Hypermenorrhoe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Dezember 2017
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Der Begriff Hypermenorrhoe bezeichnet eine übermäßig starke Menstruation. Bei dieser kommt es zu einem deutlich verstärken Blutverlust sowie einem zusätzlichen Abgang von Gewebe. Die Ursachen liegen in Veränderungen der Fortpflanzungsorgane oder anderen psychischen und physischen Erkrankungen. Je nach individuellem Grund für die Beschwerden lässt sich die Hypermenorrhoe unterschiedlich gut behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hypermenorrhoe?

Unter einer Hypermenorrhoe verstehen Experten ein übermäßig starkes Ausfallen der weiblichen Menstruation. Durchschnittlich verlieren Frauen bei ihrer Periode bis zu 150 Milliliter Blut. Wird diese Menge teils deutlich überstiegen, sprechen Mediziner von einer Hypermenorrhoe. Das gilt auch, wenn täglich mehr als fünf Binden verbraucht werden oder sich ein Tampon in weniger als zwei Stunden so vollsaugt, dass er gewechselt werden muss.

Auch das Absondern von größeren Blutklumpen (Blutkoagula) können ein Anzeichen für eine verstärkte Monatsblutung sein. Eine Hypermenorrhoe kann von Regelschmerzen und weiteren Symptomen begleitet sein, muss es aber nicht. Treten besonders starke Blutungen auf, die auch über mehrere Tage andauern, kann es zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität kommen.

Die Ursachen für die Hypermenorrhoe sind meist organischer Natur und stellen so ein Symptom einer Grunderkrankung oder einer Gewebeveränderung dar. Unter Umständen kann aber auch starker Stress dazu führen, dass ungewöhnlich starke Blutungen auftreten.

Ursachen

Eine Hypermenorrhoe wird in bis zu 80 Prozent der Fälle von einer organischen Veränderung der Fortpflanzungsorgane verursacht. Dabei kann es sich etwa um gutartige Myome (Tumore) oder Polypen in der Gebärmutter oder um eine Entzündung des Organs handeln, aber auch die Eileiter können etwa von einer Endometriose (Wucherungen) oder einer Eileiterentzündung betroffen sein.

Ernsthafte Erkrankungen wie etwa Gebärmutterkrebs können ebenfalls zu verstärkten Regelblutungen führen. Bei manchen Frauen ist aber auch das Verhütungsmittel für die Beschwerden verantwortlich. Besonders die Spirale kann direkten Einfluss auf die Stärke der Menstruation nehmen. Besteht bei der Patientin eine Hormonstörung, bei der etwa zu wenig Gestagen gebildet wird oder vorhanden ist, kann die Hypermenorrhoe auch darauf zurückzuführen sein.

Unter Umständen können aber auch andere Ursachen außerhalb der Fortpflanzungsorgane als Ursache identifiziert werden. So kann starker Stress oder eine allgemeine Blutgerinnungsstörung verstärkte Monatsblutungen hervorrufen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Hypermenorrhoe äußert sich in erster Linie durch eine deutlich verstärkte Menstruation, bei der die Patientin sehr häufig ihre Hygieneartikel wechseln muss. Monatsbinden und Tampons sind bereits nach wenigen Stunden vollgesogen und können der Blutmenge teilweise kaum standhalten. Nicht selten finden sich im Blut auch größere Blut- und Gewebeklumpen, die auch beim Toilettengang zusammen mit dem Urin abgehen.

Schmerzen, Unterbauchkrämpfe und andere typische Menstruationsbeschwerden können in diesem Zusammenhang auftreten; allerdings kann eine Hypermenorrhoe auch unabhängig von anderen Symptomen auftreten. Kommt es über einen Zeitraum von mehreren Tagen zu sehr starken Blutungen, kann die Patientin unter Kreislaufproblemen und einer vorübergehenden Anämie (Blutarmut) leiden. Diese kann auch einen Mangel an roten Blutkörperchen zur Folge haben.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Hypermenorrhoe gestaltet sich vergleichsweise einfach und kann meist bereits von der Patientin selbst erkannt werden. Wird ein Frauenarzt aufgesucht, wird dieser neben einem ausführlichen Gespräch auch eine Ultraschalluntersuchung durchführen, um eventuelle Veränderungen oder Entzündungen der Geschlechtsorgane zu erkennen oder auszuschließen.

