Hinterhauptbein

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Das Hinterhauptbein (Os occipitale) ist ein Teil des Gehirnschädels. Der Knochen besteht aus drei Teilen und enthält nicht nur verschiedene Öffnungen, sondern dient auch Geweben als Ansatzstelle. Bei der Schädelbasisfraktur kann das Hinterhauptbein brechen und die Trisomie 18 führt häufig zu einem großen Hinterhaupt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Hinterhauptbein?

Die Knochen der Schädelkapsel bilden ein rundliches Gewölbe, das das Gehirn enthält. Sie bieten dem weichen Gewebe des komplexen Organs Halt und schirmen es gegenüber unmittelbarem Kontakt mit der Umwelt ab. Das Hinterhauptbein ist einer der Knochen, die zum Gehirnschädel (Neurocranium) gehören. Insgesamt zählt der Gehirnschädel sieben verschiedene Knochen, der gesamte Schädel – einschließlich Gesichtsschädel – umfasst 22.

Das Hinterhauptbein befindet sich am Hinterkopf, wo es zwischen Keilbein (Os sphenoidale), Schläfenbein (Os temporale) und Scheitelbein (Os parietale) zu finden ist. Die Anatomie kennt das Hinterhauptbein auch unter dem Fachbegriff „Os occipitale“. Wie alle Knochen besteht der platte Schädelknochen aus einem Gerüst aus Gewebe, das erst im Lauf der körperlichen Entwicklung vollständig aushärtet.

Anatomie & Aufbau

Das Hinterhauptbein setzt sich aus drei Teilen zusammen, die im Normalfall miteinander verwachsen sind: die Pars squamosa, die Pars lateralis und die Pars basilaris. Die Pars squamosa liegt unterhalb (dorsal) des Foramen magnum.

Beim Foramen magnum handelt es sich um eine große Öffnung im Gehirnschädel, durch die das verlängerte Mark (Medulla oblongata) die hintere Schädelgrube (Fossa cranii posterior) verlässt und ins Rückenmark übergeht. Die Pars squamosa weist eine schüsselförmige Gestalt auf und entwickelt sich aus zwei Untereinheiten. Die occipitale Platte entsteht aus vier Zentren, von wo aus das Knochengewebe zusammenwächst. Hingegen entwickelt sich die Nackenplatte der Pars squamosa ab der siebten Entwicklungswoche aus zwei Kernen.

Die Pars lateralis bildet die seitlichen Bereiche des Hinterhauptbeins und entsteht etwa eine Woche später aus einem Kern. Auf jeder Seite besitzt die Pars lateralis einen Condylus occipitalis, der einen Bestandteil des Atlantookzipitalgelenks (Articulatio atlantooccipitalis) darstellt. Die Pars basilaris bildet den Teil des Hinterhauptbeins, der den Schädel zur Kopfmitte hin rostral abschließt. Er besitzt annähernd die Form eines Vierecks und entsteht während der körperlichen Entwicklung ebenfalls aus einem Zentrum.

Funktion & Aufgaben

Das Hinterhauptbein hat als Teil des Gehirnschädels die Aufgabe, das Hirn zu stützen und abzuschirmen. Es enthält außerdem zahlreiche Strukturen oder bietet ihnen Halt.

Zusammen mit dem Schläfenbein formt das Hinterhauptbein die hintere Schädelgrube. In ihr liegt das Kleinhirn, das Mittelhirn, die Brücke und das verlängerte Mark. Letzteres ragt durch das Foramen magnum, das sich am Boden des Hinterhauptbeins befindet. Die Pars squamosa besitzt Knochenvorsprünge und -vertiefungen. Eine solche Vertiefung ist der Sulcus sinus transversi, in dem der Sinus transversus verläuft. Der Sinus transversus ist ein Blutleiter, der venöses Blut aus dem Schädel ableitet.

Eine weitere Vertiefung in der Pars squamosa des Hinterhauptbeins ist der Sulcus sinus sigmoidei. Er enthält den Sinus sigmoideus, einen weiteren venösen Blutleiter. Die beiden Sulci befinden sich auf der Innenseite der Pars squamosa. Dort bildet die Protuberantia occipitalis interna einen kleinen Vorsprung, an dem sich ein Ansatz der Hirnsichel (Falx cerebri) befindet. Die Haut trennt die beiden Gehirnhälften voneinander. Auf der Außenseite der Pars squamosa bietet die Protuberantia occipitalis externa dem Kapuzen- oder Trapezmuskel (Musculus trapezius) ebenfalls einen Ansatzpunkt.

An der Pars lateralis des Hinterhauptbeins ist der Schädel über das Atlantookzipitalgelenk mit dem Atlas verbunden. Der Atlas stellt den obersten Halswirbel (C1) dar und bildet somit den Beginn der Wirbelsäule. Auf der Innenseite der Pars lateralis liegt das Tuberculum jugulare, das als Knochenvorsprung den Hypoglossuskanal bedeckt. In einigen Fällen bietet das Tuberculum jugulare auch eine Vertiefung für die Hirnnerven IX–XI. Die Pars lateralis fungiert mithilfe ihres Processus jugularis außerdem als Ansatzpunkt eines Nackenmuskels, des Musculus rectus capitis lateralis.

Des Weiteren bildet das Hinterhauptbein an der Pars lateralis einen inneren Vorsprung, der als Tuberculum pharyngis bekannt ist. Hier setzen der Musculus rectus capitis anterior, die Rachennaht (Raphe pharyngis) und der Musculus longus capitis an. Der Clivus der Pars lateralis bildet die Grenze zwischen Fossa cranii posterior und Fossa cranii media.

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Krankheiten

Verletzungen am Kopf können zum Schädelbasisbruch führen, der oft auch das Hinterhauptbein betrifft. Die Medizin unterscheidet zwischen einer frontobasalen Fraktur mit Beteiligung der Nase und einer laterobasalen Fraktur, bei der das Schläfenbein ebenfalls bricht.

Zu den möglichen Symptomen gehören Monokel-/Brillenhämatom, Austritt von Gehirnflüssigkeit und Blut sowie Bewusstseinsstörungen. Wenn Hirnnerven oder Teile des Gehirns Schaden nehmen, können zusätzliche neurologische Symptome auftreten, die beispielsweise auf den Ausfall von Hirnnerven hindeuten. Einige Krankheitszeichen können jedoch auch dem klinischen Bild eines Schlaganfalls ähneln. In einigen Fällen führt der Schädelbasisbruch zu Blutungen im Bereich des Auges. Betroffene fühlen eventuell ein Pulsieren im Auge oder der Augapfel tritt durch die Schwellung nach vorn. Mediziner sprechen dann von einem Exophthalmus oder Protrusio bulbi.

Im Zusammenhang mit der Trisomie 18 ist das Hinterhauptbein der Betroffenen oft auffällig groß entwickelt. Die genetische Erkrankung ist auch als Edwards-Syndrom bekannt und kann sich auf sehr unterschiedliche Weise äußern. Typisch sind vor allem Fehlbildungen und Minderwuchs. In den meisten Fällen (rund 90 %) führt die Trisomie 18 noch vor der Geburt zum Tod und die Sterblichkeit von geborenen Kindern mit Edwards-Syndrom ist ebenfalls sehr hoch. Die Behandlung konzentriert sich in der Regel auf die Symptome, da die Medizin die Ursache der genetischen Krankheit nicht therapieren kann. Zum Teil sind unterstützende Maßnahmen notwendig, zum Beispiel eine künstliche Ernährung.

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