Hydralazin

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. November 2016
Symptomat.deWirkstoffe Hydralazin

Als Hydralazin wird ein Arzneistoff bezeichnet, der über eine gefäßerweiternde Wirkung verfügt. Er dient zur Therapie von Herzinsuffizienz sowie von Bluthochdruck während der Schwangerschaft.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hydralazin?

Hydralazin gehört zu den Vasodilatatoren. Dabei handelt es sich um gefäßerweiternde Wirkstoffe, die zur Senkung von zu hohem Blutdruck eingesetzt werden. In Europa findet allerdings eher das verwandte Dihydralazin Verwendung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Hydralazin auf die Liste der unverzichtbaren Medikamente gesetzt.

In der Regel wird Hydralazin als Kombinationspräparat unter den Handelsnamen TRI-Normin® oder Pertenso® sowie in den USA als Monopräparat Apresoline® verabreicht. Der Wirkstoff trägt zudem die Bezeichnungen Dihydralazinum oder 1-Hydralazinylphtalazin. Das chemische Grundgerüst des Mittels besteht aus zwei Benzolringen, wodurch es ein aromatisches Molekül bildet.

Pharmakologische Wirkung

Dadurch, dass Hydralazin zu den durchblutungsfördernden Arzneistoffen zählt, bewirkt es eine unmittelbare Entspannung der Gefäßmuskeln. Dies gilt in erster Linie für die kleinen Arterien. So sorgt das Hydralazin für eine allgemeine Erweiterung der Blutgefäße, was wiederum das Absenken von Bluthochdruck (Hypertonie) zur Folge hat.

Darüber hinaus verfügt der Wirkstoff über die Eigenschaft, den Gefäßwiderstand innerhalb der Nieren und des Gehirns abzusenken. Dieser Effekt bewirkt ebenfalls eine Entlastung bei zu hohem Blutdruck. Im Rahmen einer Langzeittherapie kann auf diese Weise die Durchblutung der Nieren gewährleistet werden.

Allerdings ist es wichtig, darauf zu achten, dass das Leistungsvermögen des Herzens sowie die herzwirksamen Eigenschaften des Hormons Adrenalin nicht durch das Hydralazin beeinträchtigt werden. So kann es durch den blutdrucksenkenden Effekt des Vasodilatators zu einer Steigerung des Herzschlagvolumens sowie der Herzfrequenz kommen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, diesem Reflex durch das Verabreichen von Betablockern entgegenzuwirken.

Wie andere Medikamente, die gefäßerweiternd wirken, kann Hydralazin das Harnvolumen verringern. Aus diesem Grund ist der Wirkstoff gut als Kombinationsmittel für Betablocker und entwässernde Präparate geeignet. Ein ähnlicher Wirkungseffekt wie bei Hydralazin besteht bei dem verwandten Arzneistoff Dihydralazin.

Hydralazin verfügt über eine hohe Resorptionsfähigkeit im Darm. Allerdings beträgt die biologische Verfügbarkeit nur 25 bis 30 Prozent, was auf den hepatischen First-Pass-Effekt zurückzuführen ist. Die Dauer der blutdrucksenkenden Wirkung des Arzneistoffes liegt bei ungefähr fünf bis sechs Stunden. Der maximale Plasmaspiegel tritt nach 30 bis 120 Minuten ein.

Abgebaut wird das Hydralazin größtenteils über die Leber. Das Ausscheiden der Metaboliten erfolgt samt unverändertem Hydralazin über die Nieren.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zur Anwendung gelangt Hydralazin, um zu hohen Blutdruck zu behandeln, wobei der Wirkstoff fast ausschließlich als Kombinationspräparat eingesetzt wird. Wichtigste Einsatzgebiete bilden eine schwere Herzinsuffizienz sowie Bluthochdruck während der Schwangerschaft.

