Hervortretende Augäpfel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Oktober 2017
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Hervortretende Augäpfel (Exophthalmie) stellen eine Vorwölbung der Augäpfel (Exophthalmus) aus der Augenhöhle dar, die ein- oder beidseitig auftreten kann. Im Volksmund werden hervortretende Augen oftmals auch abfällig als Glubschaugen bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was sind hervortretende Augäpfel?

Aus der Augenhöhle (Orbita) hervortretende Augäpfel (Exophthalmie) lassen sich je nach Ausprägung des Exophthalmie in Schweregrade unterteilen:

Im Grad I beginnt sich das Augenlid bei nur noch eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit des Auges zurückzuziehen. Angeschwollene Augenbindehaut und Augenlider sowie verstärkte Lichtempfindlichkeit machen sich bei Grad II bemerkbar. Ab Grad III sind die Augäpfel auffällig vorgewölbt. Grad IV ist durch unscharfes Sehen oder durch das Erkennen von Doppelbildern gekennzeichnet.

Wird Grad V erreicht, so kommt es zu einem Austrocknen der Augäpfel sowie zu einer Trübung der Hornhaut und der Zerstörung ihrer Oberfläche. Bei Grad VI liegt eine Beeinträchtigung der Sehnerven vor, so dass das Sehvermögen bis hin zur Erblindung eingeschränkt sein kann. Hervortretende Augäpfel stellen aber keine eigenständige Erkrankung, sondern nur ein Symptom dar, das von verschiedensten Krankheiten ausgelöst werden kann.

Ursachen

Hervortretende Augen können u. a. bei bestimmten Autoimmunkrankheiten entstehen, die durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems ausgelöst werden. Zu diesen Autoimmunkrankheiten gehören die basedowsche Krankheit sowie die Hashimoto-Thyreoiditis, bei denen eine Überfunktion der Schilddrüse zu einer erhöhten Hormonausschüttung führt, die eine Entzündung des Auges bewirken und damit eine Exophthalmie auszulösen kann.

Auch eine eitrige Entzündung des Augapfels (Orbita-Phlegmone) lässt das Augapfel-Gewebe anschwellen und drückt den Augapfel möglicherweise nach vorne. In der Augenhöhle können gut- oder bösartige Tumore entstehen, die zu einer Exophthalmie führen können. Zu den gutartigen Tumoren zählen das Hämangiom (Blutschwämmchen) und das Neurinom (Schwannom), das von Zellen ausgeht, die die Nervenfasern umhüllen. Bösartige Tumore sind das Retinoblastom, bei dem es sich um einen Netzhauttumor handelt, und das Neuroblastom, das Nervengewebe befällt.

Der sog. Exophthalmus intermittens entsteht aufgrund von Krampfadern in der Augenhöhle, in denen bei bestimmten Kopfhaltungen ein Blutstau eintritt. Hervortretende Augäpfel können aber auch durch Verletzungen von Blutgefäßen in der Augenhöhle, durch thrombosebedingten Blutstau im Auge und Fehlbildungen des (mit seiner Hirnhaut oder sogar Hirnteilen in die Augenhöhle eindringenden) Gehirns hervorgerufen werden.

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Diagnose & Verlauf

Hervortretende Augäpfel (Exophthalmie) stellen eine Vorwölbung der Augäpfel (Exophthalmus) aus der Augenhöhle dar, die ein- oder beidseitig auftreten kann.

Hervortretende Augen werden vom untersuchenden Arzt zunächst durch einen Blick von oben und hinten eingeschätzt, um zu erkennen, in welchem Schweregrad ein Augapfel oder beide Augäpfel von der Erkrankung betroffen sind. Außerdem kann die Vorwölbung der Augen auch mittels eines sog. Exophthalmometers präzise gemessen werden.

Um mögliche Tumore und Entzündungen sowie ihre Entwicklung im Zeitverlauf feststellen zu können, werden die Magnetresonanz- sowie die Computertomografie eingesetzt, mit deren Hilfe genaue Bilder des Augapfels erstellt werden können. Auch eine Sonografie (Ultraschalluntersuchung) und eine Röntgenaufnahme können bei der Diagnose hilfreich sein.

Kommt eine Schilddrüsenüberfunktion als Ursache der Exophthalmie in Betracht, wird eine Blutuntersuchung vorgenommen, um die Schilddrüsenwerte zu bestimmen und Anzeichen einer eventuellen Entzündung aufzuspüren. Hervortretende Augäpfel machen außerdem eine Messung des Augendrucks und eine Bestimmung des Gesichtsfeldes erforderlich.

