Hyperammonämie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 7. November 2016
Symptomat.deKrankheiten Hyperammonämie

Die Hyperammonämie ist durch eine erhöhte Ammoniakkonzentration im Blut gekennzeichnet. Als Ursachen kommen sowohl angeborene Defekte des Harnstoffzyklus und bestimmter Enzyme als auch schwere Lebererkrankungen infrage. Unbehandelt kann die Störung zu schweren Hirnschäden oder gar zum Tod führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hyperammonämie?

Hyperammonämie ist der wissenschaftliche Begriff für eine erhöhte Serumkonzentration von Ammoniak im Blut. Ammoniak entsteht im Rahmen des Aminosäureabbaus. Im sogenannten Harnstoffzyklus wird freies Ammoniak unter Bildung von Harnstoff gebunden.

Der ungiftige Harnstoff wird wiederum über den Urin ausgeschieden. Wenn jedoch im Rahmen des Harnstoffzyklus Störungen durch defekte Enzyme auftreten, kann das gebildete Ammoniak oft nicht in Harnstoff umgewandelt werden. Ammoniak sammelt sich dann im Blut an und ruft vor allem im Gehirn oft irreversible Schäden hervor.

Jede Form der Hyperammonämie kann die Symptome einer hepatischen Enzephalopathie erzeugen. Diese Erkrankung ist immer die Folge einer Hyperammonämie. Obwohl die hepatische Enzephalopathie stets im Rahmen von schweren Leberinsuffizienzen beschrieben wird, kann die eigentlich auslösende Hyperammonämie auch andere Ursachen haben.

Ursachen

Die Ursachen einer Hyperammonämie können vielfältig sein. Sie stellt lediglich ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung dar. Oft ist sie die Folge einer genetisch bedingten Störung des Harnstoffzyklus. Der Harnstoffzyklus wird durch mehrere Enzyme gesteuert, deren Defekt oder Ausfall die Synthese von ungiftigem Harnstoff aus Ammoniak hemmen kann.

Zu diesen Enzymen zählen unter anderem die Ornithin-Transcarbamylase, die Carbamoylphosphat-Synthetase I, die Argininosuccinat-Synthase, die Argininosuccinat-Lyase, die N-Acetylglutamat-Synthetase (NAGS) und die Arginase 1. Am häufigsten ist die Ornithin-Transcarbamylase betroffen. Die Ornithin-Transcarbamylase katalysiert die Umwandlung von Ornithin zu Citrullin.

Wird diese Reaktion unterbrochen, kommt es zur Ansammlung von Ammoniak im Blut. Auch die anderen vorgestellten Enzyme würden durch ihren Ausfall zu einer Störung des Abbaus von Ammoniak führen. Diese Defekte kommen allerdings etwas seltener vor. So katalysiert die Carbamoylphosphat-Synthetase I die Addition von Ammoniak, ATP und Kohlendioxid zu Carbamoylphosphat.

Argininosuccinat-Synthase ist verantwortlich für die Umsetzung von Citrullin und Aspartat zu Argininosuccinat. Argininosuccinat dient wiederum als Ausgangsstoff für die Synthese von Arginin, welches direkt die Harnstoffbildung aus Ammoniak steuert. Das Enzym Argininosuccinat-Lyase katalysiert die Spaltung von Argininosuccinat in Fumarat und Arginin.

Die Arginase 1 steuert den finalen Schritt des Harnstoffzyklus mit dem Abbau von Arginin zu Harnstoff und Ornithin. Während der Ornithin-Transcarbamylase-Defekt x-chromosomal vererbt wird, folgen alle anderen Enzymdefekte jeweils einem autosomal-rezessiven Erbgang. Es gibt auch Stoffwechselerkrankungen außerhalb des Harnstoffzyklus, die zu einer Hyperammonämie führen können.

