Höhenangst

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. August 2017
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Angst und vor allem Höhenangst können aber auch derartige Panikattacken auslösen, dass es den Menschen massiv in seinem Leben und seiner Freizeitgestaltung beeinträchtigt. Höhenangst kann demnach krankhaft sein.

Inhaltsverzeichnis

Definition Höhenangst

Den meisten Menschen bereitet es ein mulmiges Gefühl, sich in großer Höhe aufzuhalten. Der Blick aus dem Fenster eines Hochhauses oder das Besteigen von Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm in Paris ist mit Respekt vor der Höhe verbunden, eine gewisse angeborene Vorsicht bringt uns Menschen dazu, uns umsichtig zu verhalten, um unser Leben nicht zu gefährden.

Höhenangst lässt sich nicht in Zentimetern oder Metern definieren, die Angstgeplagten pauschal Probleme bereiten. Höhenangst ist vielmehr individuell. Während dem einen der Blick aus dem dritten Stock Bauchschmerz und Angstzustände bereitet, kann ein anderer bereits regelrechte Panikattacken durch das Besteigen einer Leiter erleiden.

Personen mit Höhenangst haben meist Panik, sie könnten zu Boden stürzen, der scheinbare Kontrollverlust über die Situation macht ihnen zu schaffen. Das Vertrauen in bauliche Sicherheitsvorkehrungen, wie Geländer oder dickes Fensterglas, schwindet schlagartig, die Person fühlt sich ihrer Angst ausgeliefert.

Ursachen

Die Ursachen für Höhenangst können vielfältig sein. Meist liegt die Ursache in traumatischen Erlebnissen in der früheren Geschichte, zum Beispiel in der Kindheit oder schlichtweg in der Angst vor Höhe als ungewohntes Ereignis, weil man nie zuvor mit großer Höhe konfrontiert war.

Die neue Situation kann ängstlichen, unsicheren Menschen so sehr zu schaffen machen, dass sich daraus resultierend eine Höhenangst entwickeln.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Symptome der Höhenangst äußern sich ebenso individuell, grundsätzlich decken sie sich jedoch mit allen nennenswerten Symptomen anderer Neurosen oder Angstzuständen, wie zum Beispiel Klaustrophobie (Angst in engen Räumlichkeiten), Agoraphobie (Platzangst) oder Arachnophobie (Angst vor Spinnen).

Mit leichtem Anstieg der Höhe, zum Beispiel beim Hinaufsteigen einer Treppe in ein sehr hohes Stockwerk, zeigen sich erste nervöse Erscheinungen wie Schwitzen, erschwertes Atmen, Pulssteigerung (Tachykardie) und/oder innere Unruhe.

Es kann auch zu Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen oder ähnlichen psychosomatischen Erscheinungen kommen. Je größer das Gefühl der akuten Bedrohung wird, umso heftiger beginnt die Angst, sich zu äußern. Die Stresssituation kann bis hin zu regelrechten Weinkrämpfen und Schreianfällen, aggressivem Verhalten, aber auch zur kurzfristig eintretenden Ohnmacht führen.

Komplikationen

In der Regel führt die Höhenangst selbst nicht zu besonderen Komplikationen oder gefährlichen gesundheitlichen Zuständen. Die Lebenserwartung wird durch diese Krankheit nicht eingeschränkt. Allerdings kann sich die Höhenangst negativ auf die Psyche des Betroffenen auswirken, sodass viele Patienten an Minderwertigkeitskomplexen und an einem verringerten Selbstwertgefühl leiden.

Vor allem bei Kindern kann es durch die Höhenangst zu einem sozialen Ausschluss, zu Hänseleien oder zu Mobbing kommen. Die Lebensqualität des Patienten ist in solchen Situationen stark verringert. Gegebenenfalls sind für den Patienten bestimmte Tätigkeiten oder Arbeiten nicht möglich, wobei auch das Fliegen im Flugzeug von der Höhenangst betroffen sein kann.

Daraus ergeben sich relativ große Einschränkungen im Alltag. Falls sich der Patient allerdings nicht in große Höhe begibt, kommt es auch nicht zu weiteren Komplikationen. Die Höhenangst äußert sich in der Regel in Atembeschwerden und einer erhöhten Herzfrequenz. Der Betroffene kann dabei auch das Bewusstsein verlieren und sich gegebenenfalls bei einem Sturz verletzen. Eine direkte Behandlung der Höhenangst ist nicht möglich, wobei mit Therapien die Beschwerden eingeschränkt werden können. Aus diesem Grund treten dabei auch keine weiteren Komplikationen auf.

Behandlung & Therapie

Angstpatienten bzw. Personen mit Höhenangst sollten in keinem Fall dazu gezwungen werden, sich ihrer Angst zu stellen, außer es handelt sich um geschultes Fachpersonal, das die Angstsituation gezielt zum Bestandteil der Therapie macht.