Komplikationen

Hervortretende Augäpfel gehen in der Vielzahl der Fälle mit seelischen Problemen einher. Hänseleien, Mobbing oder ein abweisendes Verhalten anderer Menschen können als sehr schmerzhaft und belastend empfunden werden. Das Selbstbewusstsein sinkt und ein sozialer Rückzug folgt.

In schweren Fällen kommt es zu der Entwicklung einer Melancholie oder Depression. Da je nach Ausprägungsgrad verschiedene Beeinträchtigungen der Sicht vorhanden sind, kann es zu Problemen in der Alltagsbewältigung kommen. Unter Umständen ist der Betroffene auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Dies gilt vor allem dann, wenn sich eine Erblindung einstellt.

Sind hormonelle Ursachen der Grund für die hervortretenden Augäpfel, kommt es zu einer Gabe von Hormonpräparaten. Diese greifen in das Hormonsystem ein und können entsprechende Nebenwirkungen haben. Sie nehmen Einfluss auf die Libido und können den Monatszyklus der Frau verändern. Wird das Vorhandensein eines Tumors diagnostiziert, kommt es zu einem operativen Eingriff und oftmals zu einer Chemotherapie.

Beide sind mit entsprechenden Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Nach dem Eingriff besteht die Möglichkeit, dass es zu Folgeerscheinungen wie der Verschlechterung des Sehens kommt. Unbehandelt besteht bei hervortretenden Augäpfeln die Gefahr des Austrocknens des Auges. Damit erhöht sich das Risiko, dass die Hornhaut dauerhaft beschädigt wird. Der Lidschluss ist erschwert oder wird nicht mehr vollständig durchgeführt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Hervortretende Augäpfel sollten niemals nur für einen Schönheitsfehler gehalten werden. Es handelt sich bei diesem Phänomen um ein Symptom, das verschiedenen Grunderkrankungen zugeordnet werden kann. Daher sind hervortretende Augäpfel dringender Anlass, einen Arzt aufzusuchen, am besten zunächst den Hausarzt. Dieser entscheidet nach ersten vorbereitenden Untersuchungen über die weitere Behandlung einschließlich der Überweisung an den zuständigen Facharzt.

Obwohl hervortretende Augäpfel ein Symptom darstellen, kann ihnen durchaus eine Augenerkrankung zugrunde liegen, worauf der Gang zum Augenarzt folgt. Ein häufiger Auslöser für hervortretende Augen sind außerdem Autoimmunkrankheiten, darunter eine Überfunktion der Schilddrüse. In so einem Fall ist ein Endokrinologe der richtige Facharzt. Auch die Konsultation eines Internisten oder Neurologen kann hilfreiche Erkenntnisse zum Entstehen hervortretender Augäpfel liefern.

Ihrer Ursache sollte in jedem Fall auf den Grund gegangen werden. Zum einen muss die auslösende Erkrankung behandelt werden, zum anderen können an den dauernd hervorgetretenen Augäpfeln selbst Schäden entstehen, die es zu verhindern gilt. Je nach Schweregrad des Hervortretens der Augäpfel kann es bei ausgeprägter Vorwölbung sogar bis zum Erblinden kommen.

Behandlung & Therapie

Hervortretende Augäpfel werden entsprechend der festgestellten Grunderkrankung behandelt. Ein vorrangiges Ziel besteht darin, Komplikationen der Erkrankung möglichst auszuschließen.

Da bei fortschreitender Exophthalmie die Gefahr eines Austrocknens und einer Zerstörung der Hornhaut besteht, ist neben einer sorgsamen Augenpflege ein regelmäßiges, künstliches Befeuchten der Hornhaut von besonderer Wichtigkeit. In einzelnen Fällen werden das Ober- und das Unterlid teilweise miteinander vernäht (Tarsorrhaphie), um den Lidschluss wieder zu ermöglichen.

Antibiotika werden eingesetzt, wenn die Vorwölbung des Auges auf Abszessen oder Phlegmonen (entzündliche Augeninfektion) beruht. Möglicherweise müssen diese Entzündungsherde zuvor im Rahmen eines chirurgischen Eingriffes eröffnet werden, damit sich der eitrige Inhalt entleeren kann. Gut- und bösartige Tumore müssen gegebenenfalls chirurgisch entfernt werden.

