Heller Stuhlgang

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Oktober 2017
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Heller Stuhlgang kann durch eine zugrunde liegende Erkrankung bedingt sein, muss es aber nicht. Die Färbung des Stuhls ist oft abhängig von der Nahrung und kann mitunter etwas heller ausfallen als gewöhnlich. Bei einer dauerhaften Hellfärbung des Stuhls sollte jedoch ein Arzt konsultiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist heller Stuhlgang?

Heller Stuhlgang deutet entweder auf das Fehlen von Gallenfarbstoffen oder auf das Vorhandensein von hellen Stuhlbestandteilen hin. Die dunkelrote Färbung des Stuhls wird durch ein Abbauprodukt von Hämoglobin mit dem Namen Sterkobilin erzeugt.

Als Zwischenprodukt des Hämoglobinabbaus entsteht zunächst Bilirubin, das in der Leber in seine wasserlösliche Form umgewandelt und als Gallenfarbstoff über die Galle an den Darm abgegeben wird. Im Darm findet der Abbau des Gallenfarbstoffs in Sterkobilin statt. Die Stuhlfärbung ist daher unter anderem auch von bestimmten Nahrungsmitteln abhängig.

So erzeugt hämoglobinreiches Fleisch eine besonders dunkelrote Färbung, während bei vegetarischer Ernährung der Stuhl oft nicht so dunkel ist. Ein echter Mangel an Sterkobilin und teilweise auch das Vorhandensein von hellen Bestandteilen im Stuhl zeigt oft gesundheitliche Störungen oder gar ernstere Erkrankungen an. Deshalb bedarf ein dauerhaft heller Stuhlgang immer einer ärztlichen Untersuchung.

Ursachen

Die Ursachen für hellen Stuhlgang sind vielfältig und können sowohl harmloser als auch ernsterer Natur sein. Bereits leichte Durchfallerkrankungen führen häufig zu einer Hellfärbung des Stuhlgangs, weil durch die schnelle Darmpassage nur ein geringerer Anteil an Gallenfarbstoffen in den Stuhl gelangen kann.

Außerdem kann es zu einer entzündlichen Schwellung am Ausgang der Gallenwege kommen, die eine normale Gallenabgabe in den Darm oft verhindert. Bei Störungen des Galleabflusses in den Darm durch Verschluss der Gallenwege bei Gallensteinen, Verengungen und Tumoren werden häufig weiße bis grauweiße sogenannte ancholische Stühle erzeugt. Im Rahmen von Lebererkrankungen kann es zur Beeinträchtigung der Gallebildung kommen.

So führen infektiöse Lebererkrankungen (alle Arten von Hepatitis) und Leberschädigungen durch Alkohol- sowie Medikamentenmissbrauch zu weißen Stühlen, dunklem Urin und Gelbfärbung der Haut, den typischen Symptomen einer Gelbsucht.

Hier wird der Gallefarbstoff nicht mehr über den Darm ausgeschieden, sondern gelangt ins Blut und in den Urin. Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse stören oft die Fettverdauung, sodass fettreiche helle Stühle auftreten können. Des Weiteren bilden sich bei Darminfektionen oft Eiterherde, die zuweilen für einen hellen Stuhlgang sorgen.

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Diagnose & Verlauf

Heller Stuhlgang ist keine Erkrankung, sondern kann ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung sein. Wenn chronische Stuhlveränderungen auftreten, sollte unbedingt der Arzt zurate gezogen werden. Bereits bei der Anamnese der Krankengeschichte kann der Arzt oft eine Verdachtsdiagnose stellen.

Dabei ist es für ihn wichtig zu wissen, über welche sonstigen Symptome der Patient noch klagt. Gleichzeitige Dunkelfärbung des Urins und Gelbfärbung der Haut zeigt eine Gelbsucht an, die durch Leber- oder Gallenerkrankungen verursacht werden kann.

Heller Stuhlgang deutet entweder auf das Fehlen von Gallenfarbstoffen oder auf das Vorhandensein von hellen Stuhlbestandteilen hin.

Weiterhin wird der Arzt abklären, welche Medikamente der Patient bekommt und ob eventuell Alkoholmissbrauch besteht. Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung werden Blutuntersuchungen zur Bestimmung der Leberwerte und eventuell vorhandener Hepatitis-Viren durchgeführt.