Dazu zählen unter anderem organische Azidurien, die eine Ansammlung von organischen Säuren hervorrufen. Diese giftigen Stoffwechselzwischenprodukte stören wiederum den Harnstoffzyklus. Als sekundäre Ursachen für eine Hyperammonämie kommen des Weiteren schwere Lebererkrankungen infrage, da die Umsetzung von Ammoniak in Harnstoff in der Leber erfolgt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer Hyperammonämie unterscheiden sich je nach dem Erstmanifestationsalter. Bei Neugeborenen ist der Verlauf lebensbedrohend mit dem Auftreten von Trinkschwäche, Hypotonie und Lethargie. Tritt die Erkrankung erst im Säuglingsalter auf, verläuft sie weniger akut mit Lethargie und Gedeihstörungen.

Bei Erstmanifestation im Kleinkindalter bis zur Pubertät stehen geistige Retardierung, Störungen der Bewegungskoordination, Lernprobleme, Kopfschmerzen und Erbrechen im Vordergrund. Insgesamt entspricht das Erscheinungsbild der Hyperammonämie den Symptomen einer hepatischen Enzephalopathie.

Die im Zusammenhang mit starker Leberinsuffizienz beschriebener hepatischer Enzephalopathie äußert sich in einem Spektrum von leichten klinischen Erscheinungen bis zum Koma. So treten unter anderem in einem ersten Stadium Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, Schläfrigkeit und Störungen in der Feinmotorik auf.

Das Stadium II ist durch erhöhte Schläfrigkeit, Störung der Sprachmotorik, Apathie und Orientierungsstörungen gekennzeichnet. Im Stadium III schläft der Patient meist dauerhaft, kann aber noch geweckt werden. Zusammenhangslose Sprache beim Erwecken und eine erhöhte Muskelspannung gehören auch zu diesem Stadium. Das Stadium IV zeichnet sich durch ein Leberkoma (Coma hepaticum) aus.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Hyperammonämie kann über das Auftreten der Symptome der hepatischen Enzephalopathie diagnostiziert werden. Dabei kommt unter anderem eine Schädel-CT zur Differenzialdiagnose zum Schlaganfall oder eine Blutzuckeruntersuchung zum Ausschluss einer Hypoglykämie zum Einsatz. Des Weiteren wird Ammoniak im Blut bestimmt.

Behandlung & Therapie

Im Falle einer akuten Hyperammonämie müssen dringend Sofortmaßnahmen durchgeführt werden. Dazu ist es notwendig, umgehend für zwei Tage die Proteinzufuhr zu stoppen. Des Weiteren gehören dazu die Durchführung einer Zuckerinfusion, die Gabe von Insulin und die Zuführung von Arginin sowie Carnitin.

Verschiedene Medikamente wie Phenylacetat, Phenylbutyrat oder Benzoat werden zur Entgiftung des Blutes eingesetzt. Durch Diuretika wird die Harnausscheidung erhöht. In manchen Fällen muss auch eine Dialyse durchgeführt werden. Auch Lactulose, ein Disaccharid wird gegeben.

Mithilfe von Darmbakterien wird dieses Kohlenhydrat in Laktat und Aceton zersetzt. Das entstehende saurere Darmmilieu sorgt für die Bindung von Ammoniak zu Ammoniumsalzen. Zur langfristigen Behandlung der Hyperammonämie bei Enzymdefekten muss dauerhaft eine eiweißarme Diät eingehalten werden.

Zusätzlich ist die Gabe von Argininhydrochlorid, Citrullin oder Lysin notwendig. Wenn die Hyperammonämie die Folge einer Lebererkrankung ist, muss diese selbstverständlich behandelt werden.




Vorbeugung

Schwere Krisen können bei einer angeborenen Hyperammonämie durch eine lebenslange Diät mit eiweißarmer Nahrung vermieden werden. Es gibt jedoch keine Empfehlung zur Verhinderung der Krankheit bei einer Störung des Harnstoffzyklus, weil diese genetisch bedingt ist.

Bei familiärem Auftreten wird eine humangenetische Beratung angeboten. Nichtgenetischen Ursachen einer Hyperammonämie kann jedoch durch eine gesunde Lebensweise und Verzicht auf Alkohol vorgebeugt werden.

Bücher über Lebererkrankungen

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Hyperammonämie?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: