Harnblasendivertikel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
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Unter Harnblasendivertikeln werden Ausstülpungen an der Blasenwand verstanden, die die Form eines Sacks haben. Es gilt, zwischen echten Divertikeln und Pseudodivertikeln zu unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Harnblasendivertikel?

Bei Harnblasendivertikeln oder Blasendivertikel handelt es sich um sackähnliche Ausstülpungen, die an der Wand der Harnblase auftreten. Je nachdem, ob lediglich die Harnblasenschleimhaut oder sämtliche Wandschichten prolabieren, ist von echten Divertikeln oder Pseudodivertikeln die Rede. Mediziner unterscheiden bei Harnblasendivertikeln danach, ob die Divertikel angeboren sind oder im Laufe des Lebens erworben wurden.

Die angeborenen Blasendivertikel betreffen die komplette Wand der Harnblase. Dadurch gleicht der Aufbau der Divertikelwand dem der Blasenwand. Zu finden sind die angeborenen Harnblasendivertikel an der Muskulatur der Blasenwand, genauer gesagt am Hiatus uretericus. Erworbene Harnblasendivertikel tragen auch die Bezeichnung Pseudodivertikel. Sie kommen an muskulären Schwachstellen der Blasenschleimhaut vor.

Ursachen

Harnblasendivertikel bestehen in manchen Fällen bereits seit der Geburt. Nicht selten sind sie mit einem vesikoureteralen Reflux verbunden. Konkrete Beschwerden zeigen sich in der Regel ab dem 10. Lebensjahr. Eine häufige Ursache der Divertikelbildung stellen kongenitale Schwächen an der Wand der Harnblase dar. Dies gilt in erster Linie für die Harnleitermündung. Darüber hinaus können Fehlbildungen des Urachus im Harnblasendachbereich für angeborene Divertikel verantwortlich sein.

Bei einigen Harnblasendivertikeln handelt es sich jedoch um Divertikel, bei denen eine Hernierung an sämtlichen Wandschichten besteht. Erworbene Blasendivertikel bilden sich zumeist durch neurogene Erkrankungen der Harnblase. Dabei kommt es in den meisten Fällen zu einem ständig erhöhten Druck in der Blase des Betroffenen. Dieser Druck bewirkt das Ausstülpen der Harnblasenschleimhaut durch offene Stellen an der Muskelwandung.

Zu den häufigsten Auslösern zählen neurogene Funktionsstörungen wie bei der Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie, eine gutartige Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse), von der ältere Männer über 50 Jahren betroffen sind, sowie Harnröhrenklappen, die bei Kindern auftreten. Ebenso kann eine insuffiziente Harnblasennaht für die Bildung eines Divertikels verantwortlich sein.

Bei angeborenen Harnblasendivertikeln handelt es sich sowohl um echte Divertikel als auch um Pseudodivertikel. In manchen Fällen kommt es auch zu einer Mündung des Ureters (Harnleiter) in das Divertikel. Die Bezeichnung Pseudodivertikel ist gebräuchlich, wenn nicht bei sämtlichen Schichten der Harnblasenwand eine Hernierung vorliegt. Zusammengesetzt wird die Wand des Divertikels aus Bindegewebe, Schleimhaut sowie aus einigen glatten Muskelanteilen.

Während das Divertikel gebildet wird, entsteht außerdem um seine Wand herum eine Pseudokapsel. Diese ist bei der Resektion des Divertikels behilflich. Als typisch gilt darüber hinaus ein Divertikelhals, der sich eng und sphinkterartig präsentiert. Er wirkt sich verstärkend auf die Urinstase innerhalb des Divertikels aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Da Harnblasendivertikel keine spezifischen Symptome hervorrufen, bleiben sie oftmals von den betroffenen Personen unbemerkt. Mitunter ist allerdings eine Ansammlung von Urin in einem taschenförmigen Divertikel möglich. Diese Menge ist vom Ausscheiden des Harns beim Wasserlassen nicht betroffen. Aufgrund des restlichen Urins verspüren die Patienten oft das Gefühl, die Blase nicht komplett entleert zu haben.

