Hornstein-Knickenberg-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. Dezember 2017
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Das Hornstein-Knickenberg-Syndrom ist eine genetische Erkrankung, die mit einer Mutation von Elementen der mTOR-Signalkette assoziiert ist. Da diese Signalkette das Wachstum und die Mortalität von Zellen beeinflusst, manifestiert sich eine Mutation in multiplen Zellwucherungen. Die Tumore äußern sich als Multisystemerkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Hornstein-Knickenberg-Syndrom?

Das Hornstein-Knickenberg-Syndrom wurde im 20. Jahrhundert erstmals vom deutschen Dermatologie-Professor Otto P. Hornstein und Assistentin Monika Knickenberg beschrieben. Den Erstbeschreibern zu Ehren wurde der von ihnen beschriebene Komplex aus Symptomen fortan Hornstein-Knickenberg-Syndrom genannt.

Weil der Symptomkomplex Monate später auch von Arthur R. Birt, W. James Dubé und Georgina R. Hogg beschrieben wurde, gilt der klinische Ausdruck Birt-Hogg-Dubé-Syndrom als verbreitetes Synonym für die Erkrankung. Da es sich um eine seltene Fibrom-Erkrankung handelt, wird das Syndrom außerdem als Fibromatosis cutis bezeichnet. Die Symptome der Krankheit manifestieren sich erst im Erwachsenenalter, obgleich die Krankheit als genetische und damit angeborene Erkrankung gilt.

Die Inzidenz der Erkrankung ist nicht näher geklärt. Allerdings wird die Prävalent auf rund einen Fall zu 200.000 geschätzt. Diesen Schätzungen zufolge wäre das Syndrom also häufiger als manch eine andere genetische Erkrankung. Das Syndrom kann im weitesten Sinne den tumorösen Erkrankungen zugeordnet werden, da die Betroffenen multiple und histologisch unterschiedliche Papeln auf der Haut und Organe entwickeln. Bisher wurde das Syndrom an rund 100 Familien beschrieben.

Ursachen

Die Ursache für das Hornstein-Knickenberg-Syndrom scheint in der Genetik zu liegen. Eine Geschlechterpräferenz konnte nicht beobachtet werden. Der Symptomkomplex wurde außerdem genauso oft als hereditär, wie familiär oder sporadisch beschrieben. An Fällen der familiären Häufung wurde ein autosomal-dominanter Erbgang beobachtet. Die genauen Ursachen für die Entstehung der Symptome sind nicht abschließend geklärt.

Allerdings gibt es dazu eine Vielzahl von Spekulationen. Die wahrscheinlichste geht von ursächlichen Mutationen im FLCN-Gen auf Gen-Locus 17p11.2 aus. Dieses Gen codiert in der DNA für das Protein Folliculin. Die Funktion dieser körpereigenen Substanz ist bisher nicht bekannt. Allerdings gibt es Vermutungen, dass Folliculin ein Element des mTOR-Signalkette ist. Dabei handelt es sich um das sogenannte mammalian Target Of Rapamycin.

Diese Signalkette ist für das Zellüberleben, das Zellwachstum und die Zellmortalität erwiesenermaßen ein entscheidendes Element. Bei einer Mutation des FLCN-Gens ist das Folliculin-Protein defekt. Wenn es, wie spekuliert, tatsächlich ein Element der mTOR-Signalkette darstellt, könnte die Mutation innerhalb dieser Signalkette das überschießende Zellwachstum und damit die symptomatischen Wucherungen des Hornstein-Knickenberg-Syndroms erklären.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Hornstein-Knickenberg-Syndrom ist von verschiedenen, klinischen Merkmalen gekennzeichnet. Meist leiden die Patienten ab etwa dem vierten Lebensjahrzehnt an hautfarbenen bis fleischfarbene, wachsartigen Hautläsionen, die bis zu fünf Millimeter groß, halbkugelig und meist symptomlos sind.

