Hypogalaktie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. Dezember 2017
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Die Hypogalaktie ist eine unzureichende Milchproduktion in der Brustdrüse einer frischgebackenen Mutter. Häufig ist diese Unterproduktion die Ursache von falschen Stillvorgängen. In einem solchen Fall besteht die Behandlung in einer Anleitung zum sachgemäßen Stillen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypogalaktie?

Mit den Begriffen der Hypogalaktie, der Hypergalaktie und der Agalaktie werden Anomalien der Milchproduktion nach einer Schwangerschaft beschrieben. Die Milchproduktion und die Milchsekretion sind hormonell gesteuert und damit auf die Hypophysenhormone Prolaktin und Oxytocin angewiesen. Sowohl die Bildung von Milch, als auch die Sekretion der Milch aus den Brustdrüsen wird durch die Interaktion zwischen Mutter und Kind angeregt.

In der mütterlichen Brust sitzen Mechanorezeptoren. Diese Rezeptoren registrieren saugende Bewegungen des Neugeborenen. Die Registrierung der saugenden Berührungen regt die hormonelle Sekretion an, die wiederum die Milchproduktion und schließlich die Sekretion der Milch bedingt. Bei der Hypogalaktie wird in der mütterlichen Brust scheinbar nicht genug Milch produziert, um das Kind angemessen zu stillen. Das absolute Ausbleiben der Milchproduktion wird dagegen als Agalaktie bezeichnet. Eine Überproduktion liegt bei der Hypergalaktie vor.

Ursachen

Die Ursache einer Hypogalaktie ist meist keine organische. In der Mehrzahl aller Fälle sind Fehler beim Stillen das eigentliche Problem. Unter Umständen können solche Fehler zum Beispiel einen Milchstau herbeiführen, der den Eindruck einer Hypogalaktie entstehen lässt. In nur etwa fünf Prozent aller Fälle liegt der Hypogalaktie ein tatsächlich physiologisches Problem zugrunde.

In den meisten dieser Fälle entspricht die physiologische Ursache der Hypogalaktie einem Mangel an den Hormonen Oxytocin und Prolaktin. Beide Hormone werden in der Hirnanhangsdrüse produziert. Ein Mangel dieser Hormone stellt sich vor allem dann ein, wenn Tumore die Hirnanhangsdrüse befallen haben.

Die meisten Tumore sind in diesem Zusammenhang gutartige Tumore der Hypophyse, die vor allem die Bildung von Prolaktin stören können und damit eine verminderte Produktion von Milch in der mütterlichen Brust zur Folge haben. Eine zweite körperliche Ursache der Hypogalaktie kann das Sheehan-Syndrom sein.

Dieses Syndrom entspricht einer postpartalen Geburtskomplikation, die sich als partieller oder globaler Hypopituitarismus manifestiert und aufgrund eines hohen Blutverlusts einen hypovolämischen Schock bei der Entbindung auslöst. Aufgrund des Schocks kommt es zu einer Minderdurchblutung der Hypophyse, die Nekrosen des Gewebes zur Folge haben kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die einzelnen Symptome einer Hypogalaktie hängen vorwiegend von der Ursache ab. Der Mangel an Milch macht sich in der Regel bemerkbar, sobald der Säugling gestillt werden soll. Die Mangelerscheinung durch einen Milchstau muss sich nicht auf beiden Brüsten einstellen, sondern kann auch unilateral erfolgen. Bei einer körperlichen Ursache wie dem Sheehan-Syndrom oder einer mangelnden Hormonproduktion liegt in der Regel bilateral ein Milchmangel vor.

Von einer Hypogalaktie ist in aller Regel nur dann die Rede, wenn der Milchmangel trotz Stillabständen vorliegt. Begleitsymptomatisch entwickeln viele der betroffenen Mütter vor allem psychische Probleme und fühlen sich unzureichend dazu in der Lage, ihrer Rolle als Mutter gerecht zu werden. Solche psychischen Probleme können eine mangelnde Milchproduktion noch verschlimmern. Ein Teufelskreis kann sich entwickeln. Mit Schmerzen ist die Hypogalaktie in der Regel nicht verbunden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnostizierung einer Hypogalaktie und vor allem der Einschätzung ihrer Ursache dient dem Arzt vorwiegend die Anamnese. Wenn zum Beispiel Geburtskomplikationen wie das Sheehan-Syndrom bekannt sind, wird der Arzt die Ursache für die Hypogalaktie binnen kürzester Zeit nachweisen können. Unter Umständen werden zum Ausschluss einer ursächlichen Tumorerkrankung Bildgebungen der Hypophyse veranlasst.

Wenn weder eine Nekrose, noch eine andersartige Veränderung an der Hypophyse auszumachen ist und das Labor einen normalen Hormonspiegel im Blut der Mutter nachweist, sind vermutlich Stillfehler für den scheinbaren Milchmangel verantwortlich. Die Prognose einer Hypogalaktie gilt meist als äußerst günstig, da das Phänomen in aller Regel keine krankhafte Erscheinung ist.

Komplikationen

In der Regel kommt es durch die Hypogalaktie zu eindeutigen Symptomen, sodass eine Behandlung schnell und frühzeitig erfolgen kann. Die Mutter kann dabei nicht genügend Milch für das neugeborene Kind produzieren, sodass es zu einer Unterversorgung mit Muttermilch für das Kind kommt. Für das Kind selbst kommt es allerdings zu keinen weiteren Komplikationen, da die Nährstoffe auch anders aufgenommen werden können.

