Hyperthecosis ovarii

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. Dezember 2017
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Die Hyperthecosis ovarii ist eine Störung der Eierstockfunktion. Dabei ist die Struktur der Eierstöcke verändert und es werden vermehrt männliche Sexualhormone produziert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hyperthecosis ovarii?

Die Hyperthecosis ovarii gehört zu den Ovarialinsuffizienzen. Bei einer Ovarialinsuffizienz können die Eierstöcke der Frau, die Ovarien, nicht mehr richtig arbeiten. Das bedeutet, dass Eizellen nicht mehr richtig ausreifen und die weiblichen Hormone Progesteron und Östrogen nur noch unzureichend gebildet werden.

Bei der Hyperthecosis ovarii ist die Gewebestruktur des Ovars pathologisch verändert. Es kommt zu einer vermehrten Produktion von männlichen Sexualhormonen, den sogenannten Androgenen. Die Hyperthecosis ovarii ist eine eher seltene Erkrankung, die familiär gehäuft auftritt. Es besteht eine enge Verwandtschaft zum polyzystischen Ovarialsyndrom. Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Ovarialinsuffizienz.

Ursachen

Der Entstehungsmechanismus der Hyperthecosis ovarii ist nicht genau geklärt. Da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt, scheinen genetische Faktoren bei der Entstehung eine Rolle zu spielen. Auch Umwelteinflüsse stehen als beeinflussende Faktoren in der Diskussion. Bei der Erkrankung werden in den Eierstöcken vermehrt männliche Hormone gebildet. Diese verursachen einen Androgenüberschuss und damit die charakteristischen Symptome.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Patientinnen haben keinen oder nur einen sehr unregelmäßigen Zyklus. Die Regelblutung ist selten (Oligomenorrhoe) oder bleibt aus (Amenorrhö). Nicht selten ist ein Zyklus länger als 35 Tage. Zwischendurch kann es zu unregelmäßigen Zwischen- oder Zusatzblutungen kommen. Durch die männlichen Sexualhormone vermännlichen die betroffenen Frauen äußerlich.

Die Körperbehaarung nimmt zu und das Haarverteilungsmuster ändert sich. Vor allem im Gesicht, an der Brust und dem Bauch nimmt der Haarwuchs zu. Diese androgenabhängige Behaarung bezeichnet man auch als Hirsutismus. Die Klitoris kann sich durch den Androgenüberschuss vergrößern (Klitorishypertrophie) und penisähnlich verändern. Auch die Stimmlage der Patientinnen ändert sich. Die Stimme wird tiefer und somit zunehmend männlicher. Durch die männlichen Hormone, insbesondere durch den erhöhten Testosteronspiegel, kann eine Akne ausgelöst oder eine bestehende Akne verschlimmert werden.

Durch das Testosteron wird die Haut ölig und begünstigt die Vermehrung von Bakterien. Die Folge sind eitrige Entzündungen in Pickelform. Ein weiteres Symptom der Hyperthecosis ovarii ist die androgenetische Alopezie. Durch die hormonelle Dysregulation kommt es zu verkürzten Haarwachstumszyklen und zu einer Verkleinerung der Haarfollikel. Aus diesen wachsen dann nur noch sehr dünne, zum Teil sogar kaum sichtbare flaumige Haare. Nach und nach gehen so immer mehr Haare verloren und die Betroffenen leiden unter kahlen Stellen auf dem Kopf.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um die Diagnose Hyperthecosis ovarii stellen zu können, muss Gewebe des Eierstocks untersucht werden. Hier zeigt sich ein krankheitstypischer histologischer Befund. Die Eierstöcke sind vergrößert und von einer dicken Kapsel umgeben. Das bindegewebige Stützgerüst des Ovars, das sogenannte Stromagewebe, ist stark ausgeprägt und enthält bestimmte Bläschen. Diese werden als atretische Follikel bezeichnet.

In der Theca interna, einem Teil der bindegewebigen Rinde des Eierstocks, finden sich zahlreiche luteinisierende Zellen. Diese produzieren vermehrt das luteinisierende Hormon (LH), welches im gesunden Körper den Eisprung und die Gelbkörperbildung fördert. Anders als beim polyzystischen Ovarialsyndrom finden sich keine polyzystischen Entartungen.

Die Diagnose wird durch eine Laboruntersuchung des Blutes gestützt. Im Blut finden sich drastisch erhöhte Testosteron- und Androstenionwerte. Androstenion ist ein Steroidhormon, welches chemisch dem Testosteron sehr ähnlich ist. Ähnlich hohe Testosteron- und Androsterionwerte finden sich sonst nur bei androgenproduzierenden Tumoren. Trotz der luteinisierenden Zellen ist der Wert des luteinisierenden Hormons im Normbereich.

Ebenso ist auch der LH / FSH Quotient, also der Quotient aus luteinisierendem Hormon und follikelstimulierendem Hormon im Normbereich. Auch DHEA (Dehydroepiandrosteron) und DHEAS (Dehydroepiandrosteronsulfat), zwei weitere Steroidhormone, sind nicht erhöht. Durch das eindeutige Blutbild und die histologischen Befunde kann sicher die Diagnose Hyperthecosis ovarii gestellt werden.

Komplikationen

Durch die Hyperthecosis ovarii kommt es in den meisten Fällen zu Unregelmäßigkeiten des Monatszyklus bei Frauen. Diese Unregelmäßigkeit kann sich negativ auf den Alltag auswirken und führt nicht selten zu Stimmungsschwankungen und Schmerzen. Es treten zusätzliche Blutungen auf und männlichen Hormone werden produziert.