Unter Umständen muss ein Internist hinzugezogen werden, um die Ursache abzuklären, sofern diese nicht im gynäkologischen Bereich zu finden ist. Der Verlauf einer Hypermenorrhoe beziehungsweise der zugrunde liegenden Erkrankung hängt von der Art derselben ab. Sie alle bedürfen einer ärztlichen Behandlung, denn besonders ernsthafte Krankheiten können zu Unfruchtbarkeit führen oder gar einen lebensbedrohlichen Zustand hervorrufen.

Komplikationen

Durch die Hypermenorrhoe kommt es in den meisten Fällen nicht nur zu physischen, sondern auch zu psychischen Beschwerden beim Patienten. Es tritt eine verstärkte monatliche Blutung bei der Frau auf, welche auch mit starken Schmerzen verbunden sein kann. Die Betroffene leidet dabei an starken Krämpfen im Bereich des Unterleibes.

Auch der Urin kann rot verfärbt sein. Durch die Hypermenorrhoe wird die Lebensqualität kurzzeitig stark eingeschränkt. Es kommt weiterhin zu Kreislaufproblemen, wenn der Betroffene zu viel Blut verliert. Dabei kann es im schlimmsten Falle zu einem Bewusstseinsverlust kommen. In der Regel wirkt sich die Hypermenorrhoe auch negativ auf die Psyche der Patientin aus und kann damit zu Stimmungsschwankungen und zu einer allgemeinen Reizbarkeit führen.

In diesem Fall gegebenenfalls auch der Partner an psychischen Beschwerden leiden. Bei der Behandlung selbst kommt es zu keinen weiteren Komplikationen. Diese findet in der Regel mit Hilfe von Medikamenten statt. Sollte es sich um einen Tumor handeln, kann dieser entfernt werden. Hierbei können sich allerdings Komplikationen ergeben, wenn sich der Tumor schon in andere Körperregionen ausgebreitet hat.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Im Falle einer Hypermenorrhoe sollte bereits bei einmaligem Auftreten der Arzt zur Abklärung der Ursache aufgesucht werden. Der Blutverlust ist bei einer normalen Menstruationsblutung unproblematisch, kann aber zu Krieslaufproblemen führen, wenn er wesentlich höher ausfällt und das gesunde Maß übersteigt. Es kann natürlich vorkommen, dass eine Regelblutung einmal schwerer ausfällt als gewohnt, das ist noch kein Grund zur Sorge. Passiert aber auch das häufiger oder gar regelmäßig, dann sollte die Ursache langfristig abgeklärt werden. Hinweis auf die Notwendigkeit eines Arztbesuchs kann der Verbrauch an Binden oder Tampons sein, denn von Hypermenorrhoe ist ab 5 Binden pro Tag die Rede oder dann, wenn ein Tampon in unter 2 Stunden vollgesogen ist.

Werden Klumpen im Menstruationsblut beobachtet, deutet auch das auf eine Hypermenorrhoe hin, die ärztlich untersucht werden muss. Kommt es kurz vor oder während einer so starken Blutung zu Schwindel, Übelkeit, starken Unterleibsschmerzen oder gar zu kurzer Ohnmacht, darf mit dem Arztbesuch nicht mehr länger gewartet werden. Frauen, die gerade versuchen, schwanger zu werden, sollten ausschließen lassen, dass es mit der Schwangerschaft zwar geklappt hat, sie den Fötus aber sehr früh wieder verloren haben. Dies kann ebenfalls hinter einer mutmaßlichen Hypermenorrhoe stecken, die betroffene Patientin sollte danach auf mögliche Rückstände der Gebärmutterschleimhaut untersucht werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Hypermenorrhoe erfolgt ursachenbezogen und richtet sich demnach nach der Erkrankung, die für die verstärkte Blutung verantwortlich ist. Entzündungen der Gebärmutter oder der Eileiter können oftmals medikamentös behandelt werden. Nach Abklingen der Infektion werden auch die Blutungen spürbar schwächer. Sind Myome in der Gebärmutter der Grund für die Beschwerden, ist in vielen Fällen ein operatives Entfernen der Tumore anzuraten, auch wenn diese gutartig sind.

