Hypodontie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Dezember 2017
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Bei der angeborenen und erblichen Hypodontie sind ein bis fünf bleibende Zähne des Kiefers nicht angelegt, wobei ab der Nichtanlage von sechs Zähnen von einer Oligodontie und beim Fehlen aller Zahnanlagen von einer Anodontie die Rede ist. Hypodontien können auch erworben sein und gehen dann oft auf eine Beschädigung und Verkümmerung des Zahnkeims oder auf Umweltfaktoren wie Bestrahlung zurück.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hypodontie?

Die Hypodontie ist ein Fachausdruck aus dem zahnmedizinischen Bereich und bezeichnet die fehlende Anlage von einem oder mehreren bleibenden Zähnen. Von dem Begriff zu unterscheiden ist der Ausdruck der Oligodontie. Dabei handelt es sich um einen Sonderfall der Hypodontie, bei dem mehr als fünf Zähne abgängig sind. Ein zweiter Sonderfall ist die Anodontie, deren Patienten an einer Nichtanlage aller Zähne leiden.

Von einer Hypodontia spuria oder vorgetäuschten Hypodontie ist in Abgrenzung zur echten Hypodontie immer dann die Rede, wenn die fehlenden Zähne zwar angelegt sind, aber nicht durchbrechen. Während die echte Hypodontie einer angeborenen Anomalie des Gebisses entspricht, versteht die Zahnmedizin unter der unechten Hypodontie eine erworbene Gebissanomalie, die sich ebenfalls in fehlenden Zahnanlagen äußert.

Ursachen

Angeborene Hypodontien zählen zu den mit am weitesten verbreiteten Anomalien des Gebisses. Fehlende Anlagen für Weisheits- und Schneidezähne gehören zu den häufigsten Formen. In der Regel sind angeborene Hypodontien erblich bedingt und werden teilweise über einen autosomal-dominanten Erbgang mit variabler Expressivität und unvollständiger Penetranz weitergegeben. Alle Gene, die an der Zahnentwicklung beteiligt sind, können den Defekt tragen.

Die echte Hypodontie kann unter Umständen aber auch in Folge einer Entwicklungsstörung auftreten und so mit bestimmten Krankheiten einher gehen. Neben der hämolytischen Anämie und dem Down-Syndrom können so zum Beispiel auch Erkrankungen wie das Curtius- oder das Bloch-Sulzberger-Syndrom mit einer Hypodontie in Zusammenhang stehen.

Erworbene und unechte Hypodontien gehen dagegen oft auf unfallbedingte Schädigungen des Gebisses zurück, die einen frühzeitigen Zahnverlust ausgelöst haben. Ebenso gut können Schäden am Knochenmark oder vermehrte Röngtenbestrahlung mit einer erworbenen Hypodontie in Zusammenhang stehen. Seltener ist die Ursache eine zentrale Luxation von Milchzähnen, die angelegte Zahnkeime unter Umständen schädigen und verkümmern lassen kann.

Wenn vor der Ausbildung des adulten Gebisses eine Bestrahlungstherapie statt gefunden hat, kann auch das eine Hypodontie ausgelöst haben. Vermutlich sind abgesehen von den genannten viele weitere Umweltfaktoren vor der Ausbildung des adulten Gebisses dazu in der Lage, Hypodontien zu begünstigen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Wenn mehrere Zähne nicht angelegt sind, gehen mit dieser multiplen Nicht-Anlage oft zusätzliche Zahnsymptome einher. Vor allem Formanomalien sind in dieser Hinsicht zu nennen. Dysplastische Seitenzähne der oberen Zahnleiste gehören genauso dazu, wie die Aplasie anderer Zahnkeime, die auf eine generelle Bildungsschwäche der Zahnleisten hindeutet.

Unter Umständen tritt bei fehlenden Zahnanlagen der oberen Zahnleiste außerdem ein Kreuzbiss auf. Wenn dagegen der Unterkiefer betroffen ist, kann eine Bisssenkung vorkommen. Kippungen der restlichen Zähne können auf eine allgemeine Zahnleistenlabilität hindeuten und als Begleitsymptome jeder Hypodontie auftreten. Welchen Symptomen mit einer Hypondontie im Einzelfall einher gehen, hängt stark mit der Anzahl sowie Lokalisierung der fehlenden Zahnanlagen zusammen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Meist findet die Diagnose der Hypodontie röngtendiagnostisch statt. Auf der Bildgebung ist die fehlende Anlage der Zähne in der Regel ohne Weiteres nachzuvollziehen. Die Hypodontie bleibt ein Leben lang statisch, sodass im engeren Sinne nicht von einem Krankheitsverlauf die Rede sein kann. Die Behandlungserfolge hängen allerdings stark davon ab, welche und wie viele Zähne betroffen sind.

Unbehandelte Hypodontien ziehen oft schwere Fehlstellungen des Kiefers nach sich und können in diesem Zusammenhang Fehlbelastungen auslösen, die Zusatzsymptome wie starke und chronische Kopfschmerzen verursachen. Da die Hypodontie außerdem ein ästhetisches Problem ist, leiden unbehandelte Patienten teilweise unter psychischen Problemen. Daher ist eine frühzeitige Behandlung bei der Hypodontie besonders ausschlaggebend für einen positiven Verlauf.

Komplikationen

Durch die Hypodontie kommt es zu erheblichen Fehlbildungen und Missbildungen im Bereich des Mundes und des Kiefers. Die Patienten leiden dabei an fehlenden Zähnen, sodass in den meisten Fällen entweder fünf oder sechs Zähne nicht vorhanden sind. Ebenso sind die restlichen Zähne deformiert oder befinden sich nicht an den richtigen Stellen. Nicht selten kommt es auch zu einem sogenannten Kreuzgebiss.

