Höhenkrankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. August 2017
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Unter Höhenkrankheit werden mehrere gemeinsam auftretende Symptome beschrieben, die in großen Höhen auftreten. Sie entsteht, wenn die körperlichen Anpassungsmechanismen an die Höhe versagen, zum Beispiel durch einen zu schnellen Aufstieg. Die Therapie besteht in einem Abstieg.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Höhenkrankheit?

Die Höhenkrankheit tritt bei Menschen auf, die in großen Höhen leben oder sich in große Höhen über 2000 Meter begeben. Durch einen zu schnellen Aufstieg und den damit verbundenen Sauerstoffmangel im Gehirn leidet der Betroffene unter vielseitigen Symptomen wie Leistungsverlust, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Atembeschwerden, Schwindel, Tinnitus und Schlafstörungen.

Auch eine verminderte Nierenfunktion ist möglich und führt zu einem erhöhten Salzgehalt im Körper. Man unterscheidet je nach Schweregrad die leichte und die schwere Form der Höhenkrankheit, bei welcher zusätzlich zu den oben geschilderten Symptomen ein lebensbedrohliches Ödem in Gehirn und/oder Lunge auftritt.

Interessant ist, dass sich der Körper an das Leben in Höhen über 2500 Metern anpassen kann: Während viele Andenbewohner unter der Höhenkrankheit leiden, haben Tibeter eine genetisch verlangte erhöhte Atemfrequenz, die als Schutz vor der Höhenkrankheit wirkt.

Ursachen

Die Ursache der Höhenkrankheit liegt darin, dass sich mit zunehmender Höhe der Luftdruck so verändert, dass die Lunge weniger Sauerstoff erhält. Zusätzlich kommt es durch die starke Anstrengung in diesen Höhen zu einem erhöhten Blutdruck, so dass Flüssigkeit in die Lungen gepresst wird.

Das Zusammenspiel dieser Faktoren bewirkt die Sauerstoffunterversorgung des Körpers. Dieser reagiert mit einer reflektorischen Hyperventilation, es wird verstärkt CO2 ausgestoßen. Es kommt zur Übersauerung des Blutes mit den ersten Symptomen der Höhenkrankheit und unbehandelt zu einer akuten schweren Höhenkrankheit mit Ödemen und Lebensgefahr.

Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Entstehung der Höhenkrankheit, darunter die frühere Erkrankung, Überanstrengung, ein zu schneller Aufstieg, die unzureichende Flüssigkeitsaufnahme und die Schwächung des Körpers durch Alkohol, Infekte oder Schlafmittel und Drogen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Da die Symptome in der Regel bei einem Abstieg zurückgehen, ist der Patient auf Selbstdiagnose und die Beobachtung durch seine Begleiter angewiesen. Die ersten Symptome treten bis zu 24 Stunden vor Eintreten von Hirn- und Lungenödem auf, so dass ausreichend Zeit für einen kontrollierten Abstieg, die wichtigste Gegenmaßnahme, bleibt.

Anzeichen einer leichten Höhenkrankheit sind Kopfschmerzen, die zusammen mit einem der oben beschriebenen Symptome auftreten. Leidet der Betroffene bereits unter der schweren Form der Höhenkrankheit mit Gehirnödem, so ist das wichtigste Indiz eine Störung der Bewegungskoordination. Es müssen sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um lebensbedrohliche Verläufe auszuschließen und den tödlichen Verlauf der Höhenkrankheit abzuwenden.

Komplikationen

Bei der Höhenkrankheit kommt es immer dann zu Beschwerden und Komplikationen, wenn sich der Patient in einer großen Höhe befindet und der Körper sich an die Eigenschaften der Umgebung nicht anpassen kann. In den meisten Fällen kommt es dabei zu Übelkeit und Kopfschmerzen, oft tritt auch eine Atemnot ein. Durch die Atemnot kommt es nicht selten zu einer Panikattacke.

Weiterhin kann es zu Herzrasen und zu einer Appetitlosigkeit kommen. Der Betroffene ist nicht mehr stark belastbar und kann auch selbst keine besonderen körperlichen Anstrengungen unternehmen. Es können auch Schlafstörungen auftreten, die zu einer erhöhten Müdigkeit führen. In schwerwiegenden Fällen kommt es zu Störungen der Koordination und zu Bewusstseinsstörungen.