Stuhluntersuchungen können Hinweise auf eine bakterielle Darmerkrankung oder eine Pankreatitis geben. Der Einsatz von bildgebenden Verfahren, wie Röntgenuntersuchungen, MRT oder Darmspiegelungen, runden die Untersuchungen zu den Ursachen von hellem Stuhlgang ab.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: R19.5 Sonstige Stuhlveränderungen) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Die Farbe, Konsistenz und Häufigkeit des Stuhlgangs kann sich verändern. Wir beobachten den Stuhlgang hierzulande nicht so intensiv, wie es andere Völker und Kulturen tun, die meistens auch in engerer Verbundenheit mit der Natur leben. Heller Stuhlgang kann auf vieles hindeuten, was ganz harmlos sein kann, manchmal aber auch unserer Aufmerksamkeit bedarf. Zunächst kann er auf eine zu fettreiche Nahrung hindeuten, was zwar nicht sofort zu weiteren Symptomen und Komplikationen führt, langfristig aber erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben kann.

Dazu zählen beispielsweise koronare Herzkrankheiten, Übergewicht mit allen Folgen und auch einem matten, abgeschlagenen, energielosen Lebensgefühl im Alltag. Heller Stuhlgang kommt außerdem bei einer Reihe von Magen-Darm-Erkrankungen vor, darunter auch chronischen Erscheinungsformen. Er ist oft eines der ersten Symptome, doch selbst wenn außer hellem Stuhlgang noch weitere Anzeichen auftreten, wird nicht immer sofort erkannt, dass ein Problem besteht.

Weitere krankhafte Ursachen, die hinter hellem Stuhlgang stecken können, sind verschiedene Formen der Hepatitis, Darmtumore im frühen bis späten Stadium, Gallensteine oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung. Selbst Durchfall mit hell gefärbtem Stuhlgang kann krankhafte Ursachen haben, die einer genaueren Untersuchung durch den Arzt bedürfen, wenn der Durchfall gehäuft auftritt. Durch eine gelegentliche aufmerksame Beobachtung des Stuhlgangs könnten viele Erkrankungen schon frühzeitig erkannt und gut behandelt werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Heller Stuhlgang kann ein vorübergehendes Symptom einer Ernährungsumstellung sein oder aber ein Zeichen einer Erkrankung, die eine Behandlung durch einen Arzt nötig macht. Wann mit hellem Stuhlgang ein Arzt aufgesucht werden sollte, hängt insbesondere von der Dauer und der Stärke der Beschwerden ab.

Der erste Schritt ist die Beobachtung und Analyse des Essverhaltens. Wer wenig Fleisch, viele Milchprodukte und reichlich Ballaststoffe zu sich nimmt, kann die helle Färbung des Stuhlgangs möglicherweise mit der Ernährungsweise erklären.

Treten weitere Symptome auf, etwa übel riechender Urin, Bauchschmerzen oder Blut im Stuhl, muss unmittelbar ein Arzt konsultiert werden. In solchen Fällen handelt es sich in der Regel um eine Erkrankung, die eine Therapie erfordert. Langanhaltender heller Stuhl, auch ohne Nebenbeschwerden, sollte ebenfalls medizinisch abgeklärt werden.

Zu unterscheiden ist überdies die genaue Färbung: Ein farbloser, gräulich-weißer Stuhlgang kann ein Symbol für eine ernsthafte Krankheit, etwa einen Tumor oder Gallensteine, sein. Ein helles Gelb hingegen kann durch Medikamenteneinnahme zu erklären sein oder durch eine Durchfallerkrankung.

Behandlung & Therapie

Die Therapie bei hellem Stuhlgang richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Wenn das Phänomen nur kurzzeitig auftritt, ist keine Behandlung notwendig. Hier kann die Ursache eine kurze Darminfektion oder auch nur die Einnahme von hell färbenden Medikamenten, wie Antibiotika oder Magnesiumpräparaten sein.

Auch bestimmte Lebensmittel mit einem hohen Ballaststoffanteil sind in der Lage, den Stuhl etwas heller erscheinen zu lassen. Lebererkrankungen müssen entsprechend ihrer Ursache differenziert behandelt werden. So heilen manche Hepatitisformen von alleine aus. Entscheidend ist hier jedoch die körperliche Schonung. Bei chronischer Hepatitis B oder Hepatitis C werden antivirale Mittel, wie Interferon, verabreicht.

Gallensteine müssen häufig durch eine Operation entfernt werden. Darminfektionen sind durch Gabe von Antibiotika therapierbar. Bei unklaren Darm- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen muss weiter nach der Ursache geforscht werden. Möglicherweise werden die Beschwerden hier durch Autoimmunerkrankungen hervorgerufen, was eine entsprechende medikamentöse Behandlung mit Immunsuppressiva erforderlich macht.

