Hydroxycarbamid

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Bei Hydroxycarbamid handelt es sich um ein Zytostatikum. Zum Einsatz kommt es bei der Behandlung maligner Bluterkrankungen wie Leukämie. Auch bei HIV-Infektionen findet es im Rahmen der antiretroviralen Behandlung Anwendung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hydroxycarbamid?

Hydroxycarbamid gehört zu den zytostatisch wirkenden Arzneistoffen. Einsatz findet es schwerpunktmäßig bei der chronisch myeloischen Leukämie (CML). Gelegentlich kommt es außerdem bei der Behandlung der Sichelzellenanämie (Bildung von abnormem Hämoglobin) sowie bei HIV-Infektionen zur antiretroviralen Behandlung zum Einsatz.

Im Handel ist Hydroxycarbamid in Form von Kapseln erhältlich. Es handelt sich um einen hydroxylierten Harnstoff, welcher als weißes und kristallines, hydroskopisches Pulver vorliegt und in Wasser löslich ist. Bekannt ist Hydroxycarbamid auch als Hydroxyharnstoff oder Hydroxyurea.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Noch ist die genaue Wirkweise von Hydroxycarbamid nicht vollständig geklärt. Der Wirkstoff selbst hemmt als Zytostatikum das Wachstum und die Teilung sowie die Vermehrung der Zellen. Er greift dabei in die DNA-Synthese ein. Dabei soll Hydroxycarbamid bereits den Aufbau einzelner Nukleotide stören. Der Wirkstoff scheint jenes Enzym zu blockieren, welches für die Umwandlung von Ribose in Desoxyribose verantwortlich ist. Zudem könnte Hydroxycarbamid zu einer Unterbindung der Eingliederung von Thymin-Nukleotiden in die DNA-Kette beitragen.

Die Wirkung bei der Behandlung von Sichelzellenanämie ist ebenfalls noch nicht geklärt. Hier kommt es wahrscheinlich zu einer Erhöhung der Konzentration an Hämoglobin wie bei einem ungeborenen Kind. Dadurch werden die Faserbildung des abnormen Hämoglobins und somit auch die Verkrümmung der roten Blutkörperchen behindert. Verklumpungen bleiben aus, denn das Blut bleibt insgesamt flüssiger.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Anwendung findet Hydroxycarbamid bei der Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie (kurz: CML, gekennzeichnet durch starke Vermehrung der weißen Blutkörperchen und Granulozyten), bei essentieller Thrombozythämie (starke Vermehrung der Thrombozyten im Blut), bei Polycythaemia vera (Vermehrung aller drei Blutzellreihen im Blut), bei Sichelzellenanämie sowie bei Thalassämie major (keine ausreichend Produktion von normalem HbA1). Selten kommt es auch bei der antiretroviralen Therapie bei HIV-Infektionen zum Einsatz.

Hydroxycarbamid muss dabei immer entsprechend den Anweisungen des Arztes eingenommen werden. Bei der Behandlung von CML liegt die anfängliche Dosis für Erwachsene bei 40 mg/kg Körpergewicht am Tag. Je nach Anzahl der weißen Blutkörperchen erfolgt dann eine individuelle Anpassung der Dosis.

Zur Behandlung von Polycythaemia vera liegt die anfängliche Tagesdosis bei 15 bis 20 mg/kg Körpergewicht. Auch hier erfolgt eine individuelle Anpassung, immer in Abhängigkeit der Anzahl der Blutzellen. Die Dosis bei essentieller Thrombozythämie liegt bei 15 mg/kg Körpergewicht täglich und wird in Abhängigkeit der Anzahl der Blutzellen individuelle angepasst. Die Wirkung bei älteren Patienten kann unter Umständen stärker sein, weshalb die Dosierung üblicherweise niedriger ist.

Eine Anwendung von Hydroxycarbamid ist bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, bei schweren Blutbildungsstörungen im Knochenmark, bei einem Mangel an Blutplättchen und weißen Blutkörperchen sowie bei Blutarmut nicht indiziert.

Bei vorausgegangener gleichartiger Therapie, bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung sowie bei gleichzeitiger Behandlung mit Zytostatika aus der Untergruppe der Antimetabolite muss der Arzt Nutzen und Risiko der Anwendung von Hydroxycarbamid sorgfältig gegeneinander abwägen.

Auch während Schwangerschaft und Stillzeit darf Hydroxycarbamid nicht angewendet werden. Eine Behandlung von Kindern ist mit dem Wirkstoff möglich, aber eher selten, da die meisten dieser Erkrankungen bei Kindern nicht vorkommen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Hydroxycarbamid kann unterschiedliche Nebenwirkungen verursachen. Sie können sehr selten bis häufig auftreten, müssen aber nicht vorkommen. Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören Störungen bei der Bildung des Knochenmarks, ein Mangel an weißen Blutkörperchen, die Bildung von Megaloblasten sowie Verstopfung oder Durchfall.

Gelegentlich kann es bei der Einnahme von Hydroxycarbamid zu Übelkeit und Erbrechen, Unwohlsein, Schüttelfrost, Blutarmut, einem Mangel an Blutplättchen, Hautrötungen an Beinen und Armen, Gesichtsrötung oder fleckig-blasigem Ausschlag kommen.

Auch Erhöhungen der Blutharnstoffwerte, der Leberenzymwerte, der Blut-Bilirubin-Werte, der Blutharnsäurewerte und der Blut-Kreatinin-Werte ist nicht ungewöhnlich.

In seltenen Fällen kommt es zu Kopfschmerzen, Haarausfall, Schwindelgefühl, Fieber, Atemnot, Verwirrung, Wahnvorstellungen, Harnverhalt, Wassereinlagerungen in der Lunge und allergischer Lungenbläschenentzündung. Zu den sehr seltenen Nebenwirkungen gehört eine eingeschränkte Nierenfunktion.

Wird Hydroxycarbamid in Kombination mit virenhemmenden Mitteln eingenommen, können Leberschädigungen oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auftreten.

Bei begleitender oder vorausgegangener begleitender Zytostatika-Therapie oder Strahlentherapie kann es zu einer Verstärkung bestimmter Nebenwirkungen (z. B. Funktionsstörungen des Knochenmarks, Magen-Darm-Beschwerden, Hautrötungen) kommen.

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