Hirnventrikel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Als Hirnventrikel werden die Hohlräume des Gehirns bezeichnet, die das lebenswichtige Hirnwasser produzieren. Das Ventrikelsystem des Gehirns besteht aus insgesamt vier Ventrikeln, die miteinander kommunizieren und mit dem äußeren Liquorraum in der Bindegewebsschicht des Rückenmarks in Verbindung stehen. Eine der häufigsten Beschwerden in Zusammenhang mit den Hirnventrikeln ist eine zystische Raumforderung im Bereich des dritten Ventrikels, die den Liquorabfluss blockieren und eine Hirndruckerhöhung initiieren kann.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Hirnventrikel?

Unter den Hirnventrikeln versteht die Neurologie ausgedehnte Hohlräume im Gehirn, die mit Liquor, also Hirnwasser, gefüllt sind. Das Ventrikelsystem ist somit ein Hohlraumsystem, das sich im Groben in vier Ventrikel gliedert. Neben den Ventrikeln der beiden Großhirnhemispähren liegt ein dritter Ventrikel im Diencephalon, also dem Zwischenhirn, und der vierte im kaudal gelegenen Rhomcephalon.

Die einzelnen Ventrikel unterscheiden sich in ihrer Anatomie. Sie sind durch sogenannte Foramina, also Löcher, sowie Strukturen wie den Aquaeductus mesencephali miteinander verbunden und stehen über diese Verbindungen in permanenter Kommunikation. Der Ansatzpunkt des Ventrikelsystems ist der Zentralkanal des Neuralrohrs, der durch Wachstumsprozesse die einzelnen Ventrikel ausgebildet hat. Alle Hirnventrikel sind im Inneren verkleidet. Diese Auskleidung wird als Ependym bezeichnet.

Dabei handelt es sich um spezielles Gewebe, das vom sogenannten Plexus choroideias durchzogen wird. In diesem Adergeflecht befindet sich das Hirnwasser. Aus diesem Grund wird das Ventrikelsystem auch als innerer Liquorraum bezeichnet. Dieser liquorgefüllte Hohlraum kommuniziert im Bereich des vierten Ventrikels mit dem äußeren Liquorraum, der zwischen der Arachnoidea und der Pia mater sitzt, also zwischen der Hirnhaut und der Bindegewebsschicht im Rückenmark.

Anatomie & Aufbau

Die beiden Ventrikel des Großhirns sind aus Vorderhorn, Mittelteil, Hinterhorn und Unterhorn aufgebaut. Den Vorderhornboden formt je das sogenannte Rostrum corporis callosi. Die vordere Wand der Struktur bildet dagegen das Genu corporis callosi. Die seitliche Wand formt das Caput nuclei caudati. Die Innenwände werden vom Septum pellucidum gebildet, während das Truncus corporis callosi je das Dacht formt. Die Stria terminalis bilden zusammen mit den Lamina affixa plexus choroideus und dem sogenannten Crus fornicis den Mittelteil der beiden Ventrikel.

Die seitlichen Wände werden vom Corpus nuclei caudati geformt und die inneren Wände vom Septum pellucidum sowie dem Crus fornicis. Der Truncus corporis callosi bildet das Dach der Ventrikel aus. Am Boden des Hinterhorns schließen die Ventrikel mit der Eminentia collateralis und dem Trigonum collaterale ab, während der Calcar avis die Innenbegrenzung und das Tapetum die Seitenbegrenzung bildet. Der Unterhornboden besteht aus dem Alveus hippocampi und der Eminentia collateralis.

Der Plexus choroideus bildet zusammen mit der Fimbria hippocampi die Innenwand, während das Tapetum zusammen mit den Cauda nuclei caudati die seitliche Wand ausformt. Die seitliche Wand des Cornu posterius und des Cornu inferiusjeweils entspricht je auch dem Dach dieser beiden Strukturen. Das hintere und vordere Horn sind sekundäre Ausstülpungen und bleiben daher gänzlich frei vom Plexus choroideus. Der dritte Ventrikel des Zwischenhirns sitzt unter der Fornix und wird am Boden von Teilen des Chiasma opticum, des Recessus infundibuli und des Recessus supraopticus sowie der Mittelhirnhaube gebildet.

