Hyperparathyroidismus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. Juli 2017
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Der Hyperparathyroidismus ist durch eine erhöhte Konzentration von Parathormon im Blut gekennzeichnet. Das Parathormon ist für die Regulierung des Kalziumspiegels im Blutserum verantwortlich. Die Erkrankung kann sowohl völlig asymptomatisch verlaufen als auch schwerste Symptome hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hyperparathyroidismus?

Das gemeinsame Merkmal aller Formen des Hyperparathyroidismus ist die erhöhte Konzentration von Parathormon im Blut. Dabei hat das Parathormon die Aufgabe, die Kalziumkonzentration im Blut durch eine Aktivierung des Knochenabbaus zu erhöhen und gleichzeitig die Phosphatkonzentration durch eine verstärkte Ausscheidung über die Nieren zu senken. Gegenspieler des Parathormons ist das Hormon Calcitriol.

Beide Hormone werden in den Nebenschilddrüsen erzeugt. Die Nebenschilddrüsen stellen vier kleine Epithelkörperchen dar, die sich in der Regel am oberen und unteren Pol der Schilddrüse befinden. Der Hyperparathyroidismus ist keine einheitliche Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Störungen mit unterschiedlichen Ursachen. In dem meisten Fällen verläuft die Erkrankung asymptomatisch.

Es wird aber zwischen asymptomatischem und symptomatischem Hyperparathyroidismus unterschieden. Dabei gibt es fünf verschiedene Formen dieser Erkrankung, die sich aufteilen in primären, sekundären, tertiären, quartären und quintären Hyperparathyroidismus. Am häufigsten liegt die primäre Form dieser Störung vor. Quartärer oder quintärer Hyperparathyroidismus ist sehr selten.

Ursachen

Alle fünf Arten des Hyperparathyroidismus haben unterschiedliche Ursachen. Bei einem primären Hyperparathyroidismus liegt meist ein gutartiger Tumor einer oder mehrerer Nebenschilddrüsen vor. Es existieren mehr hormonproduzierende Zellen, sodass die Hormonausschüttung erhöht ist. Ein gutartiger Tumor des Drüsengewebes, in diesem Fall der Nebenschilddrüse, wird als Adenom bezeichnet.

Das Adenom ist weitgehend vom Regelkreis innerhalb des Hormonsystems abgekoppelt. In seltenen Fällen kann sich jedoch dahinter auch ein Karzinom der Nebenschilddrüse verstecken. Normalerweise sorgt ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut über die Bindung an Rezeptoren so lange für einen Stopp der Produktion von Parathormon, bis der Kalziumspiegel wieder abgesunken ist.

Im Rahmen des primären Hyperparathyroidismus kann aber auch durch leicht erhöhte Kalziumwerte im Blut keine nennenswerte Senkung der Hormonproduktion erreicht werden. Erst bei stärker erhöhten Werten kommt es hier zum Stopp. Dabei kann es jedoch zu einem erheblichen Abbau von Knochensubstanz kommen. Fehlende Minerale in den Knochen werden durch Bindegewebe ersetzt.

Durch gleichzeitige Einblutungen in die Knochensubstanz entstehen sogenannte braune Tumoren aus sich verschmelzenden Knochenzysten. Beim sekundären Hyperparathyroidismus wird die erhöhte Produktion von Parathormon durch einen chronisch niedrigen Kalziumspiegel im Blut provoziert. Durch die verstärkte Bildung von Parathormon versucht der Körper, den Kalziumspiegel auszugleichen. Das gelingt jedoch nicht, sodass es zu einem permanenten Hyperparathyroidismus kommt.

Ursachen für die niedrigen Kalziumwerte können Vitamin-D-Mangel, Malabsorption von Kalzium im Darm oder Niereninsuffizienz sein. Bei Nierenfunktionsstörungen werden die Phosphate nur noch unzureichend über den Urin ausgeschieden. Diese binden dann Kalzium und senken dadurch den Kalziumwert im Blut. Der sekundäre Hyperparathyroidismus auf der Grundlage einer Niereninsuffizienz kann in einen tertiären Hyperparathyroidismus übergehen.

Die tertiäre Form der Erkrankung ähnelt wiederum dem primären Hyperparathyroidismus. Durch die chronische Niereninsuffizienz ist eine dauerhafte erhöhte Produktion von Parathormon erforderlich, um den Kalziumspiegel im Blut anzuheben. Dadurch wird das Wachstum der Nebennieren angeregt. Wie im Falle des Adenoms ist hier das Drüsengewebe vergrößert, wodurch sich die Hormonproduktion wiederum vom Regelkreis abkoppelt.

