Hypervitaminose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Oktober 2017
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Eine Hypervitaminose ist eine Vitamin-Vergiftung. Ursache ist in den meisten Fällen ein Missbrauch von Nahrungsergänzungsmitteln. Sogar ernste Gesundheitsstörungen resultieren manchmal aus Hypervitaminosen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypervitaminose?

Hypervitaminose nennen Ärzte und Ernährungswissenschaftler ein Krankheitsbild, das auf einer Überdosierung eines Vitamins beruht.

Die Hypervitaminose steht begrifflich der Hypovitaminose gegenüber. Dabei handelt es sich um Vitamin-Mangelerscheinungen. Bei gänzlichem Fehlen eines Vitamins in der Nahrung liegt eine Avitaminose vor. Hypervitaminosen werden auch Vitamin-Intoxikationen oder Vitamin-Vergiftungen genannt. Mediziner unterscheiden dabei eine akute und eine chronische Form des schädlichen Vitamin-Überschusses.

Hypervitaminosen werden überwiegend durch lipophile (fettlösliche) Vitamine verursacht, die sich im Gewebe des Körpers anreichern können. Die Gruppe der hydrophilen (wasserlöslichen) Vitamine kommt für Vergiftungserscheinungen weniger in Betracht. Der Organismus scheidet diese Vitalstoffe über die Niere aus. Daher sind die hydrophilen Vitamine praktisch nie verantwortlich für Hypervitaminosen.

Ursachen

Eine Hypervitaminose resultiert auf einer zu hohen Aufnahme eines Vitamins. Dies geschieht fast immer dann, wenn Patienten zu viel Vitaminpräparate zu sich genommen haben. Ursache können auch andere Nahrungsergänzungsmittel sein, die oft Vitamine als Zusatzstoffe enthalten.

Doch nicht immer ist es eine Selbstmedikation, die einen toxischen Überschuss der sonst lebensnotwendigen Vitamine hervorruft. Denn Vitamine setzt der Arzt auch therapeutisch ein, wodurch es ebenfalls schon zur Überdosierung gekommen ist. So ist auch im klinischen Bereich Vorsicht angebracht, beispielsweise, wenn Patienten „künstlich“ ernährt werden müssen. Magensondenkost enthält einen hohen Vitaminanteil und birgt besonders bei längerer Verabreichung das Risiko einer Überdosierung.

Dasselbe trifft auf wochenlange parenterale Ernährung (Infusion) zu. Eine normale Ernährung mit üblichen Lebensmitteln führt äußerst selten zu Hypervitaminosen. Einzig der Verzehr von Übermengen Leber kann wegen deren hohen Vitamin-A-Gehaltes zur Intoxikation führen. Besonders hoch ist die Konzentration des Vitamins in Lebern arktischer Säuger. Daher essen die Inuit keine Eisbärleber und vermeiden dadurch eine Hypervitaminose.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Akute Hypervitaminosen sind in der Symptomatik anderen Vergiftungen nicht unähnlich. Es kommt zu Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Kreislaufstörungen. Der Arzt wird durch ein Patienten-Interview nach eingenommenen Medikamenten fragen. So kommt er auch einer Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminpräparaten auf die Spur.

Schwieriger zu entlarven sind chronische Vitamin-Intoxikationen. So werden beispielsweise Hautirritationen oder eine vergrößerte Leber zunächst andern Erkrankungen zugeordnet. Der Verdacht auf eine chronische Hypervitaminose liegt hier oft fern, weil die Erkrankung relativ selten ist. Diese Diagnose-Problematik ist generell kennzeichnend für das Phänomen. Doch schließlich erkennt der Arzt anhand gezielter Blutuntersuchungen zum Beispiel eine Vitamin-D-Intoxikation.

Neben einer erhöhten Konzentration des Vitamins im Blutserum ist auch die Calcium-Konzentration erhöht. Kritisch ist dies deswegen, weil Calcium dann in den Knochen fehlt. Langfristig droht eine Osteoporose (Knochenerweichung). Kinder können im Zuge einer Vitamin-D-Hypervitaminose sogar unter Störungen des Wachstums leiden. Sogar Todesfälle sind beschrieben worden.

Nicht weniger gefährlich sind Vitamin-A-Hypervitaminosen. Im Anfangsstadium beginnt die Intoxikation mit Kopfschmerzen und Übelkeit bis zum Erbrechen. In der akuten Verlaufsform kann sogar ein Anstieg des interkranialen Druckes (Hirndrucksteigerung) folgen. Dringend erforderlich ist dann eine ärztliche Behandlung, sonst droht eine Hirnschädigung durch Hypervitaminose.