Der Plexus choroideus ventriculi tertii und die Tela choroidea ventriculi bilden das Dach, während die Commissura anterior, die Columna fornicis, die Lamina terminalis und der Recessus triangularis die vordere Wand ausformen. Die hintere Wand des dritten Ventrikels besteht aus der Commissura posterior, der Commissura habenularum, dem Recessus suprapinealis und dem Recessus pinealis. Der Thalamus bildet zusammen mit der Stria medullaris thalami, dem Adhaesio interthalamica und dem Sulcus hypothalamicus sowie dem Hypothalamus die seitliche Wand.

Das vierte Ventrikel des Rhombencephalons ist in der Rautengrube lokalisiert und wird von den Kleinhirnsegeln, dem Obex und der Tela choroidea sowie den ventriculi quarti, dem Nodulus und dem Fastigium begrenzt. Anders als die restlichen weist dieses Ventrikel drei Öffnungen auf, die eine Verbindung zum äußeren Liquorraum herstellen und den Liquorabfluss sicherstellen.

Funktion & Aufgaben

Die wichtigste Aufgabe des Hirnventrikelsystems ist die Führung des Hirnwassers. Der Liquor dient als Schutz vor Stößen, Reibung und Druck. Abgesehen davon ernährt das Hirnwasser das gesamte Gehirn sowie das Rückenmark mit Glukose. Es transportiert zudem Stoffwechselprodukte aus dem Gehirnraum ab und dient dem Wärmeschutz des Hirnsystems.

Die Kapillargeflechte, also die Plexus choroidei des Vnetrikelsystems, bilden das lebenswichtige Hirnwasser über Filtrations- und Sekretionsprozesse aus Blutplasma. Insgesamt stellt das Ventrikelsystem am Tag zwischen 500 und 700 Millilitern Liquor her, wobei Resorptionsvorgänge in der Radices spinales und dem Granulationes arachnoideales die Zirkulationsmenge des Hirnwassers permanent auf etwa 150 Millilitern halten. Das Hirnwasser fließt aus dem Ventrikelsystem in den äußeren Liquorraum ab.

Auch diese Aufgabe des Systems ist lebenswichtig und kann bei Fehlfunktionen zu krankhaften Veränderungen des Gehirns führen. Klinisch relevant ist der Liquor außerdem im Hinblick auf die Liquordiagnostik, bei der aus dem äußeren Liquorraum das Hirnwasser abgezogen wird, um Erkrankungen des zentralen Nervensystems zu untersuchen.

Krankheiten

Eine der häufigsten Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Hirnventrikelsystem ist die Kolloidzyste, die einer gutartigen Zystenstruktur im dritten Hirnventrikel entspricht. Wenn die zystischen Gebilde das Foramen Monroi verschieben, tritt ein Liquorstau auf. Ein solcher Liguorstau erhöht den Hirndruck und kann unter Umständen tödlich enden. Um das zu verhindern, entfernt man Kolloidzysten mit minimal invasiv neuroendoskopischen Verfahren.

Neben diesen Zystenbildungen kann im Zusammenhang mit den Ventrikeln auch eine krankhafte Erweiterung der Liquorräume entstehen, der in der Regel eine Überproduktion von Hirnwasser voraus geht. Eine solche Überproduktion kann mit Raumforderungen wie Tumoren oder Blutgerinnseln in Zusammenhang stehen. Unter Umständen ist aber auch ein entzündlicher Prozess im zentralen Nervensystem oder der Untergang von Gehirngewebe für die Erscheinung verantwortlich. Auch bei dieser Erkrankung besteht oft erhöhter Hirndruck. Der Behandlungsweg hängt davon ab, welche Ursache die Liquorüberproduktion bedingt hat.

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