Harnröhrenspiegelung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2017
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Bei einer Harnröhrenspiegelung führt der Arzt ein Endoskop in die Harnröhre ein. Damit kann er die Harnröhre betrachten und untersuchen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Harnröhrenspiegelung?

Bei der Harnröhrenspiegelung hat der behandelnde Arzt, in der Regel der Urologe, die Möglichkeit krankhafte Veränderungen an der Harnröhre zu finden. Der Fachbegriff für die Spiegelung der Harnröhre lautet Urethroskopie.

Eine Urethroskopie wird beispielsweise bei Blut im Urin (Hämaturie), Harninkontinenz, Schmerzen im Unterbauch oder bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen durchgeführt. Falls erforderlich können im Rahmen der Untersuchung kleine Eingriffe unter lokaler Betäubung durchgeführt werden. Die Harnröhrenspiegelung als Untersuchungsverfahren ähnelt dem Verfahren der Blasenspiegelung. Allerdings liegt der Schwerpunkt der Untersuchung auf der Harnröhre und nicht auf der Blase. Häufig werden aber beide Untersuchungsmethoden nacheinander durchgeführt. Im Grunde ist die Harnröhrenuntersuchung eine unkomplizierte Diagnosemethode, die innerhalb von wenigen Minuten durchgeführt werden kann.

Funktion, Wirkung & Ziele

Bei der Harnröhrenspiegelung wird ein Endoskop in die Harnröhre eingeführt. Beim Mann erfolgt der Zugang durch die Eichel, bei der Frau durch die Scheide. Zur Untersuchung kommt ein sogenanntes Zytoskop zum Einsatz. Die Untersuchung des Patienten oder der Patientin findet im Liegen statt.

Grundsätzlich können zwei verschiedene Arten von Zystoskopen zum Einsatz kommen. Das starre Zystoskop ist ein mehrteiliges Instrument, das aus Metall besteht. Es unterteilt sich in einen Außenschaft, einen sogenannten Obturator, ein Arbeitsgerät und eine Optik. Das flexible Zystoskop besteht nur aus einem Teil. Der Schaft ist flexibel und mit einer steuerbaren und ebenfalls sehr flexiblen Spitze ausgestattet. An der Spitze des flexiblen Zystoskops befindet sich eine Linse. Diese ist über Glasfasern mit dem Okular verbunden. Im Inneren des Zystoskops liegt eine Kombination aus Arbeitskanal und Spülkanal. Vor der Harnröhrenspiegelung erfolgt fast immer eine örtliche Betäubung.

Auf ausdrücklichen Wunsch kann die Untersuchung auch in Vollnarkose gemacht werden. Für die lokale Betäubung trägt der behandelnde Arzt ein Gleitgel mit Betäubungsmittel auf den Beginn der Harnröhre auf. Anschließend wird der Harnröhreneingang gründlich gereinigt. Sobald das betäubende Gel wirkt, führt der Arzt vorsichtig unter der Spülung mit Wasser das Zystoskop in die Harnröhre ein. Hier schaut er sich genau die Struktur der Harnröhre an. Dabei achtet er auf Verengungen (Strikturen), Epithelveränderungen oder Tumore. Auch Entzündungen können anhand von Rötungen oder Schwellungen an der Wand der Harnröhre diagnostiziert werden.

Eine Urethroskopie ist bei Blut im Urin indiziert. Eine Hämaturie kann ein Hinweis auf eine Entzündung der Nieren, der Harnblase oder der Harnröhre sein. Auch ein Tumor in der Harnröhre kann Blut im Urin verursachen. Harninkontinenz ist ebenfalls eine Indikation für eine Spiegelung der Harnröhre. Dasselbe gilt für wiederkehrende Harnwegsinfekte. Ständig wiederkehrende Blasenentzündungen oder Nierenbeckenentzündungen können durch einen chronischen Entzündungsherd in der Harnröhre bedingt sein. Chronische Entzündungen oder Verletzungen der Harnröhre können eine Narbenbildung in der Harnröhre verursachen.