Im Verlauf einer Schwangerschaft gilt das Hydralazin bei einer schweren Hypertonie mittlerweile jedoch nicht mehr als Mittel der ersten Wahl. So stuft die Medizin die Arzneistoffe Labetalol und Nifedipin als wirkungsvoller ein.

Dargereicht wird Hydralazin in Form von Tabletten. Dabei ist es wichtig, diese bei Zimmertemperatur aufzubewahren und vor Licht zu schützen. Eine weitere Verabreichungsmöglichkeit stellen Injektionslösungen dar, die ebenfalls bei Raumtemperatur gelagert werden sollten. Außerdem darf die Lösung nicht abkühlen.




Risiken & Nebenwirkungen

Die Anwendung von Hydralazin kann mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden sein. Diese Effekte zeigen sich jedoch nicht automatisch bei jedem Patienten. In den meisten Fällen leiden die betroffenen Personen unter Magen-Darm-Problemen wie Verstopfung, Appetitmangel, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Schwindelgefühlen, Blutdruckabfall, einer verstopften Nase oder Wassereinlagerungen im Körper.

In seltenen Fällen kann es außerdem zu Sensibilitätsstörungen wie Kältegefühlen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen, migräneartigen Kopfschmerzen, Störungen der Harnblase, Muskelzittern, Muskelkrämpfe, einer entzündeten Leber, Abgeschlagenheit, allergischen Reaktionen wie Hautausschlag oder Juckreiz, Depressionen, Angstzuständen und Erektionsstörungen kommen.

Zu Beginn der Hydralazin-Therapie treten bei einer raschen Steigerung der Dosis ein erhöhter Puls, Herzrasen und Engebeschwerden in der Brust auf, was auf die Erweiterung der Gefäße und das Absenken des Blutdrucks zurückzuführen ist. Bei einer längeren Anwendung besteht bei Patienten, die unter chronischer Nierenschwäche leiden, die Gefahr von Muskelschmerzen, rheumaartigen Gelenkbeschwerden und Fieber.

Von einer Anwendung von Hydralazin ist abzusehen, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Arzneistoff oder Dihydralazin besteht. Gleiches gilt, wenn der Patient unter einer Blockade seiner Herzklappen, einer krankhaften Aortaaussackung oder Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes) leidet.

Auch bei einer krankhaften Vergrößerung des Herzmuskels muss auf die Gabe des Mittels verzichtet werden. Bestehen eine Herzschwäche oder Brustengebeschwerden (Angina pectoris), ist es ratsam, gleichzeitig Betablocker zu verabreichen.

Im Falle von Durchblutungsstörungen im Gehirn oder fortgeschrittener Nieren- bzw. Leberschwäche bedarf es einer sorgfältigen Entscheidung des Arztes über die Behandlung. Während der Stillzeit sollte Hydralazin nicht verabreicht werden. Muss die Gabe dennoch erfolgen, sollte vorher Abgestillt werden.

Durch die gleichzeitige Gabe von Hydralazin und anderen Medikamenten besteht das Risiko von Wechselwirkungen. So bewirken die zeitgleiche Einnahme von Neuroleptika oder trizyklischen Antidepressiva sowie der Konsum von Alkohol, dass sich der blutdrucksenkende Effekt des Vasodilatators erhöht. Ärzte empfehlen daher den Verzicht auf alkoholische Getränke während der Behandlung.

Findet eine gleichzeitige Therapie mit Hydralazin und Psychopharmaka wie MAO-Hemmern statt, besteht die Gefahr von Blutzuckerabfall, sodass eine sorgfältige Kontrolle erfolgen muss. Dies gilt ebenso bei einer Behandlung mit dem blutdrucksenkenden Wirkstoff Diazoxid, da dadurch ein bedenklicher Abfall des Blutdrucks eintreten kann.

Eine stark beruhigende Wirkung ist bei zeitgleicher Anwendung von Beruhigungs- oder Betäubungsmitteln sowie von Schlafmitteln möglich, sodass die jeweiligen Dosen entsprechend anzupassen sind.

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