Humanes Immundefizienz-Virus

Letzte Aktualisierung am 5. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Bei dem Humanen Immundefizienz-Virus (Hi-Virus) handelt es sich um ein Virus aus der Familie der Retroviren. Menschen, die sich mit dem HI-Virus infiziert haben, bilden nach einer meist mehrjährigen Inkubationszeit die Krankheit AIDS aus. Eine Übertragung des Virus findet über ungeschützte sexuelle Kontakte, durch eine Bluttransfusion oder durch verunreinigte Spritzen statt. Bisher ist eine HIV-Infektion bzw. AIDS behandel- aber nicht heilbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Humane Immundefizienz-Virus?

Das Humane Immundefizienz-Virus ist der Erreger der Immunschwächekrankheit AIDS. Eine Person wird dann als HIV-Positiv bezeichnet, wenn sich im Blut Antikörper gegen das Virus nachweisen lassen.

Antikörper bildet der menschliche Körper immer dann, wenn eine Virusinfektion abgewehrt werden soll. Hat sich ein Mensch mit dem HI-Virus infiziert, zeigt er in den meisten Fällen in den ersten drei Monaten nach der Infektion ein Krankheitsbild, das einem grippalen Infekt ähnelt. Die Symptome klingen recht schnell wieder ab, und der Patient bleibt über Jahre beschwerdefrei.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer HIV-Infektion können sich bei den jeweiligen Betroffenen unterschiedlich äußern. In einigen Fällen verläuft die Infektion jahrelang asymptomatisch, wodurch sie oftmals unbemerkt bleibt. Bei anderen Infizierten treten früh leichte oder auch ernsthafte Infektionen auf. Wenige Tage bis Wochen nach der Infektion mit dem Virus kommt es bei vielen Betroffenen zu einer akuten HIV-Phase mit unspezifischen Symptomen, die denen eines grippalen Infekts oder einer Grippeerkrankung ähneln können.

Häufig ist dabei mehrere Tage andauerndes Fieber, starker Nachtschweiß, Schlappheit, Kopf-, Gelenks- und Muskelschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten etwa im Bereich der Achseln oder des Nackens. Bei etwa der Hälfte der mit HIV Infizierten kommt es auch zu einem kleinfleckigen, juckenden Ausschlag an Rücken, Bauch oder Brustkorb, der mehrere Tage andauern kann. Charakteristisch tritt dieser in Kombination mit Fieber auf.

Dies muss jedoch nicht der Fall sein. Signifikant ist auch, dass es häufig zu Gewichts- und Appetitlosigkeit kommt. Weitere mögliche Symptome sind etwa offene Stellen im Mund, Mandelschmerzen, Entzündungen im Rachenraum, wiederkehrende Fieberschübe sowie Durchfall. Eine frühe HIV-Infektion wird aufgrund der ausgeprägten Symptomatik auch oft mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber verwechselt.

Bedeutung & Verlauf

Unmittelbar nach einer HIV-Infektion bemerken Betroffene die Ansteckung zunächst nicht. Der Mediziner spricht während dieser Phase der Erkrankung vom "Stadium A, Neuinfektion ohne Symptome".

Während dieser Phase kommt es lediglich zu einer akuten HIV-Erkrankung, die sich aufgrund der auftretenden Symptome jedoch leicht mit einem grippalen Infekt verwechseln lässt. Zu den Symptomen zählen etwa geschwollene Lymphknoten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Fieber und Appetitlosigkeit.

Abgesehen von dieser Episode kann ein Patient mit einer HIV-Infektion meist über Jahre vollkommen beschwerdefrei leben. Wird die Infektion nicht bemerkt, wird der Patient in das Stadium B der HIV-Infektion übertreten. Der Patient wird erstmals Symptome zeigen, die zu den AIDS-Begleiterkrankungen zählen. Hierzu gehören etwa Fieberschübe von über 38,5 Grad, für die keine andere Ursache ausgemacht werden kann, wiederholter Durchfall, Gürtelrose, verschiedene Infektionen und Pilzbefall im Mund- und Rachenraum.

Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Eine unbehandelte HIV-Infektion führt nach einer meist mehrjährigen beschwerdefreien Phase zu AIDS. Klicken, um zu vergrößern.

Im Stadium B wird der Patient stetig Einbußen in seiner Lebensqualität wahrnehmen, sein Körper in seiner Funktion mehr und mehr abbauen. Schreitet die Infektion noch weiter voran, wird der Patient Symptome des Stadiums C - auch Vollbild AIDS genannt - ausprägen. Der Patient zeigt einen deutlichen Gewichtsverlust bedingt durch starken Durchfall.

