Hyperlipoproteinämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
Startseite » Krankheiten » Hyperlipoproteinämie

Die Hyperlipoproteinämie (HLP) ist durch erhöhte Konzentrationen an Cholesterin, Triglyceriden und Lipoproteinen im Blut gekennzeichnet. Die Ursachen der Hyperlipoproteinämie sind vielfältig und seine Folgen müssen differenziert betrachtet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Hyperlipoproteinämie?

Die Hyperlipoproteinämie ist eine Fettstoffwechselstörung, die entweder primäre oder sekundäre Ursachen hat. Eine primäre Hyperlipoproteinämie ist genetisch bedingt, während die sekundäre Form immer eine Folge von ungesunder Lebensweise oder Grunderkrankungen, wie z. B. Diabetes, ist.

Lipoproteine befinden sich ständig im Blut, denn sie erfüllen dort eine Transportfunktion für Cholesterin und Triglyceride (Fette). Das im Rahmen des Fettstoffwechsels gebildete Cholesterin übernimmt im Organismus zentrale Funktionen. Es ist Ausgangsstoff für die Steroidhormone, die Gallenflüssigkeit und ist ein Hauptbestandteil aller Zellmembranen. Auch die Triglyceride müssen zur Energiegewinnung zu ihrem Bestimmungsort gebracht werden. Die Lipoproteine transportieren die Lipide entweder von der Leber zu den anderen Organen mittels LDL (Lipoproteine niedriger Dichte) oder umgekehrt von den Organen und Blutgefäßsystem zur Leber mittels HDL (Lipoproteine höherer Dichte).

Bei einer Hyperlipoproteinämie ist das Verhältnis von LDL zu HDL oft zugunsten des LDL verschoben. LDL besitzt jedoch ein großes Risikopotenzial für Arteriosklerose und den daraus resultierenden Erkrankungen. HDL hat die gegenteilige Wirkung. Hyperlipoproteinämien werden außerdem eingeteilt in Hypercholesterinämien (erhöhte Cholesterinwerte), Hypertriglyzeridämien (erhöhte Triglyzerid-Werte) und gemischte Hyperlipidämien.

Ursachen

Die Hyperlipoproteinämie ist in ihrer primären Form genetisch bedingt. Dabei gibt es vielfältige Mutationsmöglichkeiten an den Lipoproteinen. Auch der Regelmechanismus der ab- und aufbauenden Prozesse von Cholesterin kann gestört sein.

Als Folge treten Hyperlipoproteinämien der verschiedensten Art mit unterschiedlichen Risiken für Folgeerkrankungen auf. Sekundär entstehen sie meist durch eine fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel oder als Folge von Grunderkrankungen, die im Zusammenhang mit dem Fettstoffwechsel stehen, wie z. B. Diabetes, Adipositas, Leber- oder Gallenerkrankungen. Diabetes vom Typ 2 ist z. B. dadurch gekennzeichnet, dass aufgrund des schlecht wirksamen Insulins sehr hohe Konzentrationen desselben gebildet werden müssen. Da Insulin aber auch Fett mobilisiert, steigt die Lipid-Konzentration im Blut.

Fette und Cholesterin gehören zu den Lipiden und werden daher von Lipoproteinen immer zusammen transportiert. Krankheiten, die zur Störung des Fettabbaus führen, sind ebenso Ursache von Hyperlipoproteinämien wie eine erhöhte Fettzufuhr durch Nahrungsmittel, verringerter Fettabbau durch Bewegungsmangel oder eine gesteigerte Fettfreisetzung aus den Fettzellen bei Adipositas.

Typische Symptome & Anzeichen

HLP Typ 1

HLP Typ 2

HLP Typ 3

  • erhöhtes Arterioskleroserisiko
  • erhöhter Cholesterinspiegel

HLP Typ 4

HLP Typ 5

  • meist erhöhter Cholesterinspiegel
  • Übergewicht, Fettleber
  • Oberbauchkoliken
  • Xanthome der Haut
  • Hepatosplenomegalie

Diagnose & Verlauf

Eine Hyperlipoproteinämie ist primär symptomlos. Sie kann jedoch die Ursache von schwerwiegenden Herz-/Kreislauferkrankungen, die bis zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führen, sein.

Bestimmte Formen der Hyperlipoproteinämie können nämlich Plaques in den Blutgefäßen (Arteriosklerose) bilden, die dann diese Erkrankungen hervorrufen. Dabei ist nur bei erhöhtem LDL oder erniedrigtem HDL ein erhöhtes Arteriosklerose-Risiko gegeben. HDL tranportiert die Lipide aus dem Blutgefäßsystem zur Leber. Dabei löst es auch teilweise Cholesterin aus den Plaques, sodass diese schrumpfen können. Das LDL-Cholesterin wird jedoch von der Leber zu den Organen transportiert.

Es ist leicht oxidierbar und wird in seiner oxidierten Form schnell von Makrophagen aufgenommen, die sich dann als Fett beladene Schaumzellen an die Plaques anlagern. Die Diagnose der Hyperlipoproteinämie erfolgt durch Bestimmung der Blutfettwerte Gesamtcholesterin, Triglyzeride, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und der Lipoproteine nach mindestens 12-stündiger Nahrungskarenz.