Bei einer Harnröhrenspiegelung führt der Arzt ein Endoskop in die Harnröhre ein. Damit kann er die Harnröhre betrachten und untersuchen.

Durch Narbenbildung kann sich die Harnröhre verengen. Diese Verengungen werden auch als Strikturen bezeichnet. Strikturen können zu Schmerzen beim Wasserlassen führen. Sie lassen sich mithilfe der Harnröhrenspiegelung gut diagnostizieren. Zudem können kurzstreckige Verengungen während der Spiegelung unter lokaler Betäubung sofort behandelt werden. Dafür kommt das Verfahren der endoskopischen Schlitzung zum Einsatz. Längere oder ausgeprägte narbige Strikturen müssen jedoch im Krankenhaus unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Die Harnröhre kann aber nicht nur durch narbige Veränderungen verengt sein, auch eine vergrößerte Prostata kann die Harnröhre des Mannes einengen. Die Prostata umschließt die Harnröhre, sodass sie bei einer Vergrößerung auf die Harnröhre drückt. Dies führt zu Problemen beim Wasserlassen.

Die Harnröhrenspiegelung wird ebenfalls bei Harnröhrendivertikeln therapeutisch genutzt. Harnröhrendivertikel werden auch als paraurethrale Zysten bezeichnet. Meistens sind Frauen von dieser Erkrankung betroffen. Ein Harnröhrendivertikel ist eine Aussackung der Harnröhre. In dieser Aussackung kann sich Urin ansammeln, sodass dort schnell Entzündungen entstehen können. Im Rahmen der Urethroskopie können Harnröhrendivertikel erkannt und ausgespült werden. Mithilfe der Harnröhrenspiegelung können auch Fremdkörper und Tumore in der Harnröhre sicher erkannt werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Eine Harnröhrenspiegelung darf nicht durchgeführt werden, wenn die Prostata, die Harnblase oder die Harnröhre akut entzündet sind. Deshalb muss vor jeder Urethroskopie eine Urinkontrolle durchgeführt werden, sodass eine Harnwegsinfektion ausgeschlossen werden kann.

Die Urethroskopie ist eigentlich ein unkompliziertes Verfahren. Trotzdem kann es in einigen Fällen zu Komplikationen kommen. So kann sich nach der Untersuchung durch eingeschleppte Erreger eine Harnwegsinfektion entwickeln. Neben Entzündungen der Harnröhre können auch Entzündungen der Nieren oder der Prostata entstehen. Durch das Endoskop kann die Harnröhre verletzt werden. Dies hat Schmerzen und Beschwerden beim Wasserlassen zur Folge. Bei einer kombinierten Untersuchung von Harnröhre und Harnblase können zudem der Schließmuskel der Blase oder die Blase selber verletzt werden. Eine Läsion des Schließmuskels kann zu vorübergehender Inkontinenz führen.

Gelegentlich treten nach der Harnröhrenspiegelung Symptome wie Brennen beim Wasserlassen oder Blut im Urin auf. Im Normalfall können diese Symptome auf die mechanische Reizung des Gewebes innerhalb der Harnröhre zurückgeführt werden. Somit gelten diese Beschwerden als harmlos und verschwinden innerhalb kurzer Zeit von selbst. Sollten die Symptome bestehen bleiben, muss der behandelnde Arzt informiert werden.

Das Infektionsrisiko ist bei immunsupprimierten Patienten erhöht. Auch Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus erleiden nach einer Harnröhrenspiegelung häufiger Infektionen. Um einer Infektion vorzubeugen, erhalten Risikogruppen deshalb oft als Vorbeugung ein Antibiotikum.

Typische & häufige Harnröhrenerkrankungen

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hautmann, R.: Urologie. Springer, Berlin Heidelberg 2014
  • Wetzke, M. et. al.: Bildgebende Verfahren. Urban & Fischer, München 2012

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