Außerdem kann der immungeschwächte Körper keinerlei Krankheitserreger mehr abwehren, so dass der Patient zahlreiche, eher selten auftretende Infektionen zeigt, etwa Lungenentzündungen, Salmonellen, Toxoplasmose oder verstärkten Pilzbefall von Speise- und Luftröhre, Bronchien und Lunge. Viele Patienten im Stadium C zeigen bösartige Erkrankungen, etwa Gebärmutterhalskrebs, das Kaposi-Sarkom oder Non-Hodgkin-Lymphome.

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Komplikationen

Im Falle dessen, dass eine Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus nicht behandelt wird, nimmt die Anzahl der Helferzellen im Körper kontinuierlich ab. Ein schwerwiegender Immundefekt tritt dann im Mittel nach circa zehn Jahren auf und ist durch die AIDS definierenden Krankheiten bestimmt.

Unbehandelt führt ein Ausbruch von AIDS nach einer Infektion mit HIV nach einiger Zeit zum Tod des Betroffenen. Auch im Falle einer Behandlung von HIV durch eine anti-retrovirale Kombinationstherapie kann es noch zu Komplikationen kommen. Durch die hohe Mutationsrate des Viruses selbst können die Bestrebungen des noch vorhandenen Immunsystems des Patienten in Kombination mit einer geeigneten Therapie zwar vorerst eine Besserung erzielen, aber durch eine Resistenzbildung des HIV wieder ausgehebelt werden.

Es ist dann eine Neueinstellung der Medikamente notwendig. In fast allen Fällen ist von leichten und mittleren Nebenwirkungen auszugehen. Einige Wirkstoffe sind dabei auf lange Sicht toxisch für die inneren Organe und führen demzufolge erst nach langer Zeit zu ernsthaften Schäden.

Eine weitere Komplikation ist das Auftreten einer sogenannten Superinfektion mit HIV: der bereits Infizierte infiziert sich dabei mit einem weiteren Stamm des Humanen Immundefizienz-Virus. Dies sorgt für eine zusätzliche Belastung des Immunsystems und erschwert die Therapie.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Menschen, die wechselnde sexuelle Kontakte pflegen, sollten grundsätzlich in regelmäßigen Abständen einen Kontrolltest bezüglich sexuell übertragbarer Krankheiten durchführen. Findet die Verhütung nicht mit einem Kondom statt, besteht ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für Geschlechtserkrankungen. Da sich bei dem humanen Immundefizienz-Virus oftmals erst in einem fortgeschrittenen Stadium erste Symptome zeigen, sollte der Betroffene ein gutes Gefühl für Veränderungen seiner Gesundheit entwickeln.

Bei geschwollenen Lymphknoten, einer nicht nachvollziehbaren Gewichtsabnahme oder anhaltender Appetitlosigkeit ist Anlass zur Besorgnis gegeben. Halten Beschwerden über mehrere Wochen oder Monate an oder breiten sie sich aus, ist ein Kontrollbesuch bei einem Arzt zu empfehlen. Ein schleichender Prozess der Zunahme an Beschwerden, ist ein Warnhinweis. Kommt es zu Störungen der Verdauung, unangenehmen Blähungen oder Durchfall, ist ein Arztbesuch notwendig.

Bei einer fortdauernden Antriebslosigkeit, Müdigkeit oder Abgeschlagenheit trotz einer guten Schlafhygiene, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei einem Pilzbefall im Mund oder Rachen, Atemproblemen oder Gelenkschmerzen, ist ein Arzt aufzusuchen. Störungen der Atmung oder Atemaussetzer sind unverzüglich untersuchen und behandeln zu lassen. Es kann zu lebensbedrohlichen Situationen oder Folgeerkrankungen kommen. Ein Arztbesuch ist bei einem diffusen Krankheitsgefühl, Unwohlsein oder einer allgemeinen Schwäche zu empfehlen.

Behandlung & Therapie

Besteht der Verdacht, sich mit dem HI-Virus infiziert zu haben, ist es ratsam, umgehend einen Test machen zu lassen. Alle Gesundheitsämter bieten kostenfreie und anonyme Tests an. Mit einem solchen Test werden Antikörper gegen das Virus bestimmt - sind keine Antikörper nachweisbar, fällt der Test negativ aus, d.h. es liegt keine Infektion vor. Im umgekehrten Fall zeigt der Test ein positives Ergebnis. Da in der Vergangenheit der Test oft ein falsch positives Ergebnis angezeigt hat, wird ein positiver Test stets wiederholt.

Wird eine HIV-Infektion früh erkannt, so ist sie gut behandelbar. Zwar kann nicht die Infektion selbst behandelt werden - der Patient wird Zeit seines Lebens "HIV-positiv" bleiben - dennoch kann das Ausbrechen der Immunschwächekrankheit AIDS lange hinaus gezögert werden. Es stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl, die darauf abzielen, die bestimmten Abläufe in den Zellen zu hemmen.