Neben den dermalen Läsionen kommen auch orale Papeln vor. Die multiplen Läsionen entsprechen histologisch gesehen Kombinationen aus verschiedenen Strukturen. Neben perifollikulären Fibromen des Rumpfes und Kopfbereichs sind vor allem pendelnde Fibrome im Leisten-Gebiet, an den Achseln oder in Halsnähe häufige Symptome. Zusätzlich liegen meist adenomatöse Colonpolypen vor. Tumoren der Haarscheibe, Lipome, Angiolipome und Basalzellkarzinom]e können ebenso ins Krankheitsbild passen wie der Bindegewebsnaevus.

Neben den dermalen Manifestationen kann sich die Krankheit auch in organischen Manifestationen zeigen. Das Organsystem befällt sie häufig mit Symptomen wie Kolonkarzinomen oder -Adenomen, Prostatakarzinomen, Nierenzysten, Angiolipomen oder Hyperurikämien. Auch Emphyseme der Lungen können vorkommen. Dasselne gilt für Bronchiektasien, Hamartome oder Lungenzysten.

Im Bereich der Augen liegen oft eine Retinopathie, eine Chorioretinopathie oder ein Glaukom vor. Das endokrine System der Patienten kann von Schilddrüsenkarzinomen und Parathyroidea-Adenomen betroffen sein. Bezüglich des endokrinen Systems können sich außerdem Hypothyreosen oder Diabetes einstellen. Darüber hinaus können begleitsymptomatisch auch Hypertoni der Muskeln, Fazialisparesen, fortschreitende Taubheit, oder Aplasie der Arterien ins Krankheitsbild passen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Der erste Schritt zur Diagnose auf das Hornstein-Knickenberg-Syndrom entspricht der Identifizierung aller klinischen Manifestationen und Befunde als Symptome desselben Krankheitsbilds. Wenn die Symptome mittels Bildgebung nachgewiesen sind und der Arzt die Manifestationen an einem Syndrom festgemacht hat, kann er durch einen Nachweis der Mutationen im FLCN-Gen die Verdachtsdiagnose auf das Hornstein-Knickenberg-Syndrom sichern. Die Prognose richtet sich nach dem Diagnosezeitpunkt, der Beteiligung von inneren Organen und der Art der Tumore im Einzelfall.

Komplikationen

Durch das Hornstein-Knickenberg-Syndrom kommt es zu Zellwucherungen. Diese wirken sich im Allgemeinen sehr negativ auf die Gesundheit des Patienten aus. In der Regel kommt es dabei zu Hautläsionen, welche allerdings zu keinen besonderen Beschwerden führen. Der Betroffene leidet auch an Fibromen und an Tumoren in verschiedenen Regionen des Körpers.

Auch die inneren Organe können befallen sein, sodass es ohne Behandlung in der Regel zum Tode des Patienten kommt. Nicht selten sind auch die Augen vom Hornstein-Knickenberg-Syndrom betroffen, ein Glaukom kann auftreten. Weiterhin leiden die meisten Patienten an Diabetes und einer Taubheit. Die Taubheit ist dabei fortschreitend und bildet sich in der Regel im Laufe der Erkrankung aus.

Es ist nicht möglich, das Hornstein-Knickenberg-Syndrom ursächlich zu behandeln. Aus diesem Grund können nur die Symptome und Beschwerden des Syndroms eingeschränkt und behandelt werden. Dabei kommt es zwar zu keinen Komplikationen, allerdings kann ein positiver Krankheitsverlauf nicht garantiert werden. In einigen Fällen ist dadurch die Lebenserwartung des Patienten eingeschränkt. Die Patienten benötigen in den meisten Fällen auch eine psychologische Betreuung, um die psychischen Beschwerden zu lindern.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn plötzlich Hautläsionen und orale Papeln bemerkt werden, liegt womöglich das Hornstein-Knickenberg-Syndrom zugrunde. Ein Arztbesuch ist angezeigt, wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben oder weitere Beschwerden auftreten. Typisch für die Erkrankung ist, dass sie ab dem vierten Lebensjahrzehnt auftritt. Meist nehmen die Symptome im Laufe der Jahre zu und rufen schließlich auch seelische Leiden hervor. Der Gendefekt muss zeitnah von einem Hausarzt oder Dermatologen untersucht und behandelt werden. Andernfalls können sich ernste Komplikationen entwickeln.