Liegt eine basedowsche Krankheit vor, muss die Überproduktion an Schilddrüsenhormonen verringert werden. Hierzu können sog. Thyreostatika verabreicht werden, die über eine schilddrüsenhemmende Wirkung verfügen. Hervortretende Augäpfel lassen ggfs. auch eine Radiojodtherapie angezeigt sein, bei der gezielt Schilddrüsengewebe zerstört wird, um die Hormonausschüttung abzubauen.

Aussicht & Prognose

Die Behandlung hervortretender Augäpfel (Exophthalmus) richtet sich nach der ursächlichen Erkrankung. Die Therapie erfordert oftmals die Einbeziehung unterschiedlicher Spezialisten. Herbeigezogen werden in der Regel Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Internisten, Neurologen, Gesichtschirurgen und Psychologen.

Resultieren die hervortretenden Augäpfel aus einer Stoffwechselstörung, die auf eine Fehlfunktion der Schilddrüse zurückzuführen ist, wird zunächst diese medikamentös behandelt. Auch wenn die Schilddrüse wieder richtig eingestellt ist, muss sie ständig kontrolliert werden, damit Veränderungen erkannt werden können, bevor sich der Exophthalmus weiter verschlimmert.

Die Stellung der Augäpfel bildet sich bei etwa 70 Prozent der Patienten auch nach einer erfolgreichen Behandlung der Schilddrüse nicht mehr zurück. Es ist deshalb wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, die einer weiteren Schädigung des Auges vorbeugen. Besonders wichtig ist es dabei, das Austrocknen des Auges zu verhindern und die Hornhaut ständig feucht zu halten. Nur so können Entzündungen, Geschwüre, Risse oder andere Verletzungen vermieden werden. Auf diese Weise wird auch die Beweglichkeit des Auges verbessert.

Der Patient muss sich allerdings mit der permanenten Fehlstellung der Augäpfel abfinden. Patienten, die hierunter seelisch Leiden oder Komplexe entwickeln, kann eine Psychotherapie helfen.

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Vorbeugung

Um hervortretende Augäpfel oder zumindest die Verschlechterung der Symptome zu vermeiden, muss der jeweiligen Krankheit, die der Exophthalmie zugrunde liegt, begegnet werden. Durch Augenhygiene und Augenpflege lassen sich zumindest teilweise Augenentzündungen vermeiden. Sind hervortretende Augäpfel (Exophthalmie) bereits feststellbar, muss durch frühzeitige Diagnose und Behandlung eine Verschlimmerung der Erkrankung verhindert werden, um drohende irreversible Schäden bis hin zum Verlust des Augenlichts zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Da hervortretende Augäpfel unterschiedliche Ursachen haben können, hängt die Methode zur Linderung ebenfalls davon an. Generell ist anzumerken, dass der Gang zum Arzt sofort erfolgen sollte. Jedoch lassen sich einige Selbsthilfemaßnahmen ergreifen, um die Beschwerden, die durch das Symptom auftreten, zu lindern.

Als einfachstes Mittel können Augentropfen eingesetzt werden. Diese sind leicht zu handhaben und führen bei den wenigsten Menschen zu Nebenwirkungen. Hauptsächlich sorgen Augentropfen dafür, dass die Hornhaut befeuchtet wird und eine mögliche Austrocknung des Auges ausbleibt. Eine weitere Hilfe bieten Sonnenbrillen. Diese bieten nicht nur Schutz vor gefährlicher UV-Strahlung, sondern geben Betroffenen auch etwas mehr Sicherheit, da die hervortretenden Augen nicht sofort auffallen. In Verbindung mit dieser Erkrankung gehen oft Entzündungen einher, welche gut mit Cortison behandelt werden können. Sind Venen und Arterien beschädigt, muss eine Operation durchgeführt werden, um diese wiederherzustellen.

Liegt als Ursache von hervortretenden Augäpfeln eine Schilddrüsenerkrankung vor, können Betablocker oder Thyreostatika eingenommen werden. Bringen diese Medikamente keine Verbesserung, kann sich dazu entschieden werden, die Schilddrüse ganz oder teilweise entfernen zu lassen. Dies zieht für den Patienten jedoch eine Hormontherapie nach sich, da die natürliche Steuerung der Hormone nicht mehr funktioniert.

Weiterhin ist ein stabiler Familien- bzw. Freundeskreis eine große Hilfe. Personen mit dieser Erkrankung können unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden. Daher bietet ein stabiles Umfeld Sicherheit und emotionale Hilfe. Auch die Betreuung durch einen Psychologen oder Psychotherapeuten kann im Umgang mit diesem Symptom helfen.

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Quellen

  • Burk, A., Burk, R.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014
  • Diener, H.-C., et al.: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012

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