In vielen Fällen kommt es bei der Mutter allerdings zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen und Minderwertigkeitskomplexen. Dadurch wird Lebensqualität eingeschränkt, durch den negativen psychischen Zustand verstärken sich die Beschwerden mitunter. Die Patienten leiden allerdings nicht an Schmerzen.

Im schlimmsten Falle kann die Hypogalaktie durch einen Tumor hervorgerufen werden, welcher entfernt werden muss. Eine Behandlung der Hypogalaktie findet nicht in jedem Fall statt. Meistens kann die Krankheit schon durch richtiges Stillen gelöst werden, sodass die Beschwerden schnell verschwinden und keine weiteren Komplikationen auftreten.

Das Kind wird dann aus der Flasche gestillt, damit es nicht zu einem Nährstoffmangel kommt. Bei psychischen Beschwerden erfolgt weiterhin auch eine Behandlung durch einen Psychologen. Die Lebenserwartung der Mutter und des Kindes wird nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Hypogalaktie muss in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden. Sollte das Kind nicht ausreichen gestillt werden, so kann es in der weiteren Entwicklung zu starken Schäden und Einschränkungen kommen, die sich auch negativ auf die Lebenserwartung des Kindes auswirken können. Aus diesem Grund sollte die Hypogalaktie immer behandelt werden. In der Regel ist die Beschwerde für die Mutter sehr einfach zu erkennen, da es zu einer unzureichenden Produktion an Muttermilch kommt.

Dabei sollte ein Krankenhaus oder ein Frauenarzt aufgesucht werden, um weitere Komplikationen und Beschwerden zu vermeiden. Schmerzen treten bei der Hypogalaktie in der Regel nicht auf. Weiterhin kann die Hypogalaktie auch zu psychischen Beschwerden und Verstimmungen führen. Sollten diese Beschwerden eintreten, so ist auch der Besuch eines Psychologen sehr ratsam, da psychische Beschwerden die Hypogalaktie ebenfalls verstärken können. In den meisten Fallen kann die Krankheit relativ gut behandelt und eingeschränkt werden, sodass es nicht zu besonderen Komplikationen kommt. Dabei kann das Kind auch künstlich ernährt werden.

Behandlung & Therapie

Wenn der Hypogalaktie keine körperliche Ursache zugrunde liegt, besteht die Therapie einzig und allein aus einer Anleitung zum angemessenen Stillen. Die Mutter wird dazu angewiesen, ihrem Säugling zwischen einzelnen Brustmahlzeiten nicht zu oft Flaschenmilch zu verabreichen. Weil der Säugling beim Saugen an der Flasche eine andere Technik verfolgt als für die Brust notwendig, reduziert sich sein Saugvermögen beim Stillen.

Dieser Zusammenhand ist die häufigste Ursache für einen Milchstau mit scheinbarer Hypogalaktie. Auch seltenes Stillen ist nicht empfehlenswert, da gerade das Stillen die mütterliche Milchproduktion erst anregt. Den Müttern wird daher empfohlen, die Stillzeiten an den Bedarf des Säuglings anzupassen. Außerdem sollen sie bei einer Wachstumsphase auf adaptierte Milch verzichten, damit sich ihre Brust an eine höhere Sekretion gewöhnen kann.

Wenn psychischer Stress die Milchproduktion hemmt, erhalten Patientinnen einer Hypogalaktie zusätzlich psychotherapeutische Betreuung. Der richtige Umgang mit den Stressfaktoren kann als kausale Behandlung einer so ausgelösten Hypogalaktie bewertet werden. Andere Therapieschritte werden bei einer physiologisch verursachten Hypogalaktie erforderlich. Tumore der Hirnanhangsdrüse werden operativ entfernt.

Meist führt diese kausale Behandlung zu einer normalen Hormonproduktion und die Hypogalaktie bildet sich zurück. Bei einer Ursache wie Nekrosen der Hypophyse muss zur Entfernung des nekrotischen Gewebes eine Operation erfolgen. Wenn die Hypophyse trotzdem zu wenige Hormone sezerniert, kann eine Hormonsubstitution erfolgen.

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Vorbeugung

Der Hypogalaktie lässt sich in mehr als 90 Prozent aller Fälle vorbeugen, indem sich die Mutter eines Neugeborenen an die Empfehlungen zum Stillen hält.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Hypogalaktie muss nicht unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Die Milchproduktion lässt sich meist durch einfache Maßnahmen anregen. Zunächst gilt es, das Baby so oft und so lange zu stillen wie es möchte, denn je mehr Milch das Kind verlangt, desto mehr Milch wird gebildet. Darum sollte auch nachts gestillt werden, auch dann, wenn das Baby nur nuckeln möchte. Zudem sollten immer beide Brüste angeboten und die Brustseite mehrmals gewechselt werden.

Damit das Kind kräftig saugt, sollte ihm vor dem Stillen kein Schnuller oder Fläschchen gegeben werden. Spezielle Still-Tees regen die Milchproduktion zusätzlich an. Ebenso Malzbier und natürliche Präparate aus der Drogerie. Im Normalfall genügt es, wenn die Mutter vor jedem Stillen ein großes Glas Wasser trinkt. Auch Massagen helfen. Am wirksamsten sind sanfte, kreisförmige Brustmassagen mit Stillöl aus der Apotheke. Vor dem Stillen können feuchtwarme Umschläge auf die Brüste aufgelegt werden.

Werden diese Maßnahmen mit ausreichend Ruhe und viel Körperkontakt mit dem Baby verbunden, sollte die Hypogalaktie schnell wieder abklingen. Andernfalls muss ein Frauenarzt die Symptome abklären und eine geeignete Behandlung verordnen.

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Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates, Stuttgart 2012
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, duale Reihe. Thieme, Stuttgart 2013

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