Komplikationen

Durch die Hyperlipoproteinämie kommt es zu verschiedenen Beschwerden und Symptomen beim Patienten. Diese Beschwerden hängen in der Regel vom genauen Typ der Hyperlipoproteinämie ab. In der Regel leiden die Patienten an einer Fettleibigkeit und weiterhin an Übergewicht. Es kommt zu einem erhöhten Risiko eines Herzinfarktes, wodurch die Lebenserwartung des Patienten in der Regel stark verringert ist.

Nicht selten treten dabei auch Bauchschmerzen auf. Die Leber kann ebenfalls durch eine Fettleber von der Hyperlipoproteinämie betroffen sein. Das Übergewicht selbst wirkt sich sehr negativ auf den allgemeinen gesundheitlichen Zustand des Patienten aus und kann dabei zu weiteren Schmerzen in den Gelenken und den Knien des Betroffenen führen.

Es kommt auch zu anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch die Hyperlipoproteinämie. Sollte es zu einem Schlaganfall kommen, kann dieser zum Tode oder zu starken Einschränkungen im Alltag des Betroffenen führen. Dabei treten vor allem Lähmungen auf, die den Alltag erschweren können.

Die Behandlung der Hyperlipoproteinämie führt nicht zu weiteren Komplikationen. Sie findet in den meisten Fällen mit Hilfe von Medikamenten statt, die die Beschwerden einschränken. Allerdings sollte der Betroffene einen gesunden Lebensstil führen und Übergewicht auf jeden Fall vermeiden. Es kann zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommen.

Behandlung & Therapie

Die Hyperlipoproteinämie ist aufgrund ihres Risikos für die Entstehung von Arteriosklerose behandlungsbedürftig. Primäre Hyperlipoproteinämien müssen ständig medikamentös behandelt werden. Dazu werden sogenannte Lipidsenker appliziert.

Wichtige Lipidsenker sind unter anderem CSE-Hemmer, Niacin und Fibrate. Bei den sekundären Formen dieser Stoffwechselstörung reicht oft schon eine Änderung der Lebensweise. Übergewicht sollte abgebaut werden durch fettarme, kalorienarme und ballaststoffreiche Ernährung. Wenn eine andere Erkrankung zugrunde liegt, ist deren Behandlung eine Grundvoraussetzung zur Erreichung normaler Blutfettwerte.

Da die Hyperlipoproteinämie ja nur ein Symptom, aber keine eigenständige Erkrankung ist, kann sie auch nur im Gesamtkomplex der Therapie betrachtet werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Den sekundären Formen der Hyperlipoproteinämie kann gut vorgebeugt werden. Dazu reicht bereits eine gesunde Lebensweise ohne Nikotin, gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung. Auch einige Vorerkrankungen der Hyperlipoproteinämie können so verhindert werden.

Das können Sie selbst tun

Eine Ernährungsumstellung kann bei einer Hyperlipoproteinämie wesentlich zur Reduzierung der Blutfettwerte und des Körpergewichts beitragen. Die tägliche Fettzufuhr sollte auf höchstens 30 Prozent der Tageskalorienmenge beschränkt werden, wobei auch versteckte Fette mitgerechnet werden müssen. Zur Zubereitung der Speisen empfehlen sich aus ungesättigten Fettsäuren bestehende pflanzliche Öle, die Verwendung chemisch gehärteter Fette ist nicht ratsam. Kaltwasserfische wie Lachs oder Makrelen enthalten wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel günstig beeinflussen können. Schonende Garmethoden wie Dünsten oder Dampfgaren kommen völlig ohne Fett aus. Etwa die Hälfte des täglichen Kalorienbedarfs sollte durch komplexe Kohlenhydrate aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Kartoffeln und Hülsenfrüchten abgedeckt werden. Knoblauch, Artischockenblättern und Flohsamen wird eine cholesterinsenkende und gefäßschützende Wirkung nachgesagt.

Viel Bewegung und ein gesunder Lebensstil mit wenig Alkohol und möglichst ohne Nikotin helfen Übergewicht abzubauen und dadurch die Blutfettwerte zu verbessern. Zudem sinkt das Risiko, als Folge der Hyperlipoproteinämie eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Bestehende Grunderkrankungen wie etwa ein Diabetes mellitus müssen behandelt und so gut wie möglich eingestellt werden. Besteht eine familiäre Vorbelastung, ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutfettwerte empfehlenswert, um einer Erhöhung noch vor Auftreten gesundheitlicher Schäden entgegenwirken zu können. Bei einer erblich bedingten Hyperlipoproteinämie ist zusätzlich zur Umstellung der Lebensgewohnheiten in der Regel eine medikamentöse Therapie notwendig.

Bücher über Cholesterin

Quellen

  • Burkhardt, D.: Gesund leben. Laborwerte deuten. Müller Verlag, Köln 2005
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: