Hypästhesie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
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Eine Hypästhesie (Sensibilitätsstörung) führt zu einer verminderten Reizwahrnehmung, weil die Reizweiterleitung an das zentrale Nervensystem gestört ist. Inwieweit sich diese Symptomatik behandeln lässt, hängt von den ursächlichen Krankheiten ab. Diese gilt es möglichst erfolgreich zu behandeln, um die Ursache für eine Hypästhesie auszuschalten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Hypästhesie?

Eine geminderte Berührungs- beziehungsweise Schmerzempfindung sowie eine Gefühlsstörung und Reizempfindlichkeit, insbesondere im Bereich der Haut, wird neurologisch als Hypästhesie (Taubheitsgefühl) bezeichnet. Damit gehört eine Hypästhesie zu den Sensibilitätsstörungen.

Diese Störungen führen dazu, dass die über den Körper verteilten Nervenenden sowie Rezeptoren und Sensoren aber auch die Augen, Ohren sowie die Nase und der Mund als unsere Sinnesorgane die Gefühlsreize nicht mehr richtig wahrnehmen. Daraus folgert automatisch, dass auch keine korrekte Weiterleitung an das zentrale Nervensystem (ZNS) erfolgt.

Ab diesem Zeitpunkt können die Betroffenen mechanische Empfindungen wie beispielsweise Druck, Temperaturunterschiede und Vibrationen aber auch Schmerzen nicht mehr voneinander unterscheiden.

Unterschieden wird zwischen vier (fünf) Hypästhesieformen:

  • die taktile Hypästhesie mit geminderter Berührungs- und Druckempfindung
  • bei der thermischen Hypästhesie besteht ein gemindertes Hitze- und Kälteempfinden
  • bei einer Hypalgesie liegt ein reduziertes Schmerzempfinden vor
  • die Pallhypästhesie zeigt sich durch ein vermindertes Empfinden von Vibrationen
  • eine Anästhesie bezeichnet den kompletten Sensibilitätsausfall.

Es ist durchaus möglich, dass gleichzeitig weitere Symptome auftreten.

Ursachen

Eine Hypästhesie kann durch unterschiedliche Faktoren hervorgerufen werden. Folgende Ursachen können als Auslöser in Betracht gezogen werden wie etwa eine Hautschädigung zum Beispiel durch Verbrennungenl, eine Polyneuropathie (eine systemisch bedingte Schädigung peripherer Nerven), periphere Nervenläsionen oder ein Hirninfarkt (Somatosensorischer Cortex).

Auch Intoxikationen, also Einwirkungen von schädlichen Substanzen von biologischer, chemischer oder physikalischer Natur auf den Organismus oder eine Ischämie (eine verminderte beziehungsweise aufgehobene Durchblutung von Gewebe durch unzureichende arterielle Blutzufuhr) können eine Hypästhesie auslösen.

Ebenso gut ist es möglich, dass ein Bandscheibenvorfall zu Sensibilitätsstörungen führt. Durch einen dauerhaften oder wiederkehrenden Druck auf die Nervenwurzel entstehen zunächst Schmerzen und dann ein Taubheitsgefühl im Versorgungsbereich.

Die unzureichende Versorgung des Gehirns mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen bei einem Schlaganfall kann ebenfalls in Betracht gezogen werden. Nervale Ausfälle können zu einem Taubheitsgefühl in den Armen und/oder Beinen führen.

Eine Gürtelrose und Borreliose können als Infektionen ebenfalls zu einem tauben Gefühl im Körper führen. Ein Vitamin-B12-Mangel kann das zentrale Nervensystem schädigen und über Müdigkeit und Konzentrationsschwäche hinaus zu einem Taubheitsgefühl an Händen und Füßen führen.

Tritt das Taubheitsgefühl im Kopf oder im Gesicht auf, kann es sich um einen beginnenden Migräneanfall aber auch um einen Gehirntumor handeln. Deswegen ist es von großer Wichtigkeit, bei einem bleibenden oder immer wiederkehrenden Taubheitsgefühl den Arzt zu konsultieren, damit so früh wie möglich eine entsprechende Therapie eingeleitet werden kann. Bei ersten Verdachtsmomenten werden weitere Untersuchungen erforderlich.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Das Taubheitsgefühl tritt meist in den Gliedmaßen auf, seltener im Kopf- oder Leibbereich. Es kann sich in beiden Beinen oder beiden Armen bemerkbar machen oder auch einseitig auftreten. Auch halbseitige Ausdehnungen im Körper sind bekannt.

Das Taubheitsgefühl kann zusammen mit diversen Begleiterscheinungen wie Sehstörungen, Schmerzen, Sprachstörungen und Gleichgewichtsproblemen auftreten. Lässt das Taubheitsgefühl nach, kommt es fast immer zu einem Kribbeln an der betroffenen Stelle.

Diagnose und Krankheitsverlauf

Die Diagnose beruht auf einer möglichst genauen Anamnese. Entscheidende Fragen des Arztes sind, an welchen Körperarealen die Taubheit auftritt, seit wann das Taubheitsgefühl besteht, in welchen Situationen es auftritt. Auch entscheidend ist, ob das Taubheitsgefühl einseitig oder beidseitig besteht, ob es konstant anhält oder wieder abnimmt und ob es wiederkommt.

Desweiteren prüft der Arzt, inwiefern Grunderkrankungen bekannt sind. Bei den Betroffenen werden das Gleichgewichtsgefühl, das Gehör, das Sehen und das Bewusstsein getestet. Weitere Untersuchungen wie Blutuntersuchungen, Computertomografie, Elektroneurografie und Röntgenuntersuchungen sind von der Verdachtsdiagnose abhängig durchzuführen.

Der Krankheitsverlauf zeigt sich durch einseitige oder beidseitige Taubheit an bestimmten lokalen Körperarealen. In extremen Fällen kann ein totaler Sensibilitätsausfall, die Anästhesie, eintreten. Auch Schmerzen an den betroffen Arealen werden häufig im Vorfeld beschrieben. Nicht selten kommt es auch zu Begleiterkrankungen.

Behandlung und Therapie

Nach der eingehenden Anamnese mit Befunderhebung kann eine differenzierte Behandlung erfolgen, die speziell auf die vorliegende Problematik abgestimmt sein muss. Im Vordergrund steht immer, die Ursache zu beheben. Eine Infekt-basierte Taubheit wird der Ursache entsprechend meistens mit Antibiotika behandelt.

Bei bestehender Diabetes als Auslöser wird der Blutzuckerspiegel eingestellt. Bei einer ursächlichen Polyneuropathie werden die Symptome bestmöglich behandelt, da die Ursache bisher nicht therapierbar ist. Gute Ansätze werden jedoch im Rahmen einer TCM-Behandlung mit Akupunktur erreicht.

Bei einem Bandscheibenvorfall als Auslöser erfolgt eine orthopädische oder chirurgische Behandlung, um die Ursache zu beheben. Auch eine Physiotherapie ist möglich. Bei Migräne wird der HNO-Arzt und/oder der Neurologe hinzugezogen. Liegt eine Gürtelrose oder Borreliose beziehungsweise ein Vitamin B12-Mangel vor, ist eine internistische Behandlung bezüglich der Ursachenbehebung angesagt.

Der Schlaganfall gehört in die neurologische oder neurochirurgische Behandlung. Bei einem Karpaltunnelsyndrom oder Ulnartunnelsyndrom kann eine konservative Behandlung durch den Orthopäden und Physiotherapeuten oder Chiropraktiker erfolgen. Wenn diese Behandlung nicht zum Erfolg führt, ist der Chirurg hinzuzuziehen.




Vorbeugung

Die beste Vorbeugung besteht darin, die Krankheiten, die eine Hypästhesie auslösen können, zu vermeiden. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, um Vitamin B12-Mangel vorzubeugen. Sport, damit das knöcherne Körpergerüst durch eine gestärkte Muskulatur genügend Halt bekommt und viel Bewegung, damit Durchblutungsstörungen erst gar nicht auftreten.

Werden auslösende Faktoren bemerkt, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Ein kompletter Check-up, mindestens 1-mal pro Jahr, ist hilfreich, um krankhafte Veränderungen frühzeitig festzustellen.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Barbara kommentierte am 02.04.2015 um 17:11 Uhr

Letztes Jahr hatte ich zwei Mal Gürtelrose und einmal schlimmes Nesselfieber. Meine Haut brennt und juckt auf dem Rücken, Armen und Beinen fast jeden Tag wie Feuer. Oft kann ich meine Haare nicht berühren, weil der Haarboden so schmerzt. Ich habe Tabletten gegen chronisches Nesselfieber bekommen, doch helfen diese nicht ausdauernd. Ich möchte gerne vermeiden, wieder ein Medikament gegen Epilepsie zu bekommen, wie letztes Jahr gegen die Neuralgie nach der ersten Gürtelrose. Gleichzeitig fühle ich mich unendlich müde und schwach. Welche Hillfe kann ich erwarten? Vitamin B 12 und Salben?

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