Die Stabilität der Zähne ist verringert, sodass diese einfacher abbrechen können und beschädigt werden. Durch die Hypodontie ist der Alltag des Betroffenen extrem eingeschränkt, da es zu Beschwerden bei der Nahrungsaufnahme kommt. Dabei sind die Betroffenen oft auf flüssige Nahrung angewiesen, da sie die feste Nahrung nicht zerkauen können. Weiterhin kann es aufgrund der Zahnschmerzen auch zu Kopfschmerzen oder Ohrenschmerzen kommen.

In den meisten Fällen können die Fehlbildungen chirurgisch behandelt werden, sodass es zu keinen weiteren Einschränkungen und Komplikationen im Alltag kommt. Allerdings ist diese Behandlung erst im Erwachsenenalter möglich. Im Kindesalter können Kinder an Hänseleien oder an Mobbing leiden und dadurch psychische Beschwerden entwickeln. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch die Hypodontie nicht eingeschränkt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Hypodontie muss immer von einem Arzt behandelt werden. Es kommt bei dieser Krankheit nicht zu einer Selbstheilung und in der Regel zu schwerwiegenden Einschränkungen im Leben des Betroffenen, falls die Erkrankung nicht rechtzeitig behandelt wird. Der Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn dem Betroffenen Zähne fehlen. Dabei kann die Anzahl und die Position der fehlenden Zähne stark variieren. In den meisten Fällen machen sich die Beschwerden schon im Kindesalter bemerkbar. Der Zahnarzt kann diese erkennen. In einigen Fällen sind durch die Hypodontie auch die anderen Zähne gekippt oder falsch angeordnet, sodass es zu Schmerzen bei der Einnahme von Nahrung kommen kann. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch die Hypodontie erheblich eingeschränkt.

Bei der Hypodontie ist in erster Linie ein Zahnarzt oder ein Kieferorthopäde aufzusuchen. Dieser kann die Hypodontie meistens relativ gut behandeln. Eine frühe Diagnose und Behandlung wirkt sich positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus und kann mögliche Komplikationen verhindern.

Behandlung & Therapie

Eine Hypodontie jeder Art lässt sich mit kieferorthopädischen, prothetischen, implantologischen und kieferchirurgischen Maßnahmen behandeln. Während die kieferchirurgischen Maßnahmen vor allem Fehlbissen, Fehlbelastungen und Ausweichshaltungen aufgrund der fehlenden Zähne vorbeugen sollen, lässt sich in Form von Operationen beispielsweise auch eine Implantation oder Transplantation durchführen.

Zusätzlich können retinierte Zähne in einer Operation unter Umständen freigelegt werden. Auch allgemeine Zahnersatzbehandlungen können Sinn machen und zum gewünschten Ergebnis führen. Die Planung der Behandlungsmaßnahmen und die Abstimmung der einzelnen Schritte lässt sich aber nur für den Einzelfall vornehmen. Sowohl die Anzahl der nicht angelegten Zähne, als auch der Zahnzustand und die Stellung des gesamten Gebisses beeinflussen die Planung der Therapiemaßnahmen.

Auch die Kiefergröße und die Kieferlage sowie bestehende Erkrankungen anderer Art sind nicht zu ignorieren. Bei der Behandlungsplanung müssen außerdem finanzielle Aspekte Berücksichtigung finden, die einige der zur Verfügung stehenden Maßnahmen unter Umständen von vorne herein ausschließen.

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Vorbeugung

Während sich der angeborenen Form kaum vorbeugen lässt, kann eine erworbene Hypodontie unter Umständen verhindert werden. Der sparsame Umgang mit Röngtenbestrahlung sowie Maßnahmen zur Verminderung von Luxationsrisiken bei Milchzähnen können in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen.

Das können Sie selbst tun

Personen, die an einer Hypodontie leiden, sollten die Fehlstellung zunächst von einem Zahnarzt untersuchen lassen. Abhängig von der Schwere der Hypodontie und der veranschlagten Behandlungsmethode, kann die Therapie durch einige Maßnahmen unterstützt werden.

Nach einer Operation sollte sich der Betroffene schonen und die Zähne nach Vorgaben des Arztes mit speziellen Pflegeprodukten behandeln. Da der Mundraum meist noch sehr gereizt ist, muss vorübergehend die Diät umgestellt werden. Kaffee, Alkohol, Tee und Nikotin sind in den ersten Tagen zu vermeiden, da es ansonsten zu Blutungen oder einer Störung der Wundheilung kommen kann. Scharfe Speisen sowie allzu Heißes und Kaltes sind ebenso zu meiden. Empfohlen werden breiähnliche Speisen und lindernde Kräutertees. Welche Lebensmittel im Genauen erlaubt sind, beantwortet am besten der zuständige Arzt.

Eine Hypodontie muss auf jeden Fall medizinisch behandelt werden. Allenfalls bei sehr leichten Fehlstellungen ist eine Behandlung nicht notwendig. Der kosmetische Makel kann allerdings zu seelischen Beschwerden führen, die von einem Therapeuten behandelt werden müssen. Sollten sich Schmerzen, Entzündungen und anderweitige Beschwerden einstellen, ist ein Besuch beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden angezeigt.

Bücher über Gesunde Zähne

Quellen

  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Weber, T.: Memorix Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2016

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