Durch Beschwerden am Gehirn oder an der Lunge kann es dabei im schlimmsten Falle auch zum Tode des Patienten kommen. In der Regel kann die Höhenkrankheit nicht direkt behandelt werden, sodass beim Auftreten der Symptome gegebenenfalls ein Abstieg notwendig ist. Oft hilft auch ein sehr langsamer Anstieg, damit sich der Betroffene an die neuen Bedingungen gewöhnen kann. Hierbei kommt es in der Regel zu keinen weiteren Komplikationen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Höhenkrankheit besteht im sofortigen kontrollierten Abstieg zum nächsten erreichbaren Rastplatz und mindestens einer Übernachtung an diesem Ort, um dem Körper eine ausreichend lange Ruhepause zu gewähren. Der Abstieg muss unverzüglich eingeleitet werden, gegebenenfalls also auch nachts. Es ist grundsätzlich besser, auf Verdacht die Höhenkrankheit zu behandeln als auf der erreichten Höhe zu bleiben oder gar noch höher zu gehen.

In manchen Fällen reicht die Erholung aus und der Aufstieg kann langsam fortgesetzt werden. Bestehen die Symptome aber weiterhin, so ist der zügige Abstieg auf ungefährliche Höhen unter 2500 Metern die richtige Entscheidung. Bei einem Lungenödem mit Husten, Bewusstlosigkeit und Bewusstseinsstörungen besteht akute Lebensgefahr und die erkrankte Person muss schnellstmöglich beatmet, in einem Überdrucksack untergebracht und aus der Höhe gebracht werden. Ist ein Transport durch die Begleiter nicht möglich, so ist sofort die Bergrettung zu verständigen.

Zwar gibt es bei schwerer Höhenkrankeit die Möglichkeit der Akutbehandlung mit Dexamethason, dieses darf jedoch auf keinen Fall dazu genutzt werden, den Aufstieg fortzusetzen und ist nur als Sofortmaßnahme gedacht.

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Vorbeugung

Die Höhenkrankheit kann unabhängig von der körperlichen Verfassung eintreten, mit der Einhaltung einiger Grundregeln lässt sich ihr Risiko jedoch minimieren: Auf vollständige körperliche Gesundheit, ausreichende Schonung, langsame Akklimatisierung und die Vermeidung unnötiger Anstrengungen sollte geachtet werden. Der Verzicht auf Alkohol, Drogen und Medikamente und die ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind unverzichtbare Maßnahmen.

Das können Sie selbst tun

Menschen, die unter der Höhenkrankheit leiden, sollten stets einen Höhenmesser bei sich tragen. In vielen Autos ist er bereits fest ins das Bordsystem integriert und kann jederzeit mit aktuellen Daten abgerufen werden. Dennoch empfiehlt es sich, zusätzlich ein mobiles Gerät bei sich zu haben, das am Körper getragen werden kann und ebenfalls in Echtzeit die Höhe misst. Bei den ersten Symptomen der Höhenkrankheit ist die aktuelle Position zu überprüfen, in der sich der Betroffene befindet. Schnellstmöglich ist eine Rückkehr zu einer weit geringeren Höhe einzuleiten und dort auf eine Besserung der Beschwerden zu warten.

Da die Höhenkrankheit fließend in einen lebensbedrohlichen Zustand übergehen kann, sind unnötigen Risiken zu vermeiden. Ein Arzt muss gerufen werden, wenn sich die Symptome verschlechtern oder es zu einer Benommenheit kommt. Der Aufenthalt in höher gelegenen Gebieten sollte gut überlegt und geplant sein. Nach Möglichkeit ist er zu vermeiden.

Betroffene sowie nahe Angehörige sollten sich umfassend über die Krankheit, die Symptome und die daraus resultierenden Folgen informieren. Spontane Bergtouren sollten unterlassen werden. Häufig kann sich der Organismus langsam an bestimmte Höhen anpassen. Daher sind bei einem notwendigen Aufenthalt in bestimmten Höhen mehrere Tage oder Wochen Zeit einzuplanen, in der nur schrittweise ein Aufstieg stattfindet.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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