Hüftarthroskopie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Eine Arthroskopie des Hüftgelenks gewinnt in der Orthopädie zunehmend an Bedeutung, nachdem Spiegelungen beim Knie-, Schulter- und Sprunggelenk schon länger Standard sind. Vielfach kann dadurch das Einsetzen eines künstlichen Gelenks vermieden oder zumindest hinausgeschoben werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Hüftarthroskopie?

Die Hüftarthroskopie ist eine Spiegelung des Hüftgelenks und gehört zu den minimalinvasiven Schlüssellochoperationstechniken. Bei der Hüftarthroskopie werden über kleine Schnitte spezielle Miniinstrumente in das Hüftgelenk eingeführt, um die Ursachen einer Arthrose rechtzeitig erkennen und beheben zu können, bevor es zu einer Versteifung des Gelenks kommt.

Die Hüftarthroskopie ist damit ein prophylaktisches Verfahren zur Erhaltung des Hüftgelenks und bietet den Vorteil, gleichzeitige Untersuchungs- und Therapieverfahren zu sein. Um die Arthrose aufhalten zu können, ist eine frühzeitige Diagnose wichtig, denn nur wenn der Verschleiß noch nicht fortgeschritten ist, kommt sie als Operationsverfahren überhaupt in Frage.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Hüftarthroskopie wird bei Verletzungen und Verschleiß an der Hüfte meistens durchgeführt, wenn konservative Behandlungsverfahren nicht helfen und andere Diagnostikverfahren wie Röntgenaufnahmen, MRT und CT nicht aussagekräftig genug sind.

Ein erfahrener Behandler kann meistens schon auf einem Röntgenbild verschleißbedingte Knochenveränderungen erkennen, die das Hüftgelenk einklemmen und es durch Abrieb verschleißen. Diese Einklemmung wird im medizinischen Fachjargon als Impingement bezeichnet. Es gibt zwei Ausprägungen eines Hüft-Impingements:

Beim Pincer- oder Beißzangen-Impingement sitzt der Hüftkopf besonders tief in der Hüftpfanne und prallt bei Bewegungen des Körpers regelmäßig auf den Hüftpfannenrand. Dadurch nimmt der Knorpel Schaden und das Gelenk lässt sich nur noch unter Schmerzen bewegen.

Beim Cam- oder Nockenwellen-Impingement hat der Hüftkopf, der normalerweise schmaler zulaufend in den Schenkelhals übergeht, eine Wölbung, die bei intensiven Bewegungen an die Hüftpfanne stößt und sie verletzt.

Beide Formen können durch die Hüftarthroskopie erfolgreich behandelt werden und die Funktion des Gelenks wiederherstellen. Eine Hüftspiegelung wird grundsätzlich stationär und meistens in Vollnarkose durchgeführt, weil das Bein für diese Untersuchung ca. 1 - 2 cm auseinandergezogen werden muss, um eine ausreichende Sicht auf das Gelenk zu haben. Der Patient wird dafür auf einem Extensionstisch gelagert und die Spiegelung in Seiten- oder Rückenlage durchgeführt. Ein spezielles Arthroskop wird über einen kleinen Schnitt in das Gelenk eingeführt, während ein Video alle Operationsschritte dokumentiert.

Bei der Hüftarthroskopie werden über kleine Schnitte spezielle Miniinstrumente in das Hüftgelenk eingeführt, um die Ursachen einer Arthrose rechtzeitig erkennen und beheben zu können.

Über weitere kleine Schnitte können bei Bedarf weitere Arthroskopie-Instrumente zur Gewebeentfernung und Knochenabtragung eingeführt werden. Die Patienten müssen nach dem Eingriff noch 2 bis 3 Tage im Krankenhaus bleiben, weil Bein und Hüfte schonend gelagert werden müssen. Erst nach ca. 2 weitere Wochen darf das Bein wieder voll belastet werden. Durch begleitende Physiotherapie kann die Beweglichkeit nach dem Eingriff gefördert werden.

Da die Hüftarthroskopie ein technisch aufwändiges Verfahren ist und ein gut geschultes Personal erfordert, haben sich nur wenige medizinische Zentren auf die Hüftspiegelung spezialisiert. Sie eignet sich vorrangig für sportliche Menschen, bei denen der Verschleiß nicht fortgeschritten ist. Das Ziel einer Hüftarthroskopie ist, die volle Bewegungfähigkeit des Gelenkes wiederherzustellen und dadurch ein künstliches Hüftgelenk zu vermeiden. Sie ist eine gutes Verfahren, um degenerative Veränderungen am Hüftgelenk aufzuhalten, aber das gelingt nur bei einer frühzeitigen Diagnostik und Behandlung.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Auch wenn die Hüftarthroskopie in den letzten Jahren neben der langzeitetablierten Endoprothetik zunehmend an Bedeutung gewinnt und minimalinvasive Operationsverfahren generell als schonender gelten, müssen bei dieser Operationstechnik Risiken und Nutzen sorgsam abgewogen werden. In der Euphorie, um ein künstliches Hüftgelenk herumzukommen, lassen sich Patienten häufig auf eine Hüftspiegelung ein, ohne ausreichend die Risiken und Nebenwirkungen zu kennen.

Gerade der Zug am Bein, der notwendig ist, um die Sicht auf das Gelenk freizulegen, birgt ein nicht zu unterschätzendes Risiko, weil dadurch Nerven geschädigt werden können. Bei manchen Patienten tritt nach der Hüftspiegelung eine vorübergehende Taubheit des Oberschenkels auf, bei anderen kommt es zu Lähmungserscheinungen oder andauernden Taubheitsgefühlen im Bein und es gibt sogar Fälle, bei denen es zum Bruch am Oberschenkelhals gekommen ist. Bei vielen Patienten bleiben Beschwerden zurück.

Die Hüftarthroskopie wird erst seit einigen Jahren praktiziert und es fehlt an Langzeitstudien, ob sie wirklich geeignet ist, eine Arthrose auf Dauer zu verbessern und ein künstliches Hüftgelenk zu umgehen. In den Langzeiterfahrungen der Arthroskopie am Kniegelenk konnte nicht der Nachweis erbracht werden, durch den Eingriff eine dauerhafte Verbesserung zu erreichen. Und man muss dabei bedenken, dass das Kniegelenk bei einer Arthroskopie viel leichter zu erreichen ist als das Hüftgelenk.

Deshalb sollten Mediziner genau prüfen, für welche Patienten eine Arthroskopie wirklich eine Verbesserung erreicht, und diesen auch die Risiken erläutern. Sie ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, bei denen man vorher detailliert einschätzen kann, welche Beschwerden verbessert werden können. Bei einer Arthrose, die regelmäßig bei Bewegungen Schmerzen verursacht, ist nach wie vor ein künstliches Hüftgelenk die sinvollere Wahl.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Hüftarthroskopie, wenn Risiken und Nutzen abgewogen werden, eine echte Alternative für Patienten mit Hüftbeschwerden sein kann, bei denen konservative Therapien nicht ausreichend helfen, aber auch noch kein fortgeschrittener Verschleiß eingetreten ist.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Debrunner, A.M.: Orthopädie/Orthopädische Chirurgie. Huber, Bern, 2005
  • Wirth, C.J. et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2013

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