Herzklappe

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Die vier Herzklappen übernehmen eine der wichtigsten Aufgaben im menschlichen Blutkreislauf: sie wirken im Herz als Ventile, bestimmen die Fließrichtung des Blutes und sorgen für einen gleichmäßigen Ein-und Ausfluss des Blutes zwischen Vorhof und Herzkammer sowie den angrenzenden Blutgefäßen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Herzklappen?

Insgesamt besitzt das Herz vier Herzklappen, welche die Ein-und Ausgänge der Herzkammern verschließen. Sie bestehen aus einem mit einer Ventilfunktion ausgestattetem Gewebe, welches während der Herzkontraktion für einen gleichmäßigen Blutfluss zwischen den Vorhöfen und den Kammern des Herzens sorgt.

Anatomie & Aufbau

Das menschliche Herz wird durch die Herzscheidewand in zwei gleich große Hälften geteilt und besteht somit aus einer rechten Herzkammer und einem zugehörigen rechten Vorhof sowie einer linken Herzkammer und einem linken Vorhof. Aufgrund ihrer verschiedenartigen Funktionalität werden die vier Herzklappen in zwei Gruppen unterteilt: die Taschenklappen und die Segelklappen. Die Taschenklappen befinden sich jeweils in der rechten und der linken Herzhälfte, zwischen der Herzkammer und der angrenzenden Ausflussbahn.

In der linken Hälfte befindet sich die Pulmonalklappe, sie liegt zwischen der rechten Herzkammer und der Lungenarterie, der Arteriae pulmonales. In der rechten Hälfte zwischen linker Herzkammer und Aorta befindet sich die sogenannte Aortenklappe. Die zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern gelegenen Klappen werden aufgrund ihres charakteristischen Aussehens als Segelklappen bezeichnet. Die sogenannte Mitralklappe befindet sich in der rechten Herzhälfte zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer, während die Trikuspidalklappe in der linken Herzhälfte liegt und hier den rechten Vorhof von der rechten Kammer trennt.

Funktion & Aufgaben

Während der Systole, der Bluteinströmungsphase, gelangt das sauerstoffarme und kohlendioxidangereicherte Blut durch die Trikuspidalklappe vom rechten Vorhof in die rechte Herzkammer. Hier wird es durch die Pulmonalklappe in den Lungenkreislauf weitergeleitet, dort mit Sauerstoff angereichert und der Kohlendioxidgehalt verringert.

Das „frische“ Blut wird nun aus der Lunge in den linken Vorhof ausgeworfen und gelangt durch die Mitralklappe anschließend in die linke Herzkammer. Von hier aus gelangt das Blut nun durch die Aortenklappe in die größte Körperschlagader und damit in den großen Blutkreislauf. Während des gesamten Vorgangs der Systole funktionieren die Herzklappen wie mechanische Ventile, die durch ihre jeweilige Öffnung bzw. Schließung einen Rückstrom des Blutes verhindern. Wenn sich die linke und die rechte Herzkammer durch das aus den beiden Vorhöfen einströmende Blut füllen, ziehen sich diese zusammen und Mitral-und Trikuspidalklappe werden geschlossen, damit kein Blut zurück in die Vorhöfe fließen kann.

Durch den wachsenden Druck in den Herzkammern werden nun Aorten und Pulmonalklappe geöffnet, welche das Blut in die jeweilige Ausflussbahn auswerfen. Zum Ende der Systole sind die Herzkammern größtenteils entleert, der Druck fällt ab und Aorten-und Pulmonalklappe werden geschlossen, damit kein Blut zurück in die Herzkammern strömen kann. Gleichzeitig öffnen sich erneut Mitral-und Trikuspidalklappe und füllen die Herzkammern von Neuem mit Blut. Somit spielen die Herzklappen eine unersetzliche Rolle im menschlichen Blutkreislauf: sie steuern den Blutfluss durch das Herz, verhindern einen Rückstau des einfließenden Blutes und sorgen damit für eine gleichmäßige Versorgung aller Organe.

Krankheiten

Liegt bei einer oder mehrerer der vier Herzklappen eine Verkalkung, Verengung oder Undichtigkeit vor, kann dies erhebliche gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen. Die meist unspezifischen und harmlos erscheinenden Symptome einer Herzklappenerkrankung wie häufiges Schwäche-oder Schwindelgefühl, Kurzatmigkeit bei geringer Anstrengung, Druckgefühl im Brustkorb sowie Wasseransammlungen in den Beinen werden oftmals von den Betroffenen nicht ausreichend ernst genommen oder fehlinterpretiert, was ein unbemerktes Fortschreiten der Krankheit begünstigt.

Die langfristige Folge einer unbehandelten Herzklappenerkrankung ist in der Regel eine Herzinsuffizienz, oftmals mit anschließendem Herzversagen. Eine Herzklappenerkrankung sollte daher möglichst zeitig diagnostiziert und therapiert werden, um schwere Schädigungen des Herzens zu vermeiden. Die häufigste Ursache für eine Erkrankung der Herzklappen ist der durch den Alterungsprozess des Körpers bedingte natürliche Verschleiß dieser. Die Klappen nutzen sich ab, verkalken oder verengen. In diesem Fall liegt eine Klappenstenose vor, also eine Klappenverengung.

Hierbei kann die Klappe nicht vollständig öffnen, vor ihr staut sich das Blut und die Blutmenge, die durch den Körper gepumpt werden kann, wird reduziert. Um den Körper weiterhin ausreichend zu versorgen, muss das Herz eine höhere Pumpleistung erbringen, was langfristig zur Herzschwäche führt. Eine weitere Erkrankung der Herzklappen ist die Klappeninsuffizienz. Bei dieser Form des Defekts kann sich die Klappe nicht mehr vollständig schließen; der Rückfluss des Blutes wird nicht mehr ausreichend blockiert, wodurch dieses zurück in die Kammern strömen kann.

Hierdurch wird die Pumpleistung verringert, es baut sich Druck auf Herz und Lunge auf. Ein Herzklappenfehler kann jedoch nicht nur mit zunehmendem Alter, sondern auch in Folge einer bakteriellen Infektion, rheumatischem Fieber oder einer Entzündung der Herzinnenhaut auftreten. Angeborene Herzklappendefekte sind dagegen sehr selten und liegen nur bei etwa 3 Prozent aller Menschen vor. Wird der Herzklappenfehler jedoch rechtzeitig diagnostiziert, kann eine sofortige und heutzutage sehr erfolgversprechende Therapie eingeleitet werden, die sich bei einem geringen Defekt auf eine reine medikamentöse Behandlung der Beschwerden des Patienten beläuft.

Bei einem schwerwiegenden Klappenfehler, bei welchem bereits eine Schädigung des Herzmuskels droht, ist jedoch regulär eine Operation angeraten, welche bei einer Klappenstenose in einer Klappensprengung durch einen Herzkatheter und bei einer Klappeninsuffizienz in einer Klappenrekonstruktion bzw. in einem Klappenersatz durch eine künstliche Herzklappe bestehen kann. Dank der erheblichen Fortschritte auf dem Gebiet der Herzchirurgie sind derartige Eingriffe heutzutage sehr erfolgversprechend und können sogar bewirken, dass sich eine bereits vorhandene Herzschwäche restlos zurückbildet.

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