Außerdem können Harnblasendivertikel für chronische Harnwegsentzündungen verantwortlich sein. In manchen Fällen bilden sich innerhalb der Divertikel sogar Harnsteine. Nur äußerst selten kommt es auf einem Divertikelboden zur Entstehung eines Tumors.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um Harnblasendivertikel zu diagnostizieren, überprüft der behandelnde Arzt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten. Im Anschluss daran findet eine körperliche Untersuchung statt. Als hilfreich für die Diagnose gilt das Durchführen von bildgebenden Untersuchungsverfahren wie einer Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung.

Ebenfalls sinnvoll ist eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung). So können die Harnblasendivertikel in einem gefüllten Zustand gut erkannt werden. Bestätigen lässt sich die Diagnose durch ein Miktionszystourethrogramm (MCU). Dabei gilt das Beurteilen des Umfangs der Divertikelfüllung als wichtig, nachdem die Miktion beendet wurde. Im Rahmen einer Zystoskopie (Blasenspiegelung) lassen sich sowohl das Divertikel als auch die Harnblasenschleimhaut beurteilen.

Erscheinen bestimmte Abschnitte verdächtig, kann eine Biopsie (Gewebeentnahme) erfolgen. Werden die Harnblasendivertikel behandelt, hat dies in den meisten Fällen einen positiven Verlauf zur Folge. So können sie normalerweise ohne größere Probleme entfernt werden. Bei kongenitalen Divertikeln ist sogar oftmals gar keine Therapie nötig, sofern kein vesikorenaler Reflux besteht.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es durch die Harnblasendivertikel nicht zu bestimmten Beschwerden oder Schmerzen. Diese Krankheit wird daher nur selten erkannt oder gezielt diagnostiziert, sodass in den meisten Fällen keine frühzeitige Behandlung der Harnblasendivertikel möglich ist. Ebenso ist das Wasserlassen des Patienten von der Krankheit nicht betroffen, wobei sich auch die Menge nicht verändert.

Allerdings verspürt der Betroffene immer ein Gefühl, die Blase nicht komplett entleert zu haben. Dieses Gefühl kann auf Dauer zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen führen und wirkt sich negativ auf den Alltag des Patienten aus. Nicht selten trinken die Betroffenen dann gezielt weniger, damit es nicht häufig zum Wasserlassen kommt. Die Harnblasendivertikel erhöhen das Risiko der Ausbildung von Nierensteinen, sodass diese im weiteren Verlauf der Krankheit ebenfalls auftreten können.

Die Behandlung der Harnblasendivertikel führt in der Regel zu keinen Komplikationen. Dabei werden in den meisten Fällen operative Eingriffe verwendet, um die Beschwerden zu lösen. In schwerwiegenden Fällen ist der Patient auf einen Katheter angewiesen, wodurch der Alltag relativ stak eingeschränkt wird. Die Lebenserwartung bleibt von der Krankheit in der Regel unberührt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn nach dem Urinieren immer wieder das Gefühl auftritt, dass die Blase nicht komplett entleert wurde, liegt womöglich ein Harnblasendivertikel vor. Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn die Beschwerden nach spätestens einer Woche nicht abgeklungen sind. Sollten sich Anzeichen einer Harnwegsinfektion einstellen, ist ärztlicher Rat gefragt. Auch Harnsteine können auf ein Divertikel hinweisen und sollten von einem Urologen oder Internisten untersucht und gegebenenfalls entfernt werden.

