Humane Adenoviren

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Humane Adenoviren sind eine Gruppe von DNA-Viren, die im Jahr 1953 von Wallace P. Rowe entdeckt wurden. Der US-amerikanische Krebsforscher und Virologe isolierte die Viren aus den Rachenmandeln des Menschen, den sogenannten Adenoiden. Daraus leitet sich für die den Menschen befallenden Virustypen die Bezeichnung humane Adenoviren her.

Inhaltsverzeichnis

Was sind humane Adenoviren?

Von den humanen Adenoviren sind bis heute 19 Arten mit mehr als fünfzig Serotypen bekannt. Die Viren besitzen keine Hülle sondern ein sogenanntes Kapsid mit einem Durchmesser von siebzig bis neunzig Nanometern. Das Kapsid besteht aus regelmäßig angeordneten Proteinen in der Form eines Zwölfecks, das an den Ecken antennenartige Fortsätze trägt.

Da humane Adenoviren keine empfindliche Hülle besitzen, können sie lange außerhalb eines Wirtes überleben. Der Kern der Viren besteht aus einer linearen, doppelsträngigen DNA. Diese spezielle Form der DNA macht sie sehr resistent gegen physikalische und chemische Einflüsse. So sind die Viren recht robust gegenüber alkoholischen Desinfektionsmitteln.

Auch stark saure oder basische pH-Werte können sie tolerieren. Jedoch sind sie recht temperaturempfindlich. Setzt man humane Adenoviren mindestens zehn Minuten lang Temperaturen von 56 Grad Celsius oder höher aus, werden sie komplett inaktiviert.

Bedeutung & Funktion

Von den bekannten 19 Arten humaner Adenoviren können sechs eine Erkrankung bei ihrem Wirt hervorrufen. Jedoch wird längst nicht jede Infektion erkannt.

Etwa die Hälfte aller Ansteckungen verlaufen, ohne dass der Betroffene sichtbare Symptome entwickelt. Infektionen, bei denen Symptome ausgebildet werden, nehmen in der Mehrzahl der Fälle einen milden Verlauf. Eine Behandlung erfolgt dann gar nicht oder nur symptomatisch. Bei schwereren Verläufen können ebenfalls nur Komplikationen und Symptome therapiert werden, da virushemmende Medikamente fehlen. Die Schwere des Infektionsverlaufes kann dabei von der Eintrittspforte des Virus abhängen. So verläuft eine orale Infektion eventuell symptomlos oder mild, während die Ansteckung durch Inhalation zu einer schwerwiegenden Erkrankung führen kann.

Übertragen werden Adenoviren durch direkten Kontakt zu einem Wirt, bei mangelnder Hygiene auch fäkal-oral als Schmierinfektion. Gelegentlich kann eine Ansteckung auch über Wasser erfolgen. Sind humane Adenoviren in den Körper eingedrungen, befallen sie gewöhnlich die Epithelzellen des Nasen-, Hals- und Rachenraumes, sowie der Lunge und des Verdauungstraktes. Seltener infizieren sie auch das Auge. Neben den akut auftretenden Infektionskrankheiten als Folge einer Ansteckung wird auch ein Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und einem bestimmten Serotyp von Adenoviren vermutet.

Abgesehen von ihrer Schadwirkung können Adenoviren auch zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. So lassen sich mit ihrer Hilfe genmanipulierte Impfstoffe etwa gegen die hochgradig gefährlichen Ebolaviren herstellen. In der Krebstherapie helfen sie bei der Hemmung des Tumorwachstums. Auch die Gentherapie profitiert von den Viren. So werden humane Adenoviren bei der Gentherapie einer bestimmten Form von Muskelschwund eingesetzt.

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Krankheiten

Am häufigsten von humanen Adenoviren befallen werden die Atemwege. Die Ausprägung der Infektion kann hier von einer einfachen Erkältung mit Schnupfen und Halsschmerzen über eine Bronchitis bis hin zur Lungenentzündung reichen.

Eine besondere Bedeutung kommt ihnen daher bei epidemisch auftretenden grippalen Infekten unterschiedlicher Schwere zu. Besonders immunschwache Menschen laufen dabei Gefahr, schwere Komplikationen zu entwickeln. Bei ihnen kann es beispielsweise zu akutem Lungenversagen kommen.

Setzen sich humane Adenoviren im Verdauungstrakt fest, können sie eine Magen-Darm-Entzündung mit Durchfällen, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen verursachen. Im weiteren Verlauf des Verdauungstraktes können sie auch die Schleimhäute der Blase befallen und eine Blasenentzündung verursachen.

Etwa durch Reiben mit verunreinigten Händen ist die Verschleppung von Adenoviren ins Auge möglich. Dort führen sie zu einer Entzündung von Binde- und Hornhaut und zu trockenen Augen. Häufig rühren Erkrankungen des Auges durch diese Viren vom Baden in kleinen Seen oder mangelhaft gechlorten Schwimmbecken her.

Werden Infektionen mit humanen Adenoviren verschleppt, können ernsthafte Erkrankungen die Folge sein. So kann sich ein Befall der Lunge zu einer Entzündung des knorpellosen Bronchiengewebes entwickeln, welche mit asthmaartigen Beschwerden einhergeht. Wandern die Viren im Körper, können sie auch Schmerzen in Gelenken oder Störungen der Herzmuskelfunktion verursachen. Ein Hörsturz oder die Entwicklung einer Typ 1-Diabetes sind ebenfalls mögliche Spätfolgen einer Infektion mit humanen Adenoviren.

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