Meist ist der einzige Ausweg aus der Höhenangst die Therapie, psychologische Maßnahmen können dem "Kranken" helfen, sich von seiner ihn einschränkenden Angst zu lösen. Wesentliche Säulen der Höhenangst-Therapie bzw. generell der Behandlung von Angstneurosen sind zum einen, herauszufinden, woher die Angst rührt und ob es ein konkretes Ereignis in der Vorgeschichte gegeben hat, das die Angst auslöst.

Zum anderen wird die Angst dann Schritt für Schritt angegangen, indem der Therapeut den Ängstlichen in die Angst begleitet. Zunächst wird in Etappen versucht, die Höhe, mit der sich der zu Therapierende auseinandersetzen muss, zu steigern. Eventuell wird der Therapeut den Patienten mit einer Leiter konfrontieren und behutsam eruieren und reflektieren, was im Patienten in seiner beginnenden Angst vorgeht. Der Therapeut steigert dieses Vorhaben meist langsam, bis der gewünschte Erfolg eintritt.

Diese Vorgehensweise der Konfrontationstherapie ist Teil des klassischen psychologischen Modells, wie sie in verhaltenspsychologischen Therapieansätzen Anwendung findet. Selbstverständlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Modelle. Hypnose, Akupunktur oder andere Anwendungen der Traditionellen Chinesischen Medizin finden hier großen Anklang. Auch die Homöopathie verspricht unter Anwendung der korrekten Mittel langfristige Besserung. Wieder andere schwören auf Maßnahmen wie Yoga oder Meditation zur Steigerung des Selbstbewusstseins.

Wichtig ist in erster Linie für den Angstpatienten, festzustellen, dass er Hilfe annehmen möchte. Ohne die Compliance (Bereitschaft zur Mitarbeit) des Patienten, ist eine Therapie der Höhenangst nicht möglich. Welche Therapieform die passende ist, kann allein der Patient herausfinden. Womöglich muss der Patient viele Ansätze und Maßnahmen ausprobieren, bis er für sich entscheidet, dass ihm geholfen werden kann.

Längst nicht jede Höhenangst muss therapiert werden. Viele Menschen leben damit und fühlen sich nicht maßgeblich dadurch beeinträchtigt. Wenn die Angst allerdings eine Einschränkung der Lebensqualität mit sich zieht und von der Person selbst als belastend empfunden wird, ist eine Behandlung unbedingt angeraten.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen die Höhenangst gibt es kaum, allerdings kann in jungen Jahren eine gewissen Vorbeugung durch die Eltern stattfinden, indem sie ihr Kind an Höhen gewöhnen und aufzeigen, dass entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind. Werden diese eingehalten, ist die Höhe in der Regel nicht gefährlich.

Das können Sie selbst tun

Betroffene zeigen in vielen Fällen ein zunehmendes Vermeidungsverhalten bei Höhenangst. Dieses steigt über ein längeres Zeitfenster meist schleichend an. Wissenschaftlich mehrfach bewiesen ist jedoch, dass es hilfreich ist, sich der Angst zu stellen. Dies kann auf verschiedenen Wegen, kognitiv wie auch physisch erfolgen. Um Unsicherheiten zu vermeiden, sollte die Zusammenarbeit mit einem Therapeuten oder Psychologen stattfinden. Dies ermöglicht dem Ängstlichen, positive Erfahrungen zu sammeln und neue Informationen zu erhalten.

Waghalsige Situationen im Alleingang sind grundsätzlich zu vermeiden, da sie zu einer Verstärkung der Angst führen können. Ein Weglaufen oder zu frühes Abbrechen eines Aufenthaltes in einer höheren Position führt ebenfalls zu einer Verstärkung der bereits vorhandenen Angst. Daher ist der Moment abzuwarten, in dem realisiert wird, dass nach der Angst die Habituation, die Gewöhnung und anschließend die Entspannung eintreten. Die Gefahr eines Kreislaufkollaps oder der Verlust des Bewusstseins treten aus physiologischen Gründen in diesen Situationen nicht auf.

Um nicht allein zu sein, kann der Betroffene einen Menschen seines Vertrauens bitten, mit ihm gemeinsam Situationen aufzusuchen, die für ihn angstauslösend sind. Dafür genügen der Besuch auf einem Hochhaus oder ein gesichertes Dach eines Hauses. Es sollten Situationen aus dem Alltag aufgesucht werden, damit ein realistischer Bezug zur Lebensführung des Betroffenen existiert.

Bücher über Höhenangst

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Morschitzky, H.: Angststörungen – Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Springer, Wien 2009

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