Hörschnecke

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. November 2016
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Damit wir Töne hören können, ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Bereiche des Innenohres notwendig. Die Hörschnecke (Cochlea) ist dabei die Schaltstelle zum Gehirn.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Hörschnecke?

Die Hörschnecke (Cochlea) ist das eigentliche Hörorgan im Innenohr. Sie besteht aus besonderen Haarsinneszellen. Wenn ein Schall auf diese Sinneszellen trifft, geraten sie in Bewegung und die Sinneszellen wandeln die mechanischen Reize in elektrische Signale um, die über den Hörnerv ans Gehirn übertragen werden. Weil sie aussieht wie eine Schnecke, die sich in ihr Haus zurückgezogen hat, trägt sie die Bezeichnung "Hörschnecke".

Anatomie & Aufbau

Die Hörschnecke ist schneckenförmig in zweieinhalb Windungen aufgebaut und liegt von Knochen umgeben im Felsenbein. In ihr befinden sich drei röhrenförmig übereinander liegende, mit Flüssigkeit gefüllte Gänge:

  • Vorhoftreppe (Scala vestibuli)
  • Schneckengang (Scala media)
  • Paukentreppe (Scala tympani)

Diese Gänge sind durch feine Membranen getrennt. Der Basisbereich der Hörschnecke liegt direkt hinter dem Mittelohr mit den Gehörknöchelchen und ist durch zwei Membranen (ovales und rundes Fenster) vom Mittelohr abgegrenzt. Der Fuß des Steigbügels ist beweglich mit dem ovalen Fenster verbunden. Dahinter liegt die Vorhoftreppe, die über die Reissnermembran in den Schneckengang übergeht, wo das eigentliche Hörorgan, das Contiorgan (benannt nach dem italienischen Anatomen Alfredo Conti) mit seinen feinen Haarzellen sitzt.

Der Schneckengang mündet über die Basiliarmembran in die Paukentreppe. In der Schneckenspitze werden Vorhoftreppe und Paukentreppe im Schneckenloch zusammengeührt. Beide enthalten eine klare Flüssigkeit (Perilymphe), während der Schneckengang eine andere Flüssigkeit enthält (Endolymphe). Im Conti-Organ befinden sich innere und äußere Haarzellen mit unterschiedlichen Aufgaben. Für die Übertragung der Schallsignale ans Gehirn sind die inneren Haarzellen zuständig.

Funktion & Aufgaben

Beim Hören werden zunächst Schallwellen über den Gehörgang zum Trommelfell weitergeleitet, das durch die Schallwellen anfängt zu schwingen. Dadurch setzt es die drei Gehörknöchelchen im Mittelohr (Hammer, Amboss, Steigbügel) in Bewegung.

Über einen flüssigkeitsgefüllten Schlauch werden die Schallwellen in das knöcherne Gehäuse des Innenohrs übertragen in das eigentliche Hörorgan, die Hörschnecke. Dieses schneckenförmige mit Flüssigkeit gefüllte Gebilde leitet die Schwingungen an das obere Ende der feinen Sinneszellen weiter, wo sie zu Nervenimpulsen umgewandelt und ans Gehirn weitergeleitet werden. Diese Impulse nehmen wir als Töne wahr.

Damit ist die Hörschnecke die wichtigste Schnittstelle zum Gehirn. Wenn nur einige dieser feinen Zellen beschädigt sind, wird ein unkontrollierter Strom an Nervenimpulsen empfangen und gesendet wie Ohrgeräusche beim Tinnitus.

Krankheiten

Es gibt verschiedene Erkrankungen des Innenohres, bei dem die Hörschnecke beteiligt sein kann. Eine Ursache kann Stress sein. Wir sind täglich einer gewissen Lärmbelastung ausgesetzt und müssen oft unter psychischem Druck arbeiten. Dieser Stress überträgt sich auf das Innenohr und kann zu Ohrgeräuschen (Tinnitus) und sogar zu einem Hörsturz führen.

Betroffene hören dann plötzlich auf einem Ohr nicht mehr richtig und können Ohrgeräusche und einem Druck auf dem betroffenen Ohr wahrnehmen. Der Hörsturz wird gern als Stresskrankheit angesehen, aber Fachleute sind sich nicht ganz einig, ob auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Gefäßprobleme, Entzündungen, Autoimmunreaktionen werden neben psychischen Gründen werden als mögliche Auslöser gesehen. Auch ein Tumor am Gehörnerv kann eine seltene Ursache sein. Ein wesentliche Problem für die Hörschnecke ist Lärmbelastung.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein einmaliges Ereignis wie heftiges Knalltrauma oder eine anhaltende Lärmbelastung handelt. Die empfindlichen Haarzellen im Hörorgan schützen sich vor hoher Lautstärke, indem sie ihre Aktivität zurückschrauben, sich quasi "taub stellen". Sie können sich zwar mehrfach wieder erholen, aber wenn immer wieder laute Geräusche auf das Ohr eindringen, kann das zu einer chronischen Schwerhörigkeit führen. Bei einer Altersschwerhörigkeit lässt das Gehör im Alter nach. Es sind aber nicht alle Menschen betroffen, manche hören auch im Alter noch gut. Ob es sich dabei um Durchblutungsstörungen, Ablagerungen im Ohr, veränderte Bindegewebsstrukturen oder Alterungsprozesse des Gehirns, familiäre Veranlagungen oder schädliche Einflüsse im Laufe des Lebens handelt, ist nicht klar.

Eine Altersschwerhörigkeit gehört aber zu den typischen Problemen des Hörorgans. Es sind dann beide Bereiche der Haarzellen betroffen. Sowohl die Schallempfindung als auch die Schallleitung kann gestört sein. Auch Infektionskrankheiten können eine Rolle spielen. Eine Mittelohrentzündung kann sich auf das Innenohr ausweiten und dort bleibende Hörschäden verursachen.

Hirnhautentzündung, Masern, Mumps, Röteln und Gürtelrose können zu Hörstörungen führen. Die Entzündungen greifen die Hörzellen in einem oder beiden Ohren an und können bleibende Schäden verursachen. Bei Verdacht auf eine Entzündung des Innenohrs sollte deshalb schnell ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden. Eine seltenere Erkrankung, bei der auch das Hörorgan betroffen sein kann, ist Morbus Menière, bei der die Ursachen nicht eindeutig geklärt sind.

Fachleute vermuten Flüssigkeitsansammlungen im Hör- und Gleichgewichtsorgan, die zu einer Druckerhöhung in beiden Bereichen des Innenohrs führen, und die Sinneszellen beeinträchtigen. Es ist auch möglich, dass sich durch einen Membranriss die unterschiedlichen Flüssigkeiten in der Hörschnecke mischen. Bei Morbus Menière treten Schwerhörigkeit und Schwindel gleichermaßen auf, was für Betroffene zu einem sozialen Rückzug führen kann.

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