Wenn sich eine Nierenschädigung durch die Wirkung eines primären Hyperparathyroidismus entwickelt, wird die auf dieser Grundlage hervorgerufene sekundäre Überproduktion des Parathormons als quartärer Hyperparathyroidismus bezeichnet. Nach längerem Bestehen des quartären Hyperparathyroidismus kommt es auch hier zu Entkopplung, wobei sich der quintäre Hyperparathyroidismus herausbildet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Meist wird ein Hyperparathyroidismus nur zufällig bei Blutuntersuchungen entdeckt, weil die Erkrankung in über 80 Prozent der Fälle asymptomatisch verläuft. Gelegentlich klagen die Betroffenen jedoch über unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, leichte depressive Verstimmungen oder milde Gedächtnisstörungen. Oft bleibt ein Hyperparathyroidismus das ganze Leben lang symptomlos.

Bei schwereren Formen der Erkrankung findet jedoch ein verstärkter Knochenabbau statt, der zu einer erhöhten Knochenbrüchigkeit führt. Weitere Symptome sind Übelkeit, Verstopfung, verstärkter Durst, gesteigerte Harnproduktion oder schwere Appetitlosigkeit. In den Nieren kann es unter Bildung von Nierensteinen zum Ausfallen von Kalziumsalzen kommen. Das führt langfristig zu Niereninsuffizienz bis zum völligen Versagen der Nieren.

Auch in den arteriellen Blutgefäßen können sich Kalke ablagern, die zu arteriellen Thrombosen und kardiovaskulären Erkrankungen führen können. Besonders beim sekundären Hyperparathyroidismus ist die Entwicklung schwerer Durchblutungsstörungen mit ausgedehnten Nekrosen der Haut möglich, da hier nicht ausgeschiedene Phosphate unlösliche Salze mit Kalzium bilden, die in den Arteriolen ausfallen können.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur richtigen Behandlung ist die exakte Diagnose der vorliegenden Form des Hyperparathyroidismus notwendig.

Komplikationen

Der Hyperparathyroidismus muss nicht in jedem Fall zu Beschwerden oder zu Komplikationen führen. Da die Symptome in den meisten Fällen nicht direkt eindeutig sind, wird diese Krankheit leider erst relativ spät erkannt, sodass keine frühzeitige Behandlung des Hyperparathyroidismus möglich ist. Der Betroffene leidet dabei an einer Appetitlosigkeit, die in der Regel zu Untergewicht führt.

Weiterhin kommt es auch zu Depressionen und zu anderen Verstimmungen oder zu Störungen des Gedächtnisses. Die Betroffenen fühlen sich nicht selten müde und abgeschlagen, wobei die Müdigkeit nicht durch ausreichend Schlaf ausgeglichen werden kann. Es kommt dabei zu einem Knochenabbau und zu Erbrechen und Übelkeit. Der Alltag des Patienten wird durch die Krankheit sehr stark eingeschränkt und negativ beeinflusst.

Im schlimmsten Falle kommt es dabei zu einem vollständigen Nierenversagen. Dabei ist der Betroffene auf die Dialyse angewiesen, bis eine neue Spenderniere nicht gefunden wurde. Es treten auch Nekrosen und Durchblutungsstörungen beim Patienten auf. In der Regel kann der Hyperparathyroidismus relativ gut mit Hilfe einer richtigen Ernährung bekämpft werden. Dabei kommt es nicht zu weiteren Komplikationen. Ohne Behandlung kann die Lebenserwartung durch den Hyperparathyroidismus eingeschränkt werden.

Behandlung & Therapie

Bei einem asymptomatischen Hyperparathyroidismus ist außer seiner ständigen Kontrolle oft keine Therapie notwendig. Ansonsten kann der primäre Hyperparathyroidismus durch eine chirurgische Entfernung des Adenoms vollständig geheilt werden. Nicht chirurgische Therapien bestehen in der Gabe von Biphosphonaten, Kalzimimetika zur Hemmung der Ausscheidung von Parathormon und kalziumarmer sowie Vitamin D reicher Ernährung.

Beim sekundären und quartären Hyperparathyroidismus überwiegt die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung. Kann diese geheilt werden, verschwindet auch die Überproduktion von Parathormon. Der tertiäre Hyperparathyroidismus wird zunächst medikamentös behandelt. Wenn der Parathormonspiegel trotzdem nicht absinkt, ist eine teilweise Entfernung der Epithelkörperchen erforderlich.

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Vorbeugung

Für den primären Hyperparathyroidismus sind keine vorbeugenden Maßnahmen bekannt. Andere Formen des Hyperparathyroidismus können durch Nierenerkrankungen hervorgerufen werden. Daher kann das Risiko durch die allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise gesenkt werden.

Bücher über Hyperparathyreoidismus

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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