Hammer

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Als Hammer wird eines von insgesamt drei Gehörknöchelchen im Mittelohr bezeichnet. Er überträgt die Schwingungen des Trommelfells unter Verstärkung auf den Amboss. Der Amboss gibt die Schwingungen an den Steigbügel ab, der die mechanischen Schwingungen über das ovale Fenster an das flüssige Medium Perilymphe und die Gehörschnecke überträgt. Der Hammer gehört zusammen mit den anderen beiden Gehörknöchelchen zu den kleinsten und gleichzeitig härtesten Knochen des Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Hammer?

Der winzige Hammer (Malleus) im Mittelohr ist einer von drei Gehörknöchelchen, die gelenkig miteinander verbunden sind und die Schwingungen des Trommelfells mechanisch verstärken. Der Steigbügel überträgt die Schwingungen am ovalen Fenster auf das Innenohr und die Gehörschnecke (Cochlea), in der die Umwandlung der mechanischen Schallwellen in elektrische Nervenimpulse erfolgt. Der Hammer gehört zusammen mit den beiden übrigen Gehörknöchelchen zu den kleinsten, aber auch zu den härtesten Knochen im menschlichen Körper.

Innerhalb dieser Dreiergruppe ist der Hammer das größte Gehörknöchelchen. Der Malleus ist mit seinem „Griff“ fest mit dem Trommelfell verwachsen, so dass er die Schwingungen des Trommelfells direkt übernehmen kann. Über ein spezielles Gelenk überträgt der Hammer die Schwingungen an den Amboss. Die Fachbezeichnung Malleus für den Hammer steht auch in identischer Schreibweise für eine bakterielle Erkrankung, die ausschließlich Einhufer befällt. Die Krankheit ist auch unter dem Namen Rotz bekannt.

Anatomie & Aufbau

Anatomisch lässt sich das Gehörknöchelchen Malleus in Griff (Manubrium), Hals (Collum) und Kopf (Caput) unterteilen. Am oberen Ende des Hammergriffs befinden sich zwei kleine Fortsätze, der vordere und der seitliche Hammerfortsatz, an denen Bänder angewachsen sind, die den Hammer in seiner Position halten. Mit dem Griff ist der Hammer fest in der Mitte des Trommelfells in die Bindegewebsschicht eingewachsen.

Von außen, von der anderen Seite des Trommelfells, scheint der Einwachspunkt des Hammers als Stria mallearis durch und ist per Otoskopie sichtbar. Der große Kopf des Hammers ist über ein Sattelgelenk mit dem Amboss verbunden (Articulatio incudomallearis). Das Gelenk ist fest eingekapselt und mit sogenannten Sperrzähnen versehen, so dass nur geringe Bewegungen bis zu etwa 5 Grad möglich sind. Es hat sich bei Säugetieren aus dem ursprünglichen Kiefergelenk entwickelt (primäres Kiefergelenk), so dass das jetzige Kiefergelenk der Säugetiere eine relative Neuentwicklung darstellt und auch als sekundäres Kiefergelenk bezeichnet wird.

Winzige Muskeln sorgen für einen permanenten Spannungszustand der Reaktionskette des Mittelohrs, bestehende aus Trommelfell, Gehörknöchelchen und ovalem Fenster. Der Trommelfellspanner (Musculus tensor tympani) zieht bei Anspannung den Hammergriff nach innen und strafft damit das Trommelfell. Der Hammer ist – wie auch die anderen Gehörknöchelchen – von einer Schleimhaut überzogen.

Funktion & Aufgaben

Die Hauptfunktion und Aufgabe des Hammers besteht in der Aufnahme der Schallschwingungen des Trommelfells und der Übertragung der Schwingungen an den Amboss, der sie wiederum unter Verstärkung an den Steigbügel weiterleitet. Hammer und Amboss sind so gelagert, dass ihre Drehachsen sich jeweils im Schwerpunkt befinden. Hierdurch ist ihre Schwingung in Verbindung mit ihrem geringen Gewicht mit geringstmöglicher Massenbeschleunigung und geringstmöglichem Energieverlust möglich.

Sogar die höchsten noch hörbaren Töne im Bereich über 15.000 Hz bis unter 20.000 Hz an der Grenze zum Ultraschall können vom Hammer problemlos aufgenommen und weitergeleitet werden. Auch niedrige Frequenzen im Grenzbereich des Infraschalls unterhalb 40 Hz vermag der Hammer ohne irgendwelche Frequenzverschiebungen oder Umwandlungen weiterleiten. Wichtig bei Aufnahme und Weiterleitung der Schwingungen des Trommelfells, dass die beweglichen Gelenke zwischen den Gehörknöchelchen und die Knöchelchen selbst sehr hart und elastisch reagieren, weil es sonst zu erheblichen Übertragungsverlusten käme. Bei der Schwingungsübertragung kommt es allerdings nicht nur auf den Frequenzgang der Töne und Geräusche an, sondern auch auf den Schalldruck, der auf das Trommelfell einwirkt.

Innerhalb des Hörbereichs bewegt sich der Schalldruck zwischen der unteren Hörschwelle oder Hörgrenze und der Schmerzgrenze. Der Bereich, der für das menschliche Ohr am besten wahrnehmbar ist und der gleichzeitig eine hohe Toleranz bis zum Erreichen der Schmerzgrenze zeigt, liegt etwa bei 100 bis 6.000 Hz. Die Aufgabe des Hammers im Zusammenspiel mit den übrigen beiden Gehörknöchelchen besteht aber nicht nur in der möglichst wirklichkeitsgetreuen Übertragung der Schallwellen, sondern auch in einem Schutz der Sinneszellen im Innenohr vor Überlastung. Das bedeutet, dass die Schallübertragung durch reflexartige Anspannung der winzigen Innenohrmuskeln gedämpft werden kann und so die Sinneszellen schützt.

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Krankheiten

Die häufigsten Beschwerden im Zusammenhang mit der Schwingungsaufnahme durch den Hammer und der Weiterleitung der Schwingungen werden durch entzündliche Prozesse im Mittelohr verursacht. Die Entzündungen können unbehandelt zu sklerotischen Veränderungen der Gehörknöchelchen führen, die mit einer Funktionsminderung verbunden sind und eine entsprechende Hörminderung durch Schallleitungsprobleme bedingen.

Entzündliche Prozesse im Mittelohr führen häufig zu einem Paukenerguss, einer Ansammlung von seröser, schleimiger, blutiger oder eitriger Flüssigkeit in der Paukenhöhle. Auch der Paukenerguss ist normalerweise von Hörminderungen begleitet, weil die Schallleitungskette Trommelfell, Gehörknöchelchen in ihrer Funktion beeinträchtigt ist. Falls sich die Beschwerden im nicht-chronischen Stadium befinden, können sie sich von selbst wieder zurückbilden, wenn die Ursache, des Paukenergusses, erfolgreich behandelt wurde.

Interessanterweise kommt es zu einer Überempfindlichkeit des Gehörs, wenn der Nervus trigenimus, der 5. Gehirnnerv funktional beeinträchtigt ist, weil ein Seitenast des Nervs den Musculus tensor tympani (Trommelfellstraffer) innerviert. Der Muskel kann dann nicht mehr auf (zu) laute Geräusche reagieren, so dass die Schutzfunktion der Geräuschabdämmung durch Verminderung des Wirkungsgrades der Schallübertragung ausfällt.

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