Gute Erfolge erzielen sogenannte Entry-Inhibitoren, die verhindern, dass das HI-Virus in die menschliche Zelle eindringen und sich vermehren kann. Protease-Hemmer verhindern, dass sich Eiweiße bilden, die wiederum neue HI-Viren ausbilden.

Neben den gesundheitlichen Einschränkungen sind HIV-Infizierte Menschen auch heute noch den Gefahren einer sozialen Ausgrenzung ausgeliefert. Obwohl eine Ansteckung mit dem Virus nur über ungeschützten Sexualverkehr, über das gemeinsame Benutzen von infizierten und ungereinigten Spritzen oder über eine Bluttransfusion möglich ist, meiden viele Menschen den Umgang mit HIV-Infizierten Menschen. Hilfe finden HIV-positive Menschen mit in Selbsthilfegruppen oder bei einer psychologischen Begleitung.

Aussicht & Prognose

Nach heutigem Stand der Wissenschaft besteht keine Möglichkeit der vollständigen Heilung, die Infektion mit dem Humanem Immundefizienz-Virus bleibt ein Leben lang bestehen. Die Prognose hat sich in den letzten Jahren jedoch stark verbessert. Vor der Entwicklung moderner Behandlungsmethoden konnten HIV-Infizierte in Industrieländern nach einer Ansteckung mit einer weiteren Lebenserwartung von 8 bis 15 Jahren rechnen, heute liegt diese deutlich höher.

Dank der antiretroviralen Therapie müssen Betroffene in der Regel bei frühzeitig einsetzender Behandlung über Jahre keine wesentlichen Einbußen in ihrer Lebensqualität hinnehmen. Schlechter ist die Prognose zu stellen, wenn die Erkrankung erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Ein bereits massiv geschwächtes Immunsystem spricht schlechter auf die Therapie an, die Aussicht auf langjährige Beschwerdefreiheit ist in diesem Fall weitaus geringer. Zudem wird der Behandlungserfolg stark von der Mitarbeit des Patienten beeinflusst. Die vom Arzt verschriebenen Medikamente müssen regelmäßig, dauerhaft und genau nach Vorschrift eingenommen werden, um positive Resultate zu erzielen.

Bei konsequenter Therapie ist heute die Lebenserwartung junger HIV-Infizierter Personen ohne weitere Grunderkrankungen annähernd gleich anzusetzen wie die gesunder Menschen. Patienten, die sich erst im höheren Lebensalter mit dem Virus anstecken oder unter weiteren chronischen Erkrankungen leiden, müssen im Vergleich mit einer verkürzten Lebenserwartung rechnen.

Das können Sie selbst tun

Die Maßnahmen zur Selbsthilfe im Falle einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus sind vor allem im Zusammenhang mit einer medikamentösen Therapie sinnvoll. Sie beschäftigen sich dabei vor allem mit dem Umgang des Betroffenen selbst mit seiner Infektion und mit einer möglichen psychischen Unterstützung, die gerade kurz nach der Diagnose relevant ist.

So gibt es vielerorts Selbsthilfegruppen und Beratungsangebote für Betroffene. Hier wird intensive Aufklärung rund um die Themen "Leben mit HIV" betrieben. Zudem können hier Kenntnisse über die Infektion selbst vertieft werden. Allein die Tatsache, dass eine Infektion mit HIV kein Todesurteil mehr bedeutet, ist für viele eine Entlastung. Ein selbstbewusster Umgang damit, der sich im Idealfall auch über eine Aufklärung von Angehörigen und Sexualpartner erstreckt, erleichtert das Leben Betroffener. Hierbei können allerdings - abhängig vom Umfeld - Widerstände in Form von Diskriminierung und Ignoranz auftreten. Umso mehr spielt ein vertrauenswürdiges soziales Umfeld eine Rolle. Das Wissen und Vermitteln der Tatsache, dass ein HIV-positiver Mensch bei entsprechender Therapie und Verhalten kein Risiko für andere Menschen darstellt, ist umso wichtiger.

Weiterhin gibt es für Betroffene viele Möglichkeiten, ihre Lebensqualität im Bezug auf ihre Gesundheit zu verbessern. Eine gesunde Ernährung und Sport schützen vor anderen Krankheiten. Das Aufrechterhalten von Arbeit und sozialen Kontakten ermöglicht ein gewöhnliches Leben ohne Einschränkungen.

Eine entstehende psychische Belastung kann seitens des Betroffenen mit Freunden und Angehörigen kommuniziert werden. Auch das entdecken neuer Perspektiven (Hobbys, Jobwechsel usw.) ermöglicht das Wiederentdecken verloren gegangener Lebensfreude.

Quellen

  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004
  • Suttorp et al.: Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln. Thieme, Stuttgart 2003

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