Komplikationen

Durch den Missbrauch von Ergänzungsmitteln oder anderen Stoffen, die viele Vitamine enthalten, kann es zu relativ vielen Beschwerden und Komplikationen kommen. In den meisten Fällen führt eine Hypervitaminose in erster Linie zu Übelkeit und zu Schwindelgefühlen. Der Betroffene muss häufig Erbrechen und leidet auch an einer Appetitlosigkeit. Dadurch kann es weiterhin zu Untergewicht kommen.

Nicht selten führt die Hypervitaminose auch zur Störungen der Koordination und zu Konzentrationsstörungen. Auch die Augen können von der Krankheit betroffen sein, sodass es zum Schleiersehen oder zu Doppelbildern kommt. Die Mundwinkel reißen ein und schmerzen dabei bei der Nahrungszufuhr. Im Allgemeinen wird die Lebensqualität des Patienten durch die Beschwerden der Hypervitaminose extrem verringert.

Es kann im schlimmsten Falle zu einer ernsthaften Vergiftung oder zu Störungen des Kreislaufes kommen. Weiterhin kann auch der Druck im Gehirn steigen, was zu Lähmungen und Bewegungseinschränkungen führen kann. In den meisten Fällen kommt es bei der Behandlung der Hypervitaminose zu keinen weiteren Komplikationen.

Die Beschwerden verschwinden wieder von alleine, wenn die übermäßige Zufuhr an Vitaminen eingestellt wird. Sollte es zu einem akuten Notfall kommen, so können auch Medikamente eingesetzt werden, um die Beschwerden zu lindern. Die Lebenserwartung wird durch die Hypervitaminose nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Bei Hypervitaminosen muss der Arzt zuerst die Ursache der Überdosierung ausfindig machen. Unter Umständen ist es dabei nicht leicht, den Patienten von einer Selbstmedikation abzubringen. Denn Vitaminpräparate sind als Nahrungsergänzungsmittel heute in jedem Supermarkt erhältlich und wirken daher risikolos.

In leichten Fällen akuter Hypervitaminosen ist es mit einer Einstellung des Konsums getan. Sind die Symptome gravierend, muss der Arzt gegebenenfalls medikamentös eingreifen. Bei Vitamin-D-Vergiftung richtet sich die Therapie auf eine Senkung des Calcium-Spiegels mit wassertreibenden Pharmazeutika (Diuretika).

Ähnlich wird auch eine Vitamin-A-Hypervitaminose angegangen. Hier muss zusätzlich ein Anstieg des interkranialen Druckes ausgeschlossen, eventuell aber behandelt werden. Ein Übermaß an Vitamin-C kann Verdauungsbeschwerden auslösen, auch bekannt sind Nierensteine als Folge dieser Hypervitaminose.

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Vorbeugung

Hypervitaminosen vorbeugen bedeutet für den Konsumenten, mit Vitaminpräparaten vorsichtig zu sein. Insbesondere auf die Mengenangaben von Vitamin-A und D der betreffenden Produkte sollte speziell geachtet werden. Ein übertriebener Verzehr von Leber wird in der Regel nicht vorkommen, jedoch ist gegebenenfalls auch hier der hohe Vitamin-A-Gehalt zu berücksichtigen. Wer dies beherzigt, vermeidet Hypervitaminosen.

Das können Sie selbst tun

Eine Hypervitaminose bedarf nicht immer einer ärztlichen Behandlung. Wasserlösliche Vitamine können bei einer Überdosierung einfach ausgespült werden. Meist genügt es dafür, ausreichend Wasser oder harntreibende Tees zu trinken.

Bei einer Vitamin-D-Vergiftung sollte der Arzt ein leichtes Arzneimittel verschreiben, um die überschüssigen Vitamine auszuschwemmen. Bei einer leichten Hypervitaminose genügt es meistens sogar, den Konsum zu reduzieren oder einzustellen. Bei einer Überdosierung mit Vitamin A ist ärztlicher Rat gefragt. Begleitend zur medizinischen Behandlung sollte der Patient mindestens zwei bis drei Tage Bettruhe halten. Eine schonende Diät, die möglichst wenig Vitamin A enthalten sollte, unterstützt die Genesung. Eine langfristige Ernährungsumstellung bewahrt vor einer erneuten Hypervitaminose und anderweitigen Beschwerden.

Gegen die einzelnen Symptome helfen verschiedene Mittel aus der Natur und dem Haushalt. Bewährt hat sich beispielsweise Weidenrinden-Tee, der Kopfschmerzen reduziert und den Appetit anregt. Bei Übelkeit und Erbrechen helfen klassische Heilpflanzen wie Kamille oder Melisse, ebenfalls in Form von Tee, Kapseln oder Dragees eingenommen. Sollten die Beschwerden nach spätestens zwei bis drei Tagen nicht abgeklungen sein, muss der Arzt informiert werden. Von weiteren Selbsthilfe-Maßnahmen ist dann am besten abzusehen.

Bücher über Vitamine

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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