Wird ein Harnblasendivertikel nicht entfernt, kann sich im schlimmsten Fall ein Tumor entwickeln. Zu den Warnzeichen für einen solch schweren Verlauf zählen Schmerzen und Verhalt beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und zunehmende Druckschmerzen im Bereich der Harnblase. Sollten diese Symptome bemerkt werden, muss umgehend mit dem Hausarzt gesprochen werden. Bei starken Beschwerden ist ein Besuch im Krankenhaus angezeigt. Im Zweifelsfall kann zunächst der ärztliche Notdienst kontaktiert werden. Generell muss ein Harnblasendivertikel abgeklärt und entfernt werden, um eine rasche Genesung zu ermöglichen und weitere Komplikationen zu vermeiden.

Therapie & Behandlung

Zur Behandlung von Harnblasendivertikeln kommen unterschiedliche Maßnahmen zur Anwendung. Bei Patienten, bei denen eine operative Entfernung als zu riskant erscheint, wird eine Dauerkatheterisierung durchgeführt. In manchen Fällen ist auch eine intermittierende Selbstkatheterisierung möglich. Um ein Resektion eines zu engen Divertikelhalses vorzunehmen, kann eine Behandlung mit einem Endoskop erfolgen.

Diese Methode kommt bei grenzwertig signifikanten Divertikeln vor. Außerdem findet eine Koagulation statt, die eine narbige Schrumpfung des Blasendivertikels einleitet. In den meisten Fällen wird eine Operation durchgeführt, die das Ziel hat, die Harnblasendivertikel zu entfernen, was besonders für umfangreiche Divertikel gilt. Dabei kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz.

Kleinere Divertikel werden durch eine offen chirurgische transvesikale Divertikelresektion behandelt. Dies erfolgt oftmals im Zusammenhang mit einer transvesikalen Prostata-Adenomektomie. Als weitere operative Therapiemethode kommt die extravesikale Divertikelresektion in Betracht. Sie eignet sich besonders beim Auftreten von größeren Blasendivertikeln.

Diese Methode wird entweder minimal-invasiv durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit einem speziellen Endoskop oder auf offene Weise vorgenommen. Dies hängt davon ab, ob zum gleichen Zeitpunkt die Implantation eines Harnleiters oder eine Prostata-Deobstruktion erforderlich ist.

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Vorbeugung

Da Harnblasendivertikel oftmals angeboren sind, gibt es keine geeigneten Vorbeugemaßnahmen. Um erworbenen Blasendivertikeln entgegenzuwirken, müssten die auslösenden Erkrankungen vermieden werden, was jedoch schwierig ist.

Das können Sie selbst tun

Wurde ein Harnblasendivertikel festgestellt, gilt für den Betroffenen in erster Linie Schonung, bis das Divertikel operativ entfernt oder mit Hilfe eines Dauerkatheters behandelt wird.

Nach der Diagnose müssen darüber hinaus Vorkehrungsmaßnahmen für einen Krankenhausaufenthalt getroffen werden. Die Harnblase darf nicht mehr weiter belastet werden, um eine Zunahme der Beschwerden und etwaige Komplikationen zu vermeiden. Patienten sollten also darauf achten, dass es zu keinem grippalen Infekt oder einer anderweitigen Erkrankung kommt, die der Harnblase oder dem Harntrakt zusätzlich schaden könnte. Davon ab müssen die üblichen Maßnahmen eingeleitet werden. So müssen Angehörige und Freunde über den Klinikaufenthalt informiert werden, außerdem der Arbeitgeber und die Krankenkasse, die die Kosten für den Eingriff in der Regel übernimmt.

Nach einer Operation sollte sich der Betroffene zunächst schonen. Die Operationswunde benötigt mindestens eine Woche um abzuheilen. Danach kann langsam wieder in den Alltag zurückgekehrt werden. Wann wieder gearbeitet werden darf, hängt von der Art der Behandlung und dem Verlauf nach dem Eingriff ab. Betroffene sprechen am besten mit dem zuständigen Arzt und klären etwaige Tätigkeiten im Vorfeld ab.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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