Spätestens, wenn die charakteristischen Tumore der Haarscheibe bemerkt werden, ist ärztlicher Rat gefragt. Bei Sehstörungen wird am besten der Augenarzt eingeschaltet. Organerkrankungen bedürfen einer Abklärung durch einen Facharzt für innere Erkrankungen. Personen, die bereits an Diabetes oder Taubheit leiden, sollten den zuständigen Arzt über ungewöhnliche Symptome informieren und in Zusammenarbeit mit einem Ernährungsmediziner ihre Diät anpassen. Durch eine umfassende medizinische Behandlung, die durch Selbsthilfemaßnahmen unterstützt wird, können die Beschwerden des Hornstein-Knochenberg-Syndroms reduziert werden.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Therapie existiert für Patienten des Hornstein-Knickenberg-Syndroms solange nicht, wie gentherapeutische Maßnahmen nicht zugelassen sind. Die Behandlung erfolgt gegenwärtig aus diesem Grund symptomatisch und supportiv. Die dermatologischen Manifestationen des Syndroms lassen sich nicht spezifisch therapieren. Manifestationen wie das politär perifollikuläre Fibrom werden operativ entfernt.

Therapeutisch waren in der Vergangenheit auch Elektro-Desikkation und Dermabrasion im Gespräch, die allerdings häufig mit Rezidiven verbunden sind. Falls bereits Manifestationen im Organsystem vorliegen, müssen auch diese Manifestationen chirurgisch oder mikrochirurgisch entfernt und gegebenenfalls nachbehandelt werden. Engmaschige Kontrolluntersuchungen sind für Patienten des Hornstein-Knickenberg-Syndroms immer angezeigt.

Auf diese Weise sollen vor allem Übergriffe auf das Organsystem rechtzeitig erkannt werden. Supportiv wird den Patienten meist psychotherapeutische Betreuung vorgeschlagen. Zusätzlich zu diesem Schritt erhalten die Betroffenen eine genetische Beratung und werden in dieser Beratung vor allem über das Erkrankungsrisiko von geplanten Kindern und ähnliche Zusammenhänge aufgeklärt.

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Vorbeugung

Dem Hornstein-Knickenberg-Syndrom lässt sich bislang kaum vorbeugen. Da eine erbliche Basis vermutet wird, besteht die einzige Vorbeugemaßnahme im Verzicht auf eigene Kinder, falls das Syndrom innerhalb der eigenen Familie bereits bekannt ist.

Das können Sie selbst tun

Leider sind die Möglichkeiten der Selbsthilfe beim Hornstein-Knickenberg-Syndrom relativ stark eingeschränkt, sodass der Betroffene vor allem auf eine ärztliche Behandlung angewiesen ist, um die Beschwerden zu lindern.

Im Falle von Diabetes muss eine strikte Ernährung eingehalten werden, um weitere Komplikationen und Beschwerden zu vermeiden. Hierbei kann auch ein Ernährungsberater aufgesucht werden, der dem Betroffenen einen Ernährungsplan erstellen kann. Die Beschwerden im Bereich der Augen können in der Regel durch verschiedene Sehhilfen ausgeglichen werden. Weiterhin kann sich der Gebrauch von pflegenden Cremes und Salben sehr positiv auf die Hautbeschwerden beim Hornstein-Knickenberg-Syndrom auswirken und diese lindern. Allerdings sind die Betroffenen auf operative Eingriffe angewiesen, um die Krankheit effektiv zu bekämpfen.

Eine psychologische Betreuung wirkt sich weiterhin positiv auf den Verlauf der Erkrankung aus. Diese Betreuung muss nicht zwangsweise durch einen Psychologen stattfinden. Auch Freunde und Angehörige können dabei zur psychischen Stabilität des Patienten beitragen und Depressionen lindern. Vor allem bei Kindern sollte ein klärendes Gespräch über den möglichen Verlauf der Erkrankung durchgeführt werden. Weiterhin sollten sich Betroffene einer genetischen Beratung unterziehen, um das Hornstein-Knickenberg-Syndrom bei Kindern zu vermeiden.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Murken, J., Grimm, T., Holinski-Feder, E., Zerres, K. (Hrsg.): Taschenlehrbuch Humangenetik. Thieme, Stuttgart 2011
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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