Auch Polypen können auf diese Weise wegoperiert werden, was ebenfalls zu einer deutlichen Besserung der Symptome führt. Hormonstörungen können medikamentös ausgeglichen werden. In besonders schweren Fällen kann ein Ausschaben der Gebärmutter der letzte Ausweg sein, um die Hypermenorrhoe in den Griff zu bekommen. Dabei wird die Schleimhaut in Schichten entweder mit einem Spezialinstrument, einem Sauger oder einem Laser abgetragen.

Diese Maßnahme sollte aber nur dann erfolgen, wenn sonst keine Therapie anschlägt, denn sie hat ein vollständiges Ausbleiben der Menstruation zur Folge. Dies bedeutet auch, dass die Patientin nach einer Ausschabung keine Kinder mehr bekommen kann. Nach dem Eingriff kommt es nicht selten zu Fieber, Schmerzen und Nachblutungen, weshalb eine ständige ärztliche Kontrolle in den ersten Tagen unumgänglich ist.

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Vorbeugung

Einer Hypermenorrhoe kann nur bedingt vorgebeugt werden. Ein gesunder Lebensstil trägt sicherlich dazu bei, das Krankheitsrisiko auch im Unterleib zu verringern. Das Reduzieren von Stress in Beruf und Privatleben kann ebenfalls zu einem erhöhten Wohlbefinden und einem verbesserten Gesundheitszustand führen.

Treten die Beschwerden auf und beeinträchtigen sie das Alltagsleben der Patientin zusehends, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Nur so kann eine ernsthaftere Ursache für die starken Blutungen ausgeschlossen und eine angemessene Therapie eingeleitet werden.

Das können Sie selbst tun

Zunächst sollten durch eine gynäkologische Untersuchung organische Gründe für die Hypermenorrhoe ausgeschlossen werden. Liegt keine körperliche Ursache vor oder kann diese nicht behoben werden, hilft in vielen Fällen eine Selbstbehandlung mit verschiedenen Heilkräutern. Typische „Frauenkräuter“ wie Hirtentäschelkraut, Schafgarbe, Frauenmantel und Blutwurz können als Teezubereitung genossen oder in Form von Tropfen oder Dragees eingenommen werden. Auch Berufkraut, Vogelknöterich und Zimt beeinflussen starke Menstruationsblutungen positiv, Mönchspfeffer wirkt sich regulierend auf den Hormonhaushalt aus.

An Tagen mit sehr starker Blutung kann es hilfreich sein, dunkle Kleidung zu tragen: Insbesondere im Berufsalltag können so peinliche Situationen durch sichtbare Blutflecken auf der Kleidung vermieden werden. Zudem empfiehlt es sich, am Arbeitsplatz oder in der Handtasche stets einen Vorrat an Hygieneartikeln bereitzuhalten. Reichen Binden oder Tampons nicht aus, können diese an den kritischen Tagen gut miteinander kombiniert werden.

Wenn infolge des starken Blutverlusts während oder nach der Regel große Müdigkeit auftritt, sollten betroffene Frauen in dieser Zeit auf ausreichende Ruhe- und Erholungsphasen achten. Um Mangelerscheinungen entgegenzuwirken, kann verlorengegangenes Eisen durch den Verzehr eisenhaltiger Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Weizenkleie, Kürbiskerne, Leinsamen, Fleisch und Leber ersetzt werden. Rote Beeren und rote Beete enthalten ebenfalls viel Eisen, pflanzliches Eisen kann in Verbindung mit Vitamin C besser vom Körper aufgenommen werden.

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Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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