Manchmal reicht jedoch schon eine langfristige Ernährungsumstellung aus, um die den hellen Stuhlgang verursachenden Verdauungsstörungen wirksam zu bekämpfen.

Aussicht & Prognose

Heller Stuhlgang ist nicht immer ein Anzeichen für eine Erkrankung. Oft sind Veränderungen in Farbe und Konsistenz auf harmlose Ursachen wie die Ernährung oder die Einnahme von Antibiotika zurückzuführen. Bei Säuglingen kann es ohne erkennbaren Grund zur Bildung von hellem Stuhlgang kommen.

Ist eine Behandlung erforderlich, hängt die Prognose von der Ursache und der Konstitution des Patienten ab. Magen-Darm-Beschwerden lassen sich meistens ohne größere Komplikationen behandeln, wodurch der Stuhlgang wieder seine ursprüngliche Farbe annehmen sollte. An erster Stelle steht eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, in Verbindung mit ausreichend körperlicher Bewegung. Dadurch reguliert sich die Darmflora auf natürliche Weise und der Stuhlgang nimmt wieder seine normale Farbe an. Liegt dem hellen Stuhl eine Erkrankung der Gallenblase zugrunde, kann eine Darmsanierung die Beschwerden lindern.

Unbehandelt kann heller Stuhlgang Komplikationen hervorrufen. So kann eine verschleppte Infektionskrankheit zu Dehydration, Blutarmut und weiteren Beschwerden führen, durch die sich mitunter auch die generellen Heilungsaussichten verschlechtern. Selten entwickelt sich auch eine chronische Darmerkrankung, deren Behandlung Monate oder Jahre andauern kann. Grundsätzlich ist die Prognose bei hellem Stuhlgang jedoch positiv.

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Vorbeugung

Je nach Ursache gibt es Möglichkeiten, hellem Stuhlgang vorzubeugen. Eine gesunde Ernährung kann viele Verdauungsprobleme verhindern. Um Leberschädigungen zu vermeiden, sollte auf Alkohol und Medikamentenmissbrauch verzichtet werden. Schwere Darminfektionen können durch allgemeine Hygienemaßnahmen, wie beispielsweise durch Händewaschen nach der Benutzung von öffentlichen Toiletten, wesentlich eingeschränkt werden. Es gibt jedoch auch Ursachen für hellen Stuhlgang, die durch vorbeugende Maßnahmen nicht verhindert werden können.

Das können Sie selbst tun

Bei hellem Stuhlgang können verschiedene Hausmittel und Maßnahmen helfen. Liegt dem veränderten Stuhl eine Magen-Darm-Erkrankung zugrunde, empfiehlt sich Wärme, zum Beispiel in Form eines Kirschkernkissens oder einer Wärmflasche. Kräutertees mit Kamille oder Salbei beruhigen den gereizten Darm und fördern die Durchblutung des Körpers.

Generell sollte bei einem veränderten Stuhlgang auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung geachtet werden. Fettige oder scharfe Kost sollte ebenso gemieden werden wie Alkohol, Nikotin und Koffein. Trockenes Brot und Ingwer (gerieben oder als Tee) regulieren das Darmverhalten und stellen die natürliche Stuhlfarbe wieder her. Womöglich wird der helle Stuhlgang auch durch ein bestimmtes Medikament oder durch eine ausgeprägte pflanzliche Ernährung verursacht – eine Behandlung ist hier nicht immer notwendig. Kommen allerdings Blähungen oder starke Schmerzen im Unterbauch hinzu, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Begleitend dazu kann ein Spaziergang an der frischen Luft die Verdauung anregen und somit die Beschwerden lindern.

Bei Bauchkrämpfen und Schmerzen beim Stuhlgang helfen krampflösende Mittel. Bewährt haben sich etwa Breiumschläge mit Steinklee oder Kartoffeln sowie Anwendungen mit Schlüsselblume und Klatschmohn oder Passionsblume und römischer Kamille. Bleibt der helle Stuhlgang über mehrere Tage bestehen, sollte ein Arzt hinzugezogen werden. Womöglich liegen Gallensteine oder eine andere schwerwiegende Ursache vor, die einer medizinischen Behandlung bedarf.

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Quellen

  • Ferlinz, R.: Internistische Differentialdiagnostik. Thieme, Stuttgart 1999
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch, 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

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