabei sehr schnell. Aus diesem Grunde müssen Diabetiker sich selbst genau beobachten. Bereits bei den ersten Anzeichen muss der Blutzuckerspiegel kontrolliert werden.

Komplikationen

In der Regel kommt es bei diesem Schock zu einer Reihe unterschiedlicher Beschwerden und Symptome. Der Betroffene leidet dabei in erster Linie an Erbrechen und an einer starken Übelkeit. Es tritt ein allgemeines Krankheitsgefühl auf und der Patient fühlt sich in der Regel müde und erschöpft. Körperliche Belastungen oder sportliche Aktivitäten sind damit nicht mehr möglich, sodass es zu einer starken Einschränkung der Lebensqualität kommt.

Weiterhin kommt es zu einem Zittern am gesamten Körper und zu Schweißausbrüchen. Der Betroffene leidet auch nicht selten an Störungen der Koordination und der Konzentration. Im weiteren Verlauf kann der Patient auch das Bewusstsein verlieren, wenn die Symptome schwerwiegend sind. Wird der Schock nicht behandelt, so kommt es in der Regel auch zum Tode. Sollte es zur Bewusstlosigkeit kommen, so kann sich der Patient bei einem Sturz verletzen.

Die Behandlung des Schocks erfolgt in der Regel durch die Einfuhr von Traubenzucker und führt relativ schnell zu einem positiven Krankheitsverlauf. Es treten dabei keine weiteren Komplikationen auf, wenn die Behandlung schnell und frühzeitig erfolgt. Der Patient kann allerdings ersticken, wenn er das Bewusstsein verliert und keine andere Person Hilfe leistet.

Behandlung & Therapie

Kündigt sich ein hypoglykämischer Schock an, sollten sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Stellt sich der Blutzuckerspiegel als zu niedrig heraus, muss der Betroffene umgehend Traubenzucker zu sich nehmen.

Eine Möglichkeit ist, ein bis vier Täfelchen Traubenzucker zwischen Zähne und Wange zu klemmen. Der Traubenzucker löst sich langsam auf und gelangt somit in den Blutkreislauf. Der Patient, der noch bewusstseinsklar ist, kann auch andere kohlenhydratreiche Speisen zu sich nehmen, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen. Zuckerhaltige Getränke wie Fruchtsäfte sind ebenfalls eine Option. Light-Getränke sind hingegen zu vermeiden, weil sie zu noch mehr Insulin-Ausschüttung führen und somit den Blutzuckerspiegel weiter senken.

Genügen diese Maßnahmen nicht, dann ist eine intravenöse Glukoseinfusion angezeigt. Dies gilt dann, wenn der Patient schon bewusstlos ist, weil dann der Schluckreflex nicht mehr funktioniert und es somit zu einer Aspiration kommen kann. Auch ist es möglich, dass der Notarzt oder Rettungsdienst intramuskulär Glucagon zuführt, wahlweise auch ins Unterhautfettgewebe. Letzteres funktioniert allerdings nicht bei übermäßigem Alkoholkonsum. Tritt Unterzucker ein, ist sofort ein Notarzt zu verständigen. Glukoseinfusionen oder die intramuskuläre Zuführung von Glucagon dürfen nur Fachleute vornehmen.

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Vorbeugung

Damit bedrohlicher Unterzucker erst gar nicht eintritt, besteht die beste Vorbeugung darin, die Insulin- und Medikamentengabe genau an die Erfordernisse des Körpers anzupassen. Dies gilt dann, wenn ein Patient im Rahmen einer Diät weniger isst und mehr Sport treibt oder im Alltagsgeschehen weniger zu sich nimmt und sich mehr bewegt.

Sowohl die Art und Menge des Essens als auch die Bewegung sind Faktoren, die ein Patient im Auge behalten sollte. Sowohl zu wenig Essen als auch zu viel Essen bzw. Essen mit einem hohen glykämischen Index sind keine guten Optionen für Betroffene.

Ein Diabetiker sollte seinen Blutzuckerspiegel deswegen ständig überwachen, um schnell eingreifen zu können, bevor der Blutzuckerspiegel zu weit absinkt. Auch sollte er bei der Insulin- oder Medikamentengabe sehr vorsichtig vorgehen. Aus Angst vor den Folgen des Diabetes neigen viele Betroffene nämlich dazu, mehr zu spritzen als notwendig. Die genaue Dosisanpassung von Insulin oder Medikamenten nimmt daher am besten ein Arzt vor.

Das können Sie selbst tun

Bei einer leichten Unterzuckerung genügt es in den meisten Fällen, wenn der Betroffene reichlich Traubenzucker und Kohlenhydrate aufnimmt. Ein Glas Limonade oder einige Kräcker gleichen den Blutzuckerspiegel aus und lindern die Beschwerden.

Ein hypoglykämischer Schock muss auf jeden Fall ärztlich behandelt werden. Begleitend dazu muss dem Diabetiker Insulin gespritzt werden. Falls der Betroffene bei Bewusstsein ist, sollte er sich setzen, die Beine nach oben lagern und ausreichend Wasser trinken (mindestens einen Liter pro Stunde). Körperliche Anstrengung gilt es vorerst zu vermeiden. Ergänzend dazu sollten alle zwei Stunden die Blutzuckerwerte kontrolliert werden. Hat sich der Blutzuckerspiegel nach sechs Stunden nicht normalisiert , muss der Betroffene ins Krankenhaus gebracht werden. Bei Bewusstlosigkeit oder Erbrechen muss umgehend Erste Hilfe geleistet werden, bis der Notarzt eintrifft. Der Diabetiker muss in die stabile Seitenlage gebracht werden und nicht festsitzende Zahnprothesen müssen entfernt werden. Falls vorhanden, sollte Glukagon gespritzt werden.

Nach einem Krankenhausaufenthalt muss der Betroffene sich für einige Tage schonen. Zudem sollte die Ursache für den hypoglykämischen Schock festgestellt werden, damit weitere Komplikationen zukünftig vermieden werden können.

Bücher über Hypoglykämie & Blutzucker

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Schmeisl, G.-W.: Schulungsbuch für Diabetiker. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2009
  • Usadel, K.-H., Wahl, P.: Diabetologie und Stoffwechsel. In: Bob, A. u. K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009

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