In den meisten Fällen kommt es daher zu einer Vermännlichung der Frau, was mit starken psychischen Beschwerden oder Depressionen verbunden ist. Auch die Haut ist von der Hyperthecosis ovarii betroffen, sodass diese ölig ist und sich Pickel auf der Haut ausbilden. Daraus entstehen ästhetische Beschwerden, die nicht selten zu einem verringerten Selbstwertgefühl oder zu Minderwertigkeitskomplexen führen.

Weiterhin kommt es zu einem Haarausfall und in einigen Fällen zu einer starken Akne. Oft meiden die Patienten aufgrund der Beschwerden soziale Kontakte und leiden an einer starken Abgeschlagenheit. Die Behandlung der Hyperthecosis ovarii kann mit Hilfe von Medikamenten erfolgen.

In den meisten Fällen steigt der Testosteronspiegel nach der Behandlung kurzzeitig an, sinkt danach allerdings wieder, sodass auch die Beschwerden verschwinden. In der Regel können die Betroffenen allerdings keine Kinder mehr bekommen. Daher ist in vielen Fällen eine psychologische Behandlung ebenso notwendig.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Störungen oder starke Unregelmäßigkeiten des Monatszyklus sind von einem Arzt kontrollieren zu lassen. Bleibt die Monatsblutung aus, verlängert sich der Zyklus oder kommt es zu Veränderungen der ausgeschiedenen Blutmenge, liegen Unstimmigkeiten vor, die untersucht und behandelt werden müssen. Treten Beschwerden oder Schmerzen im Unterleib auf, ist ein Arztbesuch anzuraten. Bei sexuellen Funktionsstörungen oder Auffälligkeiten während des Sexualaktes, ist eine Abklärung der Symptome notwendig. Ein Druckgefühl im Unterleib sowie Probleme bei der Einnahme einer gebückten Körperhaltung, sind von einem Arzt begutachten zu lassen.

Treten Beschwerden in sitzenden Positionen auf oder bemerkt die Betroffene ein Engegefühl im Bereich der inneren weiblichen Geschlechtsorgane, ist ein Arztbesuch zu empfehlen. Wird eine Zunahme der Körperbehaarung bemerkt, treten Stimmungsschwankungen auf oder kommt es zu Veränderungen der Stimmhöhe, sind die Anzeichen von einem Arzt kontrollieren zu lassen. Bei Haarausfall, kahlen Stellen der Kopfbehaarung oder Bartwachstum im Gesicht einer Frau, sind ärztliche Untersuchungen anzuraten. Zur Klärung der Ursache wird eine Blutuntersuchung in einem Labor benötigt. Die Konsultation eines Arztes ist anzuraten bei starken Hautunreinheiten, vermehrter oder wiederholter Pickelbildung oder anderen Auffälligkeiten des Hautbildes. Kommt es zu optischen Veränderungen der weiblichen Geschlechtsorgane, ist schnellstmöglich ein Arztbesuch nötig.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung der Hyperthecosis ovarii gestaltet sich eher schwierig. Die Therapie erfolgt meist durch Gabe von GnRH-Analoga. GnRH-Analoga sind Stoffe, die eine ähnliche Struktur wie das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aufweisen. Das GnRH wird normalerweise im Hypothalamus gebildet und bewirkt, dass sogenannte Gonadotropine freigesetzt werden. Gonadotropine werden im Hypophysenvorderlappen gebildet. Zu den Gonadotropinen gehören zum Beispiel LH, FSH oder Prolaktin. Die GnRH-Analoga binden ebenso wie das körpereigene Gonadotropin-Releasing-Hormon an die Rezeptoren der Hypophyse. Dadurch werden vermehrt Gonadotropine ausgeschüttet.

Zunächst kommt es zu einem Anstieg von LH, FSH und Testosteron. Man spricht hier vom Flare-Up-Phänomen. Bei kontinuierlicher Gabe sinken durch eine Gegenregulation (Down-Regulation) nach drei bis fünf Wochen die Hormonspiegel wieder ab. Die DHEA-Sekretion wird von dieser medikamentösen Therapie nicht beeinflusst. Die medikamentöse Therapie führt zwar in der Regel zu einer Abnahme der Androgene, die Ovarien werden dadurch aber nicht zwingend wieder funktionsfähig.

Ein Kinderwunsch kann trotz Therapie mit GnRH-Analoga bei der Hyperthecosis ovarii in der Regel nicht erfüllt werden. Sollte die medikamentöse Therapie nicht anschlagen, müssen beide Eierstöcke entfernt werden. Nach diesem drastischen Eingriff müssen die betroffenen Frauen lebenslang synthetische Östrogene und Gestagene einnehmen.

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Vorbeugung

Da die Ursache der Hyperthecosis ovarii noch ungeklärt ist, lässt sich der Erkrankung auch nicht vorbeugen. Um eine Hyperthecosis ovarii rechtzeitig zu erkennen, sollten jährlich gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden. Wird vom Frauenarzt die Diagnose Hyperthecosis ovarii gestellt, sollte schnellstmöglich eine Therapie eingeleitet werden. So kann der Verlauf der Erkrankung eventuell positiv beeinflusst werden. Körperliche Schäden durch den Androgenüberschuss können somit im Idealfall rechtzeitig verhindert werden.

Bücher über